Vom Oligarchen zum Hedgefonds: Britische Buchkette Waterstones wechselt erneut Besitzer

waterstones-schliesst-ebook-storeWaterstones ist Nummer zwei im britischen „Brick & Mortar“-Buchhandel, was die wechselhafte und zugleich kurze Geschichte des Unternehmens angeht, aber wohl unangefochten Nummer eins: erst in den 1980er Jahren von Tim Waterstones gegründet, in den Neunzigern an Branchenführer WHSmith verkauft, seit Ende der Neunziger zwischengeparkt bei der HMV-Holding, am Ende 2011 zum Schnäppchenpreis von 53 Millionen Pfund beim russischen Oligarchen Alexander Mamut gelandet.

Mamut macht ein Millionengeschäft

Stimmen die Gerüchte, hat Mamut damit ein gutes Geschäft gemacht – denn offenbar steht der Weiterverkauf an den US-Hedgefond Elliot Advisors kurz bevor, für einen dreistelligen Betrag irgendwo zwischen 100 und 250 Millionen Pfund. Das arithmetische Mittel beider Marken — also 175 Millionen Pfund — würde ungefähr dem Preis entsprechen, den Amazon-Chef Jeff Bezos in Dollar für den Erwerb der Washington Post gezahlt hat. Tja, Print-Unternehmen sind mittlerweile so eine Art Brilliantbrosche, die man sich ans Revers heftet.

Waterstones hat E-Book-Business aufgegeben

Als Multimilliardär Mamut sich 2011 die Buchkette schnappte, waren Waterstones Boomjahre längst vorbei. Nicht zuletzt wegen der harten Online-Konkurrenz: Im britischen E-Book-Business hatte längst Amazon die Zügel übernommen, kurzzeitig gab es dann auch eine Kooperation, inzwischen ist Waterstones komplett aus dem Geschäft mit elektronischen Bücher ausgestiegen. Das Filialgeschäft dagegen hat sich konsolidiert, mit derzeit 281 Ladengeschäften werden landesweit wieder Gewinne eingefahren. Was ja zumindest eine gute Nachricht in dieser Nachricht ist: das Kerngeschäft namens stationärer Buchhandel lässt sich mit dem richtigen Konzept immer noch profitabel betreiben.

(via The Digital Reader & The Bookseller)

Waterstones kapituliert endgültig vor Amazon: eigener E-Book-Store ist offline

waterstones-schliesst-ebook-storeEs ist ein harter Schnitt für Waterstones, und ein Super-GAU für die verbliebenen Kunden: Großbritanniens führende Buchhandelskette Waterstones gibt das E-Book- und digitale Hörbuch-Business auf. Der vom Distributor Overdrive versorgte E-Store ist bereits seit Anfang der Woche offline, die Accounts auf waterstones.com werden Mitte Juni abgeschaltet. Während gekaufte Audiobooks im Orkus verschwinden, wenn man sie nicht rechtzeitig herunterlädt, können die E-Book-Bibliotheken zu Kobo zu transferiert werden. Damit profitieren die Kanadier erneut vom Branchen-Ausstieg eines großen Namens, auch die Kunden des Sony-Stores landeten dort, nachdem der Konzern 2014 den Stecker zog.

Britischer E-Book-Markt gehört jetzt Amazon, Kobo & Co.

Aus dem E-Reader- bzw. Kindle-Verkauf — denn hier kooperierte das Unternehmen mit Amazon — war Waterstones bereits im letzten Herbst ausgestiegen, am Ende wurden kaum noch Lesegeräte verkauft. Mit dem Abschied vom E-Book-Geschäft wird der E-Book-Markt in Großbritannien nun überwiegend von international aufgestellten Online-Händlern wie Amazon, Apple, Google und eben Kobo dominiert. Die Situation ist also etwa so, als würden in Deutschland Thalia, Weltbild und Hugendubel nur gedruckte Bücher verkaufen. Einen starken E-Lese-Gegenspieler mit eigener Reader-Plattform wie die hiesige Tolino-Allianz hat der britische Buchhandel nicht aufgebaut, was u.a. auch daran liegt, das auf der Insel seit der Abschaffung der Buchpreisbindung ein harter Überlebenskampf tobt.

Sind gedruckte Bücher wirklich das Kerngeschäft?

Waterstones ist das beste Beispiel für diesen finalen Akt der schöpferischen (Selbst-)Zerstörung einer traditionsreichen Branche: das Unternehmen gehört mittlerweile dem russischen Mulitmilliardär Alexander Gamut — und fährt einen harten Sanierungskurs. Zu den strategischen Umbaumaßnahmen gehört nun offenbar auch, sich wieder auf das Kerngeschäft zu beschränken. Oder besser gesagt, den Teil des Kerngeschäfts, der noch nicht komplett verloren ist. Denn der Umsatzanteil von E-Books ist auf dem britischen Buchmarkt inzwischen auf 30 Prozent geklettert. Nach Schätzungen der UK Bookselles Association gehen diese Umsätze aber zu 95 Prozent an Amazon…

(via The Digital Reader & Buchreport)

Retour zum Kerngeschäft? Waterstones verkauft mehr Print, weniger Kindles

Wird Brick & Mortar wieder schick, während E-Lektüre langsam aus der Mode kommt? Großbritanniens führende Buchhandelskette Waterstones meldet zwei interessante Trends: im Weihnachtsgeschäft legten physische Buchverkäufe um 5 Prozent zu, obwohl kein Mega-Bestseller so richtig aus der Masse herausstach. Dafür gab’s aber offenbar einen neuen Worst-Seller im E-Reading-Bereich: der Verkauf von Kindle-Geräten durch Waterstones ist nämlich fast zum Erliegen gekommen. „We did not sell many Kindles all this year (=2014) in comparison to last year“, so Geschäftsführer James Daunt gegenüber The Bookseller.

Schon seit 2012 kooperiert Waterstones bekanntlich mit Amazon, was damals noch für großes Aufsehen sorgte, und kundenseitig für so manche Beschwerde (u.a. über Waterstones-Screensaver). Anfangs hat sich die Zusammenarbeit mit dem Branchenteufel für die Buchhandelskette aber durchaus gelohnt: Noch im Weihnachtsgeschäft 2013 seien Amazons Lesegeräte ein echter Kassenschlager gewesen, so Daunt. Nun mache sich aber offenbar eine Marktsättigung bemerkbar: „I think everyone who wants a Kindle now has one“.

Diese Rechnung geht aber wohl nur für Waterstones bibliophile Kundschaft auf – denn Amazon.com hat wohl auch in der Weihnachtssaison neue Verkaufsrekorde erzielt. Zumindest, wenn man die bereits veröffentlichten Ergebnisse vom Black Friday (d.h. der Freitag nach Thanksgiving, also: 28. November 2014) in Betracht zieht: am verkaufsstärksten Tag des vergangenen Jahres wurden laut Amazon-Pressemitteilung „dreimal soviele Kindle Fires und vier mal so viele Kindle Reader wie im Vorjahr“ abgesetzt. Branchenexperten schätzen, dass 2014 erstmals mehr als 20 Millionen Kindles über den Ladentisch gingen.

Real scheint dagegen aber die Trendwende im stationären Geschäft zu sein – was im Fall von Waterstones auch mit einem harten Sanierungskurs zusammenhängt: mehr als ein Dutzend Filialen wurden geschlossen, eine Handvoll wiederum neu eröffnet. Kapital ist ja vorhanden, Waterstones gehört mittlerweile dem russischen Mulitmilliardär Alexander Gamut. Mit den Moskauer Devisen wurden bestehende Filialen kräftig aufgemöbelt, und erhielten neben einer gebrandeten Café-Zone („Café W“) auch einen Kindle-Shop-in-Shop. Zumindest der Mut zur Eigenröstung scheint sich gelohnt zu haben…

(via The Bookseller)

Abb.: Pedro Figueiredo/Flickr (cc-by-2.0)

Waterstones antwortet auf Amazon Prime Air: „Wir werden Bücher mit dressierten Eulen ausliefern“

Bücherlieferung per Helikopter-Drohne? Für Amazon offenbar kein Problem. Am Wochenende vor dem verkaufsstarken Cybermonday präsentierte Jeff Bezos dem TV-Publikum zur Prime Time sein neuestes Projekt: „Amazon Prime Air“. Schon ab 2015 wolle man den Kunden im Umfeld der Logistikzentren die Express-Lieferung aus der Luft anbieten – allerdings müsste man bis dahin noch ein paar kleine technische und juristische Fragen klären. Schon klar. Im Web wurde nicht nur mit einem Konzept-Video nachgelegt, sondern auch mit scheinbar ernsthaften „FAQs“: „Ist das Science-Fiction?“, lautet Frage Nummer Eins. Nein, so die Anwort: „Es mag zwar so aussehen, aber es ist real“.

Nun ja. Tatsächlich gibt es ja bereits einzelne Feldversuche, die irdische Lieferkette mit autonomen Flugrobotern zu erweitern, vom ebenfalls auf Bücher spezialisierten australischen Startup Flirtey (E-Book-News berichtete) bis zum Freiburger Dönercopter. Auch in der süddeutschen Stadt mit hoher Dönerstand-Dichte und theoretisch kurzen Flugzeiten ist allerdings davon die Rede, das Projekt befinde sich „noch in der frühen Entwicklungsphase“. So hat wohl am Ende Jeff-Bezos-Biograf Brad Stone recht, wenn er Amazon Prime Air auf den Boden der Tatsachen zurückholt: „The aerial drone is actually the perfect vehicle—not for delivering packages, but for evoking Amazon’s indomitable spirit of innovation.“

Doch selbst wenn es vorerst ein bloßer PR-Gag war – die Story ist anschlussfähig. Das zeigt die Reaktion der britschen Buchhandelskette Waterstones (die pikanterweise mit Amazon kooperiert): die Book People aus dem Lande Harry Potters antworteten stilecht mit der Ankündigung von „O.W.L.S.“, dem „Ornithological Waterstones Landing Service“. Statt Flugrobotern wolle man à la Hogwarts auf eine Flotte von trainierten Eulen setzen: „sie arbeiten entweder alleine oder als ein dynamisches Team, und transportieren Ihr Paket nach Bestellung innerhalb von dreißig Minuten“.

Süffisant nimmt in einem Video Pressesprecher John Owls (eigentlich heißt er Howells) Amazons „im Prinzip schon real“-Rhetorik auf die Schippe: „Bis zur kommerziellen Verfügbarkeit von O.W.L.S. wird es ein paar Jahre dauern, denn schließlich dauert es eine Ewigkeit, Eulen abzurichten, und außerdem kam uns diese Idee erst heute morgen.“ Zu Hochform läuft Waterstones dann in den eigenen „FAQs“ zu O.W.L.S. auf. Eine Frage zu den dressierten Eulenschwärmen lautet: „Aber fängt nicht Hitchcocks ‚Die Vögel‘ genauso an?“ — Antwort: „Die Vögel ist Fiktion, das hier ist das richtige Leben. Alles wird gut.“

ReadPetite: das Spotify für E-Book-Singles setzt auf kuratierte Inhalte

Trotz seiner bald 74 Jahre ist Tim Waterstone immer noch proaktiv, vor allem wenn’s darum geht, Literatur unters Volk zu bringen. Letzter Beweis dafür: das Projekt ReadPetite. Unter diesem Namen startet im Herbst 2013 eine neue E-Book-Plattform für Kurztexte bis 9.000 Zeichen. Vorstandchef wird nicht ganz zufällig ein gewisser Tim W., Gründer von Waterstones, Großbritanniens größter Buchhandelskette. Besonderer Clou bei ReadPetite ist das Spotify-ähnliche Flatratekonzept – für ein paar Pfund pro Monat bekommt der Leser unbegrenzten Zugang zu allen literarischen E-Singles. Neben klassischen Shortstories und Essays soll das Programm von ReadPetite auch journalistische Reportagen umfassen. Vorgestellt wird das Konzept erstmals auf der nächste Woche stattfindenden London Book Fair.

„Wir garantieren qualitativ hochwertige Texte“

In der Chefetage von ReadPetite werden neben Kapitalgeber Tim Waterstone weitere „Bookpeople“ sitzen: neben dem Literaturagenten Peter Cox und dem Berater Martyn Daniels, den beiden eigentlichen Gründern, ist mit Neill Denny auch der Ex-Herausgeber des Branchenmagazins „The Bookseller“ dabei. Besonderen Wert legt ReadPetite auf ein verlegerisches Konzept, es geht nicht um Masse, sondern um Klasse: „Die inviduelle Kurzgeschichte, oder um was immer es sich bei dem jeweiligen Text handelt, mag noch unveröffentlicht sein, aber der Autor muss etabliert sein und schon etwas publiziert haben“, so Waterstone in einem längeren Interview mit dem Guardian. Und fügt wohl mit Blick auf manche Self-Publishing-Plattformen hinzu: „Der Dreh- und Angelpunkt ist es, zu verhindern, dass sich ein Berg von minderwertigen Material anhäuft. Wir können qualitativ hochwertige Werke garantieren“.

Abo-Modelle für E-Book-Singles gibt’s schon

Ganz neu ist die Idee eines Abo-Modells für E-Book-Singles natürlich nicht, in den USA experimentieren bereits Plattformen wie Atavist oder Byliner mit Flatrates für Shorties, und mit Electric Literature existiert sogar ein angesehenes iPad-Magazin zum Abonnieren. Eine vergleichbare Plattform in Großbritannien fehlt bisher jedoch noch – obwohl das elektronische Lesen dort schon deutlich populärer ist als auf dem europäischen Kontinent: der Marktanteil von E-Books liegt im Vereinigten Königreich bereits bei knapp 10 Prozent, gegenüber knapp 3 Prozent etwa in Deutschland.

Das dürfte auch ReadPetite genügend Spielraum geben. „Im Bereich der Short Fiction wurde vieles bisher dem Publikum vorenthalten, denn für die Verleger lohnte sich der Aufwand nicht“, so Waterstone. Dank E-Books seien die Kosten für Produktion und Distribution nun aber deutlich gesunken. Genug Geld – und auch Zeit – hat der prominente ReadPetite-Investor aber ohnehin, denn seine Buchhandelskette wurde längst weiterverkauft. Inzwischen gehört Waterstones dem russischen Oligarchen Alexander Mamut, und paktiert sogar mit Amazon: in den Filialen werden seit 2012 sogar Kindle-Reader angeboten.

Abb.: Screenshot

„Wir bündeln Kindle-Books und Hardcover“: Britische Buchhandelskette Waterstones kooperiert mit Amazon

Waterstones scheint von der deutschen Muse Thalia geküsst worden zu sein: die britische Buchhandelskette setzt in Zukunft auf Multichannel – E-Reader und E-Books ergänzen das Angebot in den landesweit knapp 300 Filialen. Doch während Thalia.de derzeit angeblich mit Barnes&Noble verhandelt, schließen die Briten einen Pakt mit dem Branchen-Teufel. Waterstones-Chef James Daunt kündigte nämlich in einer Videobotschaft gerade eine „weit reichende Partnerschaft mit Amazon“ an. „Wir werden Kindle-Geräte und Kindle-Books in unseren Buchhandlungen und auf unserer Website verkaufen“. Dabei gibt sich Waterstones experimentierfreudig: so erwägt man offenbar, „Kindle Bundles“ anzubieten – Käufer von Hardcovern erhalten die E-Book-Version zum ermäßigten Preis. Kostenloses WiFi soll zudem gerade E-Leser in die Waterstones-Filialen locken. Für viele Beobachter war diese Wende ein echter Schock. Vor kurzem hatte Daunt selbst den Online-Riesen noch als „ruthless money-making devil“ bezeichnet.

„E-Reader ist die bequemere Alternative“

Wirklich überraschend kommt die britische Offensive in Sachen E-Books nicht: Das bisherige Geschäftsmodell schmilzt dahin wie ein Eisbecher in der Sonne. Die finanziell klamme Buchhandelskette musste bereits Dutzende Filialen schließen, 2011 wurde sie an einen russischen Investor verkauft. Statt ähnlich wie Thalia viel Geld in die Eigenentwicklung eines Readers zu investieren, verbündet man sich nun lieber gleich mit dem Marktführer. Die Krise des Kerngeschäfts wird dabei mit einer fast identischen Rhetorik verbrämt: „Geben wir das gedruckte Buch auf zugunsten des E-Books? Überhaupt nicht. Elektronische Lektüre ist eher eine Ergänzung zum physischen Buch, sie kann die taktile Erfahrung mit Büchern in der Buchhandlung oder zu Hause nicht ersetzen“, so James Daunt in seiner Videobotschaft. Die Marschrichtung lautet also Multichannel: „Man muss aber zugeben, dass manchmal ein E-Reader die bequemere Alternative ist, etwa unterwegs. Deswegen ermöglichen wir unseren Lesern jetzt, in der Buchhandlung die für sie jeweils beste Variante zu wählen.“

Amazon-Deal als neue Option für Thalia?

Fast wortgleich verkaufte vor zwei Jahren die deutsche Buchhandelskette Thalia ihre Entscheidung, mit dem Oyo einen eigenen WiFi-Reader mit integriertem E-Store anzubieten. „Für den Kunden ist es wichtig, egal wann oder egal wo er ist, Lösungen aus einer Hand geboten zu bekommen“, hieß es damals. Die Geräte wurden nicht nur online, sondern auch in den Filialen vor Ort verkauft. Mit dem TouchMe kam vor kurzem noch eine Low-Cost-Variante mit farbigem Touch-Screen dazu. Dauerhaft punkten gegenüber Amazon konnte Thalia damit jedoch nicht – die Eigenentwicklung war technisch dem Kindle-Reader deutlich unterlegen. Verluste im Print-Geschäft konnte das Multichannel-Konzept auf die Schnelle offenbar auch nicht kompensieren. Zwischenzeitlich stand die zur Douglas-Gruppe gehörende Buchhandelskette zum Verkauf, und manche spekulierten sogar schon auf eine Übernahme durch Barnes&Noble. Dann kam eine Kooperation ins Gespräch – doch der Waterstones-Deal könnte eine neue Dynamik entfachen. Ob am Ende in den Thalia-Fialialen nicht Nooks, sondern Kindles verkauft werden, scheint noch nicht ausgemacht.

Abb.: Screenshot