Augmented Paper, Yoga Book, Bamboo Slate: Wacom-Technik vereint Papier, Schreibstift & digitalen Workflow

wacom-technologie-fuellt-luecke-im-workflowZwischen digitalem Tablet bzw. Notebook und analogem Notizbuch bewegt sich eine neue Klasse von hybriden Schreib-Geräten, die allesamt auf spezieller Abtast-Technologie von Wacom beruhen — genauer gesagt der „elektromagnetischen Resonanz“ (EMR). Abgetastet wird etwas sehr klassisches: die Bewegung der schreibenden Hand. Mit EMR soll der Unterschied zwischen Stylus und Schreibstift wie der zwischen Touch-Screen und Papier weiter eingeebnet werden, und die letzte Lücke zwischen Papiernotizen und digitalem Workflow geschlossen werden. Wir stellen drei Geräte mit Wacoms neuem Konzept vor, die ab Herbst lieferbar sein sollen…

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Yoga Book: Tablet als Schreibunterlage

Am hybridesten ist wohl Lenovos auf der IFA vorgestellter Klapprechner namens „Yoga Book“ — dabei handelt es sich nicht einfach nur ein Tablet à la Microsofts Surface, also mit angedockter analoger Tastatur. Stattdessen werden virtuelle Tasten-Felder auf einer schwarzen Touch-Screen-Fläche („Halo Instant Keyboard“) eingeblendet (was entfernt an Microsofts nie realisiertes Courier-Konzept erinnert). Schaltet man sie ab, lässt sich das Touch-Screen mit einem Stylus für digitale handschriftliche Notizen und Skizzen verwenden. Der eigentliche Clou ist aber: Wer möchte, kann ein Blatt Papier auf die Unterlage legen – und den Stylus per „ink insert“ zum Tintenroller umrüsten. Via EMR-Erfassung landen diese analogen Notizen zugleich auch auf dem Bildschirm. Die Android-Version des Yoga-Book kommt im Oktober für 500 Dollar auf den Markt

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Augmented Paper: schick & scheinbar analog

Im Unterschied dazu sieht man Montblancs auf der IFA gezeigtem [„Augmented Paper“[(http://www.theverge.com/2016/9/1/12749642/montblanc-augmented-paper-hands-on-ifa-2016) auf den ersten Blick den direkten Draht in die virtuelle Welt gar nicht an: man erhält ein schickes schwarzes Notizbuch mit Lederhülle und dazu einen pompösen Montblanc-Kugelschreiber. Einziges Indiz auf die im Innern der Hülle versteckte EMR-Abtasttechnologie von Wacom geben ein Einschaltknopf und ein Mikro-USB-Port zum Aufladen. Man kann also einfach so drauflosschreiben – die Notizen werden dann direkt via Bluetooth auf’s Smartphone übertragen, inklusive Handschrift-Erkennung. Für den analogen Distinktionsgewinn muss man aber kräftig drauflegen — das „Augmented Paper“ soll 650 Euro kosten.

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Wacoms Bamboo Slate: günstiger Einstieg

Am günstigsten lässt sich die Wacom-Technologie ganz einfach mit den neuesten Wacom-Smartpad namens Bamboo Slate nutzen, das gibt’s nämlich im A5-Format inklusive Smart Ball Ben schon für 130 Euro, im A4-Format für 150 Euro. Wer nicht nur eine smarte Schreibunterlage haben möchte, sondern eine komplette Schreibmappe, legt noch mal 50 Euro drauf und erhält dafür das Bamboo Folio im A4-Format. Die auf der IFA präsentierten Bamboos sorgen nicht nur für die Übertragung der Notizen und Skizzen auf’s Smartphone, sie können auch bis zu 100 Seiten speichern.

via The Verge)

Maßgeschneidert für die Crowd: Kozlowskis 13-Zoll-Android-Reader startet auf Indiegogo

13-zoll-reader-kozlowskiMichael Kozlowski von Good e-Reader kann’s nicht lassen: der Versuch, via Crowdfunding einen Open Source Android-Reader im 6-Zoll-Format anzuschieben („The Ultimate e-Reader“), ist leider Ende letzten Jahres weit vor dem Ziel gescheitert. Zumindest via Indiegogo gab es nicht genügend Nachfrage. Mit einem E-Ink-Androiden im 13-Zoll-Format scheint’s nun aber auf der selben Plattform zu klappen — wohl auch dank eingedampfter Kalkulation: 60 Vorbestellungen à 700 Dollar reichen aus, um das Projekt zu realisieren, mehr als die Hälfte sind schon im Sack.

„Wie der Sony DPT-S1 auf Drogen“

Die Konkurrenz in der virtuellen Aktenmappen-Liga ist natürlich auch schmal: es gibt auf dem Markt derzeit nur den Sony DPT-S1, der allerdings lediglich PDFs anzeigen kann, sowie den ab April lieferbaren Onyx Boox Max. Kozlowskis Riesen-Reader ist im Unterschied zu Sonys Modell in alle Richtungen offen, nicht nur was die E-Lese-Formate & Apps betrifft. Das 350 Gramm leichte Gerät mit einer Auflösung von 1600×1200 Pixel bietet freien Zugang zu Googles App Store, auch die Firmware des Readers soll der Community zwecks Fortentwicklung zur Verfügung gestellt werden.

Wacom-Stylus sorgt für kreatives Potential

Das komfortable Bearbeiten von Dokumenten und Anlegen von Skizzen erledigt man auf dem crowdgefundeten Android-Reader per druckempfindlichem Wacom-Stylus – denn das 13,3-E-Ink-Mobius-Screen wird ergänzt durch eine Wacom-Touch-Ebene. Nicht vergessen wurde zudem ein SD-Kartenslot, mit dem sich der Lektüre-Speicher auf bis 32 Gigabyte erweitern lässt.

Für wen lohnt sich das Gerät?

Natürlich sind 700 Dollar — nur 100 Dollar weniger als man für den Sony DPT-S1 berappen muss — immer noch kein Pappenstiel. Für die von Koslowski anvisierte Zielgruppe wie Manager, Anwälte, Profs oder Experten in der Verwaltung verspricht das Gerät aber immerhin einen großen Schritt in Richtung des papierfreien Büros, und hat dank Akkulaufzeit von einem Monat und absolut blendfreier Darstellung auch seine Vorteile gegenüber Maxi-Tablets wie dem iPad Pro.

Specs

Display: E-Ink Mobius, Wacom Screen, Stylus (1024 Druckstufen)
Auflösung: 1600×1200
CPU iMX 6 SoloLite
RAM: 512 MB
Arbeitsspeicher 4 GB
SD-Slot: vorhanden, max. 32 GB
Schnitstellen: WiFi
System Android 4.0.4
App Store Google Android Market
Abmessungen: 310x233x6mm (L,B,H)
Gewicht: 350 Gramm
Akkulaufzeit: 4 Wochen

E-Reader im Schul-Einsatz: Gute Idee, aber bitte mit Touch-Screen!

E-Reader-in-der-Schule_Gute Idee aber bitte kein Kindle.gifAmazon macht gute Lobby-Arbeit. Mittlerweile wird in den USA diskutiert, alle Schüler mit einem E-Reader auszurüsten. Natürlich mit mit einem Kindle-E-Reader. Das Democratic Leadership Council fordert nun, unter dem Motto „A Kindle in Every Backpack“ einen Testlauf mit rund 400.000 Schülern durchzuführen. E-Books für die Schule: eine gute Idee. Doch ist der Kindle-Reader dafür geeignet? Technisch ist das Gerät veraltet: längst gibt es Alternativen wie etwa den iRex 1000s, mit denen sich Dokumente auch bearbeiten lassen. Apropos Touch-Screen: das One-Laptop-per-Child-Projekt hat mit dem OLPC XO2 für 2010 ein Gerät mit Dual-Touchscreen angekündigt — gehört die Zukunft vieleicht der Kombination von Laptop und E-Reader?

Die nächste Generation der E-Reader erlaubt das Bearbeiten und Kommentieren von Dokumenten

E-Ink-Displays können bisher nur eins: Texte und — mit Einschränkungen — Bilder schwarz auf weiß darstellen. Die nächste Generation der E-Reader wartet mit einigen technischen Neuerungen auf: schnellerer Seitenaufbau, Farb-Displays und vor allem: Touch-Screens. Das ermöglicht eine wichtige Ergänzung: Informationen auf dem Display lassen sich damit direkt bearbeiten und kommentieren. Im Fall des iRex 1000s etwa wird dazu ein spezieller Stift eingesetzt, der auf dem Display schreiben kann. Die Technik stammt von Wacom, einem Anbieter, der sich auf Stifttabletts spezialisiert hat.

Der perfekte E-Reader für die Schule ist so etwas wie die „Schiefertafel 2.0“

In der Praxis sieht der E-Reader der Zukunft ein wenig aus wie die Schiefertafel 2.0. Der iRex-Hersteller hat dank der Stift-Tablett-Funktion bereits einige Erfolge in Nischenmärkten erzielt: so benutzen viele Piloten den E-Reader als „Electronic Flight Bag“. Sie haben also damit etwa Kartenmaterial und technische Instruktionen immer zur Hand. Nun visiert iRex mit seinen Geräten — die über 10-Zoll-Displays mit 16 Graustufen verfügen — auch den E-Newspaper- und Schulbuchmarkt an. Das einzige Manko der neuen Geräte liegt bisher auf der Software-Seite: offene Standards wie epub werden noch nicht unterstützt.

Aber mal ganz unter uns: Braucht man in der Schule nicht doch eher voll funktionsfähige Laptops?

Ein anderes Gerät hat sich in den Schulen der westlichen Welt bereits seit Jahren etabliert: das normale Laptop. Schulbücher im PDF-Format kann man natürlich so auch sehr gut lesen und gleichzeitig produktiv tätig sein. Gar nicht so unwahrscheinlich ist, dass E-Reader und Laptop in wenigen Jahren zu einem Gerät verschmelzen. Das zeigt ein Blick auf das für 2010 angekündigte OLPC XO-2 (siehe Foto), die zweite Generation des „100-Dollar-Laptops“ für Entwickklungsländer. Dabei handelt es sich nämlich um ein Dual-Touchscreen-Modell: Die beiden Screens werden in diversen Modi verwendbar sein. Horizontal ergibt sich ein normaler Laptop, der per Touchscreen-Tastatur bedient wird. Vertikal nebeneinander könnten zwei Seiten wie in einem Buch dargestellt werden, und flach aufgeklappt dient das Dual-Touch-Display als großes Tablet, z.B. um Landkarten darzustellen. Das neue Gerät soll übrigens nur 75 Dollar kosten: Wäre doch auch für die „Erste Welt“ was…