NYT, FT & Co: Dank Paywall auf dem Weg von der anzeigen- zur leserfinanzierten Zeitung?

Die altehrwürdige New York Times hat erneut eine historische Wegmarke erreicht: im zweiten Quartal 2012 brachten erstmals die Leser mehr Geld in die Kasse als die Anzeigenkunden. Nicht nur durch erhöhte Copy-Preise für die Printausgabe, sondern vor allem durch digitale Abos. Während die Anzeigenerlöse erneut um 6 Prozent sanken, konnte die NYT mit dem Verkauf des Contents selbst satte 8 Prozent mehr Umsatz erzielen. „Wahrscheinlich ist es die erste Zeitung [in den USA], die diese Linie überschritten hat“, schätzt Newsonomics-Experte Ken Doctor. „Das ist ein interessanter Augenblick“.

Metered Access: manchmal profitable Lösung

Maßgeblich zum Erfolg beigetragen hat dabei offenbar die Bezahlschranke – regelmäßige Leser werden seit letztem Jahr bei nyt.com zur Kasse gebeten. Relativ schnell brachte der „metered“-Access-Ansatz knapp 300.000 zahlende Abonnenten, doch Ende 2011 ebbte der Zustrom merklich ab. Immerhin hat die NYT inzwischen aber knapp 500.000 Digi-Abos verkaufen können.

Andere Blätter brauchen deutlich länger, um einen Stamm an zahlenden Online-Lesern aufzubauen. Mit einem ähnlichen Paywall-Konzept hat es etwa die Financial Times geschafft, seit 2009 insgesamt 300.000 digitale Abonnenten zu gewinnen. Auch bei dem Londoner Blatt werden wohl noch in diesem Jahr die Vertriebseinnahmen erstmals die Anzeigenerlöse überholen.

Paywall als potentielle Killer-App

Allerdings scheinen sich Paywall-Konzepte am Ende nicht für alle Zeitungen auszuzahlen. Ausgerechnet Rupert Murdochs iPad-Only-Projekt The Daily steht nun offenbar vor dem Aus. Nach 18 Monaten wurde zwar die magische Schwelle von 100.000 Abonnenten erreicht, doch das Blatt macht immer noch Minus. Die finanziell ohnehin angeschlagene News Corp zog nun die Notbremse – ein Drittel der Redaktion wurde gefeuert.

Ein grundsätzliches Problem von Paywalls ist offenbar das begrenzte Budget der Leser – kaum jemand wird am Ende für mehr als ein News-Angebot zahlen wollen. Noch schwieriger wird es, wenn das normale Online-Angebot einer Zeitung kostenlos zu haben ist. So musste etwa die im Netz frei zugängliche Huffington Post nach kurzer Zeit den Versuch aufgegeben, mit dem Verkauf einer HuffPo-App zusätzliche Gewinne zu machen.

Ob eine Paywall sinnvoll ist oder nicht, hängt aber zugleich auch von der potentiellen Reichweite einer Zeitung ab. Der britische Guardian etwa verzichtet bewusst auf eine Bezahlschranke – und setzt stattdessen auf steigende Werbeeinnahmen im Online-Bereich. Das dürfte jedoch bis auf weiteres ein Wettlauf mit der Zeit bleiben – trotz Wachstumszahlen von 26 Prozent bei digitalen Anzeigerlösen schreibt das Blatt immer noch rote Zahlen.

Abb.: NS Newsflash/Flickr

iOS 4.3 kommt später, kostenloses The Daily-Abo verlängert bis 28. Februar

thedaily-ipad-kostenloses-aboDes einen Freud, des anderen Leid: viele Mac-Freunde warten auf das iOS-Update 4.3 – das scheint sich jedoch noch zu verzögern. Eins der neuen Features ist ja bekanntlich die In-App-Abo-Funktion für elektronische Zeitungen und Magazine. Prototyp dafür ist wiederum Rupert Murdochs iPad-only-Zeitung „The Daily“ (E-Book-News berichtete). Das am 2. Februar gestartete E-Newspaper gab’s zunächst für zwei Wochen kostenlos auf dem iPad – danach sollten die Leser 99 US-Cent pro Woche berappen. Doch die Testphase ist nun offenbar parallel zum verzögerten iOS-4.3-Start verlängert worden, vorerst bis zum 28. Februar. Wer Murdochs Postille danach testen möchte, muss jedoch nicht in die Röhre schauen. Neu hinzukommende Nutzer der Daily-App sollen in Zukunft ebenfalls eine jeweils zweiwöchige kostenlose Probezeit haben. Damit sich The Daily rechnet, müssen angeblich 500.000 Dollar pro Woche erwirtschaftet werden – dafür wären also mindestens 500.000 wöchentliche Abos notwendig. Die ausgedehnte Testphase dürfte den Lesern die Entscheidung nun wohl erleichtern. Kommt demnächst noch die angekündigte Android-Version hinzu, wird sich die Zahl potentieller Abonnenten noch erweitern. Etwas leichter werden es aber wohl bis auf weiteres E-Newspaper haben, die geräteunabhängig in jedem Browser gelesen werden können – so ist etwa die ebenfalls papierlose Huffington Post bereits seit 2010 profitabel.

„The Daily“ ist neu & kommt jetzt täglich: Rupert Murdochs iPad-Only-Zeitung gestartet

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„Neue Zeiten erfordern einen neuen Journalismus“, begrüßt die gestern gestartete Tageszeitung „The Daily“ ihre Leser. Neuer Journalismus heißt in diesem Fall: exklusiv für iPad-Nutzer, und Cash Only. Denn bei „The Daily“ handelt es sich um das digitale Flaggschiff von Pressezar Rupert Murdoch, zugleich aber auch um ein Vorzeigeprojekt von Apple-Chef Steve Jobs. „The Daily“ ist nämlich die erste iPad-Zeitung, die Apples neues Abo-System nutzt, das direkt über den iTunes-Account des Lesers abgerechnet wird. Für 99 Cent pro Woche ist man dabei -- die aktuelle Ausgabe wird automatisch beim Start der App geladen. Zudem gibt es mehrmals pro Tag Aktualisierungen. Ein Jahresabo gibt es zum Preis von knapp 40 Euro. Zum Start kann man „The Daily“ allerdings zwei Wochen kostenlos lesen. Angeboten wird das Blatt vorerst nur im us-amerikanischen App-Store.

The Daily bietet Look&Feel eines E-Mags

Dreierlei verspricht Amerikas erste iPad-only-Zeitung ihren Lesern: den Look-and-Feel einer Illustrierten, den informativen Content einer Tageszeitung, und natürlich die Schnelligkeit des Internets. Tatsächlich macht „The Daily“ auf den ersten Blick den Eindruck eines multimedialen E-Mags -- es gibt Foto-Galerien, eingebettete Videos und animierte Info-Grafiken. „Touch, swipe, tap and explore to bring stories to life“ heißt es im Promotion-Video. Manche Fotos bieten sogar einen 360-Grad-Rundumblick, viele Texte kann man sich über die „Read-aloud“-Funktion vorlesen lassen. Wie es aus dem Blätterwald schallt, tönt es dann womöglich zurück: denn die Artikel kommentieren kann man offenbar auch per Audio. Auch konventionelle Social-Media-Funktionen werden großgeschrieben – so kann man die Artikel etwa facebooken, twittern und emailen. Eine „Paperclip“-Funktion speichert ausgewählte Inhalte für die spätere Lektüre.

The Daily ist auch für die Werbebranche interessant

Die Rubriken von „The Daily“ erinnern an die typische Themenkombination von Tabloids aus Murdochs Imperium: Gleich nach den News kommt der „Gossip“, es gibt einen großen Sportteil und neben „Arts&Life“ auch „Games&Apps“. „Built from scratch for the iPad“ bewirbt die News Corporation das Konzept von The Daily, und tatsächlich wurde für das Projekt eine vollkommen neue Redaktion gebildet. Einige der Chefredakteure kommen aus Murdoch-Organen wie etwa der Boulevardzeitung New York Post, andere wurden von renommierten Blättern wie der New York Times abgeworben. Die Produktionskosten der iPad-Postille gibt Murdoch mit 2 Millionen Dollar pro Monat an -- bei einem Abopreis von 2 Dollar für vier Wochen bräuchte The Daily also mindestens 1 Million Abonnenten, um schwarze Zahlen zu schreiben. Rechnet man die normale 30 Prozent-Provision für Apple ein, wohl noch einige hundertausend mehr. Finanzieren soll sich „The Daily“ allerdings neben den Abonnements auch durch Werbung – zu den ersten Inserenten gehörten große US-Unternehmen wie HBO, Pepsi, Range Rover und Verizon.

“America is the world’s imaginative superpower“

Politisch steht „The Daily“ dem Lager der Republikaner nahe. Das Editorial der Startnummer enthielt nicht zufällig Sätze wie: „Wir setzen uns dafür ein, den Amerikanern in ihrem Alltagsleben größtmögliche Freiheit zu ermöglichen. Die meisten Probleme lassen sich unserer Meinung nach nicht durch noch mehr Staat lösen“. Zugleich wurde publizistische Aufbruchstimmung verbreitet – schließlich soll „The Daily“ ein Beispiel geben für die Überwindung der Wirtschaftkrise: „Unsere real existierenden Häuser und Autos schrumpfen, Flugreisen werden unbezahlbar, doch die virtuelle Welt wächst grenzenlos. Die Zukunft wird gewonnen von den Gesellschaften mit den besten Ideen. Und Amerika ist die Supermacht der Ideen“, heißt in der Startkolumne der Meinungsseite. Wie stark die Zeiten sich durch neue Ideen verändern, mussten Ende 2010 auch Rupert Murdoch und Steve Jobs feststellen -- auf der Forbes-Liste der reichsten Männer in den USA wurden sie von Facebook-Gründer Zuckerberg überholt.

„The Daily“ verzögert sich: erste echte iPad-Zeitung muss auf iOS 4.3 warten

the-daily-ipad-zeitungEs ist das Flaggschiff der Paid-Content-Befürworter, und das Hätschelkind von Medienmogul Rupert Murdoch: „The Daily“, die erste iPad-only-Zeitung der Welt. Doch nicht nur exklusive Inhalte für das Tablet verspricht die neue Gazette, sondern auch eine Menge Eye-Candy, Multimedia und angeblich sogar 3D-Effekte (!). Das alles gibt’s dann am virtuellen Kiosk für 99 Cent pro Woche, täglich per Push-Dienst frisch auf das iPad geliefert. But aye, there’s the rub: leider müsste für diesen Service auch Apples neues iOS 4.3 fertig sein, denn ohne das darin enthaltene Push-Feature für Abos („Push subscription option“) kommt „The Daily“ eben nicht täglich von selbst in die digitale Zeitungsröhre. Doch Apples Software-Update, eigentlich schon für Dezember 2010 angekündigt, verzögert sich wohl noch ein bisschen. Und somit musste die große The Daily-Premiere im San Francisco Museum of Modern Art am 19. Januar abgesagt werden – dort wollte Rupert Murdoch zusammen mit Steve Jobs den Start der iPad-Zeitung verkünden. Aber daraus wäre wohl so oder so nichts mehr geworden: Der Apple-CEO ist seit gestern für unbestimmte Zeit krankgeschrieben.