Tipp: „Vom Buch zum Byte – Kurze Geschichte des E-Books“ kostenlos im Kindle-Store

Nicht nur Bücher, auch E-Books haben eine Geschichte. Im Vergleich zur gesamten Gutenberg-Galaxis mögen knapp vierzig Jahre kurz erscheinen – doch immerhin: schon 1971 hämmerte Michael S. Hart den Text der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung in das Terminal eines Mainframe-Rechners. Mit dem Startschuss für das elektronische Lesen begann die Emanzipation der Literatur von der Druckerpresse – deren Geschichte man nachlesen kann in meinem Kindle-Book „Vom Buch zum Byte“. Zur Zeit sogar kostenlos – noch bis Mittwoch läuft eine Gratis-Aktion bei Amazon (regulärer Preis: 1,99 Euro). Über Amazons Print-On-Demand-Service „Createspace“ ist zudem eine knapp 94seitige Taschenbuch-Version lieferbar.

Der Traum von der universalen Bibliothek

Der Weg vom Buch zum Byte begann genau genommen schon ein paar Jahre vor Michael Hart. Deswegen startet meine Darstellung bereits im Jahr 1945, als der Ingenieur Vannevar Bush seinen berühmten Essay “As we may think” veröffentlicht hat. Darin wird eine universale Wissensmaschine namens “Memex” beschrieben – nicht nur ein Archetyp des Personal Computers, sondern durch die Idee der Verlinkung von Informationen auch der heilige Gral der Hypertext-Historiker. Auf Memex folgt eine Stippvisite in den Sechzigern bei Marshall McLuhan und den zeitgenössischen Bedrohungszenarien der “Gutenberg-Galaxis” – in deren Zentrum damals nicht Buchstaben auf Bildschirmen standen, sondern Bewegtbilder, sprich das Fernsehen.

Von E-Lese-Experimenten bis zum E-Reader

Auf dem Röhrenbildschirm fanden allerdings dann auch die E-Lese-Anwendungen der Siebziger und Achtziger Jahre statt, von Videotext und Text-Adventures auf Commodores VC 20 bis hin zu CD-Rom-Enzyklopädien und Hyperfiction. Mit den Personal Digital Assistants (PDAs) standen seit den Neunziger Jahren dann erstmals Mobilgeräte zur E-Book-Lektüre zur Verfügung, bald gefolgt vom Handy-Roman, der die kleinen Displays der „Feature Phones“ nutzte. Frühe „dedizierte“ E-Reader wie etwa das Rocket eBook pflegten dagegen ein Schattendasein – erst mit der Marktreife von E-Ink-Displays verbesserte sich die Performance. Den endgültigen Durchbruch schaffte das elektronische Lesen aber erst, als Amazon gelang, mit dem drahtlos funkenden Kindle-Reader ab 2007 den „iPod für E-Books“ massenhaft zu vermarkten.

Das E-Book war von Anfang an online

Die Verbreitung von E-Books über Datennetze beginnt übrigens interessanterweise bereits mit Michael Harts Pioniertat vom 4. Juli 1971. Denn die Mainframe-Rechner im Materials Research Lab der University of Illinois waren Teil des Internet-Vorgängers ARPANet. Theoretisch hätte der Gründer des Project Gutenberg den ersten E-Text sogar schon per E-Mail-Attachment an seine Kollegen verschicken können. Doch mit fünf Kilobyte war die Datei so groß, das eine Überlastung des Netzwerks drohte. So teilte Hart lediglich die Download-Adresse mit. Tatsächlich wurde das erste E-Book dann von sechs Personen heruntergeladen – für damalige Verhältnisse fast schon ein virales Ereignis.

Ansgar Warner,
Vom Buch zum Byte. Kurze Geschichte des E-Books
Kindle-Book 0,00 Euro (DRM-frei)
Taschenbuch (Amazon) 6,99 Euro

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".