Dritte Wolke am E-Book-Himmel: Umbreit & KNV setzen auf Pocketbook Cloud

pocketbook-cloud-mit-knv-und-umbreitHie Amazon, hie Tolino? Von wegen: Auf den zweiten Blick ist der deutsche E-Reading-Markt nicht nur zweigeteilt, sondern dreigeteilt, denn auch Pocketbook mischt mit. Mit der Mayerschen und Osiander setzten bisher auch zwei große regionale Ketten auf diesen dritten Weg – wechselten aber kürzlich zu Tolino, genauso wie der Barsortimenter Libri.

Pocketbook baut E-Reading-Plattform aus

Doch Pocketbook bleibt am Ball, die eigene E-Reading-Plattform wird ausgebaut: Mittel zum Zweck ist eine eigene Cloud-Lösung, die E-Reader, E-Lese-Apps und die Online-Shops von unabhängigen Buchhändlern optimal miteinander verknüpft. Bereits zur Leipziger Buchmesse im Frühjahr war der Barsortimenter Umbreit mit im Boot, nun ist auch KNV mit dabei.

Komplettlösung für den Webshop

Für die Leser heißt das: online geshoppte E-Books lassen sich zwischen verschiedenen Endgeräten komfortabel synchronisieren. Die Buchhändler wiederum erhalten eine einfach zu integrierende Komplettlösung für den eigenen Webshop. Mit diesem „ganzheitlichen Konzept“ wolle man sich als „leistungsfähige Alternative“ zu den geschlossenen Ökosystemen der Konkurrenz präsentieren, heißt es in einer Pressemitteilung im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse, wo das Konzept noch einmal kräftig promotet werden soll.

Brückenkopf im Barsortiment

Die interessante Frage bleibt, wie sich diese Entwicklung mittelfristig auswirkt: bisher ist die Tolino-Allianz in den Buchhandlungen deutlich stärker präsent als Pocketbook. Rein von den Marktanteilen im Zwischenbuchhandel her gesehen liegen KNV und Umbreit aber gleichauf mit dem neuen Tolino-Partner Libri. Gelingt es also, genügend Indie-Buchhändler vom dritten Weg jenseits von Tolino zu überzeugen, winkt nicht nur ein gutes Geschäft – die Branche insgesamt könnte gegenüber Amazon einiges an Boden wettmachen.

„Mein Klick gehört mir“: Shopping-App lChoice unterstützt lokalen Buchhandel

„Mein Klick gehört mir“ – unter diesem Motto testet das Münchner Startup mChoice ein neues Buy-Local-Konzept, das auf einer Smartphone-App basiert: wer mit der lChoice-App mobil Bücher shoppt, kann damit in Zukunft den Buchhändler seiner Wahl unterstützen. Anders als bei der bloßen Image-Kampagne „Vorsicht Buch“ wird hier also eine konkrete Handlungsalternative für Digital Natives angeboten. Laut mChoice kann man per Fingertipp auf den Bestellbutton „Mitverantwortung in der eigenen Stadt übernehmen“ – schließlich bleibt zumindest ein wichtiger Teil des Umsatzes in der Region. Ganz ohne Mittelsmänner geht’s aber auch in diesem Fall nicht: Kauft man ein Print-Buch via App, wird die Bestellung automatisch über den Barsortimenter Umbreit ausgeliefert, entweder direkt nach Hause, oder zum Abholen in die jeweilige Buchhandlung. Die streicht aber auf jeden Fall den gängigen Rabatt ein.

Einzelne Titel lassen sich nicht nur über eine Suchmaske finden – mit der Smartphone-Kamera kann man auch den Barcode auf einem Buchrücken einscannen (hehehe, etwa im Schaufenster von Weltbild oder Thalia). In der Pilotphase nehmen insgesamt sechs Buchhändler in Nürnberg und Münchnen teil – darunter auch solche, die bisher noch gar keinen eigenen Webshop betreiben. Ähnliche Verdienstmöglichkeiten bieten Barsortimenter wie Umbreit oder Libri schon seit einiger Zeit über den Vor-Ort-Verkauf von „gebrandeten“ WiFi-E-Readern. Der direkte Draht zum vom Barsortiment belieferten E-Store beschert den Buchhändlern ebenfalls eine ansehnliche Marge, und das nicht nur bei gedruckten Büchern, sondern auch bei E-Books.

Elektronische Schmöker werden über die App von mChoice bisher jedoch nicht angeboten – das aktuelle Konzept soll den Verkauf physischer Waren durch den lokalen Handel unterstützen. Versionen der lChoice App werden kostenlos via Google Play (Android) und Apples App Store angeboten. Was jetzt in Bayern mit Büchern getestet wird, würde natürlich auch bundesweit mit anderen Produkten funktionieren, und könnte durchaus zum Erfolgsmodell werden. Viele Branchen leiden sogar deutlich stärker als der Buchhandel durch die Konkurrenz im Web wie auf der grünen Wiese – Stichwort: Showrooming. Voraussetzung ist natürlich eine stabile Kunden-Community. Da wiederum dürften gerade viele Buchhändler im Vorteil sein.

(via boersenblatt.net)

E-Books zum Anfassen: eBookCards als clevere Lösung für stationären Handel

Anders als E-Reader werden E-Books werden bisher ausschließlich online verkauft – zum Leidwesen des stationionären Buchhandels, die damit noch mehr Kunden an Online-Portale verlieren. Das Problem liegt auf der Hand: man kann E-Books nicht in der Plastiktüte (oder im Jutebeutel) nach Hause tragen. Mit eBookCards könnte das nun anders werden. „eBookCards sind die ersten eBooks zum Anfassen und Verschenken“, so Thanh Nguyen, der Geschäftsführer des Web-2.0-Verlages EPIDU. „Verlage, Buchhandlungen und Leser werden gleichermaßen von diesem Produkt profitieren.“ Hinter dem Namen eBookCards verbergen sich Klappkarten aus Papier, die mit Buchcover, Info-Texten und einem Download-Code ausgestattet sind. Der lässt sich entweder am PC abtippen oder als QR-Code mit dem Smartphone einscannen.

Ab April gibt’s eBookCards in der Buchhandlung

Für die Bereitstellung der elektronischen Lektüre sorgt Ceebo, die E-Book-Plattform von Mediacontrol. Die Auslieferung der eBookCards in die Buchhandlungen übernimmt der Barsortimenter Umbreit. Die ersten eBookCards werden in den nächsten Tagen auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt. Ab April kann soll man die Gutscheinkarten dann bereits in ausgewählten Buchhandlungen kaufen können. Zu den teilnehmenden Verlagen gehören etwa Klett-Cotta, Bastei Lübbe, Carl Hanser oder Herder. Technisch unterscheiden die via Code heruntgeladenen E-Books nicht von elektronischer Lektüre, die direkt im E-Store gekauft wird. Auch die eBookCard-Schmöker sind in den meisten Fällen DRM-geschützt, einige der teilnehmenden Verlage bieten jedoch auch E-Books an, die lediglich mit digitalem Wasserzeichen versehen sind.

E-Books anonym kaufen dank Barzahlung

Für die Leser ergibt sich durch eBookCards alleine schon aus Sicht des Datenschutzes eine interessante Alternative – schließlich kann man ein E-Book im Laden bar bezahlen und bleibt gegenüber Buchhandlung bzw. Verlag wie beim Kauf eines Printbuches vollkommen anonym. Abgesehen davon, dass natürlich bei DRM-geschützten E-Books die Nutzerdaten bei Adobe Digital Editions landen. Sinnvoll erscheint zudem die Kombination aus Papier und Download-Code, gerade auch für Kunden, die ein E-Book verschenken möchten. Bisherige Experimente etwa von Libri setzten dagegen auf spezielle Download-Stationen, an denen man in der Buchhandlung E-Books auf einen mitgebrachten USB-Stick übertragen konnte. Das Buch selbst blieb dabei zwangsläufig virtuell, es gab also außer dem Kassenbon nichts zum Anfassen. Noch besser als greifbare eBookCards wäre freilich eine viel naherliegendere Lösung – nämlich Printbücher mit Download-Codes oder Rabatt-Gutscheinen für einen vergünstigten E-Book-Download.

Tipp: auf der Leipziger Buchmesse gibt’s Infos zu eBookCards an den Ständen der Kooperationspartner: EPIDU (Halle 5 B501), ceebo bzw. media control (Halle 5 E517), Umbreit (Halle 3 D205).