Ads for all: Alle KDP-Autoren können jetzt bei Amazon.com Buch-Werbung schalten

werbung-fuer-kdp-autorenGratis-Titel oder Preisaktionen sind bisher Marketing-Methode Nr. 1 für die meisten Indie-Autoren, die auf Amazons Kindle-Direkt-Publishing-Plattform (KDP) veröffentlichen. Zumindest in Deutschland. Denn via Amazon.com konnten Selfpublisher schon seit 2015 Online-Anzeigen schalten, um ihre E-Books im Kindle-Universum zu bewerben. Unter zwei Voraussetzungen: es musste sich sich um englischsprachige Bücher handeln, die zudem beim exklusiven Service „KDP Select“ angemeldet sind.

KDP Select-Anmeldung nicht mehr zwingend

Letztere Bedingung ist inzwischen offenbar weggefallen — wie Matthias Matting auf selfpublisher.de berichtet, stehen die Werbe-Dienstleistungen im Rahmen der „Amazon Marketing Services“ jetzt für alle bei KDP publizierten E-Books zur Verfügung. Der Bewerbung von Indie-E-Books via Display-Ad auf Artikelseiten bzw. gesponsertes Produkt in der Buch-Suche auf Amazon.com steht nun also nichts mehr im Weg, genügend Mittel vorausgesetzt.

Bezahlung nach Cost-Per-Click

Die Bezahlung erfolgt nach dem Cost-Per-Click-Verfahren, der werbende Autor legt ein Budget fest und wird in diesem Rahmen nur für die tatsächlich angeklickten Anzeigen zur Kasse gebeten. Bisher erscheinen die Anzeigen wie gesagt nur auf Amazon.com bzw. auf Fire-Tablets und Kindle-Readern von Amazon.com-Kunden – Werbung buchen dürfen jedoch auch Autoren aus Deutschland, soweit sie englischsprachie Titel auf Amazon.com veröffentlichen, siehe die deutschsprachige Hilfe-Seit bei KDP.

Werbung für deutsche Titel nur auf Umwegen

Wer für deutsche Titel — und zumal auf Amazon.de — Werbung schalten möchte, muss entweder warten, bis der neue Service auf Deutschland ausgedehnt wird, oder auf recht komplizierte Workarounds zurückgreifen. So lässt sich theoretisch z.B. Werbung buchen, wenn man Mitglied beim „Amazon Marketing Service“ ist, also als gewerblicher, registrierter Verkäufer auf der Plattform aktiv ist. Ebenfalls möglich, aber noch umständlicher ist die Anmeldung als Verkäufer via Amazon Marketplace, so dass man die eigenen Titel als „gesponserte Produkte“ bewerben kann.

Zeitungskrise passé? Print schrumpft bis 2018 langsamer, Digital wächst stärker (lt. BDZV)

bzdv-studie-print-schrumpft-langsamer-digital-waechst-staerkerSilberstreif am Horizont oder schon echte Trendumkehr? Die deutschen Zeitungsverlage melden nicht nur langsamer schwindende Printauflagen, sondern auch zunehmendes Wachstum bei digitalen Produkten: einer repräsentativen BDZV-Studie zufolge wird es bis 2018 nicht nur ein jährliches Plus von 5 Prozent bei E-Paper und Paid Content geben, sondern auch bei den Einnahmen mit digitaler Werbung. Die ganz großen Player (Top 15 Prozent) erwarten sogar mehr als 20 Prozent Wachstum.

Zeitungskrise erzeugt Abkehr vom Kerngeschäft

Allerdings haben die Verlage auch strukturell aus der Zeitungskrise gelernt und stellen sich immer breiter auf – neben das Kerngeschäft treten vermehrt neue Geschäftsmodelle wie Reiseveranstaltungen, Messen, Web-Dienstleistungen, Gutschein-Deals etc. Die große Mehrheit der Verlage plant, bis 2018 sogar 25 Prozent oder mehr ihrer Erlöse außerhalb des Kerngeschäfts zu erzielen, einige der großen Verlage planen sogar mit 50 Prozent und mehr.

Große Verlage in Start-Up-Einkaufslaune

Neben Digital-Abos und weiteren Online-Angeboten gehen auch immer mehr Zeitungsverlage auf Einkaufstour oder beteiligen sich an anderen Unternehmen bzw. Start-Ups. Die Geldströme landen immer öfter außerhalb klassischer Formate: Im Jahr 2013 wurden im Durchschnitt bereits 40 Prozent der Investitionen im Digital- und E-Commerce-Bereich getätigt. Der Hauptgrund dafür ist wohl klar: auf Print hofft niemand mehr so richtig, die Auflagen und Erlöse sinken weiter. Einzige Hoffnung: 2015 dürften sich die Verluste im Vergleich zu den Vorjahren reduzieren.

Abb.: Nick Page/Flickr (cc-by-2.0)

Reklame in E-Books: Verlage und Werbebranche auf der Suche nach neuen Marketing-Konzepten

werbung-in-e-booksWerbung in gedruckten Büchern galt lange Zeit als passé – auf dem Display von E-Readern könnten bezahlte Anzeigen aber bald wieder zum Alltag gehören. Vernetztes Lesen auf WiFi-Geräten, aber auch cloudbasierte Lektüre-Konzepte eröffnen ganz neue mediale Möglicheiten. Ähnlich wie bei Web-Werbebannern könnte Werbung in E-Books etwa kontextabhängig sein und regelmäßig aktualisiert werden. Eins hat sich allerdings nicht geändert: Ohne die Akzeptanz bei Lesern & Autoren läuft gar nichts.

RoRoRo macht’s vor: Werbung in Büchern ist nichts Neues

Werbung in E-Books? Bisher waren elektronische Bücher im digitalen Content-Universum die letzte Bastion reklamefreier Lektüre. Ob News-Portal, Zeitungs-App oder Reuters-Video – überall haben sich bunte Werbebanner und interaktive Online-Ads von Werbekunden oder Sponsoren etabliert. Werbefreie E-Books sind aber kein Erbe der Gutenberg-Galaxis, ganz im Gegenteil. In Taschenbüchern waren Anzeigen lange Zeit durchaus üblich. Nicht nur Verlagsanzeigen am Ende eines Buches, sondern auch „Werbeunterbrechungen“ mitten im Text. So stießen Rowohlt-Leser noch Anfang der Neunziger Jahre unvermittelt auf Reklame für Geldanlagen – allerdings noch keine Risikopapiere, sondern solide „Pfandbriefe & Kommunalobligationen“. Manchmal wurde Inhalt und Werbung auch ganz keck vermischt. So konnte man in der Nachkriegszeit in einer RoRoRo-Ausgabe von Hemingways Roman „Fiesta“ etwa lesen: „Alle Männer dieses Buches rauchen. Auch die reizende Lady Ashley, von ihren Freunden Brett genannt. Dies ermutigt uns, dem Raucher mit dem Wort FOX eine Zigarette zu nennen, deren Niveau dem eines guten Buches entspricht.“

Amazon hat schon ein Patent für Werbung in E-Books

Technisch stände schon jetzt ähnlich gearteter Werbung auf dem E-Ink-Display nichts im Weg – schließlich war bereits die grafisch gestaltete Buchwerbung früherer Tage in schwarz-weiß. Ein fester Anzeigenblock ließe sich also recht einfach in epub- oder PDF-Dokumente einfügen. Das US-Unternehmen Amazon hat bereit 2009 ein Patent veröffentlicht, das eine nachfragegesteuerte Kombination von Buch-Layout und Werbung beschreibt. Ähnlich wie bei Webseiten sollen die Werbebotschaften an den Kontext angepasst werden, und zudem so aktuell wie möglich sein – deswegen werden sie erst bei Auslieferung des E-Books automatisch hinzugefügt. Über Hyperlinks ließen sich bei der Lektüre auf vernetzten Geräten dann auch weitere Produkt-Informationen online abrufen. Während die Web-Inhalte veränderbar wären, soll die E-Book-Anzeige selbst allerdings in Amazons Konzeption unveränderlich bleiben. Nicht ganz zufällig formuliert ein zeitgleich eingereichter Patent-Antrag dieselbe Werbe-Technik in Verbindung mit der Auslieferung von Print-On-Demand-Titeln (natürlich ohne Hyperlinks).

Richtig dynamisch wird E-Book-Werbung aus der Cloud

Es geht auch weitaus dynamischer: Cloudbasierte E-Book-Modelle, wie sie momentan von Google oder Amazon vorangetrieben werden, ermöglichen schließlich, eingeblendete Werbebotschaften kurzfristig zu aktualisieren – zumindest, so lange die E-Books tatsächlich im Browser gelesen werden. Bei E-Publishing-Plattformen wie scribd.com wird dieses Konzept schon jetzt praktiziert – sowohl in Form von Werbebannern wie auch von Google-Textanzeigen in der Seitenspalte. Während bei solchen Amateur-Plattformen die Zustimmung zur Anzeigen-Vermarktung zu den Teilnahmebedingungen gehört, sieht die Sache im klassischen Verlagsgeschäft allerdings ganz anders aus – ohne die Zustimmung der AutorInnen geht in punkto E-Book-Werbung gar nichts. Absehbar ist bereits jetzt, das viele von ihnen sich gegen Reklame zwischen den Zeilen wehren würden, vor allem im Bereich Belletristik. Vielleicht ein Grund, warum sich große Verlage wie etwa Random House bei diesem Thema bisher abwartend verhalten.

Schafft Akzeptanz: Gratis-E-Books mit Sponsor-Anzeigen

Allerdings kommt es immer auf das Marketing-Modell an. Während viele LeserInnen wohl nicht bereit wären, den normalen Preis für ein E-Book mit Werbeeinblendungen zu zahlen, sieht es bei Gratis-Angeboten wieder anders aus. Darauf setzt beispielsweise der US-Anbieter Wowio. Wer etwa hier kostenlose E-Books herunterladen möchte, hat hier in vielen Fällen sogar die Auswahl zwischen DRM-freiem PDF- oder epub-Format. Dafür trifft man bei der Lektüre dann auf die eine oder andere Werbebotschaft der Sponsoren. So gibt es etwa Anzeigen am Anfang und am Ende, aber mancherorts auch zwischen einzelnen Kapiteln. Wowio bietet jedoch auch zusätzliche zielgruppengerechte Promotionmöglichkeiten: wie das Wall-Street-Journal berichtet, können etwa Kunden, die sich über die Movie-Site „Fandango“ Tickets für den neuen Jack Black-Streifen „Gulliver’s Travels“ bestellen, via Wowio kostenlos eine E-Book-Version des Swift-Klassikers herunterladen, die Sponsor-Anzeigen enthält.

Im Antikriegs-Klassiker was Neues: Bundeswehr-Werbung?

Ob Werbung in E-Books tatsächlich auf breiter Front voranschreitet, wird aber letztlich von der Aktzeptanz der LeserInnen abhängen. Gerade große Player wie Google setzen ja auf automatisch generierte, kontextabhängige Werbung. Genau das aber kann im seriösen Medium Buch zum Problem werden. Denn den Inhalt verstehen können die Algorithmen natürlich nicht. Möchte man wirklich in einem Buch wie „Im Westen nichts Neues“ Werbung für die Bundeswehr lesen oder in der „Straße der Ölsardinen“ Reklame für Fisch in Dosen? Zum Hardcover-Preis sicherlich nicht. Am Ende könnte es auch bei den zu Kauf angebotenen E-Books eine Trennung geben zwischen günstigen Page-Turnern und gehobener Belletristik. Ebenso dürfte das Alter der jeweiligen Zielgruppe eine Rolle spielen. Harry-Potter-Leser aus der Multitasking & Multimedia-Generation wären wohl Werbung zwischen den Zeilen gegenüber verständnisvoller als der konsumkritische, bibliophile Silver-Surfer, selbst wenn er Genussraucher sein sollte.

(via Teleread, Heise-Online, Kalingeling)

(Abbildung: Werbung für ein Spielzeug-Gewehr von Mattel in einem US-Comicbook der 60er Jahre)