Schnelles E-Ink mit Glamour-Faktor: Cybook HD Frontlight im Test

Thalia stellt sich im E-Reader Geschäft neu auf – und setzt auf das Cybook von Bookeen. Bereits die im Sommer 2012 vorgestellte Version („Cybook Odyssey“) überzeugte mit High-Speed-E-Ink und reaktionsschnellem Touch-Screen. Zum Weihnachtsgeschäft startet nun ein Nachfolgermodell mit nochmals verbesserter Performance: das Cybook HD Frontlight bietet nicht nur XGA-Auflösung (758x1024 Pixel), sondern eine Glowlight-Funktion – das sorgt für hervorragenden Kontrast und perfekte Lesbarkeit bei allen Lichtverhältnissen. Thalias hauseigener eBook-Store ist bereits auf dem Gerät vorinstalliert, komfortablem E-Book-Shoppen via WLAN steht also nichts mehr im Weg. Der glamouröse 6-Zoller eignet sich aber nicht nur zur E-Book-Lektüre, sondern dank integriertem Browser auch zum einigermaßen ruckelfreien Internet-Surfen. Fazit: Für 129 Euro erhält man ein High-End-Gerät, das mit Kindle Paperwhite und Kobo Glo in einer Liga spielt. [Update April 2013: Leider hat Thalia den HD Frontlight zugunsten des Tolino ausgelistet, bei Bookeen u.a. kann man ihn aber noch bestellen]

Spaciges Design, nützliche Extras

Auf der Suche nach einer Alternative zum Sony-Reader ist Thalia jenseits des Rheins fündig geworden: bei Bookeen. Im E-Lese-Sektor können die Franzosen schon als Traditionsunternehmen gelten, immerhin brachen sie bereits im Jahr 2001 das erste „Cybook“ auf den Markt. Auch mit dem neuesten Cyber-Buch setzt Bookeen wieder Maßstäbe – angefangen beim „spacigen“ Design, das irgendwie an Star-Trek-Gadgets erinnert. Mit nur einem einzigen Menübutton unter dem Display macht das Cybook HD Frontlight zugleich natürlich stilistische Anleihen beim Minimalismus des iPad. Ungewöhnlich für einen Touch-Screen-Reader, aber durchaus nützlich sind zudem die seitlich des Displays angebrachten Umblättertasten. Die Rückseite aus gebürstetem Aluminium lässt das 180 Gramm schwere Cybook gut in der Hand liegen.

Glimmerlicht: Wenn die elektronische Tinte leuchtet

Drückt man nach dem Einschalten ein paar Sekunden auf die Menütaste, wird automatisch das Glimmerlicht eingeschaltet – und zugleich das passende Menü eingeblendet, um die Helligkeit zu regulieren. Erneutes Drücken der Menütaste schaltet das Glimmerlicht wieder aus. Der Effekt ist frappierend: Schon bei normalem Tageslicht und geringer Leuchtstufe erscheint der Hintergrund mit Glimmerlicht deutlich heller, der Kontrast lässt sich von bedrucktem Papier kaum noch unterscheiden. Die Buchstaben selbst sind jedoch nicht ganz so schwarz, wie man es etwa vom Kindle-Reader gewohnt ist. Das Funktionsprinzip des Glowlight-Features lässt sich erahnen, wenn man im schrägen Winkel auf den Displayrand schaut – dann sieht man nämlich eine Reihe von LEDs, die mit ihrem seitlich eingestrahlten Licht das indirekte Glimmern des Displays erzeugen. Liest man in abgedunkelten Räumen, hat das Leuchten einen ins blau-graue gehenden Farbton.

High-Speed-E-Ink sorgt für rasanten Zoom

Im alltäglichen Gebrauch macht sich neben dem Glowlight und der deutlich verbesserten Pixeldichte auch die HSIS-Technologie angenehm bemerkbar. Man kann sich per Fingerwisch durch Menüs bewegen, mit der vom iPad gewohnten Zweifingergeste in den Text hineinzoomen oder herauszoomen (20 Zoomstufen), und auch das Umblättern funktioniert mit dem Finger. Das Aufrufen eines Titels aus der Bibliothek wurde durch eine kleine Animation aufgepeppt: das Coverbild scheint auf den Betrachter hinzuzuschnellen. Besonders beeindruckend ist die Geschwindigkeit, mit der man sich im integrierten Browser durch Webseiten scrollt – hier bietet das Cybook HD Frontlight tatsächlich Tablet-Feeling. Die im Vergleich zum Vorgängermodell weggefallene Audio-Funktion lässt sich angesichts des gestiegenen Lesekomforts leicht verschmerzen.

Komfortable Leseansicht

Die Leseansicht ist angenehm puristisch gehalten, neben der Titeleinblendung im Seitenkopf wird am unteren Ende die Seitenzahl eingeblendet (beide Anzeigen lassen sich übrigens auch deaktivieren). Ruft man das Hauptmenü auf, werden die Optionen nur in der unteren Hälfte der Leseansicht eingeblendet. Sobald man eine Einstellung ändert – etwa Schrifttype oder Ausrichtung — , kann man das Ergebnis in der oberen Hälfte gleich mitverfolgen. Ähnlich wie beim Kindle lässt sich die Anzeige des E-Books weitgehend nach individuellen Wünschen einstellen. Sogar Silbentrennung und Ligaturen kann man ein- und ausschalten. Sieben Schrifttypen mit oder ohne Serifen stehen zur Auswahl. Bei kleiner Fontgröße kann das Cybook HD Frontlight jedoch in punkto Lesbarkeit jedoch nicht mit Amazons speziellen Schrifttypen mithalten.

Drahtloses Shoppen in Thalias E-Store

Ein weiterer Vorteil des Cybook HD Frontlight ist natürlich der integrierte E-Store, der Oyo-Nutzern vom Look&Feel her bereits vertraut sein dürfte. Thalia zufolge sind mehre hunderttausende E-Books verfügbar, das Angebot kann sich also durchaus sehen lassen. Genauso aber auch der E-Store selbst: Kleine Coverbildchen und die Aufteilung des Screens in wenige Schaltflächen schaffen Übersichtlichkeit, die Ansicht einzelner Titel bietet gute Beschreibungen und in vielen Fällen auch kurze Leser- und Buchhändlerrezensionen. Wer auf der Suche nach Sonderangeboten ist, kann direkt vom Startmenü des E-Stores aus auf Schnäppchensuche gehen.

Fazit: High-End-Lesegerät zum günstigen Preis

Der neue Standard bei E-Ink-Readern lautet eindeutig: XGA-Auflösung, schnelles Touch-Screen und Glowlight. Mit dem Cybook HD Frontlight spielt Thalia in dieser Liga ganz vorne mit. Bookeens neuester Streich zeigt, wo es mit E-Ink langgeht – ein kombiniertes Lese- und Surftablet mit elektronischem Papier, optimalem Kontrast bei allen Lichtverhältnissen, aber maximaler Reaktionsgeschwindigkeit des Touch-Screens scheint mittlerweile in greifbarer Nähe zu liegen. Wie man am Cybook sehen kann, muss dabei die Kombination von hoher Auflösung, Touch-Screen und Glimmerlicht auch nicht auf Kosten der Akkuleistung gehen. Für 129 Euro bekommt man in der Thalia-Filiale um die Ecke oder online bei Thalia.de ein High-End-Lesegerät, das gerade Viellesern einen echten Mehrwert bietet.

Bookeen Cybook HD Frontlight (Thalia.de)


Display

6 Zoll Pearl E-Ink Display,
758x1024 Pixel (16 Graustufen),
Multi-Touch, High Speed Ink System (HSIS), Glowlight

Gewicht

180 Gramm

Schnittstellen

WLAN, Mikro-USB, SD-Kartenslot

Speicher

2 GB intern, max. 32 GB extern

E-Book-Formate

epub (DRM), PDF, txt etc.

Zus. Features

Thalia E-Store, Glowlight

Preis

149 Euro (Bookeen)

Abb.: E-Book-News

Hochaufgelöste E-Book-Lektüre: iRiver Story HD im Test

Premiere für hochauflösendes E-Ink: mit dem iRiver Story HD erreicht elektronische Lektüre erstmals XGA-Qualität (768 mal 1024 Pixel). Gestochen scharf werden auf dem über den Buchhandel sowie online vertriebenen Lesegerät nicht nur Buchstaben, sondern auch Menüs und Bilder dargestellt. Optisch erinnert der iRiver Story HD durch die Qwertz-Tastatur unter dem Display an das Kindle 3 oder Acers LumiRead. Dank WiFi-Funktion kann man E-Books direkt im E-Store des lokalen Buchhändlers kaufen. Wo man den Reader selbst vor Ort bekommt, verrät eine spezielle Online-Suche. Damit der iRiver Story wirklich zum Erfolg wird, sind aber noch ein paar Anpassungen nötig. Denn der schlecht formatierte E-Store führt den Schritt zu High Density durch winzig kleine Buchstaben und Menüs leicht ins Absurde – ohne Lupe ist das Einkaufen kaum möglich. Alles weitere verrät unser Testbericht…

“Google Reader“ wurde eingedeutscht

Der „Google Reader“ kommt nach Deutschland – doch Google steckt nicht dahinter. Kaufen kann man den iRiver Story HD bei uns nämlich in der Buchhandlung an der Ecke, und zwar zum Preis von 149 Euro (über Anbieter wie buecher.de gibt’s das Gerät aber auch online). Dafür sorgt Deutschland wichtigster Buchgroßhändler Koch, Neff & Volckmar (KNV). Ähnlich wie Libri ermöglicht KNV dem Buchhandel damit, vom E-Book-Handel zu profitieren – für alle Titel, die via WiFi über den integrierten E-Store des Readers gekauft werden, erhalten die Buchhändler eine Provision. Das virtuelle Bücherregal kann sich sehen lassen: mehr als 155.000 E-Books sind erhältlich. Geliefert wird der iRiver Story mit deutscher Tastatur & Menüführung, deutschsprachigem Handbuch und einem Mikro-USB-Kabel.

Optisch auffälliges Design in Karamell

Optisch setzt sich der iRiver Story von vergleichbaren Geräten ab – vor allem durch die karamellfarbene Rückseite und transparente, abgerundete Bedienelemente. Das Design ist ebenso simpel wie elegant, alle Tasten sind direkt unter dem Display angeordnet. Eine längliche, metallisch schimmernde Leiste dient als Richtungstaste, ebenso aber zum Umblättern. Links und rechts davon findet man Home-, Back-, Enter- sowie Menü-Taste. Der Mikro-USB-Port ist an der Unterkante des Lesegerätes angebracht, auf der Rückseite kommen noch SD-Kartenslot und eine Slider-Taste zum Ein- und Ausschalten dazu. Im Ruhemodus zeigt der iRiver Story HD wechselnde Bildschirmschoner an, das Hochfahren dauert nur wenige Sekunden. Im Ruhemodus hält der Reader bis zu sechs Wochen durch, die Leseperformance wird vom Hersteller mit 14.000 Seitenwechseln angegeben.

Übersichtliche Gestaltung

Das Homescreen ist angenehm übersichtlich gestaltet: direkt unter dem Zugang zum E-Store wird Titel und Miniatur-Cover des zuletzt geöffneten E-Books angezeigt, dann beginnt die Auflistung der auf dem Reader vorhandenen Lektüre. Die E-Bibliothek kann nach Titel, Autor, persönlichen Favoriten oder dem Lesedatum geordnet werden. Die Position im jeweiligen Menü wird durch eine geschweifte Klammer angezeigt, eine typografisch gelungene Lösung. In der Kopfzeile zeigt der iRiver Story neben der Uhrzeit und dem Ladezustand des Akkus auch an, ob eine W-LAN-Verbindung aktiv ist oder im SD-Kartenslot eine Speicherkarte steckt. Über die Menütaste („Options“) gelangt man vom Home-Screen aus zu den grundlegenden Geräteeinstellungen.

Gestochen scharfes Schriftbild

In der Leseansicht kann der iRiver Story HD seine Stärken voll ausspielen – die Buchstaben sind gestochen scharf, selbst das Kindle kann da bei dieser Auflösung nicht mithalten. Die feine Pixelung erlaubt zudem bei der grafischen Menüführung feinste Linien und Hintergrundschraffuren. Auch Illustrationen machen einen geradezu atemberaubend Eindruck. Der Kontrast dagegen ist etwas schlechter als bei Pearl-E-Ink-Displays. Im Vergleich zum Kindle 3/4 wirkt der Hintergrund dunkler, die Buchstaben heller. Die Seitenwechsel sind rasant, allerdings ist die Umblättertaste etwas schwergängig. Sowohl epubs wie auch PDFs werden problemlos angezeigt, dank aktivierbarer Reflow-Funktion werden auch letztere in gut lesbarer Form umgebrochen.

Spartanisch bei den Textfunktionen

Ein G-Sensor wurde nicht verbaut, über eine spezielle Taste links neben der Space-Taste kann man aber manuell zwischen Hoch- und Querformat wechseln. Spartanisch zeigt sich der iRiver Story bei den sonstigen Textfunktionen: sie beschränken sich neben der Änderung der Schriftgröße auf das Hinzufügen von Lesezeichen und die Stichwortsuche. Markierungen oder Notizen sind nicht möglich – das schränkt auch die Nutzung des vorinstallierten Lexikons ein. Denn das betreffende Wort muss erst umständlich über die Tastatur eingegeben werden. Bereits bei der Artikelansicht im Lexikon zeigt sich auch eine der Merkwürdigkeiten des iRiver Story HD: die Schriftgröße ist so winzig wie das Kleingedruckte in Mobilfunkverträgen. Das XGA-Display macht’s möglich, sinnvoll ist das aber nicht.

Ärgerliche „Kleinigkeiten“ beim Layout

Noch absurder ist das Layout des E-Stores. Der von KNV zur Vermarktung des Readers gewählte Slogan „Lesen leicht gemacht“ wird genau ins Gegenteil verkehrt – Menüelemente, Info-Texte, ja selbst die Miniaturcover sind so klein, das bei der Benutzung keine Freude aufkommt. Die Position des Cursors bzw. des jeweils aktiven Bereichs kann man ebenfalls nur mit Mühe erkennen. Schade ist zudem, dass sich in dem von Libreka bestückten E-Store keine Leseproben herunterladen lassen. Hier muss KNV noch dringend nacharbeiten – denn das drahtlose Shoppen macht schließlich den größten Komfort-Faktor eines WiFi-Readers aus. Von solchen ärgerlichen „Kleinigkeiten“ abgesehen darf der iRiver Story HD als das wohl interessanteste Lesegerät der diesjährigen Weihnachtssaison gelten. Vor allem, weil sich sich auf das Wesentliche beschränkt, das Lesen nämlich, und dies zugleich in bisher unerreichter grafischer Qualität.

iRiver Story HD (KNV)


Display

6 Zoll E-Ink, 1024x768 Pixel, 16 Graustufen

Gewicht:

207 Gramm

Schnittstellen

USB, WLAN

Speicher

2 Gigabyte intern, max. 32 Gigabyte extern

E-Book-Formate

epub (DRM), PDF (DRM)

Audio-Features

keine

Preis

149 Euro (im lokalen Buchhandel) oder online via buecher.de