Kartellamt: Amazon ist „Marktführer bei E-Books“ – Rakuten/Kobo darf Tolino schlucken

tolino-schwimmt-sich-freiDarf der japanische Konzern Rakuten bzw. dessen Tochter Kobo die Tolino-Plattform schlucken? Das Bundekartellamt hatte einen Monat Zeit, diese für den deutschen E-Buchhandel nicht unwichtige Übernahme zu prüfen — und gab nun offiziell grünes Licht. Die geplante Fusion war erst zum Jahresende 2016 publik geworden, und steht im Zusammenhang mit dem Ausstieg des bisherigen Technik-Partners Telekom aus der Tolino-Allianz.

„Keine wettbewerblichen Probleme“

Die erwartbare Begründung der deutschen Kartellwächter: eine marktbeherrschende Stellung erreicht Kobo/Tolino auf diese Weise nicht. In den Worten von Kartellamt-Präsident Andreas Mundt klingt das so: „Die Plattform tolino hat im E-Book Markt in Deutschland neben dem Marktführer Amazon eine wichtige Marktposition. Der Erwerb durch Rakuten bringt aber keine wettbewerblichen Probleme mit sich.“

Der global agierende Online-Händler aus Japan sei zwar international gesehen ein wichtiger Player, Rakuten/Kobo dürfe hierzulande aber als ein „eher kleiner Wettbewerber“ gelten. Außerdem gehe es ja bei der Übernahme vor allem um die technische Ebene und den Vertrieb von Lesegeräten, weniger um den elektronischen Buchhandel selbst, der via Tolino-Plattform in Verantwortung der einzelnen Tolino-Partner passiert.

„Marktanteil von Tolino nur bei 30 – 40 Prozent“

Soweit, so unspektakulär. Interessant ist dann aber doch die Details der Marktanalyse, mit der die Entscheidung begründet wird – dort wird nämlich Amazon als uangefochtener Marktführer bezeichnet. „Für den Vertrieb von E-Books ist Amazon mit dem Kindle-Shop Marktführer und verkauft nahezu die Hälfte aller E-Books in Deutschland“, stellt das Kartellamt fest. Der Marktanteil der über Tolino abgewickelten Käufe liege dagegen bei ca. 30 bis 40 Prozent.

Mit anderen Worten: Selbst wenn aus Tolino jetzt Kobotolino wird, findet kein Kopf-an-Kopf-Rennen statt, sondern höchstens eine leicht verschärfte Aufholjagd zwischen Nummer Eins und Nummer Zwei auf dem deutschen Markt.

(via Buchreport)

Der Geruch der Bücher: Thalia wechselt den Besitzer — von Douglas zu Herder

thalia-von-herder-uebernommenPaukenschlag im eher ruhigen Lesesommer: Thalia wird vom Herder Verlag übernommen, bisher gehörte Deutschlands größte Buchhandelskette zur Douglas-Holding. Der Besitzerwechsel dürfte nach der Verkündung der Tolino-Allianz und der Aufspaltung des Weltbild-Konzerns die wichtigste Richtungsentscheidung im deutschen Buchhandel seit Beginn des E-Book-Booms sein. Mit einem Umsatz von fast einer Milliarde Euro und neben 280 Filialen auch starker Online- & E-Reading-Reichweite gilt Thalia als stärkster nationaler Gegenspieler von Amazon, Kindle & Co.

Digital-Entrepreneur Göritz als Ko-Investor

Die Geschicke von Thalia lenkt in Zukunft ein Konsortium, das neben Manuel Herder (seit 1999 an der Spitze des Verlagshauses) auch aus Investor & Digital-Entrepreneuer Leif Göritz (Smart Mobile Factory) sowie Thalia-Chefmanager Michael Busch besteht. Der bisherige Thalia-Eigentümer, ein US-Private Equity Fonds namens „Advent International“, erhält für die Buchhandelskette laut FAZ eine Kaufsumme „im niedrigen dreistelligen Millionen Euro-Bereich“.

Thalia erfolgreich mit Digital-Strategie

Thalia galt schon seit längerem als Verkaufskandidat, da sich die Parfümerie-Kette auf’s Kerngeschäft konzentrieren wollte. Parallel zu den Verkaufsaktivitäten wurde Thalia ein harter Sanierungskurs verordnet, der dem Unternehmen selbst zufolge seit 2015 abgeschlossen sein soll. Tatsächlich verzeichnete Thalia zuletzt wieder leichtes Wachstum — nicht zuletzt scheinen sich auch die zahlreiche Digitalaktivitäten auszuzahlen.

Schon frühzeitig hatte die Kette mit dem Oyo-Reader auf ein eigenes Lesegerät gesetzt, bietet ihren Kunden nach der Übernahme von textunes eine viel gelobte E-Lese-App für Tablet & Smartphone und gehörte nicht zufällig auch zu den Gründungsmitgliedern der Tolino-Allianz. Iim Bereich Discoverability gehört Thalia ebenfalls zu den Vorreitern – 2015 startete die Buchempfehlungsplattform „Thalia Next“.

Inhabergeführte Ketten kontra anonymes Amazon

Die Position des „traditionellen“ stationären Buchhandels dürfte durch Herders Griff nach Thalia deutlich gestärkt werden — dem anonymen Shareholder-Riesen Amazon stehen nun überwiegend von den jeweiligen Inhaberfamilien geführte Ketten gegenüber, neben Thalia gehören dazu Hugendubel, Osiander und die Mayersche. Alle vier sind zugleich Mitglieder der Tolino-Allianz, ziehen also in Sachen E-Reading an einem Strang.

Mittelfristig hängt der Erfolg all dieser Unternehmen aber natürlich auch davon ab, wie gut stationäres und Online-Geschäft miteinander verzahnt werden können. Thalias „Multichannel“-Strategie ist da sicher ein gutes Vorbild…

(via Buchreport & FAZ)