„E-Book-Flatrates sind eine große Chance für Self-Publisher“ – Thorsten Simon (BoD) im Interview

thorsten-simon-bodQuo vadis, Self-Publishing – welche Fähigkeiten muss man mittlerweile als erfolgreicher Autor mitbringen? Wie wichtig ist Marketing? Welche Dienstleistungen überlässt man besser Profis? Diese und weitere Fragen stellen wir im Vorfeld des Self-Publishing Days 2015 den dort präsenten Ausstellern. Heute im Interview: Thorsten Simon, Pressesprecher von Books on Demand (BoD). Das in Norderstedt nahe Hamburg beheimatete Unternehmen ist europäischer Marktführer im Bereich der digitalen Buchpublikation, und zugleich auch Pionier im Bereich Self-Publishing-Services: schon seit Ende der Neunziger ist BoD im Bereich Print-On-Demand aktiv, seit 2006 ist das Portal bod.de online. Zu den Nutzern der umfangreichen Angebote rund um das Print- und E-Book-Publizieren gehören über 27.000 Autoren und mehr als 1.700 Verlage.

E-Book-News: Self-Publisher müssen viele Dinge beherrschen, die über das bloße Schreiben hinausgehen. Was sind die wichtigsten Qualifikationen, die man im Jahr 2015 mitbringen sollte?

Thorsten Simon: Der Spaß und die Leidenschaft am Schreiben und Veröffentlichen sollten im Vordergrund stehen. Self-Publishing ist darüber hinaus für viele Autoren mittlerweile weit mehr als ein leidenschaftliches Hobby. Bei der Erstellung, Gestaltung und Vermarktung ihrer Bücher gehen sie zunehmend professionell vor und nutzen die Unterstützung von Dienstleistern wie Lektoren oder Grafiker. Der Erfolg gibt ihnen Recht: In den Bestseller-Listen tauchen immer mehr selbstverlegte Titel auf. Wer als Self-Publisher auch in 2015 möglichst viele Leser begeistern möchte, sollte sich dieser Herausforderung bewusst sein und sie aktiv angehen.

Self-Publisher machen nicht alles selbst, sie brauchen bei manchen Dingen externen Sachverstand. In welchen Bereichen sind solche Dienstleistungen besonders wichtig?

Wir haben im vergangenen Jahr erneut eine große Self-Publishing-Studie durchgeführt und europaweit über 2.700 Autoren gefragt, wie sie bei der Bucherstellung vorgehen. Es hat sich gezeigt, dass bereits mehr als jeder dritte Self-Publisher auf die Hilfe von Dienstleistern zurückgreift – insbesondere beim Korrektorat, Lektorat und bei der Covergestaltung. Das sind auch die Leistungen, die wir Autoren unbedingt ans Herz legen, und bei denen wir auf Wunsch professionelle Unterstützung anbieten. Gern unterstützen wir daher auch Veranstaltungen wie den Self-Publishing-Day oder die Frankfurter Buchmesse mit Vorträgen oder Gesprächsrunden, um Tipps zu diesen Themen zu geben.

Mit der Produktion eines Buches ist es nicht getan, es muss sich ja auch verkaufen. Welche Rolle spielt das Marketing im Self-Publishing-Sektor?

Mit dem kreativen Schaffensprozess hört beim Self-Publishing die Eigenverantwortung des Autors für sein Werk nicht auf. Als Selbstverleger übernimmt er auch die Buchvermarktung. Entsprechend wichtig ist das Marketing beim Self-Publishing für den Bucherfolg. Die Professionalisierung der Self-Publisher bei der Bucherstellung wird auch bei der Vermarktung deutlich. Autoren investieren immer mehr Zeit und auch Geld, um ihr Buch zu bewerben. Für den Aufbau einer eigenen Leser-Community ist vor allem eine gute Visitenkarte im Netz wichtig. Das kann entweder eine eigene Website oder auch ein Blog sein, der zentraler Ankerpunkt für alle Marketingmaßnahmen ist.
Um sich als noch unbekannter Autor regional bei Leser und vor allem auch bei lokalen Buchhändlern eine Bekanntschaft aufzubauen, empfehlen sich Lesungen beispielsweise in Kooperation mit Buchhandlungen. In Verbindung mit einer gemeinsamen Pressearbeit und Werbung profitieren so beide Seiten – Händler und Autor – von der Veranstaltung.

Der klassische Buchhandel ist für viele Self-Publisher noch ein unentdecktes Land. Wie lässt sich das zukünftig ändern?

Präsenz im stationären Buchhandel ist ein zentrales Anliegen von Self-Publishern und nach wie vor eine große Herausforderung. Schließlich konkurrieren die Bücher in den Buchhandlungen um den begrenzten Raum und das Angebot an Titeln ist groß. Auch stehen Buchhändler selbstverlegten Titeln zum Teil noch skeptisch gegenüber. Da wir uns bei BoD als Partner von Autoren und des gesamten Buchmarkts verstehen, ist es unser Anliegen, Buchhändler und Self-Publisher näher zusammenzubringen. Mit Buchhandelskooperationen wie mit eBuch eröffnen wir neue Wege und unterstützen Self-Publisher beim Aufbau einer regionalen Bekanntheit. Schließlich bietet sich für den stationären Buchhandel dank der zunehmenden Professionalisierung bei Self-Publishing-Titeln und neuer attraktiver Buchpreise eine hervorragende Chance, vom Self-Publishing-Boom zu profitieren. Entscheidend hierfür ist, dass die Titel in allen wichtigen Großhandelskatalogen gelistet und zugleich remissionsfähig sind, damit Buchhändler bei der Bestellung und Lieferung keinen Mehraufwand haben.

Momentan geht der Trend in Richtung Flatrate-Lektüre und E-Book-Abo. Welche Herausforderungen bringt das für die Autoren, aber auch für die Selfpublishing-Dienstleister?

Der E-Book-Verleih gewinnt für Autoren als Vertriebs- und Marketingkanal immer mehr an Bedeutung. Self-Publisher erhalten mit dem Verleih vor allem die Möglichkeit, eine bessere Sichtbarkeit für ihre Titel zu erzielen und ihre Leserreichweite effektiv über neue Plattformen zu erhöhen. Flatrate-Anbieter stellen ein sehr niedrigschwelliges Angebot zur Verfügung und erleichtern vor allem das Entdecken neuer Bücher und bisher unbekannter Autoren. Mögliche Leser können viel einfacher gewonnen werden, weil sie schon bezahlt haben und dann auch mal in Bücher reinschnuppern, die sie sonst vielleicht nicht kaufen würden. Eine Nutzeranalyse der Plattform readfy zeigt zudem: Flatrate-Leser leihen vor allem Titel aus Genres, die auch im Self-Publishing besonders erfolgreich sind – Belletristik, Liebesromane, Krimis sowie Fantasy und Science Fiction. Das ist eine große Chance für Self-Publisher. Unser Anspruch ist es daher, dass die Titel unserer Autoren auf allen Plattformen präsent sind. Wir haben kürzlich erst die Flatrate-Anbieter PaperC und Scribd sowie die Bibliotheksausleihplattform Onleihe für den E-Book-Verleih als neue Partner gewonnen. Die Entscheidung, ob ein E-Book zum Verleih freigegeben wird, liegt aber allein beim Autor.

Welche Themen werden Sie den Teilnehmern des SPDay15 in Münster näherbringen?

Der Anspruch der Self-Publisher an das eigene Buch steigt. Sie wollen ihr Werk so professionell wie möglich erstellen und veröffentlichen, um möglichst viele Leser zu erreichen und zu begeistern. Dabei wollen wir Autoren unterstützen und ihnen Hilfestellungen anbieten. Schließlich steigt mit der Professionalisierung auch die Akzeptanz bei Buchhändlern gegenüber Self-Publishing-Titeln und damit die Chance auf eine Präsenz im stationären Buchhandel. Wie plane ich ein Buchprojekt von Beginn an und setze es effektiv um? Was muss ich als Autor bei der Erstellung des Manuskripts und des Buchdesigns beachten, um die Erwartungen meiner Leser zu erfüllen? Wie entwickle ich eine Vermarktungsstrategie? Das sind Themen, die wir den Teilnehmern des SPDay15 mit wertvollen Tipps näherbringen wollen.

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

2 Gedanken zu „„E-Book-Flatrates sind eine große Chance für Self-Publisher“ – Thorsten Simon (BoD) im Interview“

  1. Lieber w.hüttermann, die Leistungen und Kosten bei einer Veröffentlichung über BoD sind auf unserer Website einsehbar: http://www.bod.de/autoren/buch-veroeffentlichen/produkte-und-preise.html

    Abgesehen von den einmaligen Veröffentlichungskosten fallen bei einem Self-Publishing-Dienstleister wie BoD keine weiteren Produktions-, Vertriebs- oder Lagerkosten an, da die Bücher als Print on Demand gedruckt werden. Das heißt, jedes Buch wird erst produziert, wenn ein Leser es in einer Buchhandlung oder über einen Online-Shop kauft.

    Viele Grüße,
    Thorsten Simon

  2. Die Aufstellung der BoD Autoren ist imposant. Bequemer wäre die Aufstellung nach dem Alphabet. Aber auch in der jetzigen Form konnte ich leider keinen Namen finden, der mir bekannt vorgekommen wäre.
    Und zum guten Ende eine Bitte: Kann man eine Kalkulation erhalten, die
    die maximalen BoD-Kosten enthält und die maximalen Gewinnchancen? Als
    Publisher möchte Autor/in sicher nicht nur für die Miete des Lagerraumes arbeiten.
    Nach eigener Erfahrung ist für Vertriebskosten wenigstens ein Betrag bereit zu stellen, der die Herstellungskosten erreicht. Ich wäre glücklich, wenn es nicht so wäre…

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