Sag okay zu deinem „QualityLand“: Marc-Uwe Klings Personalisierungs-Dystopie erscheint in zwei Text- und Cover-Versionen

qualityland-alles-okayWerden wir selbst zukünftig zu Cyborgs, oder nehmen uns Maschinen ganz einfach die ganze Arbeit ab, inklusive unserer Entscheidungen? Marc-Uwe Kling neigt offenbar bei der Wahl zwischen diesen beiden Übeln zu Nummer Zwei — in seinem neuen „dystopischen“ Satire-Roman „Qualityland“ geht es um die totale Personalisierung. Die Antwort auf alle Fragen, sie lautet in dieser Welt nicht „42“, sondern „Okay“ – doch während die Existenz der Menschen immer maschineller wird, geht es mit der Psyche der Maschinen abwärts: Drohnen leiden an Flugangst, Kampfroboter an postraumatischen Belastungsstörungen. Im Mittelpunkt der Story steht immerhin noch ein Mensch: Maschinenverschrotter Peter, begleitet von einem ausrangierten Tablet mit merkwürdig radikalen Ansichten (siehe die Känguru-Trilogie…).

PK mit Drohnen, Staubsaugern und Robots

Neben einer sehr lustigen Landing-Page mit einer nur von digitalen Assistenten besuchten Autoren-Pressekonferenz (siehe das Video) hat der Ullstein-Verlag sich zur Vermarktung noch etwas ganz besonderes einfallen lassen: das Buch erscheint nicht nur in zwei Cover-Versionen (Weiß für Zukunfts-Optimisten, Schwarz für Zukunfts-Pessimisten), es gibt auch zwischen den Kapiteln Nachrichten-, Werbe- und Empfehlungs-Streams mit unterschiedlichen Inhalten. Man muss aber nicht beide Versionen kaufen, um den ganzen Kling zu goutieren: auf der Website qualityland.de findet man auch die Zwischentexte der jeweils anderen Ausgabe.

Ähnlich wie bei Pattersons neuem Sci-Fi-Thriller „The Store“ gibt’s in Klings Romanwelt natürlich auch eine Art Super-Amazon, das die geheimsten Wünsche der Kunden kennt — längst bevor sie ins Bewusstsein treten, werden die Pakete mit den Waren auf den Weg geschickt, die aktive Einmischung in den Bestellprozess ist unnötig, oder besser gesagt, zwecklos.

(via boersenblatt.net)

„Kompliziert und zwecklos“: Verlagsgruppe Bonnier verzichtet auf harten Kopierschutz

bonnier-verzichtet-auf-hartes-drmGute Nachrichten für E-Book-Leser: die Bonnier Media Deutschland GmbH wird ab 1. Juli auf den Einsatz von hartem Kopierschutz verzichten. Für den Abschied der Branche von Adobe Digital Editions dürfte das ein zentraler Meilenstein sein, zählt doch die deutsche Sparte des schwedischen Bonnier-Konzerns neben Bertelsmann und Holtzbrinck zu den Top 3 der hiesigen Buchmacher. Statt Adobe Digital Editions setzen die zu Bonnier gehörenden Verlage wie Piper, Ullstein oder Carlsen nun auf das Digitale Wasserzeichen. Ähnlich machen es bereits die großen Publikumsverlage Dumont, dtv und Bastei Lübbe.

„Hartes DRM schützt nicht vor Piraterie“

Die von Bonnier-Chef Christian Schumacher-Gebler in der offiziellen Pressemitteling angeführten Gründe sind mal wieder aus der klassischen „WE TOLD YOU SO!“-Kiste gegriffen: hartes DRM sei für die Kunden lästig („Leser muss sich auf komplizierte Weise anmelden“, „kann E-Book nur auf registrierten Geräten lesen“), außerdem schütze es nicht vor E-Book-Piraterie („relativ einfach zu umgehen“, „Zahl illegaler Downloads richtet sich nicht nach Härte des Kopierschutzes“, „Bestseller tauchen in Tauschbörsen überproportional auf“).

Buchhändler gegen hartes DRM

Eine Rolle spielt für Bonnier auch die Anti-DRM-Haltung vieler Buchhändler, die immer wieder von frustrierten Kunden berichteten und durch die Selbsteinmauerung mit Adobe Digital Editions Wettbewerbsnachteile gegenüber Amazon befürchteten: „Mit dem Verzicht auf hartes DRM unterstützen wir alle Handelsteilnehmer gleichermaßen und schaffen etwaige Wettbewerbsbarrieren ab“, so Schumacher Gebler. Gerade der unabhängige Buchhandel werde davon besonders profitieren.

Watermarking als kundenfreundliche Lösung

Das digitale Wasserzeichen sei eine „kundenfreundliche“ Lösung, ergänzt werde die für den Nutzer nicht sichtbare Markierung der E-Book-Datei durch eine „prägnante Seite mit Warnhinweisen“ als „zusätzlicher psychologischer Effekt, der an die Sorgfaltspflicht der Leser appelliert“. Auch die „ohnehin intensiven Maßnahmen zur Entdeckung und Verfolgung von Urheberrechtsverstößen“ wolle man weiter ausbauen und vorantreiben.

Abb.: Paul Downey (cc-by-2.0)