Online-Händler jetzt US-weit umsatzsteuer-pflichtig: Stationäre Buchhändler erfolgreich mit Supreme-Court-Klage

supreme-court-pro-umsatzsteuer„No taxation without representation“. In puncto Umsatzsteuer mutierte diese Parole aus dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg zu einem Internet-Konzern-Kalauer: viele Anbieter mussten nämlich jahrelang nur in dem Bundesstaat Umsatzsteuern entrichten, in dem sich ihre physische Firmen-Repräsentanz befand. Durch die Öffnunge vieler Plattformen für Dritt-Händler wurde das Problem noch weiter verschärft. Denn die USA hat bekanntlich 50 Bundesstaaten, ein Webstore aber ist überall erreichbar. So durften viele Online-Käufer steuerfrei shoppen, zum Verdruß des stationären Handels, der in Sachen Value Added Tax (VAT) natürlich überall von den Steuerbehörden zur Kasse gebeten wird. Man stelle sich nur mal vor, Amazon Deutschland hätte seinen Firmensitz z.B. im Bundesland Bremen, und würde nur von dortigen Käufern 19 % Umsatzsteuer berechnen…

Nicht zufällig waren es die Fronde der Buchhändler, genauer gesagt die American Bookseller Association ABA, die diesem unfairen Treiben nun Einhalt gebieten konnte: die Obersten Richter des Supreme Courts hoben Ende Juni ein älteres Urteil von 1992 auf. Die hatte kurz vor dem Beginn des E-Commerce-Booms eine Sonderregelung geschaffen, welche mehr als zwei Jahrzehnte die Kassen der Online-Händler kräftig klingeln ließ. Zwischenzeitlich hatten einzelne Bundesstaaten auch schon versucht, das weit klaffende Steuerschlupfloch zu schließen, allerdings erfolglos.

“Auf Bundes- und Landesebene hat uns dieses Alptraum-Szenario für viele Jahre in Atem gehalten“, so Carl Davis vom Think Tank „Institute on Taxation and Economic Policy“ gegenüber der New York Times. “Die aktuelle Entscheidung erlaubt nun dem Staaten wieder, ihre Steuerhoheit durchzusetzen und die Schieflage im stationären Handel zu beseitigen.“ Auch für die öffentliche Hand handelte es nun wirklich nicht um Peanuts — Jahr für Jahr entgingen dem Fiskus US-weit geschätzte 33 Milliarden Dollar.

(via NYT & Börsenblatt)

Abb.: Siegel des US-Supreme Courts (gemeinfrei, cc-0)

Ich wär so gerne stationär… Bitteschön: Amazon Books ist in den USA die achtgrößte Buchhandelskette

amazon-books-in-seattleFrohes Neues Jahr! Für den Start gleich mal eine doppelt positive Nachricht: „Nein, Amazon ist noch immer nicht unter den fünf größten Buchhandelsketten“. Das gilt nicht nur für die USA, auf die diese Headline von The Digital Reader gemünzt ist, sondern auch für Deutschland. Denn hier hat Amazon Books überhaupt noch keine eigenen Läden. Und selbst wenn in 2018 in Berlin, München, Hamburg oder sonstwo welche entstehen sollten, wird zumindest in den nächsten vier, fünf Jahren wohl eine solche Klarstellung hierzulande nicht nötig sein. (Es sei denn, Droege International verkauft Weltbild zwischenzeitlich doch an Jeff Bezos…)

Im Jahr 2017 mussten mehr als 400 Filialen schließen

In den USA ist die Sache dagegen nicht ganz so einfach, dort hat das Unternehmen bereits 16 eigene Buchläden an den Start gebracht, was in der darbenden Buchbranche dann zwar nicht für die Top Fünf, aber immerhin für die Top Ten reicht. Entstanden war die anderslautende „Fake News“ interessanterweise im Sommer 2017 durch Publishers Weekly, nachdem eine ganze Reihe von Ketten schließen musste, die u.a. Bücher verkauften, neben Book World auch die Family Christian Stores sowie Hastings Entertainment, insgesamt mehr als 400 Filialen.

Platz vier für Bezos? Hier irrte die New York Times…

Am Ende schrieben dann aber auch die Top Checker von der New York Times: „Here is one way to measure the upheaval in bookselling: Replacing Book World as the fourth-largest chain, Publishers Weekly says, will be a company that had no physical presence a few years ago.“ Zum Glück gibt’s ja Nate Hoffelder, und der hat noch mal nachgezählt: Nein, es gibt neben Barnes & Noble, Books-a-Million und Halfprice Books auch noch recht ansehnliche Ketten namens Deseret Books, Lifeways, Hudson Bookseller sowie Seagull Books. Fazit: Amazon erreicht in den USA „nur“ Platz acht.

Abb.: Amazon.com, Filiale in Seattle

Branchen-Umgehungsstraße: Amazon-Imprints beherrschen die Top 20 im US-Kindle Store

us-kindle-store-dominiert-von-amazon-imprintsTja, nicht umsonst nennt man es „Disintermediation“: im US-Kindle Store wurden die Top 20 der letzten sechs Monate von firmeneigenen Imprints dominiert – zwischen Januar und Juni ganz vorne dran waren Titel von Labeln wie Lake Union, Thomas & Mercer, Little A oder AmazonCrossing (mit „Hangman’s Daughter“ derzeit an der Spitze). Das berichtet Publishers Weekly — und wirft zum Vergleich einen Blick auf die den gesamten (Print-)Buchmarkt abdeckende „NPD Bookscan“-Bestsellerliste – wo fast schon naturgemäß keine Amazon-Imprints auftauchen, da Amazon-Titel jenseits des Amazon-Portals nicht verkauft werden (abgesehen wiederum von Amazons eigener Book Store-Kette).

Pricing & Kindle Unlimited als Erfolgs-Faktoren

Soweit, so gut. Interessanterweise sah aber auch die Kindle-Bestsellerliste in der ersten Jahreshälfte 2016 ganz anders anders als als die aktuelle Liste, es waren weit weniger Amazon-Imprints gelistet — auf Anfrage von PW betonte eine Amazon-Sprecherin allerdings, dass weder die „Zählweise“ noch die Art der Promotion in Sachen Eigen-Imprints sich zwischenzeitlich verändert habe. Was bleibt also als Ursache für den Durchmarsch der Eigengewächse übrig? Angeblich folgendes: „Diese Titel werden attraktiv bepreist und sind Teil von erfolgreichen Lese-Angeboten wie Prime Reading und Kindle Unlimited“.

Kein klassischer Online-Buchhändler

Was mal wieder zeigt: Ein normaler Online-Buchhändler ist Amazon schon lange nicht mehr, der Store fungiert eher als eine High-Speed-Umgehungsstraße, die nicht nur den traditionellen Buchhandel, sondern gleich auch noch die klassischen Verlage links liegen lässt – wobei man neben den Eigen-Imprints ja auch noch die sehr erfolgreichen Self-Publishing-Titel zählen muss. Die Printversionen all dieser via Amazon produzierten Bücher tauchen natürlich auch sehr prominent in Amazons eigenen Buchläden auf, mit denen nun ebenfalls Schritt für Schritt eine Parallelstruktur zur traditionellen Branche geschaffen wird…

(via Publishers Weekly)

Abb.: Derzeitige Nr. 4 der US-Kindle-Charts (Verlag: Amazon Imprint Thomas & Mercer)

Trotz E-Book-Boom: Große Mehrheit in USA will öffentliche Bibliotheken erhalten

us-amerikaner-wollen-bibliotheken-erhaltenDie Buchhandlungen: abgeschafft zugunsten von Amazon, die Bücher: abgeschafft zugunsten von E-Books auf Smartphones. War da noch was? Ach ja, Bibliotheken. Nur: Die schöne neue Welt des elektronischen Lesens scheint zugleich eine schlechte Ausgangslage für das Fortbestehen der klassischen Bücherspeicher mit Ausleihtheke zu sein. Doch man sollte wohl zwei Dinge nicht unterschätzen. Zum einen die Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit der öffentlichen Bibliotheken (bzw. der dort arbeitenden BibliothekarInnen). Zum anderen das „Benutzerkollektiv“ vor Ort — wie eine aktuelle Pew-Studie zeigt, ist die lesende Bevölkerung selbst in den digital-affinen USA noch eher pro-Library eingestellt.

Makerspaces etc: Mehr Platz gewünscht

Etwa jeder zweite US-Amerikaner nutzt die Biblos, und auf die E-Book-Gretchenfrage: „Gedruckte Bücher rauswerfen zugunsten anderer Raumnutzung?“ antworten nur ein Viertel der Befragten: „Auf jeden Fall“. Ein Drittel sagen dagegen „Auf keinen Fall“, und 40 Prozent sind unentschlossen. Mehr als die Hälfte wünschen sich allerdings mehr Platz für das Lesen, Arbeiten und Relaxen, und beeindruckende 80 Prozent möchten, das die Biblos die „Tech-Literacy“ etwa von Kindern und Senioren aktiv fördern (ein Trend, den auch die US-Buchhandelskette Barnes&Noble entdeckt hat). Jeder zweite kann sich in den Lesehallen auch die Einrichtung von „Makerspaces“ mit 3D-Druckern u.ä. Geräten vorstellen.

Bibliotheken wichtig für sozialen Zusammenhalt

Bisher nutzen zwei Drittel der Bibliotheksbesucher ihre Einrichtung übrigens ganz traditionell — sie leihen ein Printbuch aus. Wichtiger wurde in letzter Zeit aber auch die Möglichkeit, in der Biblo via WLAN im Web zu surfen und die vorhandenen PCs zu gebrauchen. Bibliotheksschließungen lehnen zwei Drittel der Amerikaner vehement ab. Sie befürchten in diesem Fall massive negative Auswirkungen auf das soziale Leben vor Ort. Wohl auch, weil die Biblos sich in Krisenzeiten als verlässlicher Partner beweisen, und — siehe den neuen Berufszweig des „Outreach Librarians“ — zunehmend Bevölkerungsschichten erreichen, die von sich aus nicht selbst vorbeikommen.

(via Teleread.org)

US-Buchmarktstudie von Technavio: E-Books überholen Print bis 2020

ebook-markt-usa-print-bis-2020-abgehaengtEs ist ja immer gut, mal eine zweite Meinung zu hören. Die großen US-Verlage meldeten in letzter Zeit bekanntlich stagnierende E-Book-Verkäufe, und manche Marktbeobachter haben auf dieser Grundlage den E-Book-Boom einstweilen für beendet erklärt. Die Marktforscher von Technavio tischen nun eine ganz andere Rechnung für den Buchmarkt in Nordamerika auf: der Trend zu Mobilgeräten zusammen mit sinkenden Buchpreisen sorgen demnach im E-Book-Geschäft von 2016 bis 2020 für ein jährliches Umsatzwachstum von knapp 14 Prozent. Das E-Book-Marktvolumen soll bis 2020 auf ansehnliche 13 Milliarden Dollar wachsen – und würde damit den Print-Sektor deutlich überflügeln.

Smartphones als entscheidender Faktor

Im Wortlaut stellen die Marktforscher von Technavio fest: “Die ansteigende Marktdurchdringung von Smartphones und E-Readern ist der entscheidende Faktor, der das Wachstum des E-Book-Marktes in den USA antreibt, denn diese Geräte machen E-Books bei den Lesern flächendeckend beliebt. Zudem sorgen auch das sehr breite Angebot und die Pricing-Politik der Anbieter für nachhaltiges Marktwachstum im Prognosezeitraum“. Einen positiven Einfluss würden zudem auch staatliche Fördermaßnahmen wie die Open eBook-Initiative ausüben.

Umsatztreiber „Nonfiction“ & „Juvenile“

Wichtigste Umsatztreiber sind dem Report zufolge übrigens „Nonfiction“ und „Juvenile“, also Kinder- und Jugenbuch, die zusammen bereits jetzt 60 Prozent des Marktes ausmachen würden. Sowohl bei den Jugendlichen wie auch den Senioren nehme das Interesse an E-Books stark zu, besonders stark wirkt sich offenbar im Rahmen des demografischen Wandels das Interesse der Generation Ü-55 an non-fiktionalen Stoffen aus.

Self-Publishing als Wachstumsbremse?

Als relative gering stufen die Technavio-Marktforscher dagegen den Einfluss von populären Fiction-Genres wie Sci-Fi, Fantasy, Thriller oder Romance ein, die von Self-Publishern veröffentlicht werden — die oft kostenlos oder sehr günstig verkauften Titel würden das Umsatzwachstum der Sparte „Fiction“ eher ausbremsen. Berücksichtigt werden in der Technavio-Marktstudie sowohl große Online-Händler wie Amazon, Apple oder Barnes & Noble, aber auch klassische SP-Plattformen à la Lulu oder Smashwords.

(via Teleread.org)

Abb.: Annie Mole/Flickr (cc-by-2.0)

List der Unvernunft, oder: Wie sich die „Big Five“ selbst aus dem E-Book-Markt katapultieren

unit-sales-trend-20160110Haben sich die großen US-Verlage mit übertriebenem E-Book-Pricing im Kindle Shop selbst um Marktanteile gebracht zugunsten der günstigeren Self Publishing-Titel? Sieht ganz so aus. Die Seattle Times brachte kürzlich eine interessante Analyse zum Thema „Agency Modell“, also der 2014 von den „Big Five“ durchgesetzten Möglichkeit, Endkundenpreise im Kindle Store selbst zu bestimmen und dies nicht mehr — wie zuvor — Amazon zu überlassen („Wholesale-Modell“).

Print wiederbelebt, E-Books gekillt

Mittlerweile berichteten große Publisher wie Hachette, so die Seattle Times, nicht nur von schrumpfenden Umsatzanteilen von E-Books, sondern auch über neues Wachstum bei Print: die Kunden kaufen in vielen Fällen angesichts hoher Digital Preise dann doch lieber die gedruckte Version.

Auch der „Gesamtmarkt“ für E-Books schrumpft, dokumentierte zuletzt der Branchenverband „Association of American Publishers“ (AAP) — doch diese Zahlen für 2015 betreffen wohlgemerkt nur klassische Verlagstitel. Amazon — in den USA bei weitem der wichtigste Marktplatz für elektronische Bücher — verzeichnet starkes Umsatzwachstum bei E-Books aus firmeneigenen Imprints wie auch Self-Publishing-Titeln.

E-Book-Markt hat sich um 180 Grad gedreht

Das hohe E-Book-Pricing der „Big Five“ von Hachette bis Simon & Schuster habe letztlich dazu geführt, die Machtverhältnisse auf den Kopf zu stellen, so die Seattle Times unter Berufung auf Hugh Howeys aktuelle Marktanalyse auf dem „Author Earnings“-Blog.

Dort liest man nämlich: „Die Big Five verkaufen jetzt weniger als ein Viertel aller E-Books auf Amazon, während die Indies stramm auf einen Anteil von 45 Prozent zumarschieren.“ („The Big 5 now account for less than a quarter of ebook purchases on Amazon, while indies are closing in on 45%“).

Ein klassischer Fall von „We told you so!“

Was mal wieder zeigt: selbst wenn Amazon auf die Wünsche der traditionellen Verlage eingeht (vgl. Kopierschutz & die Closed-Shop-Problematik), heißt der Gewinner am Ende dann doch wieder Amazon. Weil’s dabei um die üblichen beratungsresistenten Verdächtigen geht, darf man hier wohl getrost auch von der „List der Unvernunft“ sprechen…

„Buy Local ist toll!“: Amazon plant hunderte neue Buchhandlungen in den USA

amazon-books-in-seattleAmazon werkelt am nächsten großen Sprung nach vorn, und der findet offline statt: etwa 300 bis 400 Buchhandlungen in der Fläche wolle der bisherige Online-Riese eröffnen, so die Breaking News, die heute via Wall Street Journal, New York Times sowie Seattle Times die Runde macht. Die erste offizielle Reaktion aus Deutschland kam getweetet vom Bösenverein (nicht zu verwechseln mit dem „Börsenverein“): „Buy Local ist großartig! Buy Local ist toll! … Äh … Moment mal … Was zum Teufel..?“ … Doch angesichts dieser Nachricht dürfte wohl die ganze Buchbranche mental erstmal in den „What the Fuck!?“-Modus umschalten.

Amazon im Gespräch mit Shopping-Mall-Betreibern?

Vor allem, weil an der Meldung was dran sein könnte — nicht nur aufgrund der Tatsache, dass Amazon in Seattle unter großem Medienecho kürzlich die erste Offline-Buchhandlung eröffnet hat und in Europa mit „Pop-Up-Stores“ experimentiert. Quelle des aktuellen Gerüchts ist ausgerechnet Sandeep Mathrani, Chef des Shopping-Mall-Riesen General Growth Properties. Das Unternehmen betreibt in den USA knapp 120 Einkaufszentren, die natürlich zugleich ein perfektes Sprungbrett für Amazons stationären Arm darstellen würden. In einer Telefonkonferenz mit Analysten sagte Mathrani wörtlich, das Ziel von Amazon sei es, „so wie ich es verstehe, 300 bis 400 Buchhandlungen zu eröffnen“.

„Shopping Malls & E-Commerce ergänzen sich“

In der Telko sei es laut Seattle Times zudem um die fortbestehende Bedeutung von Shopping Malls gegangen, die den E-Commerce optimal ergänzen würden, nicht nur, weil man dort bequem das Angebot durchstöbern kann, sondern auch, weil die Rückgabe von Waren sich dort reibungsloser abwickeln lasse. Außerdem ist bekannt, dass die Expresslieferungen für Prime-Kunden, mit denen Amazon dem stationären Handel das Wasser abgräbt, dem Unternehmen teuer zu stehen kommen, denn die dafür notwendige Lieferlogistik ist sehr aufwändig.

Buchhandlung als perfektes Buchentdeckungs-Tool

Während Amazon die aktuellen Presseberichte weder bestätigen noch kommentieren wollte, berief sich die New York Times auf einen weiteren (anonymen) Brancheninsider, der die Offline-Offensivpläne zumindest in einem zahlenmäßig begrenzteren Rahmen für durchaus real hält. Außerdem, so zitiert das Blatt John Mutter von Shelf-Awareness, sei eine Buchhandlung „der beste Weg um etwas zu finden, von dem man gar nicht wusste, das man es sucht“. Und genau diese neue Erfahrung in punkto Discoverability mache Amazon gerade in Seattle…

Abb.: Amazon.com

Am Himmel kreisen schon die Drohnen: Schwarzer Freitag für den US-Einzelhandel

und-ueber-uns-kreisen-schon-die-drohnenNachdem Black Friday und Cyber Monday abgefeiert sind, lohnt sich ein Blick auf die gerade stattfindenden Machtverschiebungen im US-Einzelhandel: noch einmal gingen am „Schwarzen Freitag“ die Ausgaben im stationären Geschäft um 1 Milliarde Dollar gegenüber 2014 zurück, während die E-Tailer zweistellige Zuwächse verbuchten. 900 Millionen Dollar wurden alleine durch das Shopping mit Mobilgeräten in die Kassen gespült.

Zu den ganz großen Gewinnern gehören Apple und Amazon. Drei Viertel der Mobil-Einkäufe wurden via iPhone und iPad getätigt. Gekauft wurden auf diesem Wege besonders gerne das iPad Air 2 sowie das iPad Mini, bei Amazon das preisgünstige Fire-Tablet mit 7-Zoll-Display. Nicht nur bei der Rabattschlacht selbst, sondern auch im Social Media-Getümmel schnitt Amazon sehr gut ab, sogar besser als Target und Walmart zusammen.

Natürlich sind die umsatzstarken Tage nach Thanksgiving nur eine Momentaufnahme, doch die Aussagekraft für das gesamte Jahr ist offenbar groß: einer aktuellen Statistik der Deutschen Bank zufolge wird Amazon mit knapp über 100 Milliarden Dollar in diesem Jahr erstmals mehr Umsatz erzielen als ausgewählte große US-Einzelhandelsketten zusammen (allerdings ohne Walmart).

Zum Geheimnis des Erfolgs gehört sicherlich auch Amazons Premium-Mitgliedschaft namens „Prime“, an der schon fast 50 Millionen US-Konsumenten teilnehmen – und im Durchschnitt doppelt so viel bei Amazon ausgeben wie Nicht-Mitglieder. Das lässt Amazon sich einiges kosten, von selbst produzierten Serien für Prime Video bis hin zur Blitz-Lieferlogistik.

Demnächst vielleicht sogar mit einer eigenen Drohnenflotte, die Pakete bis direkt vor die Haustür helikoptert? Die Lufthoheit über die Business-Gerüchteküche hat Jeff Bezos jedenfalls schon jetzt erobert… auch das ist natürlich Teil der Erfolgsstrategie.

Abb.: General Boles/Twitter

Smartphone über alles: E-Reader-Nutzung halbiert, Tablet-Nutzung stagniert (in USA)

Pew-Research-Smartphone-Tablet-Ereader-USA-2015Das Wachstum in der E-Book-Branche löst sich endgültig von der klassischen Geräteplattform E-Reader – das zeigen neue Zahlen von Pew Research für den US-Markt: nur noch 19 Prozent der Befragten gaben an, ein elektronisches Lesegerät zu besitzen, im letzten Jahr waren es noch 32 Prozent. Dem Absturz bei E-Ink steht Stagnation bei Spielekonsolen, MP3-Playern und Tablets gegenüber, zugleich starkes Wachstum bei Smartphones.

Mehr Smartphones, größere Displays

68 Prozent der erwachsenen US-Bevölkerung besitzt mittlerweile eins, bei den unter Dreißigjährigen sogar 86 Prozent, der Markt nähert sich also jenseits des Atlantiks schon der Sättigung. Zugleich ersetzen iPhone, Android-Phone & Co. als mobile Universalgeräte zunehmend die mobilen Spezialgeräte. Eine besondere Rolle spielt dabei offenbar die wachsende Display-Größe, siehe aktuelle 5-Zoller wie iPhone 6s Plus oder Galaxy S6, die mobile Lektüre oder mobiles Surfen noch komfortabler macht.

Tablets haben den Zenit ebenfalls erreicht

Dass sich E-Reader nach ihrem kurzen Vorstoß in den Mainstream wieder zum Nischengerät zurückentwickeln, hat natürlich genauso mit dem Erfolg von Tablets zu tun: Pew zufolge besitzt fast jeder zweite US-Amerikaner ein iPad oder Android-Tablet. Doch die Boom-Zeiten sind auch bei den Flachrechnern vorbei – nach Stagnation im Jahr 2014 wurden in den ersten Quartalen 2015 nach Angaben von Statista weltweit erstmals weniger Geräte ausgeliefert als im Jahr zuvor. Schuld daran dürfte auch in diesem Fall das Smartphone sein.

Von der Hardware- zur App-Strategie

Für die E-Book-Branche bedeutet das: App-zentrierte Strategien werden in den nächsten Jahren noch wichtiger, Geräte- und Contentkonzepte driften noch weiter auseinander. Selbst Amazon hat es nach dem Erfolg des Kindle Readers nicht geschafft, mit dem Kindle Fire auf den Tablet-Markt nennenwerte Marktanteile zu gewinnen. Der Versuch, mit dem Fire Phone den Smartphone-Markt zu erobern, ist gerade erst krachend gescheitert. In Zukunft gilt wohl im Buch-Business erst recht: wer smart ist, lässt die Finger von der Hardware – viel wichtiger ist die Präsenz auf den Displays…

(via The Digital Reader & Business Insider)

Post-Holiday-Studie: E-Books in USA boomen, Print bleibt stabil

Puuh, Weihnachten ist überstanden, und somit kommt die Zeit der „Post-Holiday-Surveys“ – das Pew Research Center etwa hat zum Jahresbeginn die US-Amerikaner nach ihren Lesegewohnheiten befragt. Die große Überraschung: der E-Lese-Boom stabilisiert jenseits des Atlantiks auch den analogen Lesehunger. Während die E-Book-Nutzung von 23 auf 28 Prozent stieg, kletterte die Zahl derjenigen, die mindestens ein Print-Buch gelesen haben, von 65 auf 69 Prozent, und erreicht fast wieder das Niveau von 2011 (71 Prozent). 50 Prozent der US-Amerikaner besitzen mittlerweile entweder einen E-Reader oder ein Tablet, im Jahr zuvor lag diese Rate noch bei 46 Prozent.

Das größte Wachstum gab es nicht zufällig im Bereich der Tablets, die in der Weihnachtssaison wieder zum Kassenschlager wurden. Auf dem Touch-Screen von iPad, Kindle Fire & Co. lesen Anfang 2014 bereits 55 Prozent der US-Amerikaner über 18 Jahre, 2011 waren es gerade mal 23 Prozent. Leichtes Wachstum gab’s auch bei E-Readern (von 51 auf 57 Prozent) und Smartphones. Der PC als Lesegerät gerät dagegen immer stärker ins Hintertreffen – hier fiel die Rate von 42 auf 29 Prozent. Steve Ballmers legendäres Diktum vom PC als wichtigstem E-Reader darf man also zumindest in Nordamerika getrost ad acta legen.

Insgesamt gilt: „post-holiday“ ist für die Gutenberg-Galaxis nicht gleichbedeutend mit „post-apokalyptisch“, was auch ein Blick auf die Rolle der E-Book-Only-Fraktion zeigt: mit nur fünf Prozent sind die radikalen Digitalleser noch eine winzige Minderheit. Die konservative Buchgemeinde liest dagegen noch zu knapp 50 Prozent nur auf Papier, nur ein knappes Drittel wagt sich in digitale Letternwüsten vor. Besonders tolerant sind dagegen die Early Adopter des elektronischen Lesens: 87 Prozent von ihnen nehmen auch Gedrucktes in die Hand. Und dann gibt es noch die radikalen Omnivoren: 9 Prozent der Leser nutzen nämlich parallel Print, E-Books und Audiobooks.