Mojoreads (f.k.a. log.os) startet „vollumfänglich“, inklusive Print-Verkauf & Provisionen für die Leser

mojoreads-startet-vollbetriebPünktlich zur Buchmesse ist der Online-Buchhandel um eine Plattform reicher: Mojoreads (formerly known as „Projekt log.os“) ging am 11. Oktober „vollumfänglich“ an den Start, inklusive Print-Sortiment und Affiliate-Modell. Deutlichstes Zeichen: Die erste Printbuch-Bestellung ist bereits bearbeitet worden — es war den Plattform-Machern zufolge „Prinzessin Insomnia“ von Walter Moers. E-Books gibt’s bei mojoreads natürlich auch.

„Wertschöpfungs-Netzwerk“ als Ziel

Das etwas großspurig als „Betriebssystem für Literatur“ angekündigte Portal will nicht nur einen Ort bieten, an dem sich „Leser, Autoren, Verlage und Bloggern gemeinsam über Literatur austauschen. Sondern auch ein Marktplatz sein. Aber eben ein Marktplatz der besonderen Art. „Unser Ziel ist, die klassische Wertschöpfungskette durch ein Wertschöpfungsnetzwerk zu ersetzen“, so Mojoreads-Mitgründer Volker Oppmann. Mit mojoreads wolle man eine „digitale Agora“ etablieren, die „den kulturellen Interessen der Gesellschaft und nicht den finanziellen Interessen einzelner Gesellschafter verpflichtet“ sei.

Wer empfiehlt, verdient mit

Was Provisionen für die Nutzer aber explizit nicht ausschließt: „Jeder Kauf, der über Buch-Listen, Rezensionen oder Kommentare generiert wird, wird mit einer Provision vergütet“, so Volker Oppmann. Autorinnen könnten damit ihre Autorenhonorare aufbessern, Bloggerinnen ihre Marge erhöhen und auch für alle anderen lohne sich das Engagement rund ums Buch auf diese Weise nicht nur ideell, sondern auch finanziell.

Mojoreads muss jetzt schnell wachsen

Ein besonders Mittel dazu ist die vom Mojoreads-Team entwickelte Web-Serie „Buch-DJ der Woche: einmal pro Woche gibt auf der Landing Page mojoreads.com ein Buchblogger, Autor oder Buchhändler fünf persönliche Buchtipps, natürlich mit Affiliate-Verlinkung. All das soll zum Start genügend Reichweite schaffen — denn der Erfolg von mojoreads steht und fällt mit der Größe der Community, die während der Testphase knapp 1.200 Personen umfasste. Jetzt müssen schnell so viele neue Nutzer wie möglich her. Apropos: Unter allen Neuanmeldungen auf mojoreads.com bis zum 18.10.2017 werden 10 Büchergutscheine im Wert von jeweils EUR 100,– verlost…

Nolino statt Tolino: Deal zwischen Indies & Reader-Allianz geplatzt – Chance für alternative Plattform LOG.OS?

Der Buchhandel in Deutschland bleibt auch weiter gespalten: die Großen wie Weltbild oder Thalia setzten auf das cloudbasierte Tolino-Konzept, die unabhängigen Buchhändler müssen sehen, wo sie bleiben. Denn Verhandlungen zwischen der Gran Tolino-Koalition und dem Börsenverein des deutschen Buchhandels bzw. seiner Marketing-Tochter MVB sind endgültig gescheitert. Am Ende hakte es offenbar vor allem am Geld – nach Informationen von Buchreport sollten die Indies für ihr Entreebillet die stolze Summe von einer Million Euro investieren, und hätten trotzdem nur sehr eingeschränkte Mitspracherechte besessen. Auch den exklusiven Content-Bezug über die Bertelsmann-Plattform Pubbles wollten viele unabhängige Buchhändler nicht akzeptieren.

„Chance gegen Kindle&Co. bietet nur Software-Strategie“

Doch braucht man überhaupt den Über-Reader? Viele Indies bieten nach anfänglichen Versuchsballons mittlerweile überhaupt keine Geräte in ihren Läden an, und setzen statt dessen lieber auf einen gut gemachten Online-Auftritt. So macht es etwa Ocelot-Gründer Frithjof Klepp, den der geplatze Tolino-Deal nicht wirklich überrascht: „Das ist ein starkes und unübersehbares Signal, dass die Hardware-Strategien gescheitert sind“, kommentiert Klepp gegenüber E-Book-News. Der Buchhandels-Entrepreneur hat viel Geld und Arbeit in die Entwicklung einer maßgeschneiderten Website gesteckt (siehe den E-Book-News-Bericht zum Launch) – und sieht darin den Königsweg für die gesamte Branche: „Eine Chance gegen Kindle & Co. wird der unabhängige Buchhandel nur mit flexiblen, technisch sauberen Softwarelösungen haben, die den Kunden in verschiedener Weise an seine Marke bzw. seine Buchhandlung binden.“

„Zeit von Top-Down-Lösungen ist vorbei“

Auf dieser Basis kann sich Klepp auch durchaus eine gemeinsames Plattform-Modell für die deutschen Indie-Buchhändler vorstellen: „Wichtig ist bei allen möglichen Lösungen und Überlegungen, dass nicht mehr Top-Down sondern von der Praxis-Seite her Lösungen erdacht und umgesetzt werden.“ Ähnlich sieht das auch Onkel&Onkel-Verleger Volker Oppmann – und bezieht gegenüber E-Book-News auch die Leser in seine Kritik bisheriger Ansätze mit ein: „Das Problem auf allen Seiten: Es fehlt an einem schlüssigen Konzept, das konsequent an den Bedürfnissen des Endkunden ausgerichtet ist. Gleichzeitig muss es die Kräfte der Branche effektiv bündeln, indem es den einzelnen Menschen hilft, ihr Potenzial voll auszuschöpfen und in einen inhaltlichen Dialog mit dem Kunden zu treten.“

Kommt statt Tolino jetzt LOG.OS?

Oppmann empfiehlt den Buchhändlern deswegen, die Zukunft des Buches selbst in die Hand zu nehmen – und hat zu diesem Zweck das Projekt LOG.OS ins Leben gerufen, ein basisdemokratisch organisiertes, offenes Plattform-Konzept, das sich als alternatives „Betriebssystem für Literatur“ versteht. Momentan existiert LOG.OS freilich nur als Konzept, vorangetrieben durch einen Verein, der sich erstmal um die Akquise des notwendigen Startkapitals kümmert. Das könnte nach dem Scheitern der ganz großen Tolino-Allianz jetzt vielleicht etwas einfacher werden: denn der „Wunsch des unabhängigen Buchhandels nach einer E-Book-Plattform besteht weiter“, ließ gestern MVB-Chef Ronald Schild verlauten. Man werde in den kommenden Wochen „in einen Dialog mit Vertretern der Branche treten“, um Lösungs-Szenarien für den E-Book-Verkauf im unabhängigen Buchhandel zu finden.

Abb.: Fotomontage