Das Medium ist die Message: Wired-Magazin ab 2010 auf dem E-Reader

wired-magazin-ab-2010-auf-dem-e-reader-adobe-conde-nastDas Wired-Magazine kommt auf den E-Reader – Condé Nast und Adobe arbeiten an einer digitalen Version, die Mitte 2010 verfügbar sein soll. Nach Informationen des Wall Street Journal ist ein ähnlicher Schritt auch für Vogue, Vanity Fair und den New Yorker geplant. Condé setzt offenbar darauf, dass bis Mitte nächsten Jahres E-Reader mit Farb-Display auf dem Markt sind, die auch Fotostrecken und aufwendiges Layout in ausreichender Qualität darstellen können.

Wired war schon öfter medialer Trendsetter – nun also für das E-Mag

Wired auf dem E-Reader – das wird auch Zeit: Im verdrahteten Zeitalter sollte ein Techie-Magazin mit gutem Beispiel vorangehen. Seit ihrer Gründung 1993 hat sich die Zeitschrift dem Einfluss der Technologie auf Wirtschaft, Politik und Kultur verschrieben. Zu den Säulenheiligen der Redaktion gehört nicht zufällig Marshall McLuhan – die Message des Mediums lautet nun: die Zeit ist reif für E-Paper. Damit bleibt man in der Tradition als Trendsetter. Schon öfter wurden vom Verlagsort San Francisco aus nicht nur mediale Hypes angeschoben, sondern auch gleich die passenden Begriffe dafür geprägt – siehe etwa „Crowdsourcing“ oder „Long Tail„. Im Internet ist Wired natürlich auch schon präsent – in Verbindung mit einem ganzen Konglomerat an Techie-Blogs Gadget Lab, Wired Science oder Danger Room. Wired als erstes echtes E-Mag für E-Reader mit Farb-Display wäre ein weiterer Meilenstein – wenn es bis 2010 wirklich die passenden Geräte gibt.

Unterstützt die nächste E-Reader-Generation genügend „Rich Design“-Features für eine echtes E-Mag?

Die neue Wired-App für E-Reader kommt mit Features, die mittlerweile für Web-Nutzer schon zum Standard geworden sind: animiertes Umblättern, Zoomfunktion, Videos und Hyperlinks ins Netz der Netze. Wired-Chefredakteur Chris Anderson hofft, die nächste E-Reader-Generation werde möglichst viele „Rich Design“-Elemente unterstützen, die im Magazin-Journalismus üblich sind. Bisher war die Zeitschriften-Branche weder vom Web noch von E-Ink-Displays besonders begeistert : „Die bisherigen Lösungen für E-Paper haben sich nicht bewährt und sind auf dem Rückzug – niemand will am Bildschirm lesen indem er laufend rein und raus zoomt“, so beklagte unlängst Michael Himmelstoß, Verlagsleiter Fachzeitschriften beim Carl Hanser Verlag, gegenüber Buchreport. Auch von E-Ink hält Himmelstoß bisher nicht viel: „Die aktuellen Reader, wie der Kindle von Amazon oder der Sony-Reader, sind für Zeitschriftencontent nicht geeignet.“ Technische Verbesserungen erwartet der deutsche Experte erst „in einigen Jahren“. Ob die Zeitschriftenbranche angesichts von Rückgängen von bis zu 25% bei den Werbeumsätzen wirklich noch so lange warten kann, ist allerdings fraglich. Das zeigt die Offensive von Condé – denn dort hofft man offenbar, großformatige und farbige Anzeigen in der E-Version des Wired-Magazins platzieren zu können.

Wie die Zukunft von Lifestyle-Magazinen auf mobilen Geräten aussieht, kann man schon jetzt auf dem iPhone sehen

Die Anzeigenkrise im Printbereich hat auch diesen Verlag schwer getroffen. Im September 2009 musste Condé sein Gesamtbudget um 25% kürzen – hunderte Mitarbeiter wurden entlassen, ein halbes Dutzend Magazin-Titel sind inzwischen eingestellt worden. Das mehr als hundert Jahre alte Magazin „House and Garden“ war sogar schon Ende 2007 unter die Räder gekommen. Ob die Zukunft der Lifestyle-Zeitschriften tatsächlich auf den Displays mobiler Geräte liegen wird, kann man übrigens schon jetzt beurteilen. Für iPhone-Nutzer gibt es eine Sneak-Preview en miniature aus dem Hause Condé Nast – die neueste Ausgabe des Hochglanz-Titels „GQ“ (Gentleman’s Quarterly) kann man seit dieser Woche im App Store für 3 Euro 99 herunterladen. Erster Eindruck: schön bunt, intuitiv zu benutzen, aber eben auch ganz schön klein. Für echten Lifestyle braucht man wohl tatsächlich ein größeres Display…

„Free“: Wired-Chefredakteur Anderson stürmt Bestseller-Listen mit Gratis E-Book

Kostenlose E-Books sind ein perfektes Marketing-Instrument: erst recht, wenn das Wort „Free“ bereits im Titel vorkommt. Das neue Buch von Wired-Chefredakteur Chris Anderson zum Thema „Free -The Future of a Radical Price“ ist dafür der beste Beweis – das Plädoyer für eine neue Preispolitik hat es in kurzer Zeit bis in oberen Ränge der New York Times-Bestsellerliste geschafft. Parallel zur Hardcover-Version gibt es für kurze Zeit eine Gratis-Version u.a. bei Google Books, aber auch einen kostenlosen Download des Hörbuchs bei Audible.

„Time is Money“: Die Premium-Version des Hörbuchs ist nur halb so lang

Schon mit seinem ersten Buch „The Long Tail“ beschreibt Anderson die veränderten ökonomischen Bedingungen im Zeitalter des Internet-Marketing: auch mit Nischenprodukten lässt sich hier viel Geld verdienen, da etwa im MP3-Musik-Business praktisch keine Vertriebs- und Lagerkosten anfallen (Anderson spricht vom „unlimited shelf space“). Gerade bei der Ware Information gibt es aber auch noch eine andere Möglichkeit: da die Herstellung von Kopien nichts kostet, kann man den Absatz auch durch Gratis-Versionen fördern. In Andersons Fall hat das geklappt: Mehr als 300.000 Leser haben sich die kostenlose Version online beschafft. „Kannibalisierende Effekte“ gab es offenbar kaum: „Free“ hat einen sehr guten Amazon-Verkaufsrang erreicht. Das heißt allerdings nicht, dass „Free“ weiterhin „for free“ zu haben sein wird: das E-Book und Hörbuch kann nur für kurze Zeit für lau heruntergeladen werden. Zudem gibt es schon jetzt eine spezielle Hörbuchfassung als Premium-Version: sie ist nur halb so lang, bietet dafür aber einen vom Autor persönlich zusammengestellten Best-Off-Zusammenschnitt. Andersons Argument dabei: „Time is Money“…

Alles für alle, und zwar umsonst? Von wegen: die Gratis-Versionen gibt’s nur in den USA

Die Gratis-Strategie hat vor allem potentielle Käufer in den USA im Visier: sowohl bei Google Books wie auch bei Audible gelten für den Vertrieb ‚“geographische Restriktionen“. Den Europäern bleibt aber zumindest die Möglichkeit, eine gezippte Version des Hörbuchs direkt bei Wired herunterzuladen. Anderson selbst hat sich für dieses Problem bereits auf seiner Website entschuldigt. Er spricht sogar von der Möglichkeit, in Zukunft weitere Gratis-Aktionen auch in anderen Ländern zu starten, wenn dort eine Übersetzung seines Buches erscheint.

Deutschland gehört nicht zur „freien Welt“: E-Books sind nur Vertriebskanal, keine Marketingmaßnahme

Deutschland gehört in diesem Fall allerdings nicht zur „freien Welt“. Bei Campus erscheint zwar die Print-Fassung am 14. September unter dem Titel „Free – Kostenlos. Geschäftsmodelle für die Herausforderungen des Internets“. Die E-Book-Fassung wird jedoch unter ganz normalen Bedingungen verkauft. Franziska Schiebe, Online-Beauftragte beim Frankfurter Campus-Verlag, erklärte dazu gegenüber Buchreport: „E-Books sind bei Campus generell keine Marketingmaßnahme, sondern ein eigenständiger Vertriebskanal. Mit einem kostenlosen E-Book würden wir uns dieser Vermarktungsmöglichkeit ohne Not selbst berauben.“ Tja, daran merkt man vor allen Dingen eins: Wirklich gelesen hat das Buch bei Campus wohl nur der Lektor…