In Deutschland nur noch einstellig: Umsatzwachstum bei E-Books verlangsamt sich – aber warum?

Sind Tablets und Smartphones schuld? Das Printbuch? Die Piraten? Fest steht erstmal nur eins: Nach dem Boomjahr 2013 mit einem Umsatzplus von 60 Prozent hat sich das Wachstum bei E-Books in Deutschland deutlich verlangsamt: Die Steigerung zum Vorjahr betrug in den ersten drei Quartalen 2014 nur noch 8 Prozent, der Anteil am Publikumsmarkt wird „nur“ von etwa vier auf etwa 5 Prozent steigen. Das meldete diese Woche der Börsenverein, erhoben wurden diese Zahlen in Kooperation mit der GfK . Die Zahl der E-Book-Käufer unter der Gesamtbevölkerung hat sich ebenfalls nur leicht von 4,1 auf auf 4,9 Prozent erhöht, zu den Kunden im Digitalbereich zählen die Statistiker aktuell ca. 3,3 Millionen Bundesbürger ab 10 Jahren.

Eine ähnlich starke Ablflachung war in letzter Zeit in den USA zu beobachten – dort schienen jedoch die dreistelligen Wachstumsraten der letzten Jahre ohnehin nicht mehr realistisch, denn der Buchmarkt marschiert überm großen Teich schon stramm auf eine 50/50-Teilung zu, PricewaterhouseCoopers (PwC) prognostizierte diese Wendemarke kürzlich für das Jahr 2018. In Deutschland dürfte das Potential dagegen noch längst nicht ausgeschöpft sein, allerdings machen sich hierzulande wohl dämpfende Effekte bemerkbar, die man ebenfalls aus den USA kennt: klassische E-Reader haben es gegenüber immer günstigeren Multifunktionsgeräten wie Tablets oder Smartphones immer schwerer, die Medienkonkurrenz im App-Universum wird immer größer.

Bleibt es hierzulande beim einstelligen Wachstum, könnten sich die von PwC für den deutschen Markt im Jahr 2018 prognostizierten Umsatzzahlen als zu hoch angesetzt erweisen – denn die Analysten hatten zuletzt immerhin knapp 800 Millionen Dollar Umsatz vorhergesagt, gegenüber dem aktuellen Wert mehr als doppelt so viel. E-Books hätten dann einen Umsatzanteil von mehr als 12 Prozent. Kommt die elektronische Lektüre auch in den nächsten Jahren nicht aus dem Tran, sind 8 bis 10 Prozent wohl realistischer. Eins muss man aber beachten: Wie sich die Zahl der tatsächlich gelesenen E-Books (inklusive Gratis-Aktionen, Klassiker, Onleihe, etc.) entwickelt, verraten solche umsatzbezogenen Marktdaten nicht.

Abb.: boersenverein.de (CC-BY-SA-4.0)

„50 Prozent unrealistisch“: Stoppt E-Book-Boom in USA bei 30 Prozent Marktanteil?

Bis vor kurzem schien der E-Book-Boom in den USA ungebremst, und manche Beobachter prognostizierten bereits eine baldige 50/50-Teilung des Marktanteils (gemessen am Umsatz) in Digital und Print. Doch seit 2012 flacht sich die Wachstumskurve deutlich ab, bei elektronischer Lektüre ebenso wie bei klassischen E-Readern. Auf einer Verleger-Konferenz in Nashville postulierte nun Buchmarktexperte Peter Hildick-Smith (Codex Group): „50 Prozent sind wohl nicht machbar, wenn man die Dynamiken der Mediennutzung wie auch die Leserstatistiken betrachtet“. Stattdessen erwartet Hildick-Smith eine Stabilisierung der Umsatzanteile auf deutlich niedrigerem Niveau: „Bis 2014 werden wir bei 29 Prozent liegen, und das Gesamtverhältnis wird sich bei 30 zu 70 einpendeln“.

Das wären endlich mal gute Nachrichten für eine Branche im galoppierenden Strukturwandel – wobei immer wieder neue Kipp-Punkte erreicht wurden. So ließ etwa die Pleite der Buchhandelkette Borders zehntausende Quadratmeter Verkaufsfläche wegbrechen, was mangels örtlicher Alternativen dem Online-Handel zusätzlich in die Hände spielte. Andere Dynamiken wiederum können sich zugleich aber bremsend auf den Vormarsch des E-Books auswirken – so muss etwa die elektronische Lektüre auf den kräftig durchstartenden Tablets mit anderen Medienformaten wie Musik oder Video konkurrieren. Alles zusammengenommen keine gute Voraussetzung, um die Zukunft des Buchmarktes ausreichend exakt vorherzusagen.

Hildick-Smith selbst hat seine Prognose auch mit einigen Vorbehalten versehen. So hängt die Marktstabilisierung u.a. davon ab, ob es den Amazon-Konkurrenten Barnes&Noble und dessen Filialnetz auch in Zukunft geben wird. Bricht die letzte verbliebene Mega-Buchhandelskette ebenfalls zusammen, werden die Karten noch mal ganz neu gemischt. Eine wichtige Rolle spielen zudem die Buchpreise – bisher wirkten sich vergleichsweise hohe E-Book-Preise für die aktuellen Bestseller der großen Verlage bremsend auf den E-Lese-Boom aus. Gelingt es Amazon, die Preise weiter nach unten zu drücken, dürfte das Printbuch zusätzliche Marktanteile verlieren. Als ein besonders dynamischer Faktor könnte sich in diesem Zusammenhang das Self-Publishing erweisen – denn Indie-Titel sind besonders günstig zu haben, und das lässt dieses Marktsegment stark expandieren.

(via digitalbookworld.com)

Abb.: flickr/Wiertz Sébastien (cc-by-2.0)