Geplantes Frühableben? Macmillan killt Self-Publishing-Plattform Pronoun – 18 Monate nach Übernahme

pronoun-aka-vook-gibt-auf„Verlag essen Self-Publishing auf“, schrieb ich vor knapp anderthalb Jahren, als die Übernahme von Pronoun durch Macmillan uns eine weitere Self-Publishing-Plattform in prominenter Verlagshand bescherte. Damals hatte Pronoun schon einiges hinter sich, ursprünglich war das Startup mal unter dem Namen Vook als Spezialist für multimediale E-Books angetreten (Video plus E-Book = Vook), dann folgte der Schwenk in Richtung Self-Publishing mit ganz speziellen Features, welche wiederum von Vook geschluckte Startups wie booklr (Kauf- und Nutzungsdaten-Analyse) oder Coliloquy (Reader Engagement & Choose your own Adventure) beisteuerten.

Data- & Analytics-Sparte besteht fort

Heute muss man wohl schreiben: „Verlag spucken Self-Publishing aus“. Denn auf der Pronoun-Landingpage ist nur noch ein „Epilog“ zu lesen: „Unfortunately, Pronoun’s story ends here“. Es habe trotz großartigen Feedbacks aus der Nutzer-Community letztlich keine Aussicht auf Profitabilität gegeben, beteuert das Macmillan-Management gegenüber Publishers Weekly. Die „Data- & Analytics“-Sparte von Prounoun allerdings soll fortbestehen — und fortan offenbar für die Zwecke des zur Holtzbrinck-Gruppe gehörenden Verlages genutzt werden.

Ein Fall von „Verlag verdauen Startup-Knowhow“

Pronoun-CEO Josh Brody und sein Chief Product Officer Ben Zhuk wurden übrigens schon zu Beginn des Jahres vor die Tür gesetzt, was die Vermutung nahe legt, dass es der Chefetage von Macmillan von Anfang an eher um das von Pronoun durch Zukäufe angehäufte Anwendungswissen ging, nicht um ein langfristiges Engagement in Sachen Self-Publishing. Noch exakter sollte man über den ganzen Vorgang also besser schreiben: „Verlag verdauen Start-Up-Knowhow“.

(via Publishers Weekly)

cBook statt nur eBook: lässt sich eine Geschichte halb im Bewegtbild, halb im Text besser erzählen?

cbook-kombiniert-film-und-buchErinnert sich noch jemand an das „Vook“, also die Mischung aus Video-Clips und E-Book-Text? Immer wieder mal gab es in den letzten Jahren Versuche, das elektronische Buch medial weiterzudenken, erleichtert natürlich durch das App-Zeitalter, denn auf Smartphone & Tablet ist das alles auch auf mobilen Lesegeräten technisch kein Problem. Meist war Multimedia allerdings nur schmückendes Beiwerk, am Markt durchsetzen konnten sich die Produkte letzlich nicht. Aber man soll die Hoffnung auf was neues ja nie aufgeben…

Erst Text plus Film ergeben die ganze Story

Im Google Play Store wie auch in Amazons Kindle Shop kann man jetzt wieder einen Versuch in dieser Richtung probelesen — „Monsoon Tide“ von Nick Fletcher und Elsa Evripidou. Die beiden Medienkünstler nennen ihr Projekt „cBook“, wobei „c“ für „cinematic“ steht. Der Claim der cineastischen Buchmacher geht so: „Imagine a product where you can access a character’s backstory, inner thoughts and motivations but you can also see and hear the people, locations and action with the immediacy of a film.“ Zwischen die Text-Kapitel sind zu diesem Zweck kurze Film-Clips eingebettet, die Teile der Handlung ergänzen bzw. parallel erzählen — erst Bewegtbild und Text zusammen ergeben also die komplette Story.

„Monsoon Tide“ als Prototyp

Erzählt wird in Monsoon Tide die Geschichte von Anni, einer englisch-indischen Entwicklungshelferin, die kurz nach dem Tsunami von 2004 in ihren Heimatort Kerala zurückkehrt, im Gepäck die Asche ihres verstorbenen Vaters. „Am Anfang unseres cBooks stand die komplette Filmfassung von Monsoon Tide“, so die Autoren. „Wir haben dann 15 Clips mit jeweils 3 bis 5 Minuten Spielzeit ausgewählt, die besonders viel Handlung oder besonders starke Bilder vermitteln und besondere Bedeutung für die Geschichte haben“.

Dass am Ende nicht nur ein Film, sondern auch ein „cBook“ herauskam, liegt daran, dass Fletcher mit dem Film alleine nicht zufrieden war und mehr über den Hintergrund der Charaktere erzählen wollte: „Ich hatte so eine Art Heureka-Moment als mir bewusst wurde, dass die E-Book-Technologie es möglich macht, Buch und Film zu kombinieren.“

Verlag essen Selfpublishing auf, neue Folge: Macmillan schluckt Pronoun (Ex-Vook)

pronoun-von-macmillan-geschlucktKaum ein echtes Start-Up kommt ohne „Pivots“ aus, also mehr oder weniger heftige Kurswechsel, um den Wind der Investoren im Nacken zu behalten. Das gilt auch für Vook (aus: „Video“ plus „E-Book“), einen Pionier im Bereich E-Publishing und Enhanced E-Books: 2015 wurde aus Vook die Self-Publishing-Plattform Pronoun, zuvor hatte Vook noch drei andere Start-Ups namens booklr, Byliner sowie Coliloquy geschluckt.

Pronoun-Team macht weiter

Nun wurde Pronoun selbst geschluckt, und zwar von Macmillan (Holtzbrinck Verlagsgruppe). Also ein weiterer Fall von „Verlag essen Self-Publishing auf“. Oder auch nicht (ganz). Denn die 20 Mitarbeiter und Chef & Gründer Josh Brody arbeiten weiter, sie ziehen lediglich um ins Macmillan-Headquarter im New Yorker Flatiron Building. Auch der Name Pronoun und die Plattform als separates Angebot bleibt erhalten, wie Publishers Weekly berichtet.

Know-How in Sachen E-Book-Marketing

Damit kann Macmillan jetzt nicht nur das Self-Publishing-Portal als Talentschuppen für zukünftige Bestseller-Autoren nutzen, sondern bekommt auch eine große Portion Know-How in Sachen E-Book-Marketing frei Haus geliefert, von der ausführlichen Kauf- und Nutzungsdaten-Analyse (siehe booklr) bis hin zum Thema Reader Engagement & Choose-Your-Own-Adventure (siehe Coliloquy).

Neue Services für Indie-Autoren

Das Angebotspektrum von Pronoun wird zugleich weiterentwickelt: neben dem normalen, kostenlosen Self-Publishing, das erhalten bleibt, sollen verschiedene kostenpflichtige Varianten mit ergänzenden Dienstleistungen für Autoren hinzukommen.

(via buchreport & publishersweekly)

Vook kauft booklr – & ermöglicht Indie-Autoren Verkaufszahlen-Tracking in Echtzeit

Vook und Booklr – das ergibt zusammen eigentlich so etwas wie Vooklr. Doch der Name der US-Selfpublishing-Plattform Vook wird auch nach dem Erwerb der auf Real-Time-Buchmarkt-Daten spezialisierten Plattform Booklr bleiben. Das Angebot für die Nutzer dagegen erweitert sich deutlich: neben der professionellen E-Book-Produktion und Distribution können Indie-Autoren oder kleine Verlage nun die Verkaufszahlen ihrer Titel in Echtzeit verfolgen, unabhängig davon, ob sie via Vook oder anderswo verlegt werden.

Wer sich für „Vook’s Author Control“ registriert, kann dies mit einem Titel ab jetzt kostenlos für einen Verkaufskanal ausprobieren – über einen speziellen Dialog fügt man zu diesem Zweck die jeweiligen Logindaten einer Plattform wie KDP, Createspace, iBooks, Google Books oder Kobo Writing Life hinzu. Das Tracken von 2-5 Titeln kostet 10 Dollar pro Monat, 6 bis 10 Titel schlagen mit mit 19,99 Dollar pro Monat zu Buche.

Wirklich lohnen dürfte sich dieser Service aus deutscher Perspektive vor allem für Self-Publisher, die ausschließlich die großen internationalen Plattformen nutzen und ihre Titel dort selbst hochgeladen haben. Die bei deutschen Buchhandelsplattformen erzielten Verkäufe, insbesondere in den an der Tolino-Allianz beteiligten E-Stores, lassen sich zumindest bisher via Vook plus Booklr nämlich nicht verfolgen. Deutsche Distributoren wie neobooks bieten aber vergleichbar zeitnahe und aussagekräftige Statistiken der jeweils belieferten Verkaufskanäle an.

Mach’s zum Buch mit Vook: Multimediale E-Book-Erstellung für Profis

Was herauskommt, wenn man E-Book und Video kombiniert, wusste Bradley Inman schon lange: ein Vook. Als einer der ersten wagte sich der Silicon-Valley-Unternehmer ins multimediale E-Book-Business – mit E-Book-Apps für das iPhone und später das iPad. Zu den „Vooks“ der ersten Stunde gehörten nicht nur Sachbücher und Ratgeber, sondern auch experimentelle Romane und Thriller. Insgesamt entstanden mehr als 800 Titel, darunter in Zusammenarbeit mit NBC das interaktive E-Book „JFK 50 Days“. Doch finanziell erfolgreich war das enhanced-Konzept offenbar nicht – im Herbst 2011 wurde das ambitionierte E-Book-Angebot eingestellt. Statt dessen konzentrierte man sich auf Dienstleistungen für Autoren und Verlage – aus dem Publisher Vook wurde eine komfortable E-Publishing-Plattform für multimedialen Content. Seit wenigen Tagen ist vook.com in der öffentlichen Beta-Phase, und lässt sich kostenlos testen.

Vook übernimmt den gesamten Workflow

Vook verspricht eine Menge – ohne Kenntnisse von HTML oder CSS soll es dem Autor möglich sein, den gesamten Workflow vom Erstellen des E-Books bis zur Vermarktung über Kindle Store, iBooks und den E-Store von Barnes&Noble zu meistern. Ein spezielles Analyse-Tool – eine Art Google Analytics für E-Books – erlaubt sogar das zeitnahe Tracking der Verkaufserfolge. Zum Glück muss man nicht die virtuelle Katze im Sack kaufen, denn ein Test-Account kann man kostenlos anlegen. Damit lassen sich bereits alle grundsätzlichen Arbeitsschritte vom Erstellen des Dokuments bis zum Export einer epub-Leseprobe ausprobieren. Das grafisch schön gestaltete Interface macht die Arbeit tatsächlich sehr angenehm – entweder importiert man fertige Dateien (epub oder doc), oder man via Copy&Paste einzelne Kapitel im Vook-Editor an. Ein Section-Manager erleichtert den Aufbau und das Verändern der Kapitel-Struktur.


Video und Audio einfügen per Drag&Drop

Während andere E-Publishing-Lösungen wie booki.cc oder pressbooks vom Funktionsumfang her auf einer Linie mit WordPress liegen (oder direkt darauf aufbauen), geht Vook weit darüber hinaus. Schon die Text-Features erinnern eher an ein DTP-Programm – im „Style-Manager“ lassen sich über Buttons und Schieberegler zahlreiche Layout-Parameter (d.h. die CSS-Datei) direkt beeinflussen. Noch beeindruckender sind aber die Multimedia-Funktionen. Videos, Audio-Dateien und Bilder fügt man ganz einfach per Drag&Drop in das E-Book ein. Vook erweist sich trotz gewisser Einschränkungen – etwa bei interaktiven Grafiken – hier als clevere, plattformübergreifende Alternative zu Apples iBooks Author. Lesen lassen die bei Vook fabrizierten enhanced-Schmöker dann mit iOS-Geräten vom iPhone bis zum iPad – sowohl via iBooks oder Kindle-App, aber auch mit dem Nook-Tablet von Barnes&Noble.

Komfortabler Direkt-Vertrieb bei Amazon, Apple & Co.

Previews des E-Books lassen sich auch in der Testversion im epub- oder mobi/KF8-Format exportieren. Enthält das E-Book auch Videos, kann man das Erstellen der Vorschau beschleunigen, indem man die Multimedia-Inhalte durch gekürzte Platzhalter ersetzt. Ist man mit dem E-Book zufrieden, gibt es es für den Vertrieb der Endfassung zwei Möglichkeiten: entweder lädt man das E-Book herunter und sorgt selbst für den Upload etwa bei Amazons Kindle Direkt Publishing Programm, oder man nutzt den Distributions-Service von Vook. Nur in diesem Fall lässt sich auch die Tracking-Option nutzen, mit der u.a. auch die Preisfindung erleichtert werden soll. Im Fall von Amazon sowie iBooks ist übrigens mit Vook auch der Vertrieb in Deutschland möglich.


Vook lohnt sich vor allem für Profi-Autoren

Finanzielle Nachteile hat man durch den Vertrieb via Vook nicht – denn alle Tantiemen fließen zu 100 Prozent an den Autor, bei dem auch alle Rechte am Content verbleiben. Dafür wird man vor der Veröffentlichung gleich zur Kasse gebeten – bereits für das Upgrade vom Test-Account zum Basis-Account zur Erstellung einfacher epubs- oder Kindle-Books werden 79 Dollar pro Monat fällig. Multimedia-E-Books lassen sich erst mit einem Pro-Account erstellen, das für 199 Euro pro Monat zu haben ist. Für kleine Verlage oder Profi-Autoren dürfte sich das aber auf jeden Fall lohnen – denn sie bekommen mit Vooks cloudbasierter E-Publishing-Plattform ein ebenso mächtiges wie komfortables Tool für den kompletten Work-Flow bis hin zu Vertrieb und Marktanalyse in die Hand.

Kindle-App wird zum Vook: Amazon reichert E-Books mit Audio- und Videoelementen an

kindle-editions e-book vook video audio.gifAmazon setzt voll auf Multimedia – die verbesserte Kindle-App für iPhone & iPad unterstützt seit neuestem auch Video- und Audio-Elemente. Zu den ersten „angereicherten“ Kindle-Editions gehören verschiedene Reiseführer, ein Koch-Ratgeber sowie ein Liederbuch für Kinder. Auf dem Kindle-Reader selbst kann man die aufgepeppten E-Books leider nicht nutzen – hieß es bisher bei Kindle-Apps „No Kindle required“, so heißt es jetzt: „For iPad & iPhone only“.

Kindle-Books werden auf dem iPad & iPhone zum Vook

Das neue Feature der Kindle-App-Version 2.1.1 für iPhone und iPad bringt Texte zum Sprechen und Bilder zum Laufen. Man könnte es auch so ausdrücken: Kindle-Books werden zu Vooks, also zu einer Kombination aus Video, Audio und E-Book. Damit ist Jeff Bezos den elektronischen Büchern in Apples iBooks-Plattform um eine Nasenlänge voraus. Das Konzept an sich ist jedoch nicht neu. Als Erfinder des Vooks kann nämlich Silicon-Valley-Unternehmer Bradley Inman gelten. Das Startup Vook.com brachte solche crossmedialen Produkte bereits Mitte 2009 auf den Markt – und bietet mittlerweile auch Vooks für das iPad an. Ähnlich wie bei den Vooks startet auch Amazon mit multimedialer Ratgeber-Literatur: die Bewegtbilder zeigen dem Leser wie man leckerer Kuchen backt („Rose’s heavenly Cakes“, schneller Pullover strickt („Knitting for Dummies“) oder schöner Gitarre spielt („Best of the Beatles for Acoustic Guitar“). Mit der Stimme von TV- und Radio-Ikone Rick Steves werden die Kindle-Editions aber auch zum Audio-Guide, der Globetrotter durch London, Paris oder Venedig führt.

Klassiker werden dank Multimedia in neuer Form kommentiert und illustriert

Mit insgesamt 13 Titeln geht die neue Reihe an den Start – und bei Amazon ist man gespannt, was Autoren und Verlage mit den neuen Funktionen der Kindle-Apps noch so alles produzieren werden. Im Bereich der Belletristik gibt es erst einen Titel – William Styrons „Lie Down in Darkness“, das Video-Interviews mit Styrons Witwe und kurze biographische Video-Notizen enthält. Erst vor kurzem hatten die Erben des 2006 verstorbenen Pulitzer-Preisträgers von Random House die E-Book-Rechte losgeeist – und deren Nutzung für eine Multimedia-Ausgabe des Werks versprochen. Auch bei Vook.com hat man die neuen technischen Möglichkeiten bereits ausführlich genutzt, um Klassiker von Treasure Island bis Sherlock Holmes in neuer Form zu kommentieren und zu illustrieren. Neben die Video-Clips treten dabei auch Hyperlinks, die zu Erläuterungen im Internet führen.

Entwickelt sich das E-Book zukünftig zu einer Mischung aus Buch, Hypertext und Videospiel?

Die wirklich spannende Frage bleibt natürlich, ob die mit Audio- und Videoelementen angereicherten E-Books sich noch weiter vom Print-Buch emanzipieren, etwa durch interaktive Elemente und/oder die Auflösung der linearen Erzählweise. Wird es vielleicht die multimediale Variante des Hypertext-Romans geben? Oder eher eine Mischung aus Buch und Video-Spiel? Aktuelle E-Book-Apps für das iPhone, wie etwa die interaktive Teen-Novel „Cathy’s Book“ scheinen tatsächlich in diese Richtung zu weisen. Aus Richtung der Games-Branche wiederum nähern sich etwa Point-and-Click-Adventures traditionellen Techniken des Storytellings an. Wichtigstes Experimentierfeld für das E-Book der Zukunft bleiben bis auf weiteres wohl vor allem das iPad und andere Tablets – vor 2012 ist mit einem multimedial aufgerüsteten Kindle-Reader nicht zu rechnen.

[e-book-review] Vook mit Vampir: Anne Rices Gothic-Romance „Rampling Gate“ als multimediale iPhone-App

vook-mit-vampir-anne-rices-gothic-romance-rampling-gate-als-multimediales-ebookWas Vampire betrifft, so kommt Anne Rice gleich nach Bram Stoker: der britische Schriftsteller hat mit „Dracula“ die untoten Blutsauger zur modernen literarischen Figur gemacht – doch seine amerikanische Kollegin machte sie in ihren „Vampire Chronicles“ erstmals zu „lebensechten“ Romanhelden. Mit „The Master of Rampling Gate“ präsentiert Vook nun eine multimedial aufbereitete Kurzgeschichte von Anne Rice, die einen guten Einblick in das Erfolgsrezept der Bestseller-Autorin ermöglicht: die E-Book-App für iPhone & iPod Touch wird von Video-Sequenzen begleitet, in denen neben Rice selbst Gothic-Experten und Literaturkritiker zu Wort kommen.

Rampling Gate, oder: Vampir-WG wider Willen

„Anne Rice hat unseren Blick auf den Vampir verändert“, so die Gothic-Forscherin Suze Quiroz, „es gab vorher keine Erzählung aus der Ich-Perspektive, man hat nichts über die Gedanken des Vampirs erfahren, nichts über seine Lebensgeschichte, darüber, wie er zum Vampir geworden ist“. Nicht umsonst heißt Anne Rices berühmtester Roman „Interview mit einem Vampir“. Im Jahr 1976 erschien der spätere Bestseller zum ersten Mal – und zahlreiche weitere folgten. Mittlerweile haben sich das gute Dutzend von Vampirromanen aus der Feder von Anne Rice weltweit mehr als 100 Millionen mal verkauft. Während die Romane um die Vampire Louis und Lestat in New Orleans und Umgebung spielen, ist die Kurzgeschichte „The Master of Rampling Gate“ näher am klassischen, europäischen Gothic Horror. Die Vook-Version bietet eine schöne Gelegenheit, auf iPhone oder iPod Touch nicht nur in die Story selbst hineinzuschauen, sondern sich auch anzuhören, was die Schriftstellerin selbst darüber zu sagen hat. Vielleicht ist das sogar die beste Nutzung der Kombination von Video und E-Book – Autoren können ihren Lesern in Zukunft auf ganz neue Weise entgegentreten.

Von der klassischen Gothic-Formel zur Vampir-Romanze

Die beste Zusammenfassung von „Rampling Gate“ bleibt im Vook so auch Anne Rice selbst vorbehalten: „Es ist eine separate Geschichte, in der es um ein Landhaus in England geht, das von einem Vampir beherrscht wird, und die junge Frau, die das Haus erbt, weiß zu Anfang nichts davon“, bringt es die Autorin in der ersten Videosequenz auf den Punkt. „Ich wollte die klassische Gothic-Formel nutzen – das verwunschene Haus, das unschuldige Mädchen, und ich wollte einen Vampir hinzufügen, so dass es am Ende zu einer Vampir-Romanze wird.“ Ähnlich wie bei den Vampire Chronicles wird der Vampir nicht als Monster gezeigt, sondern als ein Wesen mit Gefühlen, mit einer Lebensgeschichte. Zugleich hat das Spukhaus wohl auch etwas mit Anne Rice selbst zu tun – denn manche Texte hat sie unter dem Pseudonym „Anne Rampling“ veröffentlicht. Die junge Erbin von Rampling Gate will Schriftstellerin werden, und hat gerade ihr erstes Manuskript beendet. Zu den ersten Lesern gehört ihr blutsaugender Mitbewohner… Wie es bei den Video-E-Books von Vook zum Standard gehört, gibt es neben einigen erläuternden Clips – etwa zu den Themen „Gothic Style“ oder über das New Orleans von Anne Rice – auch bei „Rampling Gate“ im Text zahlreiche Hyperlinks, die zu weiteren Informationen im Internet führen. Die sehr schön gestaltete App kann man zur Zeit im App Store für 79 Cent bekommen, zum gleichen Preis gibt’s bei vook.com aber auch die Web-Version. Ein Graus ist eigentlich nur, dass es Vooks nicht auf deutsch gibt. Der Berliner Anbieter textunes hat immerhin schon mal die Kombination von E-Book & Hörbuch ausprobiert – doch Buch plus Video scheint für die Buchmacher im Leseland offenbar noch eine Art Horrorvorstellung zu sein. Zu unrecht!

[e-book-review] Yohoho! „Treasure Island“ wird zum Vook – inklusive N.C. Wyeths legendärer Illustrationen

vook-treasure-island-e-bookYohoho! Mit Treasure Island hebt Vook einen bibliophilen Schatz im digitalen Ozean. Natürlich ist Robert Louis Stevensons Schatzinsel längst Public Domain. Doch in dieser liebevoll edierten Version für iPhone und iPod Touch sind die Abenteuer um Jim Hawkins und Long John Silver ergänzt mit N.C. Wyeths legendären Illustrationen. Auch Stevensons berühmte Schatzkarte fehlt natürlich nicht… P-(

“Fifteen men on the dead men’s chest – yo-ho-ho and a bottle of rum“

„Fünfzehn Mann auf des toten Seemanns Kasten, yohoho, und ne Buddel voll Rum“ – was klingt wie ein uraltes Seemannslied, ist in Wirklichkeit eine Erfindung von Robert Louis Stevenson, aufgeschrieben für den Roman „,Treasure Island“ – und der kam erstmals 1881 unter die Leute, als Fortsetzunggeschichte für die Jugendzeitschrift „Young Folks“. treasure_island-wyeth-vook-e-book-wikipediaAuch die prototypische Piratenfigur mit Holzbein und sprechendem Papagei auf der Schulter hat sich erst durch die „Schatzinsel“ ins kollektive Bewusstsein eingebrannt – nach dem Vorbild von Long John Silver und dem gefiederten Kumpan „Käpt’n Flint“. Doch der langfristige Erfolg war auch an die Illustrationen gekoppelt – in Europa vor allem durch Georges Roux, populär auch für seine Jules Vernes-Bebilderung, in den USA dagegen N.C. Wyeth, dessen Zeichnungen auch Ausgaben von Robinson Crusoe oder Lederstrumpf begleiteten. Insofern liegt es nahe, dass auch die Macher von Vook sich für Wyeth entschieden haben. Der alte Seebär Billy Bones, wie er mit seinem Teleskop Ausschau hält, Long John Silver mit seiner Krücke und die Meuterei auf der Hispaniola – das alles wikt in Wyeths realistischen, farbigen Illustrationen so lebendig, als hätte man ein Szenenbild aus „Fluch der Karibik“ vor sich.

Vook steht eigentlich für die Kombination von E-Book & Video…

Vook steht eigentlich für die Kombination von E-Book und Video – seit Anfang 2009 macht der Silicon-Valley-Unternehmer Bradley Inman mit seinem ambitionierten Startup von sich reden. Normalerweise werden „Vooks“ in Zusammenarbeit mit der Produktionfirma TurnHere mit einem Dutzend kurzer Videos ergänzt, die in einem Roman oder Thriller einzelne Handlungsstränge illustrieren, oder in einem Ratgeber praktische Hinweise geben, sei es für’s ayurvedische Kochen, sei es für Fitness-Gymnastik. Mit der Kombination Text-Film soll es gelingen, besser mit den Online-Medien zu konkurrieren – ohne die Balance zwischen Buch und Bewegtbildern zu verlieren: „Wenn man Videos in ein Buch integriert, müssen die Bilder sich so nahtlos in den Erzählfluss einfügen, dass die Leser den Medienwechsel gar nicht bemerken“, so Inmans Devise. Mittlerweile geht Inmans Team aber auch die Klassiker an – zuletzt etwa Conan Doyle. In „The Sherlock Holmes Experience“ werden zwei klassische Detektivgeschichten mit kurzen Docu-Fiction-Clips begleitet, die einem die Original-Schauplätze, kulturelle Details wie „Opium-Smoking“ und Wissenswertes zu Doyles Biografie näherbringen. Die aufwändig gestaltete iPhone-Version von Treasure Island zeigt nun, dass Vook auch ohne Videos ein ganz besonderes Leseerlebnis inszenieren kann. Wichtige Clues geben statt Videoclips hier Hyperlinks im Text – wer etwa wissen will, was der Ausdruck „captan bars“ bedeutet, was ein „buccanner“ ist oder eine „fourpenny“-Münze, wird zu Wikipedia oder anderen Online-Enzyklopädien weitegeleitet.

Am Anfang der Geschichte steht eine längst verschollene Schatzkarte

vook-e-book-treasure-island-map-wikipediaDas Vook zur Schatzinsel setzt auf Nostalgie – das fängt bereits an beim beigen Texthintergrund, der vergilbtes Pergamentpapier nachahmt. Auch die eingestreuten Illustrationen – die trotz Verkleinerung auf dem Farbdisplay hervorragend wirken – tragen natürlich zum besonderen Leseerlebnis bei. Manche führen bereits den ursprünglichen Erfolg des Romans auf den Nostalgie-Faktor zurück – in Form eines Kinderbuchs für Erwachsene: „My impression is that Treasure Island is still appreciated less by boys than by grown-up readers“, schrieb bereits ein Zeitgenosse Stevensons. Ein Nachteil ist allerdings, dass die Illustrationen nicht zoombar sind. So muss man auf die Details von Stevenson berühmter Schatzkarte leider verzichten – das ist doppelt schade. Denn sie war sogar der Ursprung der ganzen Geschichte: Lloyd Osborne, Stevenson Stiefsohn, hatte einmal zum Zeitvertreib mit Wasserfarben eine Phantasie-Insel gemalt. Daran entzündete sich die Phantasie des Schriftstellers: „das zukünftige Romanpersonal tauchte aus seinen Verstecken in den imaginären Wäldern auf, mit gebräunten Gesichtern, blitzenden Waffen, auf der Jagd nach dem Schatz, alles projiziert ein paar Quadratzentimetern Papier… Die Karte war der wichtigste Teil des Plots.“ Die Originalkarte mit dem „x“ ist übrigens seit mehr als hundert Jahren verschollen, was wir heute auf dem Display des iPhones zu sehen bekommen, ist aber immerhin Stevensons eigenhändige Rekonstruktion. In der Erstausgabe des Buches war sie übrigens die einzige Illustration. Ach ja – das Buch! Manche Leser werden am Ende vielleicht so nostalgisch, dass sie die Schatzinsel in Papierform haben möchten – für diesen Fall hat das Vook eine kleine Hintertür parat: ein direkter Link in Richtung Amazon. Die iPhone-Version gibt’s im App-Store für umgerechnet knapp 1,50 Euro.

The Book is a Vook: Im Silicon Valley werden Buch und Video zum neuen Medium gekoppelt

Das Buch der Zukunft wird nicht nur auf digitalem Papier gedruckt sein, es wird vielleicht auch Videos enthalten. Die New York Times berichtet über ein Projekt namens „vook.tv“, ins Leben gerufen vom Silicon-Valley-Unternehmer Bradley Inman. Zugleich ist der Mann auch Schriftsteller: im letzten Jahr schrieb er den Thriller „The Right Way to Do Wrong“. Parallel dazu liess er durch die Produktionfirma TurnHere ein Dutzend kurze Videos drehen, die einzelne Handlungsstränge illustrieren. Mit der Kombination Text-Film soll es gelingen, besser mit den Online-Medien zu konkurrieren. (mehr …)