Internet Archive macht C64-Games per Mausklick im Browser zugänglich — dank VICE-Emulator-App

c64-via-internet-archive-browser-appLängst gehören auch Computerspiele zum archivierungswürdigen Kulturgut – und interessanterweise sind sie online ähnlich einfach verfügbar wie E-Books oder Print-Buch-Scans: nämlich direkt im Browser, in diesem Fall über den als Browser-App laufenden VICE-Emulator. Das Internet-Archive hat nämlich gerade eine riesige Ladung klassischer C64-Software in seinen Katalog aufgenommen, neben klassischen Games wie Zaxxon, Quest for Tires oder Falcon Patrol auch Simulations-Programme wie „Little Computer People“ oder legendäre Text/Grafik-Adventures à la The Hobbit. Gerade mit den Adventures ist somit nun auch klassische Interactive Fiction per Mausklick zugänglich, und damit eine Software-Gattung, die dem E-Book besonders nahe steht. Insgesamt sind via Internet Archive mehr als 30.000 Programme für den C64 zugänglich, darunter allerdings auch mehr als 20.000 Demos.

Steuerung mit Cursor-Tasten möglich

Um die C64-Spiele tasächlich direkt im Browser nutzen zu können — also ohne zusätzliche Steuergeräte à la Joystick, muss man allerdings den VICE-Emulator richtig einstellen — sonst passiert nicht viel. Dazu geht man nach dem Start des jeweiligen Programms mit der F12-Taste ins VICE-Menu, legt unter „Machine Settings/Joystick Settings“ mit „Define Keysets“ die gewünschten Tasten fest, zum Beispiel Cursortasten für Up, Down, Left, Right und Space für Fire, und wählt dann als Joystick-Device die gerade festgelegte Tastaturbelegung (Keyset 1 oder Keyset 2) aus. Weitere Tipps zu diesem Thema gibts auf dem C64-Wiki.

(via Golem.de)

„Deine Entscheidung“: Mit „Dark Ride“ startet Carlsens neue Textadventure-App

dark-ride-carlsen-textadventure-appIst das nun die Rückkehr des Hypertext-Romans durch die App-Hintertür? Oder doch nur ein bisschen gamifiziertes Storytelling für die Generation What’s App? Carlsens neue Text-Adventure-App „Mission X“ jedenfalls startet diese Woche offiziell mit der Folge „Dark Ride“. Das Setting: Der Held der Message für Message auf dem Display erscheinenden Geschichte macht sich auf die Suche nach seinem kleinen Bruder Lars, verschwunden in einem Freizeitpark, der von dunklen Mächten beherrscht wird.

„Deine Entscheidung – Dein Abenteuer“

Mit Mission X verspricht Carlsen ein „Spielerlebnis in Echtzeit“: „Mit jeder Entscheidung, die Du triffst, bestimmst Du den Verlauf der Geschichte. Spring zurück, wenn Du wissen willst, welche Wege Dark Ride noch für Dich bereithält“. Dem Verlag zufolge kann man die Story auf diese Weise in bis zu neun Varianten erleben. Und empfiehlt: „Teile mit Deinen Freunden, ob Du die Mission erfolgreich ausgeführt hast.“

Text plus Multimedia-Elemente

Ergänzt wird der Text-Flow durch eine passende Geräuschkulisse sowie gezielt in die Handlung eingestreute Bilder. Realisiert wurde die erste Folge von Carlsens neuen Adventure-Apps in Kooperation mit dem Berliner Startup „Experimental Game“. Zum Start gibt’s allerdings erstmal nur eine Version für iOS, die Android-Fassung soll dann ab Anfang 2017 erhältlich sein. Die App kann offline gespielt werden, die Lesegeschwindigkeit lässt sich einstellen.

Story meets Gaming: „Mission X“, Carlsens neues Label für Text-Adventure-Apps

mission-x-carlsens-neues-textadventure-labelDas Buch der Zukunft, es ist medial enhanced, es ist total social, alles klar soweit, aber ist es auch interaktiv? Und vor allem: wie interaktiv? Carlsen wagt gleich einen großen Schritt nach vorn — und präsentiert auf der Frankfurter Buchmesse mit „Dark Ride“ eine veritable Text-Adventure-App, zugleich der Auftakt für das neue Label „Mission X“. Damit will der Verlag bei der Smartphone- & WhatsApp-Generation punkten, die mobil liest und vor allem auch mobil chattet, was das Zeug hält.

Sprung zurück nach vorn

Mit dem scheinbaren medialen Rückgriff — immerhin gibt’s Text-Adventures schon seit den 1970er Jahren, mein erstes E-Book war auch tatsächlich ein Text-Adventure auf dem Heimcomputer — könnte Carlsen damit am Ende ganz vorne mitspielen. Über die notwendige Technik in der Jackentasche verfügen ohnehin laut JIM-Studie 92 Prozent der 12 bis 19jährigen.

Kompetenzfeld Storytelling

„Story meets Gaming“ nennt Mareike Hermes — Leiterin Business Development bei Carlsen — das Konzept. Tatsächlich scheinen sich ja über das gemeinsame Element des Storytellings Buch- und Gamesbranche immer mehr anzunähern, und die Verwertungsketten werden in beide Richtungen immer engmaschiger.

Technologie von „Experimental Game“

Technologische Unterstützung erhält Carlsen auf dem neu eingeschlagenen Weg vom Berliner Startup „Experimental Game“. Die erste App des neuen Labels Mission X soll ab November für iOS verfügbar sein, eine Android-Version wird es ab Anfang 2017 geben. Neben der deutschen sind auch englische und spanische Fassungen geplant.

(via boersenblatt.net & buchreport.de)

Aztek Tom trifft Arthur Mervyn: Mein erstes E-Book, 1983 oder 2007?

atzek-tomb-adventureMein allererstes E-Book konnte ich noch in die Hand nehmen — es war auf einer schmucklosen Audiokassette gespeichert, die im Kassettenrekorder kreischende Töne von sich gab. Legte man das Band aber in die Datasette meines Heimcomputers, gelangte man via Load-Befehl gleich in das erste Kapitel: „Welcome to the Treasures of the Aztec Tomb“, las man auf dem Bildschirm, und als weitere Infos zum Setting: „I’m in a dining room. I can see a ladder. Exit South“. Außerdem blickte man auf ein einfaches Bild in bunter Blockgrafik. Und dann ging’s los — mit der Tastatur hackte man Zweiwort-Befehle ein, z.B. „Go South“, „Examine Table“ oder „Go ladder“.

„This strange land, where anything could happen“

Auf der Originalverpackung stand: „A graphics adventure set deep in the Amazon rain forest. Find the lost Aztek tomb hidden somewhere in this strange land, where anything could happen and probably will.“ Die Originalverpackung von Alligata Software habe ich aber nie gesehen, auch den Namen des Autors (Antony Crowther) kannte ich nicht. Denn solche Spiele wurden natürlich als reine Datenspur von Hand zu Hand weitergegeben bzw. kopiert, genauso wie Hörspiele oder Musikkassetten. Dafür brauchte man weder BTX noch Internet, nur ein Netzwerk aus guten Freunden: meine wichtigsten „Server“ hießen Thomas, Hansi und Torsten.

Gefangen im Sprachdschungel

Der „Aztek Tom“ — ich hielt das damals für eine Person, deswegen auch das fehlende „m“ im Titel — beschäftigte Thomas, Hansi, Torsten und mich für Wochen bis Monate, obwohl es nach heutigen Maßstäben ein ebenso simples wie auch fast schon spartanisch kurzes Text-Adventure ist. „The rest is left to your imagination“, heißt es nicht umsonst auf dem Kassetten-Cover. Aber als Siebt- oder Achtklässler hatten wir natürlich alleine schon mit dem Sprachdschungel zu kämpfen. Manche schöne englische Wörter, wie z.B. „Chest“, „Trapdoor“, „Cloak“ oder „Dwarf“ habe ich nicht in der Schule, sondern zu Hause auf der Mattscheibe gelernt, und egal wo sie auftauchen erinnern sie mich heute immer noch an verregnete Herbstnachmittage im Jahr 1983.

Vom Text-Adventure zum Spielbuch

Dass „Aztek Tomb“ mein erstes interaktives E-Book war, wusste ich damals natürlich nicht. Selbst als kurz darauf ein Adventure wie „The Hobbit“ kursierte — immerhin ja basierend auf J. R. R. Tolkiens Vorlage — war es für mich einfach nur ein Computerspiel, das Sprache verstehen konnte. Wie wenig sich Buch und interaktives Spiel unterscheiden, machte mir ironischerweise dann bald ein legendäres Spielbuch aus Papier klar: Ian Livingstone & Steve Jacksons „Hexenmeister vom flammenden Berg“. Auch das spielten wir wochenlang durch und blätterten wild zwischen hunderten Mini-Kapiteln hin- und her — im Unterschied zu „Aztec Tomb“ haben sich aber Thomas, Hansi, Torsten und ich jeder ein eigenes Exemplar in der Buchhandlung gekauft.

Gothic Novel auf totem E-Reader

Der „Hexenmeister“ steht immer noch in meinem Bücherregal, genauso wie der Fortsetzungsband „Die Zitadelle des Zauberers“. Die Audiokassetten, Disketten und auch überhaupt die ganze Hardware für „Aztek Tomb“, „The Hobbit“ & Co. dagegen ist nach über 30 Jahren und einem Dutzend Umzügen längst im Orkus verschwunden. Mein erster echter E-Reader wiederum schlummert noch in der Büroschublade, allerdings nach einer Überdosis Club Mate mit der zuletzt gelesenen Seite auf dem Display für immer eingefroren, es ist ein Cybook Gen 3 von 2007. Damit habe ich mein erstes „normales“ E-Book auf einem E-Ink-Gerät gelesen: Charles Brockden Browns „Arthur Mervyn or, Memoirs of the Year 1793“, eine großartige Gothic Novel, digital erhältlich bei Project Gutenberg. Schon der Anfangssatz geht unter die Haut: „The evils of pestilence by which this city has lately been afflicted will probably form an era in its history.“ Doch an das „Aztek Tomb“-Erlebnis kam die Lektüre nicht heran…

PS 1: Dieser Artikel ist ein Beitrag im Rahmen der Blogparade #1stebook, die im Vorfeld des Berliner E-Book-Festival 2016 stattfindet (siehe electricbookfair.de).

PS 2: Wer Aztek Tomb und andere Adventure-Klassiker online nachspielen möchte, sollte mal auf dem Interactive-Fiction-Portal IfWizz vorbeischauen…

BBC feiert 30 Jahre „Per Anhalter durch die Galaxis“ – mit browserbasiertem Text-Adventure

Wow, was für ein Jubiläum: die BBC feiert gerade 30 Jahre „Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“ – und dabei geht’s nicht um das Hörspiel (das gab’s schon 1978), auch nicht um das Buch (das gab’s schon 1979), sondern um die Text-Adventure-Version. Die wurde nämlich im Jahr 1984 herausgebracht, als Koproduktion zwischen Serien-Autor Douglas Adams selbst und dem Infocom-Programmierer Steve Meretzky. Auch die interaktive Version der herrlich ironischen Sci-Fi-Saga wurde damals schnell zum Bestseller – mehr als 350.000 mal verkaufte sich die Software für Apple II, Commodore 64 oder DOS-PC.

Auf der Website des BBC-Senders Radio 4 konnte man via flashbasierter Browser-Version schon zum 20. Geburtstag per Anhalter durch die Galaxis reisen, was der Website ein kurzfristiges Traffic-Wachstum von 1000 Prozent bescherte. Zum 30. Anniversary wurde nun erneut eine browserbasierte Adventure-Version gestartet, zeitgemäß im HTML 5-Standard, inklusive neuer Grafiken, Soundeffekte und Social Media-Features. Manche Eigenheiten sind funktional, aber gewöhnungsbedürftig, etwa, dass das Spiel situationsabhängig selbst twittert, unabhängig vom Spieler. Reine Nice-to-haves sind dagegen Sondertastenbelegungen für den Altarianischen Dollar und andere fiktive Währungen. Doch letztlich ist es immer noch die textbasierte Interaktion mit dem Computer, die den besonderen Charme des „Hitchhiker’s Guide“ ausmacht – und in jeder Szene absurder wird.

Schon der Einstieg ist klassisch: als Held der Geschichte – Arthur Dent – wacht man verkatert in einem stockfinsteren Raum auf. Bittet man um ein „Inventory“, erhält man die Auskunft: „You have: a splitting headache, no tea“. Geht man im Raum herum, etwa auf der Suche nach der Tür, prallt man unvermeidlich gegen die Wand und bekommt noch mehr Kopfschmerzen. Natürlich kann man sich auch ganz einfach wieder ins Bett legen und noch ein bisschen dösen. Hmmm, aber war da nicht irgenwas mit Bauarbeiten? Genau. Plötzlich wird man von Baggern aufgeweckt, die das Haus abreißen, um Platz für eine Umgehungsstrasse zu schaffen. Ihnen folgt kurz darauf die vogonische Bauflotte und sprengt den ganzen Planeten weg, um Platz für die Hyperraum-Umgehungsstraße zu schaffen. Game Over. Dafür gibt’s jedoch den netten Hinweis: „Next time, try turning on the light“.