Mission „Women in Print“: Crowdpublishing-Plattform Unbound fördert Autorinnen

Crowdpublishing funktioniert prima – zum Beispiel auf der britischen Plattform Unbound: seit 2011 wurden dort schon mehr als 50 Bücher mit Pre-Order-Kampagnen finanziert, mehr als 1 Mio. Pfund kamen dabei zusammen. Doch es gibt da noch ein kleines Problem: nur ein Drittel der bisher veröffentlichten Titel wurden von Frauen verfasst.

Ein spezielles Programm namens „Women in Print“ soll das nun ändern – ausgewählte Projekte von „Bücherfrauen“ werden auf Unbound in Zukunft besonders hervorgehoben und promotet. Aktuell z.B. das Food-Buch „Perfect Picnic“ von Tamasin Day-Lewis und die Graphic Novel „Rinse Spin Repeat“ von Edie Fassnidge. Außerdem sind alle Autorinnen im Laufe des Monats November nocheinmal ausdrücklich aufgefordert: Schickt Eure Texte oder Buchideen ein! Macht einen Pitch! Die besten drei Projekte werden dann Anfang 2015 als Crowdpublishing-Kampagnen auf Unbound starten.

Wie prominent die Plattform Unbound geworden ist, zeigt die Zahl der eingeschickten Manuskripte von AutorInnen bzw. Literaturagenten: 20 pro Tag sollen es derzeit sein, berichtete Forbes erst im September 2014. Doch hier lauert eben auch der Gender-Gap: denn aus verschiedenen Gründen — z.B. mangelnde Zeit, fehlendes Selbstvertrauen — senden Frauen offenbar grundsätzlich weniger Manuskripte ein als Männer. Glaubt man dem Portal Mslexia, ist die Wahrscheinlichkeit sogar um bis zu 50 Prozent geringer. Am Ende werden Frauen aber nicht nur seltener verlegt bzw. können Artikel in Zeitungen oder Zeitschriften unterbringen, ihre Texte werden auch deutlich seltener in den führenden Feuilletons besprochen.

„Women in Print“ setzt insofern an der richtigen Stelle an – präsentiert man der Crowd mehr Buchprojekte von Frauen, ist auch die Wahrscheinlichkeit höher, dass mehr Projekte von Frauen erfolgreich finanziert werden. Dass selbst Verlagsprogramme mit 100 Prozent Frauenanteil in einem Crowdpublishing-Umfeld funktionieren, muss übrigens nicht mehr bewiesen werden – erst kürzlich finanzierte der von Frauen für Frauen gegründete Verlag Shebooks.net via Kickstarter das gesamte Programm für 2014.

[e-book-review] Das Geld von morgen, das sind wir alle (Dominic Frisby: Bitcoins – The Future of Money?)

Wir leben alle in ei’m kolossal’n Roman. Manchmal entpuppt sich dieser Roman auch als ein Wirtschafts-Thriller. Die Erfolgsgeschichte der Krypto-Währung Bitcoins, erzählt von Dominic Frisby in seinem neuen Buch „Bitcoins – The Future of Money?“, hat jedenfalls alle Elemente eines finanzpolitischen Hacker-Märchens: eine Horde Pizza-verschlingender „Cypherpunks“, angeführt von einen ebenso genialen wie mysteriös-anonymen Mastermind mit japanischem Namen, deutscher E-Mail-Adresse und britischem Akzent, eine globale Wirtschafts- und Kapitalismuskrise, geheime Haupt- und Staatsaktionen, Drogen-Kriminalität, rauschhafte Renditen,anschließende Abstürze an die Nullinie. Und am Horizont der Silberstreif einer völlig neuen, erstmals wirklich globalen Finanzordnung: dezentral, transparent, hierarchiefrei, allen Menschen zugänglich, auch jenseits der Industriestaaten.

Disruptions-Faktor wie E-Mail oder Internet?

Doch all das ist mitnichten Fiktion, die erste erfolgreiche virtuelle Währung ist seit 2008 Teil unserer Realität. In jenem Jahr veröffentliche ein gewisser Satoshi Nakamoto ein digitales Whitepaper mit dem Titel: „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“ – und startete kurz darauf ein gleichnamiges Projekt auf der Open Source-Plattform Sourceforge. Unbeachtet von der Öffentlichkeit beginnen die ersten Anwender, nach Nakamotos Vorgaben Bitcoins zu errechnen und untereinander zu tauschen, die zunächst überhaupt keinen realen Wert besitzen. Fünf Jahre später ist ein Bitcoin zeitweise so viel Wert wie eine Feinunze Gold, das Bitcoin-Netzwerk zählt hunderttausende Mitglieder, der Wert der stündlichen Transaktionen toppt den von klassischen Finanzdienstleistern wie Western Union.

„If Bitcoins changes the way we transact and the way we store wealth – and it has the potential to do this – the repercussions could be enormous. Think what email did to the postal service, or what the internet did to newspapers, publishing, music and television“, schreibt Frisby, übrigens nicht nur als Wirtschaftsjournalist unterwegs, sondern auch als Comedian. Damit den Bitcoin-Nutzern nicht das Lachen vergeht, bleiben nicht nur Banken, sondern auch staatliche Akteure bei der dezentral organisierten Währung aus dem Spiel: „In Math we Trust“ ist das alleinige Motto – die Menge der Bitcoins ist begrenzt, um inflationäre Währungspolitik zu verhindern, statt auf die Integrität von Finanzdienstleistern zu hoffen wird auf den unwiderlegbaren mathematischen Beweis („Proof“) gesetzt.

Satoshi Nakamoto auf der Spur

Während das Bitcoin-Prinzip keine Rätsel aufwirft, sondern sehr transparent erscheint (Frisby gibt sich viel Mühe, die Grundlagen auch für Laien verständlich zu machen) blieb Bitcoin-Erfinder Nakamoto dagegen bisher ein Mysterium. Gibt es ihn überhaupt – oder verbergen sich wie bei Anonymous oder Dread Pirate Robert verschiedene Personen hinter dieser Charaktermaske? Frisby widmet etwa ein Drittel des Buches dieser Frage, und tischt in diesem Rahmen auch eine sehr plausibel erscheinende These auf (die ich hier aber nicht verraten möchte). Ebenso plausibel scheinen die Gründe für das Verschwinden des oder der Nakamotos zu sein: zeitlich fällt das Abtauchen mit dem Wikileaks-Skandal zusammen. Als alternative, schwer zu kontrollierende Finanzierungsquelle drohte die noch junge Krypto-Währung in das Fadenkreuz der US-Regierung zu geraten.

Inzwischen scheinen sich Paranoia wie auch Euphorie rund um Bitcoins und Krypto-Währungen allgemein etwas gelegt zu haben, während zugleich die Zahl der pragmatischen Nutzer kontinuierlich wächst. Zu denen gehört auch Frisby selbst – und gleiches rät er seinen Lesern: Ausprobieren – auf jeden Fall, denn Bitcoins könnten tatsächlich die Zukunft des Geldes sein. Praktische Tipps gibt’s dazu auch. Doch größere Summen investieren? Besser nicht, warnt der Autor. Bitcoins mögen zwar kein Pilotenspiel sein, doch für den Anleger sind sie mindestens so riskant wie die an konventionellen Börsen gehandelten Wertpapiere.

Praxisbeispiel: Crowdpublishing mit Bitcoins

Zu den bereits etablierten Möglichkeiten, Krypto-Geld auszugeben, gehören übrigens nicht zuletzt auch Crowdfunding-Kampagnen in der Buchbranche: so konnte man Frisbys Bitcoin-Buch über die britische Crowdpublishing-Plattform Unbound im Rahmen einer Pre-Order-Kampagne nicht nur mit britischen Pfund, sondern auch mit Bitcoins bezahlen (siehe dazu das E-Book-News-Interview mit dem Autor). „Bitcoins – The Future of Money“ reiht sich somit ein in eine ganze Galerie von innovativen Buchprojekten der letzten Jahre, die ihre zentrale These bereits durch den erfolgreichen Produktions- und Vermarktungsprozess selbst beweisen – siehe etwa Chris Andersons „Free – The Future of a Radical Price“, Dirk von Gehlens „Eine neue Version ist verfügbar“ oder Markus Albers‘ „Meconomy„.

Hinweis: Der Rezensent gehörte zu den Unterstützern der Pre-Order-Kampagne für „Bitcoins – The Future of Money“ und besitzt derzeit 0,175 Bitcoins.


Dominic Frisby,
Bitcoins – The Future of Money?
E-Book (Kindle) 5,14 Euro
Taschenbuch (via Amazon.de) 10,40 Euro

Bitcoins – Zukunft des Geldes, Zukunft des Crowdpublishings? (Dominic Frisby im Interview)

„Die Dinge stehen so schlecht, dass in unserer Zeit nur ein Komödiant wirklich Sinn schöpfen kann aus einer Ökonomie, die auf dem Druck von Banknoten basiert“, schrieb vor einiger Zeit ein britischer Blogger. Diesen Comedian gibt es tatsächlich – nämlich Dominic Frisby. Zugleich ist Frisby – kein Scherz – aber auch Wirtschaftsjournalist. Perfekte Voraussetzung, um eins der ersten Sachbücher über Bitcoins überhaupt zu schreiben, und die Frage zu stellen: Sieht so die Zukunft des Geldes aus? „Bitcoins – the Future of Money?“ ist gerade frisch erschienen, und auch aus einem anderen Grund ein echter Hingucker: publiziert wurde es nämlich vom Crowdpublishing-Verlag Unbound, der für die Pre-Order-Kampagne erstmals weltweit auch Bitcoin-Zahlungen zuließ. E-Book-News sprach mit dem Autor über Krypto-Währungen und die Zukunft des Crowdfundings.

E-Book-News: Dass Autoren einen Vorschuss erhalten, ist ja nicht ungewöhnlich – bei „Bitcoin – The Future of Money“ kam der Vorschuss aber von den Lesern, und die Unterstützer können über ihr Unbound-Profil dem Autor sogar beim Schreiben über die Schulter schauen. Wie stark hat das Crowdfunding die Art und Weise Ihrer Arbeit verändert?

Dominic Frisby: Vollkommen. Ich habe noch nie ein Buch bei einem konventionellen Verlag herausgebracht. Ich wusste aber, dass es eine Menge Leute gibt, die meine Arbeit schätzen. Schon mein erstes Buch – „Life after The State“ – konnte mit Hilfe der Crowd schnell finanziert werden, und schon ging’s los. Ich musste nie herumsitzen und auf die Entscheidung eines Verlegers warten. Das ist sehr befreiend. Ich hatte schon in den 1990ern, also vor der Self-Publishing-Revolution, zwei Bücher geschrieben, bekam aber keines von beiden veröffentlicht. Diese Erinnerung wirkt noch fort…

Ein sehr bemerkenswerter Aspekt der Crowdfunding-Kampagne für „Bitcoin – The Future of Money“ war die Möglichkeit, mit Bitcoins zu bezahlen. Inwieweit könnte Crowdfunding in Zukunft durch den Boom der Krypto-Währungen beeinflusst werden?

Ich denke Krypto-Währungen sind der Take-Off-Faktor für Crowdfunding. Eine Menge Projekte sind dadurch ins Rollen gekommen. Krypto-Crowdfunding hat die Bobfahrer aus Jamaika bei den letzten olympischen Winterspielen in die Spur gebracht, ähnlich war es bei den indischen Rennrodlern. Im Bereich Charity wurden auf diese Weise Sanitärtechnik in Afrika finanziert oder Obdachlosen-Arbeit in Nordamerika. Aber auch reguläre Geschäftsideen, Kunst-Projekte, und vieles anderes. Ich habe die Crowdfunding-Kampagne für den Bitcoin-Comic via Swarm unterstützt, das war eins der einfachsten Dinge der Welt. Krypto und Crowdfunding, das geht zusammen wie Milch und Kaffee.

Das Bitcoin-Konzept ist ja ziemlich abstrakt. Aber dann ist da natürlich der legendenumwobene Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto – über den in den Medien sehr viel gerätselt und diskutiert wird. Wie wichtig ist Nakamoto für den Erfolg von Bitcoins?

Sehr wichtig. Er hat eine Sache zum Laufen gebracht, an der viele Leute zwanzig Jahre lang herumprobiert hatten und die beinahe aufgegeben wurde. Satoshi Nakamoto war unglaublich vorausschauend, anscheinend auf alle Eventualitäten vorbereitet. Zu wissen wer er wirklich ist, scheint mir momentan keine so große Bedeutung mehr zu haben (allerdings meine ich das Puzzle in meinem Buch gelöst zu haben). Viel wichtiger ist, dass er eine wichtige Weichenstellung ausgelöst hat, von den Möglichkeiten her, die er den Menschen eröffnet hat, rangiert Satoshi Nakamoto auf Augenhöhe mit Tim Berners Lee [Erfinder des World Wide Web, A.W.].

Kürzlich hat jemand die Diskussion über Krypto-Währungen mal so zusammengefasst: „So weit, so gut, aber würden wir unserer Großmutter ernsthaft Bitcoins empfehlen“? Was würden Sie tun!?

Ich würde ihr empfehlen, ein Bitcoin-Wallet anzulegen, Bitcoins im Wert von 20 Euro zu kaufen, und mit einer Freundin, die dasselbe tut, die Sache mal auszuprobieren und kleine Beträge hin- und herzuschicken. Dann würde ich ihr empfehlen, in ein angesagtes Café zu gehen und einen Kaffee mit Bitcoins zu bezahlen.
Würde ich ihr empfehlen, größere Geldsummen zu nehmen und damit in Form von Bitcoins zu spekulieren? Nein. Bitcoins sind zur Zeit in der Baisse, ein Bärenmarkt, und können noch sehr viel tiefer fallen (sie könnten natürlich auch wieder steigen). Aber die Großmutter ist zu alt um mit etwas zu spekulieren, dessen Wert sich nochmal um 95 Prozent reduzieren könnte. Die Leute wahren viel zu begeistert von Bitcoins – als Anleger macht mich das nervös.
Was die Bitcoin-Technik an sich – die Blockchain – und ihre Aussichten betrifft – da bin ich aber sehr zuversichtlich. Das wird glaube ich die Welt verändern. Aber die Wertentwicklung von Bitcoins? Da habe ich ein weitaus ambivalenteres Gefühl.

(Die englischsprachige Version des Interviews gibt’s auf auf ebooknews press.)


Dominic Frisby,
Bitcoins – The Future of Money?
Paperback (via Amazon) 10,50 (ab 1. Nov. 2014)
E-Book (Kindle) 5,14 Euro

Abb.: dominicfrisby.com (c)

Geld 2.0. trifft Subskription 2.0: Erstes Krautpublishing mit Bitcoins erfolgreich

In welcher Währung sollte die Crowdfunding-Kampagne für ein Buch zum Thema Bitcoins laufen? Euro, Dollar, Pfund? Die richtige Antwort gibt die britische Crowdpublishing-Plattform Unbound: Bitcoins natürlich. Als erstes Buchprojekt weltweit wurde dort nun u.a. mit Bitcoin-Spenden ein Buch zum Thema Bitcoins finanziert – in „Bitcoin – The Future of Money“ macht sich der Autor, Filmemacher und Journalist Dominic Frisby u.a. auf die Spuren von Satoshi Nakamoto, dem legendären Erfinder der Krypto-Währung. Zugleich geht es aber auch darum, Neueinsteigern überhaupt das Thema virtuelles „Geld 2.0“ nahezubringen. Die Rohfassung hat Frisby gerade abgeschlossen, bis Mitte des Jahres soll das fertige Buch erscheinen.

Best-Practice-Beispiel für die gesamte Buchbranche

Das Projekt hat Modellcharakter nicht nur für den Crowdfunding-Sektor allgemein, sondern gerade auch für die Buchbranche. Denn hier trifft sich Geld 2.0 mit Subskription 2.0 – auf diesem Gebiet darf Unbound ohnehin als Vorreiter gelten, schon seit Mitte 2011 finanzieren dort unabhängige Autoren ihre Buchprojekte in Form von Pre-Order-Kampagnen. Und ob Bitcoins oder Crowdfunding, ohne die vernetzte Internet-Crowd geht in beiden Fällen gar nichts. Verbindet man beide Methoden, geht in Zukunft sogar noch deutlich mehr, denn gerade Prosumenten wollen natürlich, dass möglichst wenig Geld für Transaktionsgebühren verbrannt wird. Eine Peer-to-Peer-Währung wie Bitcoin reduziert solche Gebühren dramatisch – denn schließlich funktioniert sie jenseits des normalen Bankensystems.

„Bücher verändern die Welt – Bitcoins auch“

Zum Ausprobieren von Bitcoin-gestütztem Crowdfunding bot sich Unbound natürlich ganz besonders an. Bisher zahlte man auf der Crowdpublishing-Plattform zwar elektronisch, aber mit normalen britischen Pfund. Es war erst die Kampagne für Dominic Frisbys Sachbuchprojekt, die im Februar 2014 den Stein in Richtung Kryptowährung ins Rollen brachte [E-Book-News berichtete]. Als schon in kurzer Zeit etwa 70 Prozent der benötigten Summe zusammengekommen waren, entschied sich das Unbound-Team dann nämlich recht spontan, nun erstmals auch Bitcoin-Zahlungen zu akzeptieren. „Our business is books. Books have the potential to change the world. So does Bitcoin“, heißt es auf dem Unbound-Blog.

Umgerechnet 11.000 Euro gesammelt

Das sorgte offenbar noch mal für zusätzliche Aufmerksamkeit: “Bitcoin – The Future of Money” hat das gesetzte Funding-Ziel nicht nur erreicht, sondern mit 125 Prozent sogar deutlich übererfüllt: mit knapp 300 Vorbestellungen kamen umgerechnet mehr als 11.000 Euro zusammen, ein Teil davon in Form von Kryptogeld-Überweisungen. Wieviele Unterstützer im Verlauf des zweiten Teils der Kampagne tatsächlich mit Bitcoins bezahlt haben und wie groß der Gesamtanteil an der Spendensumme war, wird Unbound ja hoffentlich noch bekannt geben…

Bitcoins unbound: Erste Crowdpublishing-Kampagne mit Krypto-Zahloption startet

Preisfrage: In welcher Währung sollte die Crowdfunding-Kampagne für ein Buch zum Thema Bitcoins laufen? Euro, Dollar, Pfund? Nee, richtig: Bitcoins natürlich. Genau das macht jetzt die britische Crowdpublishing-Plattform Unbound, ohnehin ein Vorreiter auf dem Gebiet der Subskription 2.0 – schon seit Mitte 2011 sammeln dort unabhängige Autoren (daher der Name: unbound) fleissig Vorbestellungen für ihre Buchprojekte. Bisher zahlte man zwar auch schon elektronisch, aber eben mit „normalem“ Geld. Die aktuelle Kampagne für Dominic Frisbys Sachbuchprojekt „Bitcoin – The Future of Money“ hat nun den Stein in Richtung Kryptowährung ins Rollen gebracht. Als etwa 70 Prozent der benötigten Summe zusammengekommen waren, traf das Unbound-Team eine mutige Entscheidung: die Plattform akzeptiert jetzt auch Zahlungen mit Bitcoins.

„At Unbound we love new ideas. Our business is books. Books have the potential to change the world. So does Bitcoin“, schreibt Kieran Topping dazu auf dem unbound-Blog. Vor allem aber klingt die Kombinaton von Crowdpublishing und Bitcoins nach einer sehr guten Idee – schließlich fallen Transaktionsgebühren bei dieser dezentral organisierten Währung fast komplett weg, und man weiß als Kampagnenunterstützer, dass 99 Prozent der Summe direkt ankommen. „A publishing industry first“, darf sich unbound nun selbst auf die Schulter klopfen – tatsächlich sind Bitcoins in der Buchbranche bisher noch nicht wirklich angekommen. Doch das dürfte sich in Zukunft wohl ändern, auch dank dieser Pionierleistung made in Britain.

Insofern ist Frisbys Buch – ohnehin einer der ersten ernsthaften Bitcoin-Titel überhaupt – eine überaus empfehlenswerte Lektüre gerade auch für Book people, die über den Tellerrand der Branche schauen möchten. In seinem Projekt-Pitch schreibt Frisby: „My new book tells the story of bitcoin. I explain what it is and how it came about. I’ve secured exclusive interviews with some of the key players in bitcoin’s development, including bitcoin’s number 2. I examine some of the mysteries behind bitcoin – Who Is Satoshi Nakamoto? What are Cypherpunks? I explain how it works and consider whether you should you own some and how. And I consider the vast potential economic, political and social implications.“

Pubslush: Crowdpublishing-Plattform für Autoren, Agenten & Verlage

Das Pre-Order-Modell funktioniert mit Musik genauso gut wie mit Literatur – doch während spezialisierte Crowdfunding-Plattformen à la Sell-A-Band oder SonicAngel längst etabliert sind, reagiert die Buchbranche mal wieder sehr zögerlich auf diesen neuen Trend (obwohl es eigentlich, siehe Subskription, gar kein so neuer Trend ist). Immerhin gibt es aber Ausnahmen: Die britische Plattform Unbound war schon lange Zeit Vorreiter auf dem Gebiet Crowdpublishing, mit Pubslush drängt aber seit kurzem auch eine US-Plattform auf den internationalen Markt. Pubslush versteht sich als „global crowdfunding and analytics platform for books“, und hat sich vor allem zwei Ziele gesetzt: das Verlegen von Büchern soll demokratischer, aber auch sozialverträglicher werden. Für jeden via Pubslush verkauften Titel wird ein Kinderbuch an bedürftige Kinder in aller Welt gespendet.

Doch auch völlig abgesehen vom philanthropischen Impuls scheint Pubslush alles richtig zu machen: integrativer Bestandteil ist eine wachsende Community aus Lesern/Unterstützern und Autoren, dank Flexible Funding statt Alles-oder-Nichts sind die Chancen zur Realisierung eines Projekts sehr gut, es stehen ausgefeilte Analyse-Tools zur Verfügung, um den Erfolg zu messen, und auch die Gebühren für eine Crowdpublishing-Kampagne sind mit 4 Prozent sehr niedrig. Außerdem wendet sich Pubslush nicht nur an Self-Publisher, sondern explizit auch an Agenten und Verlage – sie können ein eigenes Profil anlegen und für ihre Projekte von Anfang an Feedback aus der Crowd sammeln, von Likes und Kommentaren bis hin zu konkreten Vorbestellungen.

Fehlt eigentlich nur noch eine deutsche Crowdpublishing-Plattform, um dieses Modell endlich mal auf hiesige Verhältnisse zu übertragen. Bisher bleiben Autoren ja eigentlich nur zwei Möglichkeiten – eher journalistisch ausgelegte Projekte versuchen ihr Glück bei „Krautreporter“, alle anderen tummeln sich bei Universal-Plattformen wie Startnext. Gerade letztere hat schon eine beträchtliche Community um sich geschart, und einzelne Self-Publisher konnten dort zuletzt sogar fünfstellige Summen einsammeln. Doch inzwischen sollte der Markt auch reif sein für eine genuine Krautpublishing-Lösung – vielleicht erleben wir ja den Startschuss sogar schon auf der kommenden Buchmesse…

Nette Bomben, böse Staubsauger: Unboxing Terry Jones „Evil Machines“

Heute lag in meinem Briefkasten ein Exemplar von Terry Jones‘ „Evil Machines“. Parallel zur Print-Fassung kann man die Short-Stories über höfliche Bomben, böse Staubsauger & sonstige merkwürdige Geräte auch als E-Book-Version lesen. Interessanter als das Produkt selbst ist aber in diesem Fall der Produktionsprozess: Der neue Erzählband des prominenten Ex-Monty-Python ist nämlich über die britische Crowdfunding-Plattform Unbound vorfinanziert worden – tausende Subskribenten trugen in wenigen Wochen mehr als 30.000 Pfund zusammen. Unbound versteht sich als Alternative zu bisherigen Verlagen: ob ein Buch erscheint oder nicht, entscheiden die Leser. Bei Terry Jones klappte das Pre-Order-Prinzip zum ersten Mal, inzwischen sind über die Plattform ein halbes Dutzend Bücher „gecrowdfunded“ worden.

3000 Subskribenten auf der Spur

Bei Krimis schlage ich als erstes sofort die letzte Seite auf, bei Terry Jones „Evil Machines“ dagegen war es der Anhang. Dort sind nämlich die mehr als 3000 Subskribenten verzeichnet, deren Vorbestellungen das Erscheinen erst ermöglicht haben. Tatsächlich, mein Name steht auch in der Liste. Besonders teuer war es nicht, in diese Tabula gratulatoria zu geraten. Für 20 Pfund (umgerechnet 23 Euro) konnte man Print- und E-Book vorbestellen. Das E-Book alleine gab’s für zehn Euro, wollte man ein signiertes Printbuch haben, musste man 50 Pfund auf den Tisch legen. Weitere Belohnungen vom Goodie Bag bis zum Launch Lunch warteten auf edle Spender, die hohe zwei- bis dreistellige Beträge beisteuerten. Das Ergebnis unterscheidet sich nicht von einem gut gemachten klassischen Verlagsprodukt – professioneller Satz, stabile Bindung, Lesebändchen und grafisch schön gestaltete Cover-Innenseiten. Ein Verlag ist Unbound letztlich auch, allerdings einer, der sich auf ungebundene, sprich Independent-Autoren spezialisiert hat. Besonders verlockend klingt gerade für deutsche Schriftsteller die Tantiemen-Regelung – die Spendensumme wird fifty-fifty geteilt.

Vom Projekt zum Buch in sechs Monaten

Doch auch die Publikationsgeschwindigkeit bei Unbound dürfte im Verlagsgewerbe ihresgleichen suchen. Die Crowdfunding-Phase von „Evil Machines“ lief von Mai bis Juli, kaum vier Monate später liegt das Buch jetzt in den Regalen. Gefördert wird in vielen Fällen gar nicht das fertige Buch – die Spendensumme soll die Fertigstellung des Manuskripts erlauben. Terry Jones ist dabei sogar etwas eher ans Ziel gelangt als geplant, denn als Deadline galt eigentlich das Jahresende. Über exklusive Projektupdates und Probekapitel wurde die Crowdfunding-Community derweil auf dem Laufenden gehalten, dazu kamen Videos und Hörproben. Ähnlich wie prominente Autoren, die ihre Bücher über Self-Publishing-Programme von Amazon & Co verlegen, kann natürlich auch Terry Jones bei solchen Solo-Aktionen von einer großen Fan-Community profitieren, alleine die Zahl seiner Twitter-Follower beträgt mehr als Fünfzigtausend. Doch Unbound scheint sich auch für Newcomer-Autorinnnen zu lohnen, die noch niemand kennt. Mit „Unbelievable“ von Jennifer Pickup kommt bei Unbound demnächst der Debüt-Roman einer 29jährigen Englisch-Lehrerin heraus, der auf Twitter gerade mal 128 Menschen folgen.

Terry Jones „Evil Machines“ Specs


Display

9 Zoll Analog-Ink monochrom, zweispaltig

Gewicht

240 Gramm

Schnittstellen

Vorsicht: Man kann sich an jeder Seite schneiden!

Interner Speicher

ca. 500.000 Zeichen

Text-Font

Perpetua 11 / 13,5 Punkt

Weitere Features

Lesebändchen, alphabetisches Subskribenten-Verzeichnis

Preis

20 Pfund (Unbound)

3000 Leser crowdfunden Terry Jones‘ Buchprojekt “Evil Machines”

Unbound funktioniert: erstmals hat bei der auf Buchprojekte spezialisierten britischen Crowdfunding-Plattform ein Autor das Spendenziel erreicht. Nach sieben Wochen Laufzeit konnte Monty-Python-Schreiber Terry Jones 3000 Leser für seine Kurzgeschichten-Sammlung “Evil Machines” begeistern. Das war eigentlich nicht mal knapp: Ein weiterer Monat wäre nämlich noch Zeit gewesen. Mitgeholfen hat dabei wohl auch die Zahl der Fans – alleine das Twitter-Account “PythonJones” hat 37.500 Follower. Unbound verbindet das Pre-Order-Prinzip mit Crowdfunding-Elementen: Je nach Spendenhöhe erhalten die Supporter nun das E-Book, die Printausgabe oder zusätzliche Goodies. Vorher muss Jones allerdings noch die letzten Geschichten fertigschreiben, bis Weihnachten soll alles im Kasten sein. Unbound selbst hat gleich noch ein paar Motive zum Thema Böse Maschinen mitgeliefert: als nun nämlich die Software zum ersten Mal den Abschluss eines Projekts verdauen musste, kollabierten Teile des Systems. Ausgerechnet der “Author’s Shed”-Bereich, in dem die Unterstützer exklusive Previews und Projekt-Updates bekommen, war plötzlich nicht mehr zugänglich. Auch die persönlichen Account-Einstellungen gerieten durcheinander. In einer E-Mail an die Unterstützer baten die Unbound-Macher: „Don’t worry! We know who has pledged at what amount and will re-assign these credits as soon as we can.“ Solange Terry Jones also nicht das Dach seiner realen Autoren-Hütte auf den Kopf fällt, darf ich mich also um die Weihnachtszeit auf ein brandneues E-Book freuen…

Pre-Order für Leser: E-Books & Hardcover von „ungebundenen“ Autoren

Bei einem Direkt-Publishing-Projekt namens „Unbound“ denkt man zunächst an „ungebundene“ Taschenbücher. Doch bei der britischen Crowdfunding-Plattform geht es darum, die Bindung von Autoren an Verlage zu lösen. „Books are now in your hands“ lautet der Claim. Ob ein Buch fertig geschrieben wird, liegt in den Händen der Leser. Prominente Unterstützung erhielt Unbound bereits von Terry Jones – der Monty-Python-Autor ist mit dem Projekt „Evil Machines“ dabei, einer Sammlung von technikkritischen Short Stories. Jeder Unterstützer erhält direkten Zugang zur „Author’s Shed“, also zur virtuellen Autorenwerkstatt. Je nach Spendenhöhe bekommt man zudem am Ende die E-Book- oder Hardcover-Ausgabe geliefert, weiter oben auf der Skala winken spezielle Goodies. Vorausgesetzt natürlich, das globale Spendenziel wird erreicht.

Crowdfunding plus Pre-Order

Crowdfunding ermöglicht neue Wege im Direkt-Publishing. Im Musik-Business hat sich das Pre-Order-Modell schon seit langem bewährt. Die US-Band Marillion etwa sammelte schon vor zehn Jahren Spenden von ihren Fans ein, um das Album „Anoraknophobia“ zu produzieren. Als besonderes Incentive winkte dabei eine limitierte Sonder-Edition. Etwas hinaus über normale Pre-Order-Modelle geht die britische Plattform „Unbound“. Während es bei Bands zumeist um das Einspielen bereits existierender Songs geht, schlagen Autoren bei Unbound Projekte vor, die noch gar nicht komplett auf’s Papier gebracht worden sind. Schreiben braucht seine Zeit – doch von irgendetwas muss der Künstler dabei natürlich leben. Dafür sorgten bisher Vorschüsse von Verlagen. Bei Unbound gehen dagegen die Leser in Vorleistung.

Wie wäre es mit einer Einladung zur Launch-Party?

Wenn der „Pitch“ des Literaturproduzenten das Gefallen der Crowd findet und genügend Vorbestellungen eingehen, ist die Finanzierung gesichert. Von der Spendensumme gehen 50 Prozent an den Autor, die andere Hälfte fließt in die Produktion von E-Book- und Printausgabe. Als besonderes Incentive warten auf die Spender nicht nur E-Book- (10 £) oder Hardcover-Versionen (20 £), sondern auch die namentliche Nennung im Anhang. „Großspender“ dürfen sich nicht nur über handsignierte Exemplare freuen (ab 50 £), sondern auch über die Einladung zur Launch-Party (ab 150 £) oder zum Launch-Dinner (ab 250 £). Unbound konnte für dieses Modell gleich eine ganze Handvoll prominenter Autoren gewinnen. Neben Monty-Python-Autor Terry Jones ist etwa der für den Booker-Prize nominierte Tibor Fischer dabei, der an einem Doppel-Erzählband mit dem Titel „Crushed Mexican Spiders“ arbeitet. Aber auch so jemand wie Cloud-Spotter Gavin Pretor-Pinney. Der in UK populäre Wolkenbeobachter plant eine interaktive iPad-Version seines Bestsellers „Cloudspotter’s Guide“.

Unbound selbst ist auch ein Autoren-Projekt

Gegründet wurde Unbound von Dan Kieran, Justin Pollard und John Mitchinson – drei Freelance-Autoren, die mit der Bestseller-orientierten Politik großer Verlage nicht mehr einverstanden waren. Warum müssen es immer Celebrity-Biographien sein, das Buch zur Fernsehserien oder ein massenmarktfähiger Thriller? „We think people who love books deserve a say in what does or doesn’t get published. You may not be aware of it, but even best selling authors are beginning to have very restrictive parameters imposed on the kinds of books they get to write“, beklagen die britischen Skribenten in ihrem Mission-Statement. Außerdem gebe der normale Publikationsprozess den Lesern kaum Einblick in die Arbeit des Autors, und verhindere es zudem, eine direkte Beziehung zum Publikum aufzubauen.

Zu Besuch im Schuppen des Autors

Bei Unbound werden die Unterstützer über regelmäßige Updates auf dem Laufenden gehalten. Immerhin hat ja etwa Terry Jones versprochen, seine technikkritischen Short Stories bis Weihnachten 2011 fertig zu stellen. Wer’s genau wissen will, schaut ganz einfach im „Author’s Shed“ vorbei – sobald man auf den Spenden-Button gedrückt hat, erhält man nämlich direkten Zugang zur Autorenwerkstatt. Auf den virtuellen Regalen des Autoren-Schuppens warten neben dem Writer’s Diary und Leserkommentaren auch exklusive Videos und Audio-Dateien. Transparent gemacht wird umgekehrt aber auch die „Horde der Bewunderer“. Denn jeder registrierte Nutzer hat auf Unbound sein eigenes Profil und erscheint auf den Projektseiten in der Reihe der „Supporter“. Terry Jones etwa hat bereits fast hundert potentielle Leser für sich gewinnen können, fehlen noch 2900 weitere, um das gesteckte Ziel zu erreichen.