Torrentfreak: Der große E-Lese-Leak passiert heute abend – 43.000 Titel werden „freigelassen“

Das komplette Archiv von TorBoox wird am heutigen Sonntag abend im Internet verbreitet, berichtet der auf BitTorrents und Filesharing spezialiserte Blog „Torrentfreak“. Starten wird diese in der Warez-Community bisher einmalige Aktion Szeneinsidern zufolge mit einer Ankündigung auf einem einschlägigen Forum. Der ehemalige TorBoox-Pressesprecher Spiegelbest bestätigte inzwischen in einer E-Mail an E-Book-News, dass es sich beim TorBoox-Archiv um insgesamt 43.000 Titel handelt: „Es sind nicht ganz 40 Gigabyte. Tausend epubs sind etwa 1 Gigabyte, kann man rechnen. Auf eine DVD geht es wohl nicht drauf, aber auf jeden etwas größeren Weihnachtsstick“. Trotz der etwas unhandlichen Größe dürfte ein geleaktes Archiv in der Warez-Szene rasch Verbreitung finden, schätzt Spiegelbest: „Es wird ein heftiges Gerangel mit den Abusern [d.h. Copyrightinhabern, die gegen den Missbrauch (=Abuse) vorgehen] geben, aber da TorrentFreak die Meldung gebracht hat, wird die internationale Szene sich das Archiv greifen, und ab da ist Abuse [d.h. die Abuse-Meldung] sinnlos geworden“. [Update 4.11.: Das TorBoox-Archiv ist am Sonntag abend zumindest kurzfristig als Download-Link auf Plattformen wie mygulli.com odr lesen.to aufgetaucht und den Kommentaren zufolge von einigen Nutzern heruntergeladen worden]

Wer ist für den Leak verantwortlich?

Wer jedoch für den Leak verantwortlich ist, bleibt unklar: während die verbliebenen TorBoox-Betreiber Spiegelbest beschuldigen, weist ihr ehemaliger Pressesprecher jede Schuld von sich (siehe den E-Book-News-Bericht dazu). Hintergrund des größten E-Lese-Leaks der E-Book-Geschichte ist aber wohl ein TorBoox-interner Streit über die zukünftige Ausrichtung der Plattform. Auf den zunehmenden Traffic reagierte die Piraten-Plattform kürzlich mit der Einführung einer Flatrate-Gebühr – die trotz starkem Nutzerschwund noch sehr viel Geld einbrachte. Spiegelbest, ursprünglich vehementer Befürworter der Flatrate, zog dann offenbar die Notbremse: „Der Beitragseingang war immens. TorBoox dürfte jetzt knapp 10.000 zahlende Nutzer haben. Das sind 100.000 Euro (nach 2 Monaten), die in dunkle Kanäle abfließen. Im Prinzip läuft da nichts anderes mehr als das Eincashen von Paysafecards [anonyme Online-Zahlungsmethode für Kleinbeträge] in Richtung Bitcoin. Die Server kosten mal gerade 500 Euro pro Monat. Ich bin ausgestiegen, als mir klar wurde, was da läuft“.

Zahl der illegalen Flatrate-Angebote dürfte steigen

Erklärtes Ziel von TorBoox war es zwischenzeitlich, die Buchbranche nicht nur von der Notwendigkeit, sondern auch von der Machbarkeit eines legalen „Spotify für E-Books“ zu überzeugen – doch ein richtiger Dialog zwischen Börsenverein und Piraten kam nie zustande. Spiegelbest zufolge dürfte der E-Lese-Leak nun erstmal dazu führen, dass sich die Zahl illegaler Flatrate-Angebote speziell für E-Books vervielfacht: „Bisher war es immer so, dass die Betreiber über Werbung und Premium-Accounts ihr Geld bekommen haben. Jetzt treten sie direkt an den Kunden heran und kommen zu unendlich viel mehr Geld. Wenn man so will, werden viele kleine Firstloads entstehen“. Genau das könnte zwar als strategische Antwort der Buchbranche auch eine legale Flatrate für E-Books näherbringen – die aber zugleich unter schwierigeren Bedingungen arbeiten würde, glaubt Spiegelbest: „Am Ende wird der Börsenverein mit einem eigenen Flatrateangebot gegen zig illegale etablierte und extrem finanzstarke Flatrates antreten müssen“. Die Buchpiraten zu ignorieren sei insofern ein „Riesenfehler“ gewesen.

Abb.: Flickr/PinkFaireaDust (cc)

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

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