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Geht Self-Publishing K.O. durch K.U.? Kritik an Kindle Unlimited wächst

29 Dez 2014

„Was du auch tust, du wirst es bereuen“: die klassische Antwort auf existentielle Fragen scheint auch in punkto All-You-Can-Read zu passen, z.B. bei Kindle Unlimited: es kann Nachteile bringen, nicht dabei zu sein, z.B. in Punkto Reichweite und Discoverability, es kann aber gerade für erfolgreiche Self-PublisherInnen auch Nachteile bringen, sich den exklusiven Bedingungen von Amazon zu beugen. „To KU or not to KU: That is the Question“, brachte es Hugh Howey in seinem letzten „Author Earnings Report“ auf den Punkt. Und gab als Antwort die Einschätzung: „It may depend on whether you are just starting out and want the extra visibility, or perhaps you are now being sought out by readers on other platforms and need to diversify.“

Wichtigster Grund dafür: die ausgeliehenen E-Book-Titel generieren pro Exemplar nicht so viel Gewinn wie ein regulär verkauftes E-Book. Auch wenn die Zahl der Leser stark ansteigt, steigen die Erlöse im Durchschnitt vergleichsweise wenig – zuletzt sogar nur magere 12 Prozent, so der Author Earnings Report. Das kann in der Gesamtrechnung dann am Ende deutliche Verluste bedeuten, denn Amazon deckt auch in den USA nur zwei Drittel bis drei Viertel des E-Book-Marktes ab, auf den Rest müssen die KU-Autoren durch Amazons Exklusivitäts-Klausel verzichten.

Doch auch für prominente Autoren, die ohnehin vor allem auf Amazon setzen, scheint die Rechnung mit KU nicht immer aufzugehen. Die New York Times – also jene große US-Zeitung, die NICHT Jeff Bezos gehört – machte sich nun zum Sprachrohr der wachsenden Unzufriedenheit. “Six months ago people were quitting their day job, convinced they could make a career out of writing,” wird der erfolgreiche Sachbuch-Autor & E-Publishing-Experte Bob Mayer zitiert. “Now people are having to go back to that job or are scraping to get by. That’s how quickly things have changed.”

Manche ziehen denn auch die Konsequenzen und verlassen KU wieder – so etwa Herzschmerz-Autorin Holly Ward. Nach zwei Monaten seien ihre Einnahmen um 75 Prozent gefallen, berichtet sie gegenüber der NYT. Als Grund sieht Ward, die bereits mehr als 6 Mio. E-Books verkaufen konnte, die Ausschaltung des „Vielleser-Effektes“, der zuvor noch sehr viel Geld in das System gepumpt hätte – statt 100 Dollar pro Woche würden solche Leser nun eben nur noch eine niedrige Jahresgebühr entrichten: “The revenue is just lost. That doesn’t work well for Amazon or the writers.”

Andere Autoren bleiben dabei, verändern aber offenbar ihre Publishing-Strategien – die Zahl ihrer Titel wächst, die Textlänge schrumpft, etwa durch Aufteilung umfangreicherer Bücher in mehrere Teile, längerfristig angelegte Serialisierung oder ganz einfach das Veröffentlichen von Kurzgeschichten. Amazon selbst hat sich zur wachsenden Kritik an KU bisher nicht geäußert – scheint sie jedoch durchaus ernst zu nehmen: an erfolgreiche KU-Autoren werden mittlerweile zusätzliche „All-Star-Boni“ ausgeschüttet, die den Erlös pro Buch deutlich erhöhen.

Abb.: MCAD Library/Flickr (cc-by-2.0)