Neues Provisionsmodell für Self-Publisher: Tolino Media will E-Book-Preise über 2,99 Euro drücken

tolino-media-neues-provisionsmodellKnapp ein Jahr ist Tolino Media online — und für die Self-Publishing-Plattform der Tolino-Allianz ist nun offenbar der Zeitpunkt erreicht, um die Konditionen für Indie-AutorInnen auf eine solidere Grundlage zu stellen. Das heißt: die attraktiven 70 Prozent Tantieme gibt’s ab 1. Juli nur noch, wenn der Endkundenpreis eines E-Books mindestens 2,99 Euro beträgt. Wer die Lektüre günstiger anbieten möchte, muss sich zukünftig mit 40 Prozent begnügen. Zum Vergleich: bei Amazons Self-Publishing-Plattform KDP gibt’s unter 2,99 Euro Verkaufspreis 35 Prozent Tantiemen.

„Wir haben uns diesen Schritt lange überlegt, aber die anfallenden Kosten der Buchhändler, wie zum Beispiel die Downloadkosten und die Paymentgebühren für den Verkauf von eBooks, sind unterhalb der 2,99-Euro-Grenze leider so hoch, dass wir da nicht länger drauf zahlen können“, so Jördis B. Schulz von Tolino Media. Anders als z.B. Amazon berechnet Tolino Media den AutorInnen keine Übertragungskosten.

Außerdem, so Schulz weiter, wolle man mit den neuen AGB die Autoren dazu anregen, „mutiger in ihrer Preisgestaltung zu sein und über die 2,99-EUR-Grenze zu gehen“. Eine Rechnung, die so natürlich nicht aufgehen muss, denn mit höherem Pricing sinkt die Zahl der verkauften E-Books überproportional, wie Marktanalysen von Smashwords oder Hugh Howeys „Author Earnings Report“ zeigen. Wer als Self-Publisher E-Books so teuer anbietet wie Verlage, zerstört sich also sein Geschäftsmodell. Die meisten bei Tolino Media aktiven AutorInnen dürften deswegen wohl den neuen Schwellenpreis von 2,99 Euro anpeilen.

Vorbild Kindle Charts: Tolino Media startet eigenes Bestseller-Ranking

tolino-ebook-bestsellerBei Amazon ist es längst Tradition: in den Kindle Charts findet man seit jeher ein tagesaktuelles E-Book-Ranking, das Verlagstitel und via KDP veröffentlichte Indie-Literatur gleichermaßen umfasst und den tatsächlichen Verkaufszahlen entspricht. Mit der tolino eBook Bestsellerliste gibt es seit August zumindest ansatzweise ein Pendant. Wöchentlich wird jetzt shopübergreifend eine Top 20-Liste zusammengestellt: „Die eBook Bestseller werden durch eine elektronische Abfrage der Warenwirtschaftssysteme buchhändlerischer Verkaufsstellen ermittelt (Online-Shops inklusive eReader-Shops in Deutschland, Österreich und der Schweiz)“, so Tolino Media.

Indie-Titel sind mit dabei

Auf diese Weise spiegele die Bestsellerliste den Markt „objektiv wider“, betont Tolino Media. Zuvor existierten lediglich die Verkaufsrankings einzelner Anbieter wie Weltbild, Thalia oder Hugendubel, und zudem die monatlichen E-Book-Charts der GfK. Explizit mit berücksichtigt werden in der neuen Bestseller-Liste all jene Titel, die über Tolinos Self-Publishing-Plattform eingespeist wurden. Aktuell (35. Kalenderwoche) findet sich in den Top 20 etwa mit „Erntezeit“ (Catherine Shepherd),„Der Puzzlemörder von Zons“ (Catherine Shepherd) sowie „Sylter Wolken“ (Sarah Mund) drei via Tolino Media veröffentlichte Indie-Titel.

Verkaufsfördernde Wirkung zweifelhaft

Auch drei via Bookrix bzw. Neobooks publizierte E-Books haben es in die aktuellen Top 20 geschafft, so dass das Verhältnis Verlagstitel vs. Indie-Titel in der 35. Kalenderwoche 14 zu 6 beträgt. Ob die neue Bestseller-Liste von Tolino Media insgesamt eine nennenswerte verkaufsfördernde Wirkung hat, ist allerdings zweifelhaft. In den einzelnen Shops erscheinen schließlich im E-Book-Bereich weiterhin die individuellen Verkaufsrankings. Was eigentlich auch gut so ist, sind sie doch deutlich aktueller. Zur separaten Bewerbung einzelner Titel mag eine gute Platzierung in den Tolino-Charts aber sicherlich nützlich sein.

Tolino launcht „Media Services“: Profis machen Indie-Titel marktfit

tolino-media-servicesTolino baut den Service für Self-Publisher aus: ab August erhalten AutorInnen Unterstützung von einem Team von Verlagsprofis, um auf diesem Weg ihre E-Book-Manuskripte vor der Veröffentlichung auf der Tolino-Plattform marktfit zu machen. „Sie teilen uns unverbindlich Ihre Wünsche mit und das Team von medialike erstellt Ihnen ein faires Angebot“, heißt es auf der Tolino Media-Website.

Services rund um E-Book & Print-On-Demand

Medialike ist eine Münchner Online-Marketing-Agentur, zu deren Angebot neben Social Media und Website-Gestaltung auch Self-Publishing-Dienstleistungen gehören. Auch die Angebotspalette der Tolino Media Services ist dementsprechend breit gefächert, sie reicht laut Website von Textgutachten und Lektorat über Satz & Layout bis hin zur Covergestaltung, neben E-Book-Gestaltung wird auch Print-On-Demand abgedeckt, dazu kommt die Beratung und Hilfestellung beim Marketing via Social Media, Blog etc.

Self-Publisher investieren in ihre Werke

Damit stößt der Hauptkonkurrent von Kindle Direct Publishing (KDP) in eine Lücke zwischen klassischem Verlagsgeschäft – das inzwischen auch Amazon mit seinen Imprints betreibt – und komplett selbst gemachtem Indie-Publishing. Da immer mehr Self-Publisher bereit sind, für entsprechende Dienstleistungen rund um ihr Buch auch einiges an Geld zu investieren, könnte sich dieser Schritt durchaus lohnen. Tolinos Self-Publishing-Plattform ist seit Ende April online, mehr als 400 Autoren sind dort bereits aktiv.

Abb.: Charli Lopez (cc-by-2.0)

Von Kindle zu Tolino: Hauptkonkurrent von Amazon.de punktet im Kampf um die Köpfe

Birgit-Hagmann-Tolino-Media

Pressemitteilungen vom Stil „Manager X wechselt von Firma Y zu Firma Z“ sind zwar häufig, haben aber meist nur geringen Nachrichtenwert. Beim Wechsel von Birgit Hagmann von Amazon zu Tolino Media ist das aber etwas anderes. Denn die neue Geschäftsleiterin des zentralen Content-Partners für die Tolino-Allianz war zuvor „Senior Vendor Manager Kindle“ beim deutschen Ableger des Online-Händlers, also zuständig für Einkauf, Lieferanten-Beziehungen und Vermarktung.

„Dynamik im Medienmarkt aktiv gestalten“

„Die Dynamik im digitalen Medienmarkt nicht nur mitmachen, sondern aktiv gestalten“, genau das sei die Stärke der neuen Geschäftsleiterin, und das könne nun auch Tolino voranbringen, verkündete anlässlich dieses gelungen Coups Maximilian Hugendubel im Namen der Tolino-Gesellschafter Thalia, Hugendubel, Weltbild und Bertelsmann.

Nach dem Launch von Kindle-ähnlichen Readern, Tablets und zuletzt auch noch einer KDP-ähnlichen Self-Publishing-Plattform geht die Tolino-Allianz damit einen weiteren Schritt in die derzeit wohl einzig mögliche Richtung: um mit Amazon zu konkurrieren, muss man Amazons Erfolgsstrategien kopieren – am besten geht das natürlich mit direktem Know How.

Strategie der Klon-Krieger

Dass so etwas gut funktioniert, zeigt etwa der chinesische Smartphone-Hersteller Xiaomi, wegen gewisser Design-Ähnlichkeiten nicht ganz zu unrecht auch als „chinesisches Apple“ bekannt. Mit einer gezielten Imitationsstrategie gelang in nur fünf Jahren sogar der Aufstieg zum weltweit wichtigsten Smartphone-Hersteller nach Apple und Samsung. Der bisher größte Coup gelang aber wohl schon Ende 2013: man warb den Vizepräsidenten von Googles Android-Sparte ab – betrieben werden die iPhone-Klone ohnehin mit dem mobilen Betriebssystem des Suchmaschinen-Riesen.

Self-Publishing via Tolino Media: langer Marsch in die Top 100

tolino-media-erste-bilanzVor knapp acht Wochen ging Tolinos Antwort auf Amazons Klassiker KDP an den Start – inzwischen konnte man dem Kindle-Store-Herausforderer zufolge bereits mehr 400 Autoren für die neue Self-Publishing-Plattform gewinnen, insgesamt wurden mehr als 1.000 Titel hochgeladen. Die Rückmeldungen der Indie-Autoren sei sehr gut, auch wirtschaftlich falle das Zwischenfazit positiv aus, die Umsatzerwartungen seien übertroffen worden.

Elke Becker exklusiv bei Tolino

Fünf Autorinnen und Autoren haben es laut Tolino Media bereits geschafft, gute Platzierungen in den Top 100 der Partner-Shops zu erreichen: BC Schiller, Sarah Mundt, Dania Dicken, Petra Röder und Elke Becker. Letztere Autorin habe sich nun sogar entschlossen, ihren aktuellen Titel „Wenn Amor nicht zuhört“ exklusiv via Tolino zu veröffentlichen.

Fast keine Indies in den Top 20

Um das neue Angebot zu bewerben, haben die Tolino-Partner die Self-Publishing-Titel auf ihren Webseiten als eigene Rubriken aufgeführt und auch Bannerwerbung und Newsletter-Kampagnen eingesetzt. Schaut man in die besonders verkaufstarken Top 20 von Thalia, Weltbild oder ebook.de, entdeckt man aber bis auf B.C. Schiller (Thalia, ebook.de) und Sarah Mundt (ebook.de) keine weiteren Tolino-Autoren, allerdings vereinzelt via BookRix veröffentlichte Indies.

Tolino will auch stationäre Reichweite bieten

Bisher scheinen also die mehr als 10 Millionen Leser der Tolino-Welt offenbar noch die zumeist deutlich teureren Autoren der traditionellen Verlage zu bevorzugen. Für manche Indies dürfte sich die Teilnahme an Tolinos Self-Publishing-Programm mittelfristig aber sogar doppelt lohnen: ab Herbst, so Tolino Media, wolle man „ausgewählte Titel als Print-Ausgaben in das stationäre Sortiment der tolino-Partner bringen“.