Tolinos neue Plattform für Selfpublisher nutzen – ein erster Eindruck

tolino-self-publishing-frontendDas für Selfpublisher wohl bedeutendste Ereignis der Woche oder sogar des Jahres ist die neue Selfpublishing-Plattform der Tolino-Allianz, zu finden unter www.tolino-media.de. Auf den ersten Blick macht die Plattform einen guten Eindruck, alles wirkt aufgeräumt und benutzerfreundlich, einige gute Ideen sind eingebaut. Will man ein neues E-Book hochladen, werden einem zwei Felder angeboten, in die man die Dateien nur hineinziehen muss. Eine ist für den Inhalt, als Formate sind Worddokumente und epub erlaubt, das andere Feld ist für das Cover im jpg-Format (unbedingt Mindestgröße beachten).

Upload mit Hindernissen

Mein erster Uploadversuch schlägt fehl, der zweite und dritte auch. Angeblich wird mein Format nicht erkannt. Da ich weiß, dass es bei Kollegen funktioniert, wechsle ich den Browser. Was bei Chrome nicht klappte, geht dann beim Internetexplorer mit der gleichen Datei problemlos. Allerdings nicht mit allen. Ein E-Book wird von der Plattform partout nicht akzeptiert, wobei es genauso entstanden ist wie die anderen Bücher: erstellt mit Jutoh, geprüft mit EpubCheck und für fehlerfrei befunden, und abschließend noch mit Calibre getestet. Als Meldung von Tolino bekomme ich, ich solle doch bitte ein valides epub hochladen. Mmh. Ich kann das Problem nur an den Support weiterreichen.

„Polizeiarbeit“ statt „Krimi“?

Auf der nächsten Seite werde ich bei den funktionierenden E-Books durch zahlreiche Felder geführt, die es auszufüllen gilt. Autor, Titel, Seitenzahl sind normale Angaben, die einfach nötig sind. Witzig ist, dass das sehr beliebte Genre Krimi mit Mystery zusammengefasst ist und man auch bei der späteren Auswahl nicht einfach Krimi ankreuzen kann. Ich wähle „Polizeiarbeit“, denn die anderen gefallen mir noch weniger. Ob die Leser nach diesen Genres suchen?

Autorenvita & Impressum automatisch erstellt

Schwierig bis problematisch sind auf dieser Seite die Felder zur Autorenvita und zum Impressum, denn sie sind Pflicht. Und sie werden im E-Book erscheinen. Der Gedanke dahinter mag sein, dass diese Angaben in einem guten E-Book nicht fehlen dürfen. Das wissen erfahrene Selfpublisher aber schon länger und haben diese Angaben in ihren E-Books bereits. Da man diese Felder aber ausfüllen muss und sie dann von der Tolino-Software ins E-Book eingearbeitet werden, werden sie dann dort doppelt sein. Sollte man seine eigenen vorher rausnehmen? Das ist erstens viel Arbeit und wirft ein bestehendes Inhaltsverzeichnis durcheinander, und zweitens kann ich in den Pflichtfeldern die Angaben kaum so machen, wie ich sie möglicherweise im Einzelfall brauche oder gerne hätte.

Was wird Tolino aus dem E-Book machen?

Das führt unmittelbar zum schwierigsten Problem: Wie wird das E-Book aussehen? Nachdem man alle Felder ausgefüllt hat, was ziemlich einfach geht, muss man noch einen Preis angeben und erhält eine Zusammenfassung seiner Angaben. Sind alle Dateien vorhanden und die Pflichtfelder ausgefüllt, darf man auf „Veröffentlichen“ klicken. Ab jetzt übernimmt Tolino. Nur, was macht Tolino daraus? Was werden die Leser sehen? Trotz intensiver Suche finde ich keine Möglichkeit, mein E-Book vor der Veröffentlichung testweise herunterzuladen und zu prüfen. Jeder, der bereits E-Books erstellt hat, weiß, wie wichtig das ist. Keine Software arbeitet perfekt, aber ein guter Selfpublisher möchte seinen Lesern Qualität abliefern.

Qualitätssicherung als Problem

Dieses Problem ist umso drängender, weil Tolino mein vorher von mir abgeliefertes epub verändert. Es werden Seiten hinzugefügt, aber an welche Stellen? Passt das da und wie sieht das dann aus? Zur Katastrophe kann die Angelegenheit werden, wenn man kein epub sondern eine Word-Datei hochgeladen hat. Für gewöhnlich ist eine Word-Datei so von sichtbaren und unsichtbaren Steuerzeichen durchsetzt, dass eine Konvertierung im ersten Wurf nicht gelingt. Und das dann blind zu wagen, ohne das Ergebnis kontrollieren und verbessern zu können, ist abenteuerlich. Vom Hochladen einer Word-Datei kann ich nur abraten. Auf dem Endprodukt, das der Leser dann vor Augen hat, steht nämlich der Name des Autors und nicht „Made bei Tolino“. Und kein Autor möchte wohl, dass die Leser schon beim äußeren Erscheinungsbild denken „Der kann das nicht.“

Hat man es gewagt, auf „Veröffentlichen“ zu klicken, kann man anhand der Statusmeldungen sehr schön verfolgen, wie weit der Veröffentlichungsprozess gediehen ist. Wenn sich das E-Book verkauft, kann man das in Statistiken nachvollziehen genauso wie das verdiente Honorar. Über die Qualität der Statistiken lässt sich von meiner Seite aus nichts sagen, denn so weit ist es noch nicht. Bis ein E-Book im Shop ist, dauert es ein paar Tage. Aber wenn das Honorar hoch genug ist, wird man da sicher über das eine oder andere hinwegsehen ☺

Fazit: Konzeptionelle Entscheidungen gefordert

Fazit: Die technischen Probleme beim Upload sind Kinderkrankheiten und werden demnächst behoben sein. Die konzeptionellen Probleme bei den Pflichtfeldern erfordern eine Entscheidung, was Tolino will. Will man die Selfpublisher zu ihrem Glück der vollständigen Angaben zwingen oder lässt man ihnen die Freiheit, alle notwendigen Angaben selbst einzubauen. Ich bin für das Letztere, denn gute Selfpublisher sind Profis, denen man nichts mehr zum Impressum sagen muss. Allen, die es noch nicht wissen, könnte man einen einfachen Leitfaden zum Erstellen eines guten E-Books zur Verfügung stellen. Ein absolutes Muss für eine Plattform mit Qualitätsanspruch ist eine herunterladbare Testversion des jeweiligen E-Books. Hier darf Tolino nicht hinter anderen Shops zurückstehen, denn spätestens, wenn die ersten Reaktionen kommen, weil die E-Books nicht so aussehen wie erwartet, kann schnell eine negative Stimmung hochkochen. Das wäre schade, denn eigentlich ist die neue Plattform sehr zu begrüßen, sowohl für die Autoren als auch die Leser. Schon jetzt sind gute Ideen erkennbar und wenn die Probleme behoben sind, kann die neue Tolinoplattform für Selfpublisher eine Menge in der Buchwelt bewegen und für Leser neue Welten öffnen. Dazu demnächst mehr.

Veröffentlicht von

Klaus Seibel

Klaus Seibel (Jahrgang 1959) studierte Theologie, arbeitete als Pastor, bildete sich in BWL weiter & ist Manager Professional Services eines Softwarehauses. Viele Leser kennen ihn als Autor von Bestseller-Romanen, die zum Teil via Self-Publishing erscheinen. (Siehe: www.kseibel.de) Für die Indie-Lounge auf E-Book-News präsentiert Klaus Seibel erfolgreiche, bekannte und besondere Autoren-Kollegen.