[Aktuelles Stichwort] BitTorrents: E-Books & Audiobooks via P2P-Filesharing direkt vermarkten


[Dieser Artikel ist eine Preview aus: „das große e-book & e-reader abc“, das mehr als 200 aktuelle Stichwörter von Adobe-ID bis Zweifinger-Zoom enthält. Es ist digital und gedruckt im Oktober 2014 erschienen – und kann direkt bei ebooknews pressbestellt werden…]

BitTorrent, alternative Download-Methode insbesondere für größere Datenmengen, bei der die jeweilige Datei nicht von einem zentralen Server heruntergeladen wird, sondern über einen Schwarm von Nutzern verteilt ist, die sich bereits heruntergeladene Teile der Datei gegenseitig zur Verfügung stellen (auch Peer-to-Peer oder P2P genannt).

Im Gegensatz zum normalen FTP (File Transfer Protocol), mit dem man per Klick auf einen Download-Link im Browser etwa ein E-Book, ein Musikstück oder ein Video direkt von einem bestimmten Server herunterlädt, spricht man bei BitTorrent deswegen von „kollaborativem Filesharing“.

Für jede Datei wird ein eigenes Verteilernetz aufgebaut, zentral abgelegt wird nur eine wenige Kilobytes große Torrent-Datei (Kürzel .torr oder .torrent), die Informationen zum Dateinamen, Dateigröße und den einzelnen Segmenten enthält, sowie normalerweis den Link auf eine sogenannte „Tracker“-Adresse, hinter der sich eine ständig aktualisierte Liste der Nutzer (Peers) verbirgt, die aktuell online sind und Teile der Datei zur Verfügung stellen können.

In der Buchbranche lohnt sich der Einsatz von BitTorrents, wenn etwa ein Bestseller-Autor ein neues Buch herausbringt und Promotion-Material oder eine Leseprobe an so viele Interessenten wie möglich verteilt werden soll, ohne dass man große technische Ressourcen vorhalten muss. In den USA nutzte Timothy Ferriss 2012 diese Methode, um sein Buch „The 4-Hour-Chief“ zu vermarkten. Im Jahr darauf promotete Ferriss auf diese Weise auch die Audio-Book-Version von „The 4-Hour-Chief“. Durch das Abonnement des zum Buch gestarteten Newsletters konnte via BitTorrent sogar das vollständige Hörbuch heruntergeladen werden.

Verwendet wird BitTorent auch im Bereich der E-Book-Piraterie, so verweisen etwa die Suchergebnisse der populären Website „The Pirate Bay“ auf BitTorrents. Anders als beim Verweis auf sogenannte „One-Click-Hoster“ gibt es keinen eindeutigen Ort, an dem einzelne E-Book-Dateien bzw. E-Book-Archive gespeichert sind, und somit auch nicht die Möglichkeit, die Daten löschen zu lassen, was aktive Maßnahmen gegen Urheberrechtsverletzungen erheblich erschwert.


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Vom Mail-Gate zum Pay-Gate: BitTorrent Bundles erleichtern Direktvermarktung von Premium-Content

Kollaboratives Filesharing ist nicht gleich Peer-to-Peer-Piraterie – die BitTorrent-Community etwa hat sich längst zum beliebten Direktmarketing-Netzwerk für Künstler und Publisher gemausert. Mit dem Premium-Bundling kommt nun eine neue Variante hinzu: konnten Nutzer bisher zusätzlichen Content freischalten, indem sie ihre E-Mail-Adresse eingaben & einen Newsletter abonnierten („E-Mail-Gate“), gibt’s nun auch Premium-Content wie etwa Videos, Musikdateien, E-Books oder Hörbücher gegen Cash („Paygate“). Das Geld wird fair geteilt: Die Künstler erhalten 90 Prozent der Einnahmen. Die ersten beiden Kooperationspartner sind der Sänger Diplo sowie Radiohead-Frontmann und Spotify-Verweigerer Thom York.

Denn mit dem Premium-Bundling soll offenbar auch ein deutliches Zeichen gegen die Entwertung von Content im Flatrate-Zeitalter gesetzt werden. „Taylor Swift sparked debate over the state of music in recent weeks; the value of a stream, the value of a record. The value of art shouldn’t be up for debate. It should be up to artists”, so Matt Mason, BitTorrents Chief Content Officer, gegenüber TechCrunch. Mit dem neuen Bundling-Prinzip wolle man Künstlern die Kontrolle zurückgeben. Pop-Sängerin Taylor Swift und ihr Label Big Machine hatten kürzlich die Kooperation mit Spotify beendet – um wieder stärker auf Direktvermarktung zu setzen.

Doch auch über den Verteilungsaspekt hinaus hat BitTorrent-Bundling viele Vorteile: durch das dezentrale P2P-Prinzip bricht das System selbst bei großer Nachfrage nicht zusammen, zudem sind die weltweit knapp 170 Millionen BitTorrent-Nutzer netzaffine „Heavy User“, die 30 Prozent mehr Geld für digitalen Contet ausgeben als der Durchschnitt. Die Konversionsrate lag beim „Bezahlen“ mit der E-Mail-Adresse zwischen 60 und 90 Prozent, und 10 bis 15 Prozent der Fans besuchten danach auch den individuellen E-Store bzw. Merchandising-Seiten, 20 Prozent teilen die Bundles in den sozialen Medien.

Neben Musikern und Filmemachern wird das BitTorrent-Bundling auch von Buchautoren genutzt – prominentestes Beispiel war bisher „4 Hour Chief“-Autor Timothy Ferriss, der 2013 via E-Mail-Gate die Hörbuch-Version seines Bestsellers unter die Leute brachte. „The click-through rates from BitTorrent to Amazon were higner than anything I’ve ever seen through paid advertising. Orders of magnitude higher“, fasst der in den USA populäre Sachbuchautor seine Erfahrungen mit dem Bundling via BitTorrent zusammen. Um das neue Paygate in Anspruch zu nehmen, müssen Künstler oder Publisher sich bewerben, im Rahmen der E-Mail-Methode kann man das Bundling ohne Wartezeit direkt nutzen.

(via TechCrunch)

Abb.: Screenshot bittorrent.com

Boykott der US-Buchhändler bremst Amazons verlegerische Ambitionen aus

Auf den ersten Blick sieht es nur so aus wie eine (immerhin überraschende) Personalie: Larry Kirshbaum verlässt das New Yorker Büro von Amazon Publishing. Damit verliert die Verlagssparte des Online-Händlers einen ausgebufften Profi, dem es 2011 gleich zu Beginn seiner Tätigkeit gelungen war, Timothy Ferriss‘ Sachbuch-Bestseller „The Four Hour Chef“ an Land zu ziehen. Doch genau da begann eigentlich schon das Problem: es scheint nämlich deutlich leichter zu sein, mit Meta-Learning nach dem Pareto-Prinzip zum Spitzenkoch zu werden, als nur via Amazon in die Bestseller-Liste der New York Times zu gelangen. Anders als die vorherigen Bücher von Ferriss gab es „The Four Hour Chef“ nicht bei Barnes&Noble, und auch viele unabhängige Buchhändler lehnten dankend ab – das dämpft den Absatz, und drückt einen Titel im Bestseller-Ranking nach unten.

Trick 17 mit Selbstauslistung

Grund dafür, dass Ferriss den „Four Hour Chef“ am Ende als „America’s most banned book“ promoten durfte, ist der generelle Amazon-Boykott von B&N – die letzte verbliebene große Buchhandelskette der USA weigert sich, Print-Versionen von Amazon-eigenen Labels zu listen, solange diese Titel wiederum als E-Book exklusiv bei Amazon erscheinen. Mit dieser Taktik will Jeff Bezos eigentlich die Disruption der Buchbranche beschleunigen, doch mittlerweile entwickelt sich das zu einer Art Trick Siebzehn mit Selbsüberlistung (bzw. Selbstauslistung) – denn für Kirshbaum war es in der Folge des Boykotts schwierig bis unmöglich, unter diesen Bedingungen prominente Sachbuch- oder Belletristikautoren für Amazon Publishing zu gewinnen. Auch attraktive Tantiemen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass gedruckte Bücher auch in den USA immer noch 70 Prozent Marktanteil haben, und alleine schon die „Discoverability“ auch viel damit zu tun hat, ob ein Titel in den Buchhandlungen vor Ort ausliegt.

Amazon fährt Verlagsgeschäft zurück

Die Selbstblockade – anders kann man Amazons Ausschluss-System eigentlich nicht bezeichnen – wirkt sich nun offenbar auf die gesamte Firmenpolitik aus, berichtet der Branchennewsletter Shelf Awareness: „In Verbindung mit dem Weggang von Kirshbaum werden die besonders ambitionierten Bereiche von Amazons Verlagsaktivitäten zurückgefahren. Zahlreiche Verlagsmitarbeiter wurden bereits freigesetzt oder haben gekündigt, und Amazon spielte anders als noch vor zwei Jahren zuletzt kein wichtige Rolle mehr beim Ankauf von namhaften Buchrechten“. Statt auf „General Interest“-Titel dürfte Amazon in Zukunft also wieder stärker auf populäre Genre-Literatur von Thriller und Sci-Fi bis zu Herzschmerz setzen.

Abb.: Flickr/mag3737 (cc)

Marketing by Absence: Buchbranche boykottiert Amazon-Autor Timothy Ferriss & tappt in PR-Falle

Timothy Ferriss darf man getrost einen „Überflieger“ nennen – der Silicon-Valley-Unternehmer betreibt „nebenberuflich“ einen der populärsten Business-Blogs der USA, doziert an Universitäten, betätigt sich als Schulreformer, außerdem hält der geniale Autodidakt einen Weltrekord im Tango-Tanzen und amtierte zeitweise als nationaler Champion im Kickboxen. Vor allem aber ist Ferriss ein Evangelist der eigenen Effizienz. Davon zeugen Bestseller wie „Die vier Stunden Woche“, „Der vier Stunden Körper“, und neuerdings auch „Der vier Stunden Meisterkoch“. Zu den Geheimnissen seines Erfolgs gehört – siehe „Vier Stunden Woche“ — das Prinzip „Management by Absence“. Mit anderen Worten: Wer sich rar macht, steigert den Wert der eigenen Arbeit.

„Banned by 700+ bookstores nationwide!“

Das gilt auch in punkto Distribution: Während Ferriss die ersten beiden Bestseller über normale Verlage vermarktete, wählte er für den „The 4-Hour Chef“ Amazons neues Eigen-Label New Harvest. Und löste mit dieser Wahl sozusagen einen Skandal mit Ansage aus. Denn die von Amazon selbst verlegten Bücher werden in den USA von der Buchhandelskette Barnes&Noble wie auch Independent-Buchhandlungen boykottiert – und somit fast nirgendwo vor Ort zu kaufen sein. Ein Grund für den „4-Hour-Boykott“ von seiten der Gutenberg-Galaxis: immer mehr E-Books von Amazon werden exklusiv im Kindle-Store verkauft. Ein ebenso wichtiger Grund: Amazons Schritt in Richtung Online-Verlagsbuchhandlung wird als strategische Bedrohung der traditionellen Buchhandels- und Verlagsstrukturen gesehen.

Zusätzliches Marketing über BitTorrent

Um PR braucht sich Ferriss nun nicht mehr zu kümmern. Die Vorabberichterstattung zum Buch-Start am 20. November brachte den Titel „4-Hour Chef“ auf alle Titelseiten. Gerade deshalb sorgt der 4-Stunden-Coup von Ferriss für umso mehr Verdruss, und für so manchen Vorab-Verriss: denn mit dem umtriebigen Bestseller-Autor als weithin sichtbarer Galionsfigur könnte Amazons neues Imprint New Harvest bald auch andere Edelfedern zum Seitenwechsel motivieren. Auch mit Online only lässt sich viel Geld verdienen, erst recht bei Tantiemen von 50 Prozent und mehr. Natürlich wäre Ferriss nicht Ferriss, wenn er nicht trotzdem noch zusätzliche Wege finden würde, sein neues Buch am klassischen Buchhandel vorbei zu vermarkten: Leseproben und exklusives Multimedia-Material bringt der Autor über das Filesharing-Netzwerk BitTorrent unters Volk. Außerdem werden Probe-Kapitel des „4-Hour Chef“ in die E-Book-Versionen seiner bisherigen Titel aufgenommen.

Abb.: Timothy Ferriss/Flickr