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Toots statt Tweets: Mastodon macht dem Zwitschervogel Konkurrenz — non-kommerziell, non-proprietär, dezentral

23 Aug 2018

Exhuming-the-First-American-MastodonEin Mastodont trampelt und trötet durch die Mikroblogging-Szene: immer mehr Nutzer probieren derzeit „Mastodon“ aus, eine Twitter-Alternative, die bereits seit 2016 am Start ist, entwickelt vom deutschen Programmierer Eugen Rochko. Statt Zwitschervogel kommuniziert die wachsende Community im Zeichen des Mammuts mit langen Stoßzähnen: wer einen Post abschickt, klickt auf „Tröt!“, ein Post heißt „Toot“, statt Retweet gibt es analog dazu „Retoots“. Anders als bei Twitter ist die Toot-Länge auch noch großzügiger: 500 Zeichen sind erlaubt.

Den grundsätzlichen Unterschied zu Twitter bemerkt man schon bei der Anmeldung: man bekommt nicht ein einfaches „Handle“ mit At-Zeichen, sondern eine E-Mail-ähnliche Adresse, in meinem Fall etwa „@ebooknews@social.wiuwiu.de“. Die Mikroblogging-Community ist nämlich dezentral organisiert, ähnlich den „Pods“ bei der freien Facebook-Alternative Diaspora kann jeder/jede auf dem eigenen Server eine Mastodon-„Instanz“ mit individueller Domain betreiben. Mastodon besteht somit insgesamt aus einer Föderation diverser Instanzen (manche sind auch nicht-öffentlich, denn ob man sich der Föderation anschließt oder nicht, können die Betreiber selbst entscheiden.)

Wer sich einen Mastodon-Account zulegen möchte, konsultiert am besten erstmal die Instanzen-Liste unter https://instances.social/, hier wird man in einem Auswahldialog durch mehrere Schritte geführt, von den bevorzugten Sprachen über die Größe der Instanz bis zu Content-Filterungs-Optionen. Inzwischen hat Mastodon weltweit schon mehr als eine Million Nutzer auf mehr als 1000 Instanzen — entsprechend dieser Struktur gibt es auch zwei Timelines — einmal die lokale, in meinem Fall social.wiuwiu.de, einmal die föderierte Timeline.

Das „Fediverse“ genannte Social Media Netzwerk reicht aber noch weiter — denn alle Dienste, die wie Mastodon auf dem ActivityPub-Standard basieren, können eingebunden werden, etwa Hubzilla, Pleroma, Prismo oder die Youtube-Alternative PeerTube. In diesem erweiterten Fediverse sind bereits etwa 2,5 Millionen Nutzer unterwegs, die Zahl der Instanzen (also Server) liegt bei mehr als 2.200. Weiterer Zuwachs ist zu erwarten, aber in größeren Dimensionen gar nicht notwendig, denn das schöne dabei ist ja: weil Mastodon & Co. nicht dem Interesse von Shareholdern verpflichtet sind, gibt es keinen Wachstums- und Monetarisierungszwang.

Abb.: Exhuming the First American Mastodon, 1806 painting by Charles Willson Peale, Public Domain