iBook ohne „s“ – das darf nicht sein: Apple zensiert E-Books mit „falschen“ Produktnamen

apple-zensiert-ebooksGroße Gatekeeper wie Amazon, Apple & Co. stellen Regeln auf, an die sich alle Marktteilnehmer auf ihren Plattformen halten müssen — egal, ob diese Regeln sinnvoll sind oder nicht. Besonders absurd sind Apples Sprachregelungen für Produktnamen wie „iBooks“ oder „iBooks Store“, das haben gerade die Sachbuch-Autoren Aaron Perzanowski und Jason Shultz erfahren müssen. Ausgerechnet ihr neues, u.a. auch Apple-kritisches Buch „The End of Ownership – Personal Property in the Digital Economy“ darf in der ursprünglichen Fassung nicht via iBooks vertrieben werden.

iBook hieß schon ein Apple-Laptop

Die Begründung: drei Passagen des 264-Seiten-Wälzers enthalten das Wort „iBook“ – was den Formatierungs-Vorschriften des iBooks Stores widerspricht. Denn Apple bevorzugt — bzw. diktiert — die Nutzung von „iBooks“ oder „E-Books from iBooks“. Ein Grund für diese Sprachpolitik könnte mit der Firmengeschichte zu tun haben, schreiben die Autoren in ihrem Blogbeitrag „Why you can’t buy our book from Apple“: Apple selbst hat Ende der 1990er Jahre ein Nachfolge-Modell der PowerBook-Laptopreihe unter dem Namen „iBook“ verkauft.

Jetzt iBooks-konforme Version geplant

Extra für den Vertrieb via iBooks haben Perzanowski und Shultz jetzt eine regelkonforme Ausgabe von „The End of Ownership“ produziert. Dort ist u.a. der Satz „Apple’s iBooks can only be read on Apple devices“ verändert worden in die Version „Ebooks acquired through Apple’s iBooks Store can only be read on Apple devices.“ An anderer Stelle heißt es nun nicht mehr „how to make an iBook work on a Kindle“, sondern „how to make an an ebook from Apple work on a Kindle“.

Die Thesen des Buches hat Apple bewiesen…

Die Autoren hoffen nun, das Apples Zensoren mit dieser Formulierung einverstanden sind. Warum Apple sich überhaupt so uneinsichtig gezeigt hat, bleibt aber rätselhaft, denn schließlich geht es ja in „The End of Ownership“ gerade auch um den überzogenen Kontrollwahn des IT-Riesen: DRM-Schutz, Verhinderung von nicht autorisierten Geräte-Reparaturen, hermetisch abgeschottete Business-Modelle, und nicht zuletzt: unlesbar lange und komplizierte Nutzungsbedingungen.

(via The Digital Reader & BoingBoing)

Späte Schlauchgelüste: jugendgefährdende E-Books dürfen nur nach 22 Uhr verkauft werden

schlauchgelueste-ebookEs gibt sie noch, die gute alte „Bückware“ – also gedruckte Bücher, die nur unter dem Ladentisch verkauft werden. Die „Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien“ darf nämlich beispielsweise gewaltverherrlichende oder pornografische Bücher auf den Index setzen. Eine komplette Zensur findet nicht statt, doch der Verkauf an Minderjährige wird auf diese Weise unterbunden. Doch was ist mit E-Books? Die gelten in punkto Jugendschutz als „Telemedien“, ihr Vertrieb wird durch die Jugendmedienschutz-Staatsverträge der Bundesländer geregelt. Konkret heißt das: solche E-Books dürfen zwar überall online verkauft werden, aber nur zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens.

E-Books werden wie Kinofilme behandelt

„Die Vorschrift wurde eigentlich für Kinofilme gemacht, weil nur Erwachsene in dieser Zeit in die Kinos gehen“, zitiert das Börsenblatt den Börsenvereinsjustitiar Christian Sprang. Sie werde nun aber auch auf indizierte E-Books angewandt. Praktisch ändert sich bisher jedoch kaum etwas – denn die Online-Buchhändler wissen in der Regl überhaupt nicht, welche Titel in ihrem Katalog jugendgefährdend sein könnten oder sogar von den deutschen Jugendschützern indiziert wurden.

„Gespickt mit drastischen Beschreibungen“

Das kann aber in Deutschland schnell zu juristischen Problemen führen, wie aktuell im Fall von Jacob Winters Romans „Schlauchgelüste – Liebesbrief an eine verlorene Männlichkeit“. Der freie Verkauf dieser autobiografisch geprägten Trans-Gender-Geschichte (laut Klappentext „gespickt mit drastischen Beschreibungen, aber immer in einer gepflegt-ironischen Sprache“) war für die Bonner Jugendschützer offenbar zu viel des Guten – sie wurden in diesem Fall gegen einen Online-Buchhändler tätig, der den Titel feilbot.

Buchfilterung für die Generation Youporn

Um die effektive Zensur im Geiste des Jugendschutzes zukünftig reibungsloser zu gestalten, soll das Online-Verzeichnis lieferbarer Bücher (VLB) zukünftig ein „Pflichtfeld“ enthalten, über das Verlage beim Eingeben der Metadaten jugendgefährdende E-Books kennzeichen können. Außerdem gibt es offenbar Überlegungen, indizierte E-Books auf den Websiten von Online-Buchhändlern unsichtbar zu machen – zumindest für Browser, die mit einer Jugenschutzsoftware erweitert wurden.

Abb.: Screenshot E-Book-Angebot „Schlauchgelüste“

Self-Publishing mit XXX-Faktor: hilft Zensur gegen das literarische Darknet?

Ob Männer (und Frauen) immer nur an das eine denken, ist eine beliebte Forschungsfrage. Versteht man das Internet als eine Art World Brain, scheint die Antwort ziemlich klar: immerhin wird aktuellen Studien zufolge in den USA mindestens 8 Prozent des Web-Traffics durch XXX-Inhalte erzeugt, in Deutschland sogar 12 Prozent. Das Unterbewusstsein kommt also auf seine Kosten, die adulte Unterhaltungsindustrie ebenfalls. Allerdings sorgt das Über-Ich in Form von Apple, Amazon, Google & Co. dafür, dass entsprechende Angebote in den Site-Rankings und Bestseller-Listen nicht zum „Vorschwein“ kommen, wie wir Freudianer gerne sagen – innerhalb der „Filter-Bubble“ bleibt alles „familienfreundlich“.

„The end of self-publishing“?

Was natürlich nicht heißt, das pornografische Inhalte nicht vorhanden sind – ihre „Discoverability“ wird lediglich künstlich eingeschränkt. Wer genau hinsieht, wie etwa das britische Online-Magazin The Kernel, entdeckt auch zahlreiche Hardcore-Inhalte (in den Worten von The Kernel: eine „Schmuddel-Epidemie“), zum Beispiel auf den Self-Publishing-Plattformen von Amazon oder Kobo, was im Vereinigten Königreich zu einem medialen Aufschrei und z.T. drastischen Folgen geführt hat. Kobo zog dort vorläufig alle Self-Publishing-Titel aus dem Verkehr, die auf der Insel führende Buchhandelskette WH Smith, die mit Kobo kooperiert, beendete den E-Book-Verkauf sogar komplett – vorerst gibt’s auf der Website nur noch gedrucktes. Die Tageszeitung „Telegraph“ titelte bereits: „The end of self-publishing?“

Ein Drittel aller Indie-Titel mit XXX-Inhalten?

Tatsächlich scheinen Verlage auch im Bereich Pornografie bisher eine Art Filterfunktion wahrgenommen zu haben – wie Aaron Stanton in einem Beitrag für Digital Bookworld schreibt, sind etwa ein Drittel aller Indie-Titel inhaltlich dem Bereich „Erotica“ zuzurechnen, bei klasssischen Verlagstiteln liegt dieser Anteil dagegen lediglich bei 1 Prozent. Und Stenton muss es wissen, ist er doch Gründer des „Book Genome Project“, das sich der „objektiven, computer-basierten Analyse des geschriebenen Wortes“ verschrieben hat. Zu den praktischen Anwendungen gehört die Möglichkeit, auf statistischer Grundlage Genre-Zuordnungen treffen zu können, aber auch einzelne Titel sehr detailliert miteinander zu vergleichen – was etwa zu ebenso passgenauen wie automatisierten Lektüre-Empfehlungen führen kann. (Ausprobieren kann man das auf booklamp.org)

DNA-Test für Bücher sorgt für Genre-Zuordnung

Genauso gut eignet sich der DNA-Test für Bücher jedoch dafür, den Kampf gegen das „literary darknet“ aufzunehmen – denn Stanton zufolge kann die Analyse-Methode unter den erotischen Inhalten die besonders problematischen herausfiltern. Titel aus den in der öffentlichen Debatte besonders diskutierten Bereichen „Bestiality“ und „Incest“ sollen ungefähr 10 Prozent des gesamten selbst verlegten Erotica-Sektors ausmachen. Wie sich die Buch-DNA innerhalb eines Genres vergleichen lässt, hat Stanton bereits vor einiger Zeit durch die Gegenüberstellung von E.L. James „50 Shades of Grey“ (veröffentlicht beim Random-House-Imprint Vintage) mit einem Hardcore-Titel („Letters to Penthouse XXVIII“, veröffentlicht – ähem – bei einer Hachette-Tochter) gezeigt: während bei E.L. James die expliziten Szenen isolierte Blöcke innerhalb der grün oder gelb markierten Handlung darstellen, ist bei den Penthouse-Briefen alles rot.

Nur staatliche Zensur ist verboten…

Wer also mehr Zensur im Leseland möchte – bitteschön, die technischen Instrumente sind vorhanden, man muss sie nur anwenden. Die Ausgangslage ist sogar recht günstig, denn die großen Self-Publishing-Plattformen behalten sich ohnehin vor, Inhalte auch ganz ohne Begründung abzulehnen, und machen von dieser Möglichkeit auch immer wieder Gebrauch, nicht nur bei Erotica. Juristisch ist das Nicht- wie auch De-Publizieren bestimmter Inhalte ebenfalls kein Problem – so schützt etwa das „First Amendment“ der US-Verfassung nur vor staatlicher Zensur, nicht vor den Eingriffen von Unternehmen, die als Gatekeeper auftreten. Das kann auch B2B-Beziehungen mit Zahlungsdienstleistern betreffen: PayPal etwa zwang vor einiger Zeit die führende US-Self-Publishing-Plattform Smashwords, den E-Book-Katalog von bestimmten Hardcore-Inhalten zu säubern.

Doppelmoral als Lösung?

Die große Frage ist nur: wollen wir im Internet wirklich noch mehr Zensur und Kontrolle, als es ohnehin schon gibt? Vielleicht reicht ja auch eine gesunde Doppelmoral aus, wie sie die Buchhandelskette Weltbild praktiziert, bekanntlich im Besitz der katholischen Kirche. Der Bestseller „Shades of Grey“ (ursprünglich ein Self-Publishing-Titel) sorgt seit Jahr und Tag für satte Gewinne in den konzerneigenen Buchhandlungen wie auch für Gewissensbisse beim klerikalen Eigentümer, der aber zugleich ein Interesse am wirtschaftlichen Wohlergehen des Unternehmens hat. E.L. James‘ softpornöse Trilogie aus dem Programm zu nehmen, kam insofern dann doch nicht in Frage – stattdessen fügte man der Produktbeschreibung eine Distanzierung hinzu: Das Buch widerspreche dem „Welt- und Menschenbild“, von dem man sich „als Buchhändler leiten lasse“. Letztlich für alle Beteiligten die beste Lösung…

Abb.: Booklamp.org

Kindle ist kein Name, und auch kein Getränk: Wie Tolstoi auf dem Nook via Strg-F gesäubert wurde

Da staunte er nicht schlecht, ein amerikanischer Vielleser und Blogger namens Philip: gerade erst hatte er Lew Tolstois gewichtigen 1000-Seiten Wälzer „Krieg und Frieden“ aus seinen arthritischen Händen gelegt, um die Lektüre auf dem handlicheren Nook-Reader von Barnes&Noble fortzusetzen. Doch plötzlich stolperte er über ein merkwürdiges Wort am falschen Ort. „It was as if a light had been Nookd in a carved and painted lantern….“, stand da. NOOKD!? Wenige Seiten später tauchte das merkwürdige Wort erneut auf, und dann noch einmal. „Nach der dritten Begegnung holte ich das Hardcover wieder hervor und suchte nach dem Originaltext“, berichtet Philip auf seinem Blog. Und siehe da: dort stand nicht „Nookd“, sondern „kindled“. Was im betreffenden Kontext auch Sinn macht, denn „to kindle“ bedeutet so viel wie „anzünden“ oder „anfachen“. Zugleich ist „Kindle“ natürlich auch der Name des wichtigsten Konkurrenzprodukts von Barnes&Nobles „Nook“. Was war hier passiert!?

Das Erstaunen wich der Empörung. Hatte Barnes&Noble hier mit Absicht alle „Kindle“-Stellen durch Suchen und Ersetzen mit „Nook“ überschrieben? Das wäre natürlich ein Skandal in der Größenordnung von Amazons großer Löschungsaktion aus dem Sommer 2009: damals waren ausgerechnet Ausgaben von George Orwells „1984“ drahtlos von Kindle-Readern gelöscht worden. Das wurde von der Web-Community nicht zu unrecht als Zensur empfunden. Wandelt Barnes&Noble nun also auf Amazons Spuren, und verbannt den Produktnamen der Konkurrenz aus allen Texten der Weltliteratur? „Man bekommt Angst vor der Manipulation aus ökonomischen, politischen oder religiösen Gründen. Man beginnt an der Integrität nicht nur von ‚War and Peace‘ zu zweifeln, sondern überhaupt von jedem E-Book“, beklagt sich Philip. Ist das der Fluch der E-Books, vor denen uns die Reichssiegelbewahrer der Gutenberg-Galaxis immer gewarnt haben? Gemach, gemach. Die Lösung des Rätsels dürfte weitaus banaler sein. Schließlich handelt es sich bei „War and Peace“ um ein Werk aus der Public Domain, dessen Nook-Version von einem Drittanbieter namens „Superior Formatting Publishing“ für 99 Cent verkauft wird.

Besonders „superior“ scheint man dort beim Formatieren der zuvor bereits für das Kindle erstellten E-Book-Version des Tolstoi-Klassikers gerade nicht vorgegangen zu sein. Offenbar, so vermutet nicht nur Web-Experte Jonathan Zittrain, wollte man möglichst bequem alle Hinweise auf den Kindle-Reader im Vorwort oder in Verlagsanzeigen am Ende des Buches an die Nook-Version anpassen. Doch an die Folgen von Strg-F für den Roman selbst hat man dabei natürlich nicht gedacht: Kindle ist kein Name, und auch kein Getränk, sondern ein Verb, das im Englischen schon seit dem Mittelalter benutzt wird. Letzlich sind natürlich auch die Produktdesigner des Kindle-Readers mitverantwortlich. Für sie war nicht nur die Wortbedeutung von „to kindle“, sondern auch dessen Verankerung in der klassischen Literatur ein Argument. Gerne zitierten sie zum Beweis Voltaire: „The instruction we find in books is like fire. We fetch it from our neighbours, kindle it at home, communicate it to others and it becomes the property of all.“ Apropos „Property of all“: Tolstois „War and Peace“ gibt’s bei Project Gutenberg auch umsonst, inklusive 8 x Original-„kindle“.

(via ars technica & futureoftheinternet.org)

Abb.: Flickr/Blume Fou

PayPal sorgt für E-Book-Zensur: SmashWords muss Katalog säubern

Nicht nur Whistleblower oder Filehoster können Probleme mit PayPal bekommen – der Online-Finanzdienstleister nutzt seine Macht mittlerweile auch, um völlig legal erhältliche Inhalte aus dem Web zu verbannen. Jüngstes Beispiel ist SmashWords. Von PayPal mit einem Ultimatum bedroht, musste die Self-Publishing-Plattform ihre AGB in wenigen Tagen ändern und zahlreiche E-Books mit erotischen Inhalten aus dem Verkehr ziehen. Die gesamte Plattform ist technisch eng mit PayPals Bezahlsystem verwoben, sowohl was den Buchverkauf wie auch die Ausschüttungen an Autoren betrifft. Somit hatte das Unternehmen keine Alternative, als sich dieser Form von nicht-staatlicher Zensur aus rein moralischen Gründen zu unterwerfen. Der erste Verfassungszusatz (First Amendment) der US-Verfassung schützt zwar vor Zensur, aber nur, wenn sie von staatlicher Seite aus erfolgt. Auch klassische Gatekeeper wie Apple oder Amazon haben ihre Macht bereits für inhaltliche Eingriffe missbraucht, neben E-Books waren dabei auch Apps betroffen.

Moral versus Fantasie

PayPals oberste Sittenwächter haben sich offenbar auf ganz bestimmte Bereiche eingeschossen: „Their hot buttons are bestiality, rape-for-titillation, incest and underage erotica“, schreibt SmashWords-Gründer Mark Coker in einer Mail an Autoren und Verleger. Fragen des guten Geschmacks dürfe man aber nicht mit dem Recht auf freie Rede vermischen: „Wenn wir anderen die Kontrolle darüber erlauben was wir denken und schreiben, geraten wir auf abschüssiges Gelände. Fiktion beruht auf Fantasie. Sie ist nicht real. Ich war immer der Meinung, Autoren fiktionaler Geschichten und ihre Leser sollten die Freiheit haben, im Geiste die unterschiedlichsten Themen zu erforschen“. Aus der Perspektive der Imagination sei es kein großer Unterschied, ob es nun um erotische Geschichten gehe, um einen Thriller, der uns in den Kopf eines Terroristen versetzt oder um eine Horror-Story aus Sicht eines Axtmörders bzw. seines Opfers.

Autoren fehlen Ausweichmöglichkeiten

Obwohl Coker selbst ein vehementer Gegner jeder Form von Zensur ist, musste er sie jetzt selbst ausüben – und Autoren bitten, bestimmte Texte, die unter PayPals Ausschlusskritieren fallen, aus dem SmashWords-Katalog zu entfernen. „Es ist für uns einfach nicht machbar, zu einem anderen Payment-Anbieter zu wechseln. Selbst wenn ein passener Anbieter existieren würde, wäre die Zeit dafür einfach zu kurz gewesen.“ Doch auch für viele Autoren gibt es leider kaum vergleichbare Ausweichmöglichkeiten in Sachen Distribution. SmashWords ist in den USA neben Amazons KDP-Programm die wichtigste Self-Publishing-Plattform. Self-Publisher können ihre Texte als Word-Doc hochladen und in verschiedene DRM-freie E-Book-Formate konvertieren. Sie erhalten 85 Prozent Tantiemen und können Pricing und Vertriebskanäle selbst bestimmen. Erst vor wenigen Tagen hatte der SmashWords-Blog stolz verkündet, erstmals seien mehr als 100.000 Titel im Angebot. Dank PayPal sind es nun wohl schon wieder ein paar weniger.

(via TechCrunch & Digital Reader)

Abb.: flickr/Isaac Mao

Immer Ärger im App Store: Illustrierte Stern muss iPhone-App zensieren

Stern iphone App Store Apple.jpgApple greift hart durch: die Illustrierte Stern musste ihre iPhone-App kurzfristig aus dem App Store zurückziehen, da Apple einige Abbildungen für anstössig hielt. Nun ist die App zwar wieder da – aber in redaktionell überarbeiteter, also zensierter Fassung. Genervt von zu viel Kontrollen wenden sich derzeit immer mehr Entwickler anderen mobilen Content-Plattformen wie Googles Android zu.

Erfolg spielt keine Rolle – wer im App Store gegen den Jugendschutz verstößt, fliegt raus


Wenn es um den App Store geht, versteht Apple keinen Spaß: Inhalte für iPhone oder iPod Touch, die gegen den Jugendschutz verstoßen, werden nicht zugelassen oder wieder entfernt. Vor einiger Zeit traf es sogar ein Wörterbuch der englischen Sprache, dass wie bei Dictionarys üblich auch gängige Schimpfworte enthielt. Am Ende mussten sich die Verfasser beugen – erst als die Lemmata gesperrt wurden, bekam die App eine Zulassung. Nun traf es die Illustrierte Stern – mit deren iPhone-App seit Februar 2009 ein direkter Zugriff auf den Content der Web-Seite möglich ist. Dabei war allerdings auch eine Fotostrecke mit leicht bekleideten Dessous-Modellen. Apple reagierte wie üblich – die App flog raus. Es habe einen „Dissenz um die Erotik-Galerie“ gegeben, so Kurt Otto, Pressesprecher des Hamburger Verlags Gruner+Jahr gegenüber SPOL. Dabei spielte es auch keine Rolle, dass bereits mehr als 380.000 Downloads erfolgt waren. Allerdings war es eine Gratis-App – bei allen Kauf-Apps streicht das Unternehmen dreißig Prozent des Verkaufspreises als Provision ein. Nun ist die App wieder da – „Die Software läuft nicht nur noch flüssiger, ihr wurden auch eine Reihe neuer Features spendiert“, heißt es auf stern.de, von der Zensurmaßnahme ist keine Rede.

Apple hat Probleme: Einen Content-Filter für iPhone & iPod gibt es noch nicht


Stern Magazin iPhone App Store Apple.jpgTatsächlich kann Apple bei problematischen Inhalten auf die Regularien des App Stores verweisen: “Einsendungen dürfen keinen obszönen, pornographischen oder beleidigenden Inhalt enthalten (Texte, Zeichnungen, Bilder, Fotografien, etc.) oder sonstigen Inhalt der nach Einschätzung von Apple von Benutzern des iPhones oder iPod Touch als anstößig empfunden werden könnte.” Das hat gar nicht so viel mit amerikanischer Prüderie zu tun, sondern mit einem technischen Problem: es gibt nämlich bisher keine Möglichkeit, für jugendliche iPhone und iPod-Nutzer solche Inhalte zuverlässig aus dem Angebot im App Store heraus zu filtern. Gleichzeitig sind Minderjährige jedoch ein wichtiger Kundenstamm, den Steve Jobs lieber nicht durch eine entsprechendes XXX-Rating seiner Inhalte verlieren möchte.

Ist Googles Android eine bessere Alternative für App-Entwickler?


Doch mittlerweile sind viele Software-Entwickler zunehmend genervt von Apples rigider Content-Politik – und kritisieren lauthals das intransparente Zulassungsverfahren der „App Review“. Wie heise online berichtet, erwägen einige nun auch den Umzug zu anderen Plattformen: „Bei Googles Android oder Palms WebOS wird nämlich nicht auf ‚Unangemessenheit‘ geprüft, sondern nahezu alles durchgewinkt, auch wenn das potenziell schlecht für die Sicherheit sein könnte.“ Bei Gruner+Jahr ist man ohnehin schon so weit – denn parallel zur iPhone-App ist auch eine Anwendung für Android-Smartphones gestartet worden.
Dem iPhone bleibt man trotzdem weiter verbunden – demnächst auch mit Apps für Titel wie Gala, FTD und Brigitte: „Der Kanal Mobile entwickelt sich leise zum Standard“, so Oliver von Wersch, der Leiter Mobile bei G+J Electronic Media Sales, gegenüber dem Branchendienst kress.