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taz testet Flattr: Alternative Tageszeitung setzt auf Crowdfunding made in Sweden

26 Mai 2010 Ansgar Warner 4 Kommentare

flattr-crowdfunding taz.gifDie taz testet Flattr: das Online-Angebot der alternativen Tageszeitung aus Berlin enthält jetzt kleine Spenden-Buttons des schwedischen Crowdfunding-Netzwerks. Leser können sich für jeden Artikel mit einem Klick auf den Flattr-Knopf bedanken. Die taz-Community scheint für diese Alternative zu Paid Content besonders geeignet zu sein: bei einem Probelauf im April kamen in einer Woche fast 2000 Euro an Spendengeldern zusammen.

Absage an die Bezahlschranke: “Barrieren aufbauen ist unsere Sache nicht”

Die vor mehr als dreißig Jahren gegründete taz hat immer mit der medialen Avantgarde geliebäugelt, sei es mit der forschen Einführung eines digitalen Redaktionssystems schon Mitte der Achtziger, sei es mit dem frühen Webauftritt der “digitaz” Mitte der Neunziger. Auch beim E-Paper ist man ganz vorn: Ab zehn Euro bekommt man ein digitales Abo in verschiedenen Formaten, seit letztem Jahr sogar als epub für den E-Reader. Mehr als 1800 zahlende Abonnenten soll es mittlerweile geben. Die Online-Ausgabe ist dagegen grundsätzlich auch weiterhin für lau zu lesen – “Barrieren aufzubauen, das ist unsere Sache nicht. Möglichst auch keine Bezahlschranken”, so Matthias Urbach, Leiter der Online-Ausgabe. Trotzdem ist vielen die Lektüre offenbar einiges wert. Als die taz im April eine Woche lang unter jedem Artikel eine Kontonummer einblendete, war man vom Erfolg der Aktion überrascht: “165 Leser haben Geld überwiesen – von 5 Cent bis 100 Euro. Insgesamt kamen 1.842,83 Euro zusammen”, konnte taz-Hausblogger Sebastian Heiser vermelden. Mit echtem Crowdfunding hatte dieses Experiment rein technisch natürlich wenig zu tun – dafür sind normale Überweisungsvorgänge viel zu aufwendig. Bei Flattr sieht das anders aus…

Es geht nicht nur um’s Geld: Flattr-Klicks geben ein besseres Feedback

Mit Peter Sundes Mikro-Payment-Bezahlsystems ist die taz nun mitten drin in der Thank-You-Economy, die sich im gerade im Web 2.0 etabliert. Unter jedem Artikel auf taz.de wird ein Flattr-Button eingeblendet – per Mausklick können sich Mitglieder des Crowdfunding-Netzwerks bei der taz bedanken. Ein Teil ihres monatlichen Mitgliedsbeitrags kommt dann der alternativen Tageszeitung zu Gute. Außerdem weiß die Redaktion nun etwas genauer, was die Leser wirklich gut finden: “Anhand von Klickzahlen konnte man bisher eigentlich nur erkennen, wie gut die Präsentation eines Artikels auf den Übersichtsseiten ankam, nicht aber wie der Artikel selbst aufgenommen wurde. Die flattr-Klicks geben da nun eine weiteres Feedback”, so Filip Moritz, taz.de-Webmaster. Insgesamt bleibt Flattr aber vorerst ein Experiment – was auch daran liegt, dass der Crowdfunding-Service noch in der Testphase ist. Um eine komplette Zeitung finanzieren zu können, fehlt schlicht die kritische Masse an Teilnehmern. Ähnliches gilt zur Zeit auch noch für den Flattr-Konkurrenten Kachingle, auf den seit kurzem die Online-Ausgabe des Vorwärts setzt. Doch das könnte sich in Zukunft schnell ändern. Sobald Crowdfunding zum Breitensport wird, dürften gerade solche Projekte einen Startvorteil haben, hinter denen eine starke Community steht. Immerhin haben in den letzten Jahren auch schon fast 10.000 taz-Leser Genossenschafts-Anteile erworben – zum Stückpreis von 500 Euro.

4 Kommentare »

  • newstube.de schrieb:

    taz testet Flattr: Alternative Tageszeitung setzt auf Crowdfunding made in Sweden…

  • Bunny schrieb:

    Woof!

    Bunny the K9 Kachingler was here…

  • Ansgar Warner (author) schrieb:

    Hi Bunny,

    I am really flattered ;-) By the way: Did you know they even have squirrel emoticons nowadays!?

  • Newsportal HUiP.de schrieb:

    taz testet Flattr: Alternative Tageszeitung setzt auf Crowdfunding made in Sweden…