Millionen-Deal: John Scalzi schreibt 13 neue Romane für Tor Books – bis 2025

tor science fiction verlag verzichtet auf drm bei ebooksWow, das erinnert doch entfernt an die legendären Plattenverträge der Rolling Stones: Sci-Fi-Autor John Scalzi („Old Man’s War“) hat mit seinem Hausverlag Tor Books einen Zehnjahres-Deal abgeschlossen, der es in sich hat: für die Gesamtsumme von 3,4 Millionen Dollar wird der Hugo-Award-Preisträger bis zum Jahr 2025 gleich 13 neue Titel produzieren.

„Ja, es ist eine Menge Geld…“

Das war sogar der New York Times eine fette Schlagzeile wert. In einem sehr unterhaltsamen Selbst-Interview auf seinem populären Blog „Whatever“ betreibt Scalzi nach dem Bekanntwerden des Millionen-Deals dagegen eher ironisches Understatement: „Es ist eine Menge Geld. Aber, wohlgemerkt: es verteilt sich ja auch über ein Jahrzehnt und 13 Bücher. Und außerdem bekomme ich das Geld auch nur, wenn ich die Bücher wirklich schreibe. Yeah.“

Neue Space-Opera-Serie geplant

Zugleich verriet Scalzi auf seinem Blog schon mal, was in diesem projektierten Lektüre-Paket alles enthalten sein wird: unter anderem ein Sequel von „Lock in“, aber auch eine neue ganz Space-Opera-Serie, ein weiterer Band der „Old Man’s War“-Serie, sowie neben einigen Solo-Titeln gleich drei Romane aus dem Bereich „Young Adult Fiction“, letzteres ist für Scalzi absolutes Neuland.

Scalzi schon als Vielschreiber bekannt

Ansonsten kann der Anfang der Nuller Jahre mal als Online-Self-Publisher gestartete (und darüber von Tor Books entdeckte) Autor jedoch durchaus auf seinen bisherigen Produktions-Erfahrungen aufbauen: zwischen 2005 und 2015 hat er insgesamt 17 Titel veröffentlicht, elf Romane, fünf Sachbücher und eine Anthologie. Wie bei Tor Books schon seit einiger Zeit Usus, werden übrigens auch die zukünftigen Scalzi-Titel als E-Books ohne Kopierschutz erscheinen.

Ein Jahr ohne DRM – Sci-Fi-Label Tor Books zieht positive Bilanz

Vor einem Jahr sorgte Tor Books für eine kleine Medienrevolution – das auf Sci-Fi und Fantasy spezialisierte Label kündigte an, in Zukunft komplett auf DRM zu verzichten. Mit gutem Grund: “Wir glauben, DRM-freie E-Books sind für unsere Leser das Beste, denn es erlaubt ihnen, legal erworbene Titel auf legalem Wege zu benutzen, also etwa die E-Bibliothek zwischen verschiedenen Lesegeräten hin- und her zu bewegen“, hieß es damals. Vor allem nahm man jedoch auch Rücksicht auf die zahlreichen Beschwerden aus der ebenso technikaffinen wie vernetzten Sci-Fi-Community. Nach einem Jahr zog das zu Macmillan gehörende Imprint nun eine durchweg positive Bilanz: „Der Schritt zu DRM-Freiheit hat uns dabei geholfen, Tor als ein Label zu etablieren, das auf seine Leser und Autoren hört, wenn sie uns mit einem gemeinsamen Anliegen konfrontieren – und wir haben einen überwältigende Menge an Zustimmung und Loyalität durch die Community erfahren.“

„DRM schützt nicht vor E-Book-Piraterie“

Das übliche Branchen-Argument „DRM schützt vor E-Book-Piraterie“ lassen die Tor Books-Machern ohnehin nicht gelten: „DRM-geschützte Titel landen trotzdem auf Tauschplattformen, außerdem glauben wir daran, dass die große Mehrheit unserer Leser genauso gegen Piraterie sind wie die Verleger“, heißt es auf dem Tor-Blog. Außerdem gehören die Sci-Fi-Leser naturgemäß zu den Early Adoptern in Sachen E-Lese-Technologie – sie experimentieren mit zahlreichen mobilen Geräten, und wissen in Zweifelsfall auch, wie man Kopierschutz umgeht. Zugleich seien sie aber äußerst verantwortungsbewusst, was den Umgang mit E-Books angeht: „So wie es bisher aussieht, konnten wir bei unseren DRM-freien Titeln keinen Anstieg in Sachen Piraterie erkennen, obwohl sie bereits seit einem Jahr verfügbar sind“.

Ende der Formatekriege in Sicht?

Die Befreiung der elektronischen Lektüre gilt nicht nur für aktuelle Bestseller wie David Brins „Existence“ oder John Scalzis „Redshirts“, sondern betrifft auch Klassiker wie Douglas Adams „Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“. Tor Books ist gerade dabei, ältere Backlistbestände zu digitalisieren, und dann ebenfalls DRM-frei zu veröffentlichen. Der Rest der Branche dürfte das DRM-freie Erfolgsmodell aufmerksam beobachten – schließlich scheinen gewohnte Regeln plötzlich nicht mehr zu gelten. Im Guardian sprach Digital-Rights-Aktivist Cory Doctorow anlässlich der Initiative von Tor Books sogar schon vom „Ende der Formatkriege“ im E-Book-Bereich. Tatsächlich wurde durch den Verzicht auf Kopierschutz ja auch der Wechsel zwischen epub- und Kindle-Welt deutlich vereinfacht.

Nicht nur Digital Natives sind vertrauenswürdig

So kritisiert Tor Books-Autor Charles Stross zu recht: „DRM verhindert keine Raubkopien, es unterwirft dafür aber die ehrlichen Kunden einem Monopol, das von den Besitzern der DRM-Software kontrolliert wird – damit schränkt man die Freiheit und den Wettbewerb ein“. Ermutigend für andere Verlage dürfte am Beispiel Tor Books sein, dass gerade die Autoren mit diesem Schritt in Richtung DRM-Verzicht einverstanden waren, ja ihn sogar mit eingefordert haben. Interessant ist wohl auch, dass Tor Books/Macmillan zur Holtzbrinck-Gruppe gehört, die in Deutschland renommierte Verlage wie S. Fischer, Rowohlt oder Kiepenheuer&Witsch ihr eigen nennt. Zu deren Lesern zählen im Vergleich zu Tor Books vor allem Digital Immigrants & Silversurfer – warum eigentlich wird ihnen weniger Vertrauen entgegenbracht als Digital Natives?

Abb.: Screenshot