Fünf Jahre Tolino: erfreulicher Publikumserfolg trotz Pleiten, Pech und Pannen

tolino-fuenf-jahreIm März 2013 ging ein Raunen durch die E-Reading-Nation Deutschland: nach fünf Jahren Marktdominanz durch Amazons Kindle hatten die deutschen Buchhändler zusammen mit der Telekom als Technologiepartner endlich eine gemeinsame Antwort gefunden — die Tolino-Allianz war geboren. Konkurrenzfähige Tolino-Reader, anfangs auch Tolino-Tablets, später Tolino-Apps, eine benutzerfreundliche E-Book-Cloud-Lösung, Beteiligung der unabhängigen Buchhändler über den Barsortimenter Libri als Kooperationspartner, seit neuestem auch ein E-Book-Verleihservice namens tolino select: die Gutenberg-Galaxis hat zurückgeschlagen, voll auf der Höhe der Zeit.

Kopf an Kopf-Rennen mit Amazon

Das zeigen auch die Zahlen — Amazon mag zwar knapp Marktführer sein im deutschen E-Book-Geschäft, doch die Gran Tolino Koalition hält mit knapp 40 Prozent Marktanteil wacker dagegen, erst recht seit dem mit der Mayerschen Buchhandlung und Osiander auch große regionale Ketten mit an Bord sind. Die Präsenz im stationären Geschäft gehört zur besonderen Stärke der Marke Tolino — in tausenden Filialen der großen und kleinen Ketten wie auch vieler Indie-Buchhandlungen sind die Geräte zu finden, kundige Beratung durch die Buchhändler inklusive.

Tolino-Allianz erhält Vielfalt auf dem E-Book-Markt

Tolino ist am Ende der Hauptgrund dafür, dass der deutsche Buchmarkt auch 2018 noch anders aussieht als etwa in den USA oder Großbritannien — dort haben es die Kindle-Gegenspieler längst aufgegeben, der E-Book-Markt ist gleich Amazon, und umgekehrt. Dass diese Gleichung in Deutschland, und auch in Tolino-Exportmärkten wie Österreich, Schweiz, Benelux und Italien nicht so einfach aufgeht, ist wirklich mal ein Grund zum Feiern.

Kleiner Reader, dein Weg war ein steiniger

Eine makellose Erfolgsgeschichte ist Tolino allerdings nicht. Der Einstieg der unabhängigen Buchhändler wurde anfangs verpatzt, die Weltbildpleite schwächte die Allianz ebenso wie die Turbulenzen von Thalia und zuletzt der Wegfall des Technologiepartners Deutsche Telekom, für den Rakuten-Kobo einspringen musste. Nicht zuletzt machten immer wieder fehlerhafte Updates den Nutzern der E-Reader das Leben schwer, ausgerechnet zum fünften Geburtstag gelangte in diesen Tagen wieder solch ein Schmankerl auf die Lesegeräte.

Zum Glück soll es sich bei den Tolino-Kunden ja überwiegend um „Hybrid-Leser“ handeln, die sowohl digital wie analog lesen — Ersatzlektüre dürfte also in den meisten Fällen zur Hand sein…

Abb.: mytolino.de

Eine App für alle: Tolino-Allianz vereinheitlicht iOS & Android-Auftritt

eine-tolino-app-fuer-alleEin Reader, eine App — so sieht der neue Auftritt der Tolino-Allianz aus: statt Thalia-, Weltbild-, Libri- uns sonstigen Apps sollen die Nutzer ab jetzt nur noch die Tolino-App der Telekom nutzen (Version 4.1.0). Bisher gab es unterschiedliche Lösungen, Thalias App zum Beispiel war ursprünglich mal vom Berliner Startup textunes entwickelt worden. Mit dem App-Föderalismus ist nun Schluss: „Mit der leistungsstarken eBook-App wird das tolino Ökosystem zur 360-Grad-Lösung“, so die offizielle PM. Wie schon bisher werden iOS-Nutzer allerdings keine E-Books innerhalb ihrer App shoppen können („In-App-Shopping“), dies bleibt den Nutzern von Android-Smartphones und Tablets vorbehalten.

Gratis-E-Book für den Wechsel

Als Appetizer für Bestandskunden spendiert die Tolino-Allianz beim Wechsel zur Einheits-App der Telekom ein Gratis-E-Book. Wer beim Aktivieren den jeweiligen „Begrüßungscode“ eingibt, erhält per E-Mail einen Gutschein für Catherine Shepherds Thriller „Tiefschwarze Melodie“.

Virtuelles Regal vereint alle E-Books

Nach dem Herunterladen der App aus App- bzw. Google Play Store wählt man zunächst das Land wie auch den persönlichen Tolino-Buchhändler aus. Wo man bisher geshoppt hat, ist aber letztlich egal: Leser können alle bei Tolino-Partnern gekauften E-Bücher und Hörbücher in einem virtuellen Regal zusammenführen und über die App nutzen.

Komfortable E-Lese-Features

Mit dem Start der gemeinsamen Tolino-App können nun auch alle Tolino-Kunden dieselben E-Lese-Features nutzen: So lässt sich u.a. die Textdarstellung der Telekom-App im Lesemodus komfortabel anpassen, auch Zeilen- und Randabstand sowie die Textausrichtung sind nach Belieben einstellbar. Optimiert wurde die Zoom-Ansicht bei der Anzeige von PDFs.

Kurs auf 50% Marktanteil: Tolino-Allianz jetzt inklusive Mayerscher & Osiander

tolino-self-publishingDer E-Book-Markt in Deutschland wird zukünftig noch stärker von zwei Parteien beherrscht: Amazon und Tolino – wobei die vor zweieinhalb Jahren gestartete Buchhandels-Allianz ab 2016 endültig die Nase vorn haben dürfte. Denn nach langen Verhandlungen sind nun auch die regional verankerten Ketten Mayersche und Osiander mit an Bord.

Regional heißt in diesem Fall aber nicht marginal: Unter den Top Fünf der großen deutschen Buchhändler nehmen die beiden inhabergeführten „Indies“ vom Umsatz her betrachtet Platz vier und fünf direkt hinter Thalia, Weltbild und Hugendubel ein, ihr Anteil am Umsatz der Top 5 liegt knapp über 10 Prozent.

Der letzte Woche bekannt gegebene Deal gibt der Tolino-Allianz jetzt zum einen mehr Kawumm in der Fläche: das Netz der angeschlossenen Buchhandlungen mit Tolino-Reader-Verkauf & Beratung steigt auf mehr als 1.800 Filialen. Vor allem aber steigt erneut der Marktanteil der Gran-Tolino-Koalition im deutschen E-Book-Geschäft.

Und das bei einer recht guten Ausgangsbasis: Denn schon Ende 2014 lag der Marktanteil der Tolino-Allianz nach dem Einstieg von Libris Plattform ebook.de (gehört seit 2015 zu Hugendubel) der GfK zufolge bei 45 Prozent, ein paar Punkte vor Amazon. Mit der Mayerschen und Osiander an Bord könnte nun der Online-Riese hierzulande noch weiter abgehängt werden, ein Marktanteil von 50 Prozent für Tolino klingt realistisch.

Damit hat die Tolino-Allianz endgültig die strategische Wende geschafft, denn der Anfang wurde von zahlreichen Mißerfolgen überschattet: erste Verhandlungen mit den unabhängigen Buchhändlern waren krachend gescheitert, der Tolino-Store der Telekom machte kurz nach dem Start wieder dicht, dann zog der Bertelsmann-Club die Notbremse, dazu kam noch die Krise beim wichtigen Stützpfeiler Weltbild.

Doch spätestens wenn im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse die neue Generation der Tolino-Reader vorgestellt & der jüngste Deal mit den Indies abgefeiert wird, dürfte all das wohl endgültig der Vergangenheit angehören. Statt dessen kann sich die Tolino-Allianz jetzt darauf konzentrieren, die letzte Scharte im Konkurrenzkampf mit Amazon auszuwetzen: beim E-Reader-Marktanteil liegt Tolino man nämlich immer noch deutlich hinter dem Kindle.

(via Boersenblatt.net & Buchreport.de)

Gran Tolino-Allianz zieht Jahres-Bilanz: 35 Prozent Marktanteil, neuer Reader in Sicht

Am 1. März 2013 startete eine ungewöhnliche Allianz: Telekom, Thalia, Weltbild und Co verkündeten, mit dem Tolino-Reader und einer eigenen Cloud-Lösung gemeinsam gegen Amazon anzurennen. Das scheint im Ansatz tatsächlich gelungen zu sein: „Wir haben unsere Ziele erreicht und einen äußerst erfolgreichen Start hingelegt“, bilanziert Thalia-Geschäftsführer Michael Busch das erste Tolino-Jahr. „Während etwa in den USA und Großbritannien der Marktführer Anteile von 80 bis 90 Prozent auf sich vereint, konnten wir diesem Trend im deutschsprachigen Raum etwas entgegensetzen“. Inzwischen beträgt der Marktanteil der Tolino-Allianz laut GfK 35 Prozent, seit dem Launch wurden 15 Millionen E-Book-Downloads verzeichnet.

Tolino Vision als neuer Kindle-Killer

Wieviele Tolinos inzwischen verkauft wurden, verrät die Pressemitteilung zum Tolino-Jubiläum nicht. Bekannt sind aber zwei Dinge: bis Ende letzten Jahres wurde mehr als eine halbe Million der Glimmerlicht-Reader verkauft. Außerdem beginnt das zweite Tolino-Jahr technisch mit einer neuen Reader-Generation: der Tolino-Shine wird abgelöst vom Tolino Vision, einem optisch verschlankten und hardwäremäßig verbesserten Gerät, das ab 5. April in den Handel gelangen soll. Beim E-Ink-Display vollzieht die Tolino-Allianz den Sprung von „Pearl“ zu „Carta“, was für verbesserten Kontrast sorgt, das Touchscreen wird von Infrarot auf kapazitiv umgestellt – das wiederum macht den Bildschirm reaktionsfreudiger.

Kerngeschäft der Tolino-Partner im Sinkflug

Solchermaßen technisch aufgerüstet sehen sich die Gran Tolino-Partner für die kommenden Tage gewappnet: „Wir sind zuversichtlich, dass wir einen angemessenen Marktanteil für Tolino auch langfristig durchsetzen“, so etwa Nina Hugendubel, geschäftsführende Gesellschafterin der bis vor kurzem noch mit Weltbild verbandelten Buchhandlung Hugendubel. Inzwischen steht Weltbild jedoch kurz vor der Pleite, der Insolvenzverwalter sucht nach dem rettenden Engel – denn im Kerngeschäft der meisten Tolino-Koalitionäre, also dem Offline-Handel mit gedruckten Büchern, geht es immer noch steil bergab. Hauptkonkurrent Amazon muss eben kein Filialnetz subventionieren. Wie toll der Name Tolino in einem Jahr noch klingt, bleibt somit weiter ungewiß. Ein Standbein ist schon weggebrochen – die Telekom hat gerade ihren E-Store „PagePlace“ abgeschaltet , die Nutzer mussten mitsamt E-Books kurzfristig zu anderen Tolino-Partnern umziehen.

Nolino statt Tolino: Indies gehen eigene Wege

Grandios gescheitert ist auch die strategisch wichtige Ausweiterung der Tolino-Allianz auf den unabhängigen Buchhandel – im Umfeld der letzten Frankfurter Buchmesse wurde das endgültige Aus der monatelangen Verhandlungen bekanntgegeben. Am Ende warfen die Indies einigermaßen genervt das Handtuch, denn trotz vergleichweise hoher Beteiligungskosten wurden ihnen im Gegenzug kaum Mitsprachemöglichkeiten eingeräumt. Große unabhängige Buchhändler wie die Mayersche oder Osiander setzen nun lieber auf gebrandete Glowlight-Reader wie den Pocketbook Lux, inklusive Cloud-Lösung übrigens. Vielleicht ist das ja für den Buchhandel sogar der beste Grund, um optimistisch in die Zukunft zu schauen: Es geht zur Not auch sehr gut ohne Tolino.

Abb.: tolino.de

E-Book-Markt in Bewegung: Tolino-Allianz laut GfK mit Amazon fast schon gleichauf

Ist der Tolino am Ende doch ein Kindle-Killer? Den Marktforschern der GfK zufolge bewegt sich die Gran Tolino-Koalition in punkto Marktanteil schon fast auf Augenhöhe mit Amazon – im dritten Quartal 2013 bekam der Online-Riese in Deutschland nur noch 43 Prozent des E-Book-Kuchens ab (Zweites Quartal: 48 Prozent), die Tolino-Allianz schnappte sich 37 Prozent. Dabei befindet sich die Geräteplattform erst noch im Aufbau: Seit dem Tolino-Launch im Frühjahr wurden zwar schon mehr als eine halbe Million Geräte verkauft, die Zahl der in Deutschland abgesetzten Kindle-Reader dürfte sich aber schon irgendwo im einstelligen Millionenbereich bewegen, zudem ist auf vielen Tablets & Smartphones die Kindle-App installiert.

Eine historische Chance hat die Tolino-Allianz im Herbst allerdings verpasst – denn der lange verhandelte Deal mit den unabhängigen Buchhändlern platzte wegen Unstimmigkeiten bei finanziellen Vorleistungen und Mitspracherechten. Große Indies wie etwa die Mayersche setzen nun auf Alternativen wie den Pocketbook-Reader. Kürzlich konnte dafür immerhin ein weiterer Partner mit gewisser Reichweite vermeldet werden: Springers neue Plattform BILD ebooks kooperiert mit dem Tolino-Mitglied bücher.de (das wiederum von Springer, Holtzbrinck & Weltbild gehalten kontrolliert wird).

Weiteren Auftrieb für Tolino dürften die pünktlich zum Weihnachtsgeschäft gelaunchten Tolino Tabs geben – denn die Nachfrage nach Multifunktions-Tablets mit E-Lese-Fähigkeiten ist mittlerweile weitaus höher als die nach klassischen E-Ink-Geräten. Dem Branchenverband BITKOM zufolge sollen bis Ende 2013 bis zu 8 Millionen Tablets über den Ladentisch gehen – dagegen weniger als 1 Mio. E-Reader. Auf den Touchscreens der Android-Flachrechner konkurrieren die E-Lese-Apps der Tolino-Allianz andererseits direkt mit per Fingertipp nachrüstbaren Kindle-App, zudem sind E-Books hier nur noch eine Content-Säule neben Apps und Games.

Abb.: Flickr/Techy2610 (cc)