Thalias Oyo-Reader im Test: Drahtlos zum E-Book, rund um die Uhr

oyo-testbericht-readerKurz vor dem Oyo-Start hat E-Book-News Thalias neuen Reader getestet. Mit dem intuitiv bedienbaren Touch-Screen-Gerät setzt Deutschlands zweitgrößte Buchhandelskette auf Multichannel: Bücher überall und jederzeit. Bei der Basisversion für 139 Euro sorgt eine WLAN-Karte für bequemes Shopping im E-Store. Gehäuse-Design und grafische Benutzeroberfläche machen mächtig Lust auf’s elektronische Lesen, egal ob epub oder PDF. Einziges echtes Manko ist der Kontrast des E-Ink-Displays – hier fällt der Oyo gegenüber Sony, Kindle & Co. deutlich ab.
(Update 28.10.: Der Oyo-Reader kann jetzt online bestellt werden. )

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Eins bietet der Oyo leider nicht: kontrastreiches Pearl-E-Ink

Wer bisher in Deutschland drahtlos E-Books kaufen wollte, brauchte neben dem E-Reader mindesten Laptop, Tablet oder Smartphone. Thalias neuer Oyo-Reader macht dank WLAN-Funktion den Leser unabhängig -- so lange man in der Nähe eines Hot-Spots ist, stehen Tag und Nacht mehr als hunderttausend deutsche Titel zur Verfügung. Der Preis ist außerdem heiß: Mit 139 Euro liegt der Oyo-Reader leicht unter dem Import-Preis von Amazons neuem Kindle 3. Vom äußeren her setzt Thalia noch stärker auf Einfachheit als die amerikanische Konkurrenz. Nur vier Bedienknöpfe zieren den Oyo, neben dem Einschaltknopf ein Home-Button und zwei Umblätter-Tasten. Durch die Platzierung am rechten Rand des Displays ist der Oyo insgesamt nicht höher als viele 5-Zoll-Lesegeräte – durch die Konzentration auf das Touch-Screen-Display sieht der Oyo auf den ersten Blick fast aus wie ein Tablet. Das Oyo-Display bietet mit 16 Graustufen und 600x800 Pixeln Auflösung soliden E-Ink-Standard, kann allerdings vom Kontrast her nicht mit der neuesten Pearl-Technologie mithalten, wie man sie vom Kindle 3 oder Sonys neuesten E-Readern kennt. Die Lesequalität ist eher vergleichbar mit Touch-Screen-Geräten der ersten Generation wie etwa dem Onyx Boox oder dem Pocketbook 302.

Der Oyo-Reader liegt wie ein Taschenbuch in der Hand

An der unteren Gehäusekante finden sich drei externe Schnittstellen: ein Einschub für SD-Karten, eine 3,5-mm-Kopfhörerbuchse und ein Mikro-USB-Anschluss. Letzterer dient nicht nur zum Aufladen, sondern auch zum Übertragen von epubs, PDFs oder anderen Dateien auf den Reader. Auf der gummierten Rückseite des Oyos findet man darüberhinaus noch einen kleinen, versenkten Reset-Knopf. Da das Gehäuse mit 11 mm etwas dicker ist als bei anderen Readern, liegt die 240 Gramm schwere Basisversion des Oyo fast wie ein dünnes Taschenbuch in der Hand. Wie bei jedem akkubetriebenen Gerät sollte auch der Oyo-Reader vor dem ersten Einschalten vollständig aufgeladen werden. Das Einstöpseln des USB-Ladekabels quittiert der Reader zunächst mit dem Aufleuchten einer roten LED an der Unterkante. Kurz darauf erscheint ein Batterie-Symbol auf dem E-Ink-Display. Beim ersten Einschalten bootet der Oyo-Reader in etwa 15 bis 20 Sekunden, während dieser Zeit erscheint auf dem Display das Thalia-Logo und ein Ladebalken.

WLAN-Konfiguration und E-Store-Formalitäten

Als erster Schritt kann nun die WLAN-Verbindung konfiguriert werden. Aktive Netzwerke vor Ort werden automatisch erkannt. Über eine eingeblendete virtuelle Tastatur lässt sich via Touch-Screen das Passwort eingeben. Ist der Oyo online, erscheint am oberen Display-Rand ein kleines WLAN-Symbol. Jetzt fehlt natürlich noch der elektronische Lesestoff. Um den E-Store von Thalia nutzen zu können, muss deswegen im nächsten Schritt ein Benutzerkonto anlegt werden. Zur vollständigen Registrierung ist zudem die Eingabe einer existierenden bzw. die Erstellung einer neuen Adobe-ID notwendig – nur dann lassen sich schließlich kopiergeschützte E-Books auf dem Oyo-Reader lesen. (Die E-Books müssen nicht aus dem Thalia-Store stammen -- per USB-Kabel lassen sich problemlos E-Books auf den Oyo übertragen, die etwa per Laptop oder Desktop bei Anbietern wie etwa Libri.de gekauft wurden.) Wer möchte, gibt im letzten Registrierungschritt auch schon seine Kreditkarten-Daten ein. Für völlige E-Reader-Neulinge dürfte die gesamte Prozedur auf dem Oyo etwas undurchschaubar erscheinen. Thalia bietet jedoch in den Filialen einen speziellen Beratungsservice an – die Oyo-Reader können ja dort auch direkt erworben werden.

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Per Fingertipp durch das persönliche Bücherregal zappen

Sobald der Oyo-Reader fertig eingerichtet ist, landet man nach dem Einschalten direkt auf der sogenannten „Startseite“, einem Miniatur-Desktop. Mit dem Finger kann man auf fünf verschiedene Bereiche tippen: Bücherregal, zuletzt gelesene E-Books („Letzte Bücher“), Thalia-Shop, Extras und Einstellungen. Die „Extras“ sind in diesem Fall Webbrowser, Bildbetrachter und Audio-Player. Hinter den „Einstellungen“ verbergen sich Menüpunkte wie Ausrichtung, Energiesparfunktionen, WLAN, Geräteinfo etc. Tippt man nach dem Einschalten auf eines der E-Books unter der Rubrik „Letzte Bücher“, kann man direkt mit der Lektüre fortfahren, der Oyo-Reader öffnet automatisch die zuletzt aufgeschlagene Seite. Die Leseansicht ist äußerst schlicht gehalten: eine Kopfzeile zeigt den aktuellen Titel an und informiert über WLAN-Verbindung und Ladezustand des Akkus. Eine Fußzeile zeigt die Seitenzahl an und die Schaltfläche „Menü“. Zum Umblättern kann man die Pfeiltasten an der rechten Geräteseite nutzen, das ist besonders komfortabel, wenn man den Reader zum Lesen in der rechten Hand hält. Das Touch-Screen ermöglicht nicht nur Linkshändern eine noch viel elegantere Variante – intuitives Umblättern per „Fingerwisch“. Ganz so nah an das realistische Umblätter-Gefühl von iBooks kommt der Oyo als E-Ink-Gerät allerdings nicht heran – zum einen gibt es keinen animierten Seitenwechsel, zum anderen reagiert das Touch-Screen erst mit einer gewissen Verzögerung.

Der Leser hat die Wahl: Fontart, Schriftgröße, Orientierung

Nicht nur epub-Dokumente lassen sich mit dem Oyo gut lesen, dank Reflow-Funktion wird auch der Inhalt von PDFs umgebrochen, so dass der Text auf die Seite passt. Das Aussehen der E-Book-Seiten lässt sich über die „Menü“-Schaltfläche den eigenen Vorlieben anpassen. Zur Auswahl stehen sechs Schriftgrößen sowie fünf Schriftarten von Bookman Oldstyle bis Stempel Garamond. Weitere Layout-Optionen wie variablen Zeilenabstand oder einstellbare Zeilenbreite bietet der Oyo-Reader leider nicht. Ähnlich wie beim Kindle ist über die (hier natürlich virtuelle) Tastatur immerhin eine Stichwortsuche im Text möglich. Allerdings ist das Eintippen auf dem Touch-Screen gewöhnungsbedürftig, die lange Reaktionszeit führt schnell zu falschen oder doppelten Eingaben. Auch Lesezeichen kann man übrigens mit der Touch-Screen-Tastatur mit kleinen Anmerkungen versehen. An der entsprechenden Stelle im E-Book „klebt“ dann im Text ein kleines Symbol, die darunter liegenden Wörter oder zumindest Buchstaben kann man dadurch allerdings nicht mehr lesen. Lesen mit dem Oyo-Reader ist auch eine Frage der Haltung: Hat man unter „Einstellungen“/“Ausrichtung“ die automatische Seitenausrichtung aktiviert, bringt der G-Sensor die Seitenansicht beim Drehen des Oyos nach ein paar Sekunden in das Quer- oder Hochformat.

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Keep it Simple: Thalias E-Store kommt auf den Oyo

Mit besonderer Spannung dürften viele auf den integrierten E-Store des Oyo-Reades warten. Wie hat Thalia die Aufgabe gelöst, auf einem schwarz-weißen 6-Zoll-Display das Frontend einer elektronischen Buchhandlung mit mehr als hunderttausend E-Books zu präsentieren? Ganz einfach: Mit der Methode Keep it Simple. Auf der Startseite sind drei Coverbilder von Bestsellern zu sehen (u.a. Letale Dosis von Andreas Franz) und drei Mini-Werbebanner, die auf weitere Titel verweisen (aktuell etwa „Die Perspektive des Gärtners“ von Hakan Nesser). Ansonsten führen Links zu „weiteren Bestsellern“ und „Top-Kategorien“. Außerdem gibt es eine Suchfunktion für die gezielte Recherche im virtuellen Büchertempel. Übersichtlich organisiert ist auch die Detailansicht zu einzelnen E-Book-Titeln. Neben bibliographischen Informationen gibt es drei, vier Zeilen zum Inhalt und soweit vorhanden „Buchhändler-Tipps“ von Thalia-Mitarbeitern und/oder Kundenrezensionen. Will man in das Buch hineinschnuppern, kann man eine Leseprobe herunterladen. Sie wird automatisch im persönlichen Bücherregal gelistet – inklusive des Buttons „Kaufen“.

Komfort oder Kontrast? Der Kunde muss entscheiden

Wer möchte, kann über den mitgelieferten Mini-Browser auch Internet-Seiten aufrufen, voreingestellt sind Links auf Wikipedia und Google. Allerdings ist das Eintippen von Suchwörtern oder Adressen mit der virtuellen Tastatur ziemlich mühselig, ein wirkliches Surf-Gefühl kommt auf dem Oyo nicht auf. Das liegt aber auch am wohl wichtigsten Manko des vom Gesamtkonzept her durchaus gelungen Lesegerätes: der Kontrast ist für einen aktuellen E-Reader nicht ausreichend. Der Verzicht auf Pearl-E-Ink in Verbindung mit einer kapazitiven Touch-Screen-Lösung, die zusätzlich den Kontrast vermindert, lässt den Oyo vom Lesekomfort deutlich hinter die Konkurrenz zurückfallen. Sonys neue E-Reader Serie (PRS 350 und PRS 650), die ebenfalls in diesen Tagen an den Start gehen, zeigen dabei, dass Touch-Screen und ein gutes Kontrastverhältnis wie beim Kindle 3 sich nicht ausschließen müssen (siehe unseren Bericht von der IFA 2010). Allerdings haben diese Geräte keine WLAN-Funktion, um den Preis im verträglichen Rahmen zu halten (179 bzw. 229 Euro). Thalia hat offenbar für den Oyo-Launch andere Prioritäten gesetzt – zentral waren der direkte Draht zum E-Store und ein niedriger Einstiegspreis. Pikanterweise werden die kontraststärkeren Sony-Geräte nun wohl auch in den Thalia-Filialen verkauft, denn zumindest bisher gab es im E-Reader-Bereich eine Kooperation zwischen beiden Unternehmen. Die Kunden werden sich entscheiden müssen – bequemes E-Book-Shopping per E-Store oder bessere Lesequalität.

Oyo-Reader Specs:


Abmessungen

124x154x11mm

Display

6-Zoll E-Ink Touch-Screen,
800*600 Pixel bei 16 Graustufen
Automatische Ausrichtung Hoch/Querformat (G-Sensor)

Textfunktionen

Virtuelle Tastatur, Erstellung von Notizen
und einfaches Setzen von Lesezeichen,
6 Schriftgrößen, 5 Fonts

Anschlüsse

MicroUSB,
MicroSD, 3,5 mm Kopfhörerbuchse

Gewicht

240 g

E-Book-Formate

Epub (mit/ohne DRM), PDF, TXT, HTML

System-Kompabilität

PC/MAC

Speicherkapazität

2 GB, davon ca. 1,5 GB nutzbar

Akkulaufzeit

8000 x Umblättern, bis zu 2 Wochen

Preis

139 Euro (Basisversion WLAN, online bestellen bei Thalia.de )

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".

3 Gedanken zu „Thalias Oyo-Reader im Test: Drahtlos zum E-Book, rund um die Uhr“

  1. Der Ansatz, einen Ebookreader mit der Ausstattung des OYO für verhältnismäßig schmales Geld auf den Markt zu bringen, ist gut.
    Nur bei der Ausführung hapert es meiner Meinung nach. Mittlerweile habe ich schon von vielen Nutzern gehört und gelesen, die das Gerät wieder zurückgegeben haben.
    Selber habe ich den Reader bei Thalia in der Hand gehabt und konnte, da ich z.B. die Sony-Reader kenne, nicht mit dem Gerät warm werden. Vergleichsweise schlechtes Display, langsam, Vollplastik (Knirschgeräusche, wenn leichter Druck auf das Gehäuse ausgeübt wurde).

    Da muss meiner Meinung nach noch reichlich nachgebessert werden, um das Gerät wirklich interessant zu machen.

    1. Ja, gerade die neue Sony-Reader-Reihe ist wohl eine Klasse für sich – allerdings fehlt natürlich wiederum eine WiFi-Version. Wenn man auf Touch-Screen verzichtet, hat man mit dem Kindle 3 zwar dieselbe Display-Technik in der Hand (Pearl-E-Ink), dafür aber bisher kaum deutschen Content. So landet man am Ende dann vielleicht nach allem Abwägen doch beim LumiRead, je nachdem wie wichtig einem der direkte Draht zum E-Store ist. Im Moment muss man als E-Reader-Käufer immer an irgendeiner Stelle Kompromisse machen.

  2. Pingback: newstube.de

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