Google Currents ist da: mobile Lese-App für Apple- & Android-Geräte

Google sorgt für mehr Content auf Tablets und Smartphones: Artikel aus dem umfangreichen Arsenal von mehr als 180 Medienpartnern lassen sich mit der Reader-App Currents kostenlos in voller Länge lesen. Dazu gehören Forbes, AllThingsDigital, Fast Company oder die HuffPo. Darüber hinaus kann man aber auch andere RSS- oder Video-Feeds, Google+ streams und via Google Reader abonnierte Web-Inhalte mit Google Currents lesen. Während man die iPad- und iPhone-Version nur über den US-App-Store bekommt, lässt sich die Android-App über einen externen Download-Link auch direkt installieren.

Googles großer Content-Deal

Die Konkurrenz auf dem Markt für Reader-Apps ist groß – wer schafft es am besten, Web-Inhalte für die Touch-Screens von Tablets und Smartphones aufzubereiten? Apps wie FlipBoard oder ZITE gelten als Schrittmacher für iPad-Magazine, die Content über Twitter oder RSS-Feeds zusammenstellen und grafisch aufbereiten. Bei ZITE helfen zudem lernfähige Such-Algorithmen, jeden Tag auf’s neue ein maßgeschneidertes News-Potpourri zu köcheln. Google Currents leistet in technischer Hinsicht somit nicht wirklich viel Neues – vom Inhalt her aber schon. Denn der große Deal mit mächtigen Verlagen und populären Web-Portalen bringt eine bisher nicht gesehene Fülle von Artikeln, Videos und Fotostrecken auf’s Display. Googles offizielle Liste umfasst bereits mehr als 180 illustre Adressen, darunter auch eher alternative Kanäle wie BoingBoing, Feministing.com oder The Consumerist.

Offline-Lektüre als zusätzlicher Vorteil

Gleichzeitig hat Google eine spezielle Self-Service-Plattform gestartet, auf der auch kleinere Publisher ihre Webseiten-Inhalte ohne viel Aufwand für die Lese-App formatieren können. Für die Anbieter hat Google Currents deutliche Vorteile, selbst wenn der Zugang kostenlos ist. Denn der Traffic über die App wird von comScore gezählt, vergrößert die offizielle Reichweite und damit die Werbeeinahmen. Doch auch für den Nutzer bringt Currents Mehrwert mit – so lassen sich im Unterschied zu anderen Apps die Inhalte offline lesen. Alles, was man für den Einstieg braucht, ist ein gültiges Google-Account. Es ist das bekannte Quid-pro-Quo, Google selbst ist schließlich brennend daran interessiert, noch mehr über unsere Lesegewohnheiten zu erfahren. Genau da klaffte aber bisher eine Lücke. Während auf dem Desktop schon fast jeder zweite Internet-Surfer mit Google Chrome unterwegs ist, fand die Lektüre auf dem mobilen Touch-Screen bisher zumeist mit Apples Safari-Browser oder Apps von Drittanbietern statt.

„Zeig mir mehr davon“: ZITE, das personalisierbare iPad-Magazin

zite-ipad-app-personaliserbar

Nach dem iPad-Start schien FlipBoard das Non-Plus-Ultra einer neuen Disziplin zu werden: dem individuellen iPad-Magazin. Dabei ging es nicht so sehr um Hochglanz-Fotostrecken für das Touch-Screen, sondern um ausgewählte Informationen, angereichert durch den individuellen Social Media-Stream. ZITE setzt nun noch stärker auf das Element der Personalisierbarkeit. Denn bei jeder News kann der Nutzer den Daumen heben oder senken – die App merkt sich das. Interessante Artikel via Facebook, Twitter oder E-Mail weiterleiten oder für spätere Lektüre bei InstaPaper zwischenparken kann man natürlich ebenso.

Ein cleverer Algorithmus hilft bei der Auswahl

Auf den ersten Blick funktionieren FlipBoard und ZITE ganz ähnlich. Interessante Artikel, Blogposts oder Videos aus allen möglichen Quellen werden kurz angefeaturet, lassen sich auf Wunsch über einen Viewer innerhalb der App aber auch komplett lesen. ZITE bietet allerdings deutlich größere Content-Flexibilität als FlipBoard. Bereits bei der thematischen Zusammenstellung gibt es mehr Auswahl, zudem kann man weitere Themen selbst hinzufügen. Der eigentliche Clou ist jedoch ein lernfähiger Algorithmus, der Beiträge zu verwandten Themen auswählt und vorschlägt. Dabei kann es sich um die jeweilige Website oder den Autor des Beitrags handeln, ein im Artikel erwähntes Produkt oder das allgemeine Sachgebiet. Außerdem gibt es eine Art „Gefällt mir“-Button, ergänzt durch einen „Gefällt mir nicht“-Button. Hebt oder senkt man den Daumen, ändert das zusätzlich die Gewichtung vergleichbarer Beiträge.

zite-personalisierbare-ipad-app

Schafft ZITE die Quadratur des Kreises?

Auch der persönliche Twitterstream und die Feeds aus dem GoogleReader lassen sich einbinden. Allerdings arbeitet ZITE aus technischen Gründen nur mit englischem Content, für deutsche Nutzer ist die App also ingesamt nur bedingt gebrauchen. Um bestimmte Informationen aus dem täglichen Nachrichtenstrom herauszufiltern, dürfte ZITE aber auf jeden Fall sinnvoll sein. Zumindest solange, wie der Blickwinkel nicht durch die Such- und Vergleichs-Algorithmen zu stark eingeschränkt wird. Am Ende muss wohl jeder Nutzer selber ausprobieren, wie oft man durch positive oder negative Verstärkung in den Auswahlprozess eingreifen darf. Letztlich wird die tägliche Quadratur des Kreises ja mit ZITE nur ausgelagert – es geht darum, die Informationsflut zu bewältigen, ohne die wirklich wichtigen Nachrichten auszubremsen. Info-Monotonie wäre sogar noch schlimmer als Info-Beliebigkeit: Denn der tägliche Blick über den virtuellen Tellerrand macht ja für viele Webnutzer gerade den Reiz des Mediums aus.