„Stop the presses“: Macmillan stellt Druck von Wörterbüchern ein

„Haltet die Druckerpressen an“, liest man heute im Blog des Wörterbuchverlags Macmillan. Klingt dramatisch, und ist es auch. Denn nach fast 150 Jahren werden die renommierten englischsprachigen Dictionaries in diesen Wochen zum letzten Mal gedruckt. Ab 2013 heißt es dann: digital only. Nach dem Ende der Encyclopedia Britannica fällt damit bereits das zweite große Standardwerk dem World Wide Web zum Opfer. Doch beim Verlag selbst übt man sich in typisch britischem Understatement. Ein Grund für das Ende der Papierversion sei schlicht der zunehmende Erfolg des Macmillan Online-Dictionary.

Für Wörterbuch-Herausgeber Michael Rundell ist der Übergang von Print zu Online sogar ein echter Grund zur Freude: „Das Ende von Print ist ein Moment der Befreiung – denn endlich haben unsere Dictionaries das perfekte Medium gefunden.“ Das habe nicht nur etwas mit Benutzerfreundlichkeit zu tun, sondern auch mit Aktualität: “Gedruckte Wörterbücher werden nur alle vier, fünf Jahre überarbeitet. Online können wir dagegen regelmäßig neue Wörter und Redewendungen aufnehmen, und damit auf die sich ständig verändernde Rolle von Englisch als Weltsprache für Wissenschaft, Business und soziale Medien reagieren.“

Ohnehin hat Macmillan die Web-Präsenz in den letzten Jahren konsequent ausgebaut, vom Crowdsourcing-Projekt ‚Open Dictionary‘ bis hin zur wöchentlichen Buzzword-Kolumne. Natürlich hängt die Entscheidung zum Anhalten der Druckerpresse vor allem auch mit dem sich ändernden Kosten-Nutzen-Verhältnis zusammen – Print ist zu teuer geworden. Ähnlich wie die Encyclopedia Britannica stand Macmillan bereits in den 1990er Jahren vor dem Ausverkauf, in diesem Fall bekam die deutsche Holztbrinck-Gruppe den Zuschlag.

Schuld am Niedergang hat nicht nur das World Wide Web. Auch die Integration kompletter Dictionaries in elektronische Lesegeräte und E-Reading-Apps dürfte ihren Teil beigetragen haben. Immerhin bleiben die Nachschlagewerke so auch in Zukunft ein tragbares Vademecum: “Unsere Marktforschung zeigt uns, dass die Leute sich heutzutage über Wortbedeutungen mittels PC, Tablet oder Smartphone informieren“, so Stephen Bullon, Verlagsleiter bei Macmillan Education. „Die klare Botschaft lautet: die Zukunft des Wörterbuchs ist digital“.

Abb.: Screenshot

Google startet Online-Wörterbuch, ohne darüber viele Worte zu verlieren

google-woerterbuch-neuer-service-google-dictionary-bild_flickr_jim_barterGoogle hat klammheimlich einen neuen Online-Service gestartet: unter www.google.com/dictionary findet man ein mehrsprachiges Wörterbuch. Insgesamt 28 Sprachen sind vertreten, von Englisch, Deutsch oder Französisch bis zu Arabisch, Chinesisch oder Hindi. Wer ein Suchwort eintippt, bekommt nicht nur die direkte Übersetzung geliefert, sondern auch Worterklärungen von Online-Enzyklopädien wie etwa Wikipedia. Deutsche Benutzer haben bisher allerdings nur eine Übersetzungsoption: Deutsch-Englisch bzw. Englisch-Deutsch.

Das Wörterbuch greift nicht nur auf’s Web zu, sondern auch auf interne Datenquellen

Google-Wörterbuch? Noch gibt’s auf der Google-Startseite keinen Hinweis auf das allerneueste Feature des Suchmaschinen-Riesen. Entdeckt wurde das neue Feature überhaut erst vom TechBlog der LA Times. Geht man auf www.google.com/dictionary, erwartet einen die ebenso bewährte wie schlanke Suchmaske, wie man sie von Google gewohnt ist. Schon bisher konnte man Wörter „nachschlagen“, in dem man das Präfix „define:“ in die Suchmaschine eingab. Als Ergebnis wurden Inhalte von Webseiten ausgespuckt, die mehr oder weniger sinnvolle Erklärungen zum gesuchten Wort ergaben. Nun gibt es also ein richtiges Wörterbuch-Interface, das offenbar auf Google-interne Datenquellen zugreift.

Der neue Service besteht parallel zu Googles Sprachtools

Gegenüber der LA Times schätzte Wörterbuch-Experte Alex Zudin, dass sich Googles neuer Service vor allem für alltägliche Anwender lohnen werde, für den Schul- und Hochschulbetrieb seien die Lexikoneinträge nicht ausführlich genug. Der neue Service hat nichts mit den Google-Sprachtools zu tun – die Übersetzungsmöglichkeiten für Phrasen, Sätze und ganze Textpassagen bleiben parallel zum Google-Dictionary auch weiterhin bestehen. Für deutsche Benutzer lohnt sich eigentlich nur Deutsch-Englisch bzw. Englisch-Deutsch. Die einsprachige Version – das „Deutsch-Wörterbuch“ existiert zwar ebenfalls, doch anders als etwa beim einsprachigen Englisch-Wörterbuch werden ausschließlich Webinhalte angezeigt.