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Thalia hat’s verpatzt: Start des Oyo 3G wird auf unbestimmte Zeit verschoben

10 Feb 2011

oyo-3g-kommt-nichtEigentlich sollte heute der Verkauf des neuen Oyo-Modells losgehen – doch Thalia zog den mit Mobilfunkkarte ausgestatten Reader kurz vor dem Launch aus dem Verkehr. Auf Thalia.de kann man nur noch die WLAN-Version bestellen, der Link auf die Pre-Order-Seite für die UMTS-Version wurde kommentarlos entfernt. Auf der Facebook-Seite von Thalia heißt es, man sei auf „unvorhersehbare technische Probleme gestoßen“, die Endversion des Readers entspreche „nicht der gewünschten Qualität“. Kunden, die bereits einen OYO WLAN+3G vorbestellt hatten, wurden „zeitnah über die Verschiebung informiert“.

Oh je, Oyo: Das Ende des Hype-Cycles?

Mit großer Euphorie trat Thalia im Herbst 2010 mit dem Oyo-Reader an. Ein Touch-Screen-Gerät, mit dem man via WLAN drahtlos E-Books einkaufen konnte, das gab es schließlich noch nicht in Deutschland. Erst recht nicht zu solch einem Preis – mit 139 Euro konnte Deutschlands zweitgrößter Buchhändler alle anderen Mitbewerber auf die Plätze verweisen. Der „Oyo-Moment“ löste einen richtigen Hype aus – die Google-Anfragen zum Thema E-Reader im deutschen Internet explodierten geradezu. Der nächste große Schritt war für das Weihnachtsgeschäft 2010 geplant. Mit einer zusätzliche Mobilfunkkarte sollte der „Oyo WLAN+3G“ Thalias Multichannel-Strategie abrunden – E-Books rund um die Uhr einkaufen, von jedem Ort der Republik aus, abgesehen vielleicht von ein paar Funklöchern im Bayerischen Wald. Das Pricing war vielversprechend. Mit 189 Euro sollte das Gerät ungefähr so teuer sein wie die Basisversion von LumiRead und Sony-Reader. Doch aus dem Weihnachtsgeschenk wurde schon mal nichts: ähnlich wie bei Libris Reader musste der Start der UMTS-Version verschoben werden. Doch während Libri seit Mitte Januar liefern konnte, gibt’s in der Oyo-Community nun lange Gesichter: der Starttermin im Februar ist gecancelt, auf unbestimmte Zeit.

Der „BesserLeser“ hat den Qualitätstest nicht bestanden

Die Begründung verblüfft ein wenig – Qualitätsmängel bei einem Gerät, das bis auf die Mobilfunkkarte baugleich mit der Basisversion ist? Manche werden sich an das Schicksal des txtr-Reader erinnert fühlen. Auch beim vermeintlichen „Kindle-Killer“ aus Berlin waren kurz vor dem Launch angeblich Produktionsmängel aufgetreten. Mittlerweile ist nicht nur das Reader-Projekt stillgelegt, sondern auch die Social-Reading-Community. Thalias Oyo ist ebenfalls ein „gemeindebildendes“ Lesegerät, die Facebook-Fanpage hat zumindest 1800 Freunde. Noch, denn technische Mängel haben bereits bei der Basisversion immer wieder zu Nutzer-Frust gesorgt. Zuletzt waren es ausgerechnet Software-Updates, die immer neue Probleme verursachten. Das letzte (mit der berüchtigten Nummer „3407“) war so fehlerhaft, das nur ein Downgrade half. Profitieren dürften von dem Chaos bei Thalia vor allem zwei Mitbewerber: Sony und Acer/Libri. Im direkten Vergleich sieht man nämlich schnell – der größte Vorteil des Oyo ist der niedrige Preis und das bequeme Einkaufen im integrierten E-Store. Gespart wurde beim Oyo leider am Display – die Wahl fiel nämlich aus preisstrategischen Gründen auf ein kontrastarmes SiPix-Display, das sich zudem als besonders stoßempfindlich erwiesen hat.

Die besten Alternativen zum Oyo-Reader

sony-reader-prs-650 1. Sony Reader Pocket Edition / Reader Touch Edition
Beim Lesekomfort sind vor allem die neuen Sony-Reader dank kontraststarkem Pearl-E-Ink und besserer Touch-Screen-Technik weit voraus, wie ein Besuch in der Thalia-Filiale vor Ort zeigt. Denn dort werden neben dem Oyo auch Sonys Reader Pocket- sowie Reader Touch Edition verkauft. Die 5- bzw. 6-Zoll großen Reader sind allerdings etwas teurer – es gib sie für 179 bzw. 229 Euro. Auf WiFi und Shopping per E-Store muss man dabei verzichten, denn Sony hat sich darauf konzentriert, das Lesen an sich in größtmöglicher Qualität zu ermöglichen, und das ist auch gelungen.
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acer-lumiread-e-reader-ifa-2010-libri-e-book-test 2. Acer LumiRead (WLAN bzw. WLAN plus UMTS)
Fast zeitgleich mit Thalia brachte im Herbst 2010 auch Libri einen WiFi-Reader mit E-Store auf den Markt – den Acer LumiRead. Von außen her erinnert der Reader stark an das Kindle 2 – denn unter dem Display befindet sich eine vollwertige Qwertz-Tastatur. Umblätter-Tasten am Rand und ein externer Lautstärkeregler machen E-Book-Lektüre wie auch Audio-Book-Konsum sehr komfortabel. E-Book-Angebot wie auch Pricing sind dank Buchpreisbindung genauso wie beim Oyo. Wer auf Touch-Screen verzichten kann, bekommt für 179 Euro einen soliden E-Ink-Reader mit deutlich besserem Kontrast. Für 229 Euro bekommt man den LumiRead „WLAN plus UMTS“.
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kindle3-e-reader-testberichte-roundup-review 3. Kindle 3 (WLAN / WLAN+3G)
Amazons neuestes Kindle-Modell war der erste WiFi-Reader, der mit Pearl-E-Ink auf den Markt kam. Das deutlich verschlankte „K3“ ist qualitativ der beste Reader mit integriertem E-Store weit und breit. Schnelle Seitenwechsel und eine gut gestaltete Menüführung zeigen, wie perfekt elektronisches Lesen auch ohne Touch-Screen funktioniert. Gäbe es schon nennenswerten deutschen Content im Kindle-Store, wäre das Oyo wohl chancenlos. Angeblich soll es ja noch dieses Jahr soweit sein. Bis zum offiziellen Start muss man selbst den Reader noch bei Amazon.com kaufen – die Basisversion gibt’s inklusive Zoll- und Lieferkosten für knapp 150 Euro, die 3G-Version ist etwas teurer.
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