Kindle Touch im Test: Verdammt nah dran am echten Tablet

Im Krieg gegen die Knöpfe zieht Amazon mit der Konkurrenz gleich – das neue Kindle Touch lässt sich (fast) ausschließlich per Fingertipp auf dem Display bedienen. Übrig geblieben sind nur noch ein Home-Button und der Einschaltknopf. Die WLAN-Version des Touch-Screen-Readers mit kontraststarken Pearl-E-Ink gibt’s ab sofort für 129 Euro, für die 3G-Version muss man noch mal sechzig Euro drauflegen. Neben der Bedienung per Fingerwisch glänzt das neue Kindle Touch mit einer Akku-Laufzeit von zwei Monaten, Speicherplatz für 3000 E-Books und über 75.000 lieferbaren deutschen Titel. Im deutschsprachigen Kindle-Store lassen sich ausführliche Leseproben herunterladen. Externe Lautsprecher, Kopfhörerbuchse und integrierter MP3-Player machen das Kindle Touch auch zum Hörbuch-Player. Englischsprachige E-Books kann man sich dank „Text-to-Speech“-Funktion sogar vorlesen lassen. Wer auf maximalen Komfort zum günstigen Preis setzt, liegt mit dem neuen Kindle Touch goldrichtig. Unser Testurteil: Sehr gut („Five thumbs up“). Alles weitere verrät der Testbericht von E-Book-News…

Weniger Tasten, mehr Gewicht

Auf den ersten Blick unterscheidet sich das neue Kindle Touch kaum vom Basismodell der vierten Kindle-Generation, das bereits seit 2011 in Deutschland erhältlich ist (siehe unseren Testbericht). Weggefallen sind allerdings die Umblättertasten am linken und rechten Gehäuserand, ebenso die Funktionstasten neben dem Home-Button. Nimmt man das Gerät in die Hand, fällt sofort ein weiterer Unterschied auf: das Kindle Touch bringt spürbar mehr Gewicht auf die Waage (genauer gesagt je nach Version dreißig bis vierzig Gramm), die Dicke des Gerätes hat ebenfalls merklich zugenommen. Das Display liegt zudem etwas tiefer eingebettet im Gehäuse, damit auch die Infrarot-Sensoren für das Touch-Screen Platz finden. Dreht man das Kindle Touch auf die Rückseite, bemerkt man ein weiteres Feature – nämlich zwei externe Lautsprecher. An der Unterkante findet man zudem den Mikro-USB-Port, den Einschaltknopf sowie die Kopfhörerbuchse.

Easy-Reach-Technik: Lektüre per Fingertipp

Wer vom klassischen Tasten-Kindle auf das Kindle Touch umsteigt, muss sich zunächst etwas umgewöhnen. Auf dem Homescreen gibt es eine neue Kopfleiste mit Back-Button, Direkt-Link zum Kindle-Store, Such-Maske sowie Menübutton. Über den Menü-Button lassen sich alle wichtigen Einstellungen erreichen, etwa die Amazon Account-Daten, Zugangsdaten für das drahtlose Netzwerk sowie Privacy-Optionen. Will man auf dem Homescreen durch die persönliche Bibliothek navigieren, blättert man per Fingerwisch weiter, entweder von links nach rechts oder von oben nach unten. Öffnet man ein E-Book, ändert sich die Bedienung: der Bildschirm ist in verschiedene „aktive“ Bereiche aufgeteilt (Amazon nennt das die „Easy-Reach“-Technik). Tippt man auf den Seitenkopf, werden verschiedene Menüschaltflächen eingeblendet. Die rechten drei Viertel des unteren Seitenbereichs sind für das Vorwärtsblättern reserviert, ein schmaler Streifen am linken Seitenrand für das Zurückblättern. Per Fingerwisch von oben nach unten springt man zum nächsten Kapitel vor, ein Fingerwisch von unten nach oben blättert zurück zum vorherigen Kapitel.

Vom Zweifinger-Zoom bis zu X-Ray

Wie gewohnt lässt sich auch auf dem Kindle Touch die Leseansicht komfortabel auf die eigenen Bedürfnisse zuschneiden. Neben acht Zoomstufen stehen drei Schriftarten sowie drei verschiedene Zeilenabstände bzw. Zeilenbreiten zur Verfügung. Der Schriftgrößen-Zoom lässt sich am einfachsten mit einer Zweifinger-Geste direkt auf der jeweiligen Seite einstellen, wie man es vom Smartphone oder Tablet her gewohnt ist. Da es keinen analogen Button mehr für die Leseansicht gibt, muss man für die übrigen Textfunktionen zunächst mit einem Fingertipp das Menü einblenden, um dann links unten die Schaltfläche „Aa“ zu aktivieren. Direkt daneben findet man die Schaltfläche „Gehe zu“, mit der sich einzelne Kapitel direkt ansteuern lassen. Bei manchen Titeln wird zudem die Funktion „X-Ray“ angeboten. Das X-Ray-Menü bietet eine grafische Darstellung der Häufigkeit bestimmter Namen und Begriffe, und führt per Fingertipp zu einer kompletten Liste der jeweiligen Fundstellen im Text. Wer sich an „Ghosting-Effekten“ auf dem Display stört, kann übrigens unter Einstellungen/Seite aktualisieren den Screen-Refresh bei jedem Umblättern aktualisieren.

Social-Reading-Funktionen

Besonders bequem funktionieren auf dem Kindle Touch die erweiterten Textfunktionen wie etwa das Markieren von Passagen. Hat man mit dem Finger einen Abschnitt markiert, wird eine Menüauswahl eingeblendet – wahlweise kann man den Text über soziale Netzwerke weiterempfehlen, mit der virtuellen Tastatur eine Notiz hinzufügen oder den Text übersetzen lassen. Inwieweit der Kindle Reader Twitter, Facebook und Co. einbindet, kann man im Konfigurationsmenü unter „Leseoptionen“ einstellen. Zu den Social-Reading-Features gehört neben den „beliebten Markierungen“, also der Anzeige besonders häufig von Kindle-Nutzern markierter Textstellen auch das Hervorheben von Textstellen bzw. das Anzeigen von Notizen derjenigen Kindle-Anwender, denen man auf kindle.amazon.com folgt. Wer möchte, kann zudem sämtliche Anmerkungen, die zuletzt gelesene Seite wie auch thematische E-Book-Sammlungen auf dem Amazon-Server sichern.

Kindle Touch als Hörbuch-Player

Während die Basis-Version des Kindle 4 völlig ohne Sound-Funktionen daherkommt, steht beim Kindle Touch die volle Bandbreite zur Verfügung. Zunächst mal ist das neue Kindle ein Hörbuchplayer, sowohl über die externen Lautsprecher wie auch über Kopfhörer. Bei Audible heruntergeladene Hörbücher lassen sich Audiobooks in einer speziellen Menüansicht sogar kapitelweise abspielen. Die Lautstärke muss man mangels externer Buttons allerdings immer auf dem Touchscreen regeln. Lädt man Musikfiles im MP3-Format via USB-Verbindung zum Desktop-PC in den Kindle-Ordner „Music“, kann man die Tracks auch beim Lesen von E-Books im Hintergrund abspielen. Mit von der Partie ist natürlich auch die „Text-to-Speech“-Funktion, die aber wie bisher nur bei ausgewählten englischsprachigen Kindle-Books funktioniert.

Deutlicher Mehrwert gegenüber der Basisversion

Insgesamt bekommt man für 129 Euro – und damit für 30 Euro mehr als bei der Kindle-Basisversion – einen deutlichen Mehrwert, und das nicht nur, was die Audio-Features betrifft. Dank Touch-Screen ist auch die Nutzung des experimentellen Webbrowsers deutlich benutzerfreundlicher geworden. Die Akkulaufzeit hat sich mit nun zwei Monaten sogar verdoppelt. Beim E-Ink-Kontrast und der Reaktionsgeschwindigkeit des berührungsempfindlichen Displays liegt das Kindle Touch zudem gleichauf mit dem Kobo Touch und Sonys PR-T1. Ob sich der Umstieg für Nutzer des Kindle 3 („Kindle Keyboard“) bzw. dem „normalen“ Kindle 4 auf das Kindle Touch lohnt, ist allerdings fraglich. Wer vor allem mobil lesen möchte, ist mit der Basisversion für 99 Euro wohl genauso gut bedient. Eins ist jedoch klar: Solange das Kindle Fire in Deutschland noch nicht erhältlich ist, wird man mehr Tablet-Gefühl als mit dem Kindle Touch auf keinem anderen Amazon-Gerät bekommen. Unser Testurteil: jeweils ein „Sehr gut“ für Display/Kontrast, Usability sowie Content, und somit auch insgesamt ein „Sehr gut“ („Five thumbs up“).

Kindle Touch (WLAN/3G) Specs


Display

6 Zoll Pearl-E-Ink Touch-Screen, 600x800 Pixel, 16 Graustufen

Gewicht:

213/220 Gramm (WiFi/3G-Version)

Schnittstellen

USB, WLAN bzw. WLAN plus 3G

Interner Speicher

4 Gigabyte, benutzbar: 3 Gigabyte

E-Book-Formate

Kindle-Book, PDF, etc. (kein epub!)

Audio-Features

3,5 mm Kopfhörerbuchse, Externe Lautsprecher,Text-to-Speech

Preis

129 Eurobzw. 189 Euro

Von der Muse ungeküsst: Thalias neuer Oyo II im Test

Thalia hat zur Weihnachtsaison einen neuen WiFi-Reader mit Touch-Screen auf den Markt gebracht – der Oyo II soll mit schnellerem Prozessor, mehr Speicherplatz und besserem Kontrast einige Scharten des Vorgängermodells auswetzen. Zum Preis von 119 Euro wird der 6-Zoller sowohl online wie auch über die Thalia-Filialen vor Ort verkauft. Als Weihnachtsgeschenk lohnt sich der Oyo II aber nur bedingt. Denn die Performance des von Medion produzierten Gerätes kann immer noch nicht überzeugen. Das Touch-Screen reagiert viel zu träge, oft passiert sekundenlang gar nichts. Für viele anspruchsvollere Funktionen reichen Prozessorleistung und/oder Firmware offenbar nicht aus. Auch der Kontrast kann mit anderen aktuellen E-Ink-Readern nicht mithalten. Ob Sony Reader, Kobo Touch oder Kindle – technisch ist der Oyo der Konkurrenz unterlegen.

Trojanisches Weihnachtsgeschenk

Der Kindle-Reader ist ein trojanisches Weihnachtsgeschenk, findet E-Book-Pionier und Spiegel-Autor Jürgen Neffe. Das High-End-Gerät werde von Amazon geradezu verramscht, das aber mit Kalkül: die wachsende Zahl der Kindle-Besitzer würde schließlich auf Dauer die Marktmacht des Online-Buchhändlers stärken. Eine Art trojanisches Weihnachtsgeschenk ist aber auch Thalias Oyo II, wenngleich mit umgekehrtem Effekt. Nach einer Serie von Pannen beim Vorgängermodell hätte man eigentlich ein technisch weitgehend überarbeitetes Konzept erwartet. Doch bereits optisch ist alles beim alten geblieben – Thalias Oyo Nummer zwei kommt mit identischem Gehäuse auf den Markt. Wie bisher gibt’s nur vier externe Tasten zur Steuerung, neben dem Ein- und Ausschaltknopf findet man am rechten Displayrand den Home-Button und zwei Umblättertasten. Die Außenmaße des Readers liegen mittlerweile deutlich über denen von vergleichbaren 6-Zoll-Lesegeräten, gleiches gilt für das mit 260 Gramm etwas hohe Gewicht. Die Schnittstellen des Oyo findet man an der Unterkante – neben einem Einschub für Speicherkarten gibt es einen Mikro-USB-Port sowie eine Kopfhörerbuchse.

Langer Marsch zum Lesevergnügen

Die Inbetriebnahme des Oyo II stellt den Kunden vor einige Hürden. Einfach einschalten und lesen geht nämlich nicht. Vorher muss das Gerät via W-LAN registriert werden – die Prozedur beinhaltet ggf. auch das Anlegen eines Kundenaccounts. Theoretisch kann man das auf der virtuellen Tastatur des Touch-Screen-Readers erledigen. Doch das flackernde Display und vor allem die langsame, oft auch ausbleibende Reaktion des Touch-Screens macht die Eingabe der Kundendaten zur Qual. Empfehlenswert ist deswegen der Umweg über den Browser eines Desktop-PCs. Gleiches gilt für die Eingabe der Zahlungsinformationen, ohne die man im E-Store auch keine kostenlosen Titel herunterladen kann. Immerhin ist die Einrichtung des Oyo II in der beigelegten Schnellstartanleitung sehr schön dokumentiert („In fünf Schritten zu Ihrem Lesevergnügen“).

Zu Hause auf dem Home-Screen

Im ausgeschalteten Zustand zeigt der Oyo eine Bildschirmschoner-Grafik an. Bei Aktivierung fährt das Gerät in wenigen Sekunden hoch. War vor dem Ausschalten ein E-Book geöffnet, gelangt man automatisch auf die gerade gelesene Seite zurück. Das Home-Screen („Startseite“) ist übersichtlich mit grafischen Elementen gestaltet. Die obere Hälfte zeigt vier Miniaturcover aus der E-Bibliothek an sowie in einem zusätzlichen Bereich den zuletzt gelesenen Titel. Die untere Hälfte des Home-Screens führt zum Thalia-Shop sowie zu Einstellungen, Extras (u.a. Webbrowser, Audioplayer) sowie zu den „Nachrichten“. Denn via W-Lan empfängt der Oyo aktuelle Buchempfehlungen sowie den Thalia-Newsletter. Unter „Einstellungen“ kann man die Häufigkeit des Screen-Refreshs einstellen („Häufigkeit der Bildschirmaktualisierung“). Weniger Screen-Refreshs sorgen für längere Akkulaufzeit.

Lesen auf dem Touch-Screen

E-Books im epub-Format werden problemlos angezeigt, PDF-Dateien dagegen lassen sich durch eine fehlende Reflow-Funktion nicht komfortabel lesen. Die Leseansicht lässt sich komplett über das Touch-Screen steuern. Umgeblättert wird per Fingerwisch (alternativ mit den Umblätter-Tasten), das doppelte Antippen einzelner Worte aktiviert die Wörterbuch- und Lexikon-Funktion. Neben dem Langenscheidt-Wörterbuch Deutsch/Englisch bzw. Englisch/Deutsch ist das Konversationslexikon von wissen.de vorinstalliert. Der Aufruf der jeweiligen Artikel dauert jedoch viel zu lange, somit ist gar nicht direkt feststellbar, ob das Antippen überhaupt registriert wurde. Nicht viel besser funktionieren einfache Menüfunktionen wie etwa das Ändern der Schriftgröße oder die Auswahl des Schriftfonts. Wählt man eine neue Fontart, friert das Display bis zu fünfzehn Sekunden lang ein. Das Schreiben von Anmerkungen im Rahmen der Lesezeichenfunktion ist ebenfalls nicht ganz so einfach – denn die virtuelle Tastatur reagiert viel zu träge auf die Eingaben. Dazu kommen störend flackernde Screen-Refreshs, bei denen die Tastatur für Sekundenbruchteile komplett verschwindet.

Drahtlos im Thalia-Shop

Zu den großen Vorteilen des Oyo-Readers gehört der integrierte E-Store. Der Thalia-Shop ist grafisch schön gestaltet und inhaltlich gut aufbereitet. Tipps von einzelnen Thalia-Buchhändlern und Leser-Rezensionen erleichtern die Auswahl der Lektüre. Der Seitenaufbau dauert allerdings selbst bei guter Netzanbindung deutlich zu lange. Im Unterschied zum Kindle- oder Kobo-Store lassen sich leider auch keine Leseproben herunterladen. Über das „Extra-Menü“ kann man sich via Webbrowser auf die Suche nach E-Books gehen oder eine Google- oder Wikpedia-Recherche tätigen. Doch auch hier geht alles nur in Zeitlupe, vom Scrollen durch eine Seite bis zum Einzoomen in den Text. Ein wirkliches Surferlebnis kommt dabei nicht auf. Weitere Extra-Funktionen sind der Audio-Player, eine Notizbuch-Funktion sowie ein Bildbetrachter.

“Einfach genial lesen“

Dem selbst gesetzten Motto „einfach. genial. lesen“ wird Thalias Oyo II im Kern tatsächlich gerecht. Denn die Lektüre selbst funktioniert gar nicht mal so schlecht. Sobald es aber um mehr als nur Umblättern geht, fällt das Gerät weit hinter vergleichbare Modelle zurück. Die kaum teureren Touch-Screen-Reader von Kobo oder Sony bieten nicht nur besseren Kontrast als das SiPix-Display des Oyo II, sondern prompt reagierende Benutzeroberflächen, die wirklich das Gefühl von direkter Interaktion zwischen Mensch und Reader aufkommen lassen. Manches wird beim Oyo II vielleicht durch neue Firmware-Updates noch zu verbessern sein, doch wer nicht für 119 Euro zum Beta-Tester werden möchte, sollte vorerst besser auf den Kauf des neuen Oyos verzichten. Wer auf Touch-Screen verzichten kann, bekommt mit dem Kindle 4 deutlich mehr Komfort für weniger Geld. Legt man zehn oder zwanzig Euro drauf, bekommt man mit dem Kobo-Touch oder der neuen Sony Reader Touch Edition Lesegeräte in die Hand, die im vollen Umfang halten, was Thalias Oyo bisher leider größtenteils nur verspricht.

Oyo II (Thalia.de)


Display

6 Zoll SiPix Touch-Screen, 600×800 Pixel, 16 Graustufen

Gewicht:

260 Gramm

Schnittstellen

USB, WLAN

Speicher

4 Gigabyte intern, max. 32 Gigabyte extern

E-Book-Formate

epub (DRM), PDF (DRM)

Audio-Features

MP3-Player, 3,5 mm Kopfhörerbuchse

Preis

119 Euro (Thalia)

Kompakt & sprachbegabt: „deutsches“ Kindle 4 im Test

Man spricht deutsch – das gilt jetzt auch für Amazons Kindle. Die Low-Cost-Version des Kindle 4 ist komplett lokalisiert worden, vom Menü bis zum Kindle-Store. Rein äußerlich gleicht das kompakte Gerät den schlichten Sony-Readern, denn die Qwerty-Tastatur ist weggefallen. Verzichten muss man auch auf Text-to-Speech und sonstige Audio-Funktionen. Ansonsten verbirgt sich unter der Haube bewährte Amazon-Qualität – vom Pearl-E-Ink-Display bis zur komfortablen Leseansicht mit zahlreichen Textfunktionen. An Content mangelt es ebensowenig, denn der Kindle-Store ist prall gefüllt mit aktuellen deutschsprachigen Titeln. Natürlich wäre alles noch schöner, wenn Amazon endlich den epub-Standard unterstützten würde. Doch ansonsten gilt: Für 99 Eurobekommt man mit der Basisversion des Kindle 4 den besten E-Ink-Reader in dieser Preisklasse.

Minimalistisches Design

Das klassische Kindle heißt jetzt Kindle Keyboard, denn das Keyboard fehlt bei der neuesten Modellreihe. In den USA gibt es das kompakte Kindle 4 auch mit Touch-Screen und 3G/UMTS, in Deutschland ging bisher nur die WiFi-Basisversion an den Start. Geliefert wird das Mini-Kindle platzsparend im schmalen braunen Karton mit großem Amazon-Logo. Neben dem Gerät selbst findet man darin noch eine Kurzanleitung und das USB-Ladekabel. Ein Steckdosenadapter ist nicht mit dabei. Vom äußeren versprüht das Kindle 4 wirklich minimalistischen Charme – es sind kaum noch Knöpfe zu sehen. Außer den Umblättertasten am rechten und linken Geräterand gibt es lediglich das Cursorpad direkt unter dem Display, eingerahmt von vier Funktionstasten (Back-Button, Keyboard-Taste, Menü-Taste, Home-Button). Mangels Audiofunktionen fallen natürlich Lautsprecheröffnungen wie Kopfhöreranschluss weg – übrig bleiben an der unteren Gerätekante nur noch Einschaltknopf und Mikro-USB-Port.

Das Kindle 4 spricht deutsch

Das matte, silbergraue Gehäuse schimmert metallisch und fühlt sich etwas kälter an als die Kunststoff-Einfassung des Kindle 3. Durch die aufgerauhte Rückseite liegt das Kindle 4 gut in der Hand, etwas schmaler und leichter ist es ja ohnehin. Im Ruhezustand sieht man bereits eine optische Veränderung – Amazon hat die Bildschirmschoner ausgetauscht. Statt Jules Verne, Oscar Wilde oder Jane Austen blickt man auf typografische Motive und klassische Schreibgeräte. Das Einschalten verläuft gewohnt rasant, man landet automatisch auf der zuletzt gelesenen Seite, bzw. im Hauptmenü. Beim ersten Start des Kindle 4 trifft man die Wahl der Menüsprache – neben Englisch (USA/UK) stehten Deutsch, Spanisch, Französisch, Italienisch und Brasilianisch zur Verfügung. Neben der deutschen Menüführung gibt es auch endlich eine deutschsprachiges Benutzerhandbuch sowie den Duden als Standard-Wörterbuch.

Komfortable Lesefunktionen

Beeindruckend sind die Möglichkeiten, das Layout von E-Book-Seiten den persönlichen Bedürfnissen anzupassen. So sind nicht nur verschiedene Schriftgrößen einstellbar, sondern auch der Zeilenabstand („Klein, Mittel, Groß“), Zeilenbreite und Schriftfont („Normal, Schmal, sans serif“). Zu den nützlichsten Zusatzfunktionen gehören sicherlich die mitgelieferten Wörterbücher, neben dem Duden auch das New Oxford American English Dictionary. Mit den Richtungstasten lassen sich so Worterklärungen aufrufen, sobald man mit dem Cursor ein einzelnes Wort ansteuert. Kurzerklärungen werden am Fuß der Seite eingeblendet, über die Returntaste auf der Kindle-Tastatur gelangt man auf den kompletten Wörterbucheintrag. Um Stichwörter zu suchen oder Kommentare einzugeben, blendet man über die Keyboard-Taste eine virtuelle Tastatur ein. Die Auswahl der Buchstaben erledigt man über das Cursor-Pad – das geht natürlich langsamer als mit einem Touch-Screen oder einer realen Tastatur. Die Basisversion des Kindle 4 ist eben auf das wesentliche beschränkt, das Lesen selbst steht im Mittelpunkt.

Software-Update verhindert Ghosting-Effekte

Im direkten Vergleich zum Kindle 3 fällt dabei schnell auf, dass die Textdarstellung nicht ganz so scharf erscheint und die Buchstaben etwas heller ausfallen. Im Hintergrund machen sich zudem leichte Ghosting-Effekte bemerkbar, es bleiben also nach dem Umblättern Spuren der vorherigen Seite sichtbar. Ähnlich wie beim neuen Kobo Touch findet im Lieferzustand nämlich nicht nach jedem Umblättern ein kompletter Screen-Refresh statt. Erst nach jeder sechsten Seite bemerkt man das typische schwarze Hintergrundflackern. Der Verzicht auf den Screen-Refresh beschleunigt das Umblättern und spart Strom. Doch das minderwertige Layout nervt nach einiger Zeit spürbar. Zum Glück lässt sich das Problem mittlerweile beheben – dazu muss man allerdings das Kindle Software-Update 4.0.1 installieren. Im Menü „Einstellungen“ lässt sich dann (nach nochmaligem Drücken der Menü-Taste) in der Rubrik „Seite aktualisieren“ die Option „E-Ink-Anzeige mit jdem Umblättern aktualisieren“ einschalten.

Synchronisation & Social Reading via WiFi

Hat man bereits E-Books auf einem anderen Kindle bzw. über die Kindle-App gekauft, kann man via WiFi gleich die Synchronisations-Fähigkeiten des Kindle 4 nutzen – so ist die Bibliothek dann schnell gefüllt. Auch elektronische Zeitungs- und Zeitschriften-Abos werden auf das neue Gerät übertragen. Anstreichungen, Anmerkungen und Bookmarks stehen natürlich auf dem neuen Kindle ebenfalls zur Verfügung. Wer die Social-Reading-Funktionen wie etwa das „Higlighting-Feature“ und das Twittern & Facebooken seiner Lesefrüchte nutzen will, muss diese im Einstellungen-Menü konfigurieren. Zudem kann man über die Aktivierung der „öffentlichen Notizen“ auch Markierungen und Notizen von Personen anzeigen, denen man auf kindle.amazon.com folgt. Man sollte sich natürlich bewusst sein, dass man bei Nutzung aller Features sehr viele Informationen über den persönlichen Leseprozess preisgibt. Immerhin sind im Lieferzustand alle Social-Media-Kanäle ausgeschaltet, man entscheidet also selbst, wo die Grenzen der Privatsphäre verlaufen.

Shoppen im deutschen Kindle-Store

Der deutsche Kindle-Store präsentiert sich auf dem E-Ink-Display sehr aufgeräumt. Unter dem Stichwort “Browse” gibt es die Optionen German Books, English Books, Newspapers und Magazines. Im deutschen Bereich warten mehr als 45.000 Titel, aufgeschlüsselt nach Rubriken wie „Belletristik“, „Biografien & Erinnerungen“, „Business & Karriere“ etc. Geordnet sind die Titel der einzelnen Themenbereiche Amazon-typisch nach dem Bestseller-Ranking. Unter dem Punkt „Kindle Bestseller“ findet man deutschsprachige Titel, an erster Stelle zur Zeit etwa der Berlin-Gothic-Thriller von Jonas Winner. Abgeschlossen wird die Startseite des Kindle-Stores mit den Rubriken „Kindle Post“, wohinter sich zukünftig deutschsprachige Amazon-Pressemitteilungen zum Thema E-Reader und E-Books verbergen, sowie E-Book-Empfehlungen, die sich an bisherigen Einkäufen des jeweiligen Nutzers bei Amazon orientieren.

Fazit: es lohnt sich

Mittlerweile umfasst die Produktpalette von Amazon inklusive Kindle Fire sechs Geräte, von denen allerdings erst drei in Deutschland lieferbar sind: neben der hier getesteten Basisversion die Kindle-Keyboard-Modelle mit WiFi bzw. 3G/UMTS. Die Preise für die klassischen Kindle-Reader sind mit der Einführung des Kindle 4 nochmal deutlich gesenkt worden, sie sind jetzt für 119 bzw. 159 Euro erhältlich. Das macht die Kaufentscheidung etwas schwierig. Der Abstand der WiFi-Version des Mini-Kindle 4 zur WiFi-Keyboard-Version beträgt schließlich nur 20 Euro. Man muss also wissen, was man wirklich braucht. Vom reinen Leseerlebnis her unterscheiden sich das alte und das neue Kindle nicht. Wer auf Audio-Funktionen verzichten kann und auch nicht intensiv Twittern oder lange Anmerkungen oder Notizen eingeben möchte, ist dürfte mit der kompakten Version für 99 Euro optimal ausgestattet sein. Kein anderes Lesegerät bietet zur Zeit ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis.

Kindle WiFi (ohne Keyboard) Specs


Display

6 Zoll Pearl-E-Ink, 600x800 Pixel, 16 Graustufen

Gewicht:

170 Gramm

Schnittstellen

USB, WLAN

Interner Speicher

2 Gigabyte, benutzbar: 1,25 Gigabyte

E-Book-Formate

Kindle-Book, PDF, etc. (kein epub!)

Audio-Features

keine

Preis

99 Euro (Amazon.de)

Schneller shoppen, schöner lesen: Kobo eReader Touch Edition im Test


Touch-Screen plus WiFi wird zum neuen Standard für E-Reader. Kobos kompaktes neues 6-Zoll-Gerät bringt aber noch eine Reihe weiterer Features mit: neben der Syncing-Fähigkeit zwischen Kobo-App und Kobo-Reader gehört dazu die „Reading Life“-App, mit der sich die persönliche Leseleitung visuell auswerten lässt. Optisch kommt der Kobo Touch wie ein Tablet daher – bis auf den Home-Button sind alle Bedienelemente auf das Display gewandert. Wie bei Kobo üblich ist nicht nur das Gehäuse sorgfältig designt, sondern auch die grafische Menüführung wirklich was für’s Auge. Für 129 Euro ist Kobos neues Lesegerät seit Mitte November in Deutschland lieferbar -- zur Zeit ausschließlich über den Elektronik-Discounter Redcoon. [Update: Seit Mai 2012 wird der Kobo Touch für 99 Euro angeboten]

Viel Lese-Komfort, aber keine Audio-Funktionen

Kobo-Store und Kobo-App sind bereits in Deutschland angekommen, demnächst folgt mit dem Kobo Touch auch der passende E-Reader dazu. Höchste Zeit also, sich das Gerät mal näher anzusehen. E-Book-News hat die englischsprachige Version des neuen Lesegerätes made in Kanada getestet -- eine „lokalisierte“ Firmware gibt’s nämlich offiziell noch nicht. Im Vergleich zum Vorgängermodell hat Kobo den Reader deutlich verschlankt – von den Maßen her ähnelt der neue Kobo Touch der Reader Touch Edition von Sony, ist mit nur 185 Gramm Gewicht aber deutlich leichter. Auf mediale Extras wie das Abspielen von MP3s muss man allerdings verzichten, der neue Kobo Touch ist ein reines Lesegerät. Erster Eindruck: Die Kombination von kontraststarkem Pearl-E-Ink, Infrarot-Touch-Technologie und schnellem Prozessor macht die Lektüre besonders komfortabel. Das Display reagiert angenehm schnell, per Fingerwisch oder Fingertipp gelingen rasante Seitenwechsel. Und Shoppen im integrierten E-Store macht via Touch-Screen wirklich mal Spaß.

Am Desktop-Manager kommt niemand vorbei

Lieferbar ist der Kobo Touch in den Gehäusefarben weiß und schwarz, beim gemusterten Griffprofil auf der Rückseite hat man jeweils die Wahl zwischen lila, blau, silber und schwarz. Neben dem Home-Button und Einschaltknopf hat das Gerät einen Einschub für SD-Karten sowie einen Mikro-USB-Port. Zum Lieferumfang gehört neben dem Reader selbst ein Schnellstart-Guide sowie ein USB-Ladekabel. Ganz so schnell geht der Start allerding nicht vonstatten: Um den Kobo Touch normal nutzen zu können, muss man zunächst den Kobo-Desktop-Manager auf PC oder Mac installieren, den Reader via USB verbinden und online registrieren. Wer noch kein Kobo-Account hat, kann sich während dieser Prozedur mit Namen und E-Mail-Adresse neu anmelden. Wurde zuvor bereits die Kobo-App auf iPhone oder iPad installiert, synchronisiert der Desktop-Manager automatisch die E-Bibliothek und überträgt bereits gekaufte E-Books auf den Reader. Außerdem wird die neueste Firmware (Version 1.9.9) aufgespielt, die u.a. erweiterte Menüfunktionen für die Leseansicht und zusätzliche Fonts bereitstellt.

Zu Gast auf dem Home-Screen

Ausgangspunkt für alle Streifzüge durch das Kobo Touch-Menü ist der Home Screen. Im Zentrum blickt man auf ein Cover-Mosaik der gerade gelesenen E-Books. Mit „Library“, „Store“ und „Reading Life“ hat man per Fingertipp direkten Zugang zur E-Bibliothek, zum E-Store sowie zu den Reading-Life-Funktionen. Drei kleine Symbole führten zu den Geräte-Einstellungen (etwa: W-LAN-Konfiguration), der Bedienungsanleitung sowie zur drahtlosen Synchronisierung zwischen Reader & Kobo-Account. Die E-Bibliothek bietet nicht nur verschiedene Ansichten von der Liste bis zum einzelnen Cover-Bild, sondern auch die Sortierung nach Autor, Titel oder letztem Lesedatum. Die Lieblings-Titel kann man zudem einer separaten „Shortlist“ zuordnen. In einer Extra-Liste sind die Leseproben versammelt. Ein paar Dutzend befinden sich bereits im Lieferzustand auf dem Reader, weitere kann man sich im E-Store kostenlos herunterladen.

Shoppen und lesen

Via W-Lan-Verbindung gelangt man direkt in den deutschen Kobo-Store, der bereits mit mehr als 80.000 Titeln gefüllt ist. Neben kommerziellen E-Books (Fiction/Non-Fiction) gibt es auch eine Rubrik mit kostenloser Lektüre. Standard-Format im Kobo-Store ist epub mit Adobe DRM, diese Dateien werden in der E-Bibliothek dann auch entsprechend angezeigt („Kobo epub“). Nur bei solchen Titeln lassen sich -- abgesehen vom Wörterbuch -- erweiterte Textfunktionen nutzen, also das Markieren von Passagen oder das Teilen von Zitaten via Facebook. Die Leseansicht kann bei allen epub-Titeln komfortabel angepasst werden – von der Auswahl verschiedener Schrifttypen über Fontgröße, Zeilenabstand, Seitenrand bis hin zum Block- oder Flattersatz. PDF-Dokumente können in mehreren Stufen gezoomt werden, mit dem Finger auf dem Display scrollt man dann auf der jeweiligen Seite hin- und her. Wer sich genauer über die eigene Leseleistung informieren will, kann dazu die Reading-Life-App nutzen. Unter „Reading Stats“ wird etwa angezeigt, wieviele Stunden man bereits im aktuellen E-Book gelesen hat, und wieviele E-Books insgesamt schon konsumiert worden sind. Als besonderes Incentive gibt’s bei bestimmten Leistungen spezielle „Awards“, etwa, wenn man besonders oft das Wörterbuch benutzt („Word up!-Award“), Textpassagen via Facebook teilt („Facebook-Award“) oder zur Geisterstunde liest („Witching Hour-Award“).

Versteckte Extras

Einige zusätzliche Funktionen des neuen Kobo-Touch sind leider etwas versteckt: so etwa der integrierte Web-Browser. Man aktiviert ihn über Settings/Wireless Connection. Wie alle E-Ink-Surfumgebungen ist auch diese nur bedingt zu gebrauchen. Doch es gibt weitere „Nice to have“-Elemente: Unter Settings/Extras verbirgt sich ein kleines Zeichenprogramm, mit dem sich Ad-Hoc-Fingerskizzen auf dem Touch-Screen erstellen lassen. Gut zu wissen ist außerdem, dass man in der Leseansicht unter „Advanced Settings“ auch die Page-Refresh-Rate verändern kann. Voreingestellt ist ein kompletter Page-Refresh bei jedem sechsten Umblättern, um den Seitenwechsel zu beschleunigen. Wird die Seite jedoch nicht jedesmal komplett gelöscht, bleiben ein paar Spuren erhalten, es stellt sich ein störender „Ghosting-Effekt“ ein. Stellt man einen niedrigeren Wert ein, bessert sich das. Insgesamt liefert Kobo mit der kompakten Touch-Version ein ebenso solide wie liebevoll designtes Lesegerät, das durch seinen Komfort gerade Viellesern entgegenkommen dürfte. Die Gretchenfrage im E-Ink-Bereich dürfte ab jetzt lauten: Kindle oder Kobo?

Kobo Reader Touch Edition


Display

6 Zoll Pearl-E-Ink Touch-Screen,
600x800 Pixel (16 Graustufen)

Masse & Gewicht

114mm X 165mmx10mm; 200 Gramm

Schnittstellen

USB, WLAN

Prozessor

Freescale 508 Processor

Interner Speicher

1 GB, erweiterbar durch Mikro-SD-Karte (max. 32 GB)

E-Book-Formate

epub (DRM), PDF

Zus. Features

Reading-Life-App, E-Store

Preis

99 Euro (Redcoon)

Kindle 3 im Reader-Test: Maximaler Kontrast & Content zum minimalen Preis

Mit dem Start des deutschen Kindle-Shops ist Amazons aktueller E-Reader zum Branchenprimus avanciert. Für 119 Euro bietet das Kindle 3 mehr Kontrast und mehr Content als jedes andere Lesegerät auf dem deutschen Markt. Aber auch im Vergleich zu den Vorgängermodellen K1 & K2 ist es ein Hingucker: Das Äußere hat sich deutlich gewandelt, das Kindle ähnelt vom Gewicht und den Maßen her jetzt 6-Zoll-Geräten wie etwa dem Cybook von Bookeen. Alles weitere in unserem ausführlichen Kindle-Testbericht.

Mimikry: Das Kindle-Paket sieht aus wie eine Büchersendung

Das Paket sah auf den ersten Blick aus wie eine Büchersendung – doch ein kleiner Aufkleber mit MAC-Adresse verriet dann doch den Inhalt: Amazons Kindle 3. Öffnet man den schlichten Karton, blickt man gleich auf den E-Reader selbst, der lediglich mit einer Schutzfolie beklebt ist. Auf dem E-Ink-Display ist sogar schon etwas zu lesen – eine Kurzanleitung zum Aufladen und Starten des Lesegerätes. Viel mehr ist im Karton nicht drin. Zum weiteren Lieferumfang gehört nur noch ein USB-Kabel und ein „Quick Start Guide“. Wer das Kindle nicht nur via USB-Anschluss laden möchte, sollte sich beim Kauf also gleich den Steckdosen-Adapter mitbestellen. (Tipp: Zur Zeit lohnt sich das besonders -- denn der Kaufpreis von 9,99 Euro wird von Amazon erstattet, wenn die Bestellung zusammen mit dem Kindle erfolgt.) Für die Basisversion an sich zahlten deutsche Kunden bis Anfang 2011 inklusive Versandkosten und Zollgebühren umgerechnet knapp 150 Euro. Seit dem Start des deutschen Kindle-Shops war das Gerät versandkostenfrei für 139 Euro zu haben, mittlerweile wurde der Preis auf 119 Euro gesenkt. Die Menüführung des „deutschen“ Kindles Keyboard ist -- anders als bei den aktuellen Kindle-Apps -- auch weiterhin auf englisch.

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Weniger ist mehr: Die Ausstattung des Kindle 3 ist überschaubar

Das Basismodell des Kindle 3 mit WLAN-Karte wiegt knapp 240 Gramm und liegt leicht in der Hand. Die Ausstattung ist überschaubar. Unter dem 6-Zoll-Display befindet sich eine QUERTY-Tastatur mit kleinen runden Tasten. Für Sonderzeichen („Symbols“) gibt es eine „SYM“-Taste, zum Verändern von Schriftgröße, Font und Zeilenabstand eine Taste mit der Aufschrift „aA“. Davon abgesetzt sind rechteckige Funktionstasten mit der Bezeichnung „Home“, „Menu“ und „Back“. Wichtig zur Navigation und zum Auswählen von Menupunkten ist der quadratische „5 way Controller“. Links und rechts vom Display sind jeweils zwei längliche Tasten zum Umblättern angebracht. Alle externen Anschlüsse des Kindle 3 befinden sich an der unteren Seitenkante – genauer gesagt eine Kopfhörerbuchse und der Mikro-USB-Port, der auch zum Aufladen des Akkus genutzt wird. Daneben findet sich passenderweise ein Kippschalter zur Laustärkeregelung und der Einschaltknopf. Dreht man das Kindle 3 um, fällt übrigens noch eine Besonderheit auf: es gibt an der oberen rechten und linken Ecke der Rückseite Schallöffnungen für die Lautsprecher.

Mein Kindle, dein Kindle: Automatisch auf den Käufer registriert

Vor der Inbetriebnahme muss auch beim Kindle 3 zunächst der Akku geladen werden – es gilt also, das Ladekabel einzustöpseln. Das Lesegerät quittiert dies mit einer veränderten Bildschirmanzeige, unter dem Amazon-Logo sieht man einen von links nach rechts wachsenden Ladebalken. Außerdem leuchtet neben dem Mikro-USB-Port ein oranges LED-Lämpchen. Ungeduldige dürfen das Kindle theoretisch jetzt schon starten. Wir haben noch gewartet, bis die LED-Lampe auf grün wechselte. Auf dem E-Ink-Screen war bereits eins der Kindle-typischen Coverbilder zu sehen, die entweder Portraits berühmter Schriftsteller zeigen oder historische Buchillustrationen. Darunter steht jeweils die Aufforderung: „Slide and release the power switch to wake“. Tut man das, gelangt man normalerweise dann auf den Home-Bildschirm, auf dem die zuletzt geöffneten E-Books, Zeitungen oder sonstigen Dokumente aufgelistet sind. Neben dem Namen des Titels steht dabei der Name des Autors, bei Presseerzeugnissen das Erscheinungsdatum der zuletzt gekauften Ausgabe. Kommt das Kindle frisch aus der Verpackung, landet man allerdings zunächst im User’s Guide. Dort gibt’s erst einmal einen Überblick der wichtigsten Funktionen. Außerdem erfährt man, warum auf der Statusleiste des Home-Screens der eigene Name prangt („Ansgar’s Kindle“) -- kauft man das Kindle 3 nämlich für sich selbst, ist es bereits mit dem persönlichen Amazon-Account verbunden, eine weitere Registrierung entfällt also.

Stromspar-Modus: Der WiFi-Betrieb kann abgeschaltet werden

Um die Einrichtung des Kindle 3 abzuschließen, fehlt bei der Basisversion dann nur die Verbindung ins WLAN-Netz. Die MAC-Adresse des Kindle 3 findet man über den „Menu-Button“ bei den Einstellungen („Settings“). Kleiner Tipp: Noch einfacher geht’s mit einem Blick auf die Verpackung. Denn an der unteren Kante ist ein Aufkleber angebracht, der ebenfalls die MAC-Nummer verrät. Wählt man bei den Einstellungen den Menupunkt Wi-Fi-Settings aus, bekommt man alle aktiven drahtlosen Netzwerke angezeigt. Um das Kindle 3 mit dem gewünschten Router zu verbinden, braucht man jetzt nur noch das Passwort eingeben. Wenn die Verbindung steht, wird neben einem Wi-Fi-Symbol in der Statusleiste auch die Qualität der Verbindung angezeigt. Ist das Kindle in keinem Netz eingeloggt, fehlt das WiFi-Symbol. Alternativ kann in der Statusleiste allerdings auch das Wort „Off“ stehen. Denn zu den Vorzügen des Kindle 3 gehört es schließlich, das man den WiFi-Modus komplett abschalten kann, um den Akku zu schonen.

Persönliche Bibliothek kommt per Sync-Befehl auf’s Kindle 3

Im Lieferzustand gibt es nur drei Dokumente auf dem Home-Screen – das New Oxford American Dictionary, den Kindle User’s Guide und einen „persönlichen“ Brief von Jeff Bezos, der dem Leser „happy reading“ wünscht. Außerdem empfiehlt Jeff Bezos: „Besuchen Sie den Kindle Store“. Möchte man ein Kindle-E-Book, eine Zeitung oder eine Zeitschrift lesen, führt daran auch kein Weg vorbei. Es sei denn, man hat sich bereits zuvor mit Hilfe der Kindle-App auf Desktop, iPad oder Smartphone mit Lektüre versorgt. Oder man besaß bereits vorher einen Kindle-Reader der ersten oder zweiten Generation. Dann genügt es, auf dem Home-Screen die Menu-Taste zu drücken und „Sync&Check for Items“ auszuwählen. Das Kindle 3 wird dann automatisch mit der persönlichen Bibliothek in der Rechnerwolke synchronisiert.

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Shoppen im deutschen Kindle-Store

Der deutsche Kindle-Store präsentiert sich auf dem E-Ink-Display sehr aufgeräumt. Unter dem Stichwort „Browse“ gibt es die Optionen German Books, English Books, Newspapers und Magazines. Im deutschen Bereich warten mehr als 25.000 Titel, aufgeschlüsselt nach Rubriken wie „Belletristik“, „Biografien & Erinnerungen“, „Business & Karriere“ etc. Geordnet sind die Titel der einzelnen Themenbereiche Amazon-typisch nach dem Bestseller-Ranking. Im englischsprachigen Shop warten sogar mehr als 660.000 Kindle-Books. Unter dem Punkt „Kindle Bestsellers“ findet man jetzt nur noch deutschsprachige Titel, an erster Stelle zur Zeit etwa den Krimi „Verwesung“ von Simon Beckett. Abgeschlossen wird die Startseite des Kindle-Stores mit den Rubriken „Kindle Post“, wohinter sich zukünftig deutschsprachige Amazon-Pressemitteilungen zum Thema E-Reader und E-Books verbergen, sowie E-Book-Empfehlungen, die sich an bisherigen Einkäufen des jeweiligen Nutzers bei Amazon orientieren. Beim Shoppen im Kindle Store muss man nicht unbedingt das Portemonnaie zücken. Denn zum einen gibt’s dort eine große Zahl von kostenlosen Public Domain-Titeln, zum anderen lassen sich von jedem kommerziellen Titel Leseproben herunterladen. Hat man einen Titel ausgewählt, läuft der Download im Hintergrund ab, in der Zwischenzeit kann man weiter den Katalog durchsuchen. Bei deutschsprachigen Zeitungen und Zeitschriften sieht es noch etwas mager aus, das Angebot beschränkt sich auf FAZ, ZEIT, NZZ und die Wirtschaftswoche. Einzelne Ausgaben gibt‘s für 0,99 Cent, ein Abo kostet 29,99 Euro pro Monat (nur bei der ZEIT: 4,99 Euro). Kostenlos testen kann man die Gazetten mit einem 14-tägigen Probeabo.

Beeindruckend sind die Möglichkeiten zur Layout-Anpassung

Kein anderes E-Ink-Gerät bietet zur Zeit ein mit dem Kindle 3 vergleichbares Leseerlebnis. Das liegt nicht allein am verbesserten Kontrast, für den das neue Display mit Pearl-E-Ink-Technik verantwortlich zeichnet. Beeindruckend sind auch die Möglichkeiten, das Layout von E-Book-Seiten den persönlichen Bedürfnissen anzupassen. So sind nicht nur verschiedene Schriftgrößen einstellbar, sondern auch der Zeilenabstand („Small, Medium, Large“), Zeilenbreite und Schriftfont („regular, condensed, sans serif“). Zu den nützlichsten Zusatzfunktionen gehört sicherlich das mitgelieferte New Oxford American English Dictionary (die deutschen Kindle-Apps haben dagegen jetzt standardmäßig den Duden eingebaut). Mit den Richtungstasten lassen sich so auf den Seiten von englischen E-Books Worterklärungen aufrufen, sobald man mit dem Cursor ein einzelnes Wort ansteuert. Kurzerklärungen werden am Fuß der Seite eingeblendet, über die Returntaste auf der Kindle-Tastatur gelangt man auf den kompletten Wörterbucheintrag. Dank der Text-to-Speech-Funktion kann man sich englische Texte auch vorlesen lassen. Die Qualität der virtuellen Stimme ist zwar nicht mit einem Hörbuch vergleichbar, gerade für sehgeschädigte Menschen dürfte das Kindle dadurch aber zum E-Reader der Wahl werden. Zumal als Option das Text-to-Speech auch auf die Menuführung ausgedehnt werden kann.

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Experimental-Funktionen: Text-to-Speech & Web-Browser

Die Text-to-Speech-Funktion findet man im Hauptmenu unter dem Punkt „Experimental“. Zu den experimentellen Funktionen des Kindle 3 gehört auch ein Web-Browser. Die ähnlich wie auch Apples Safari auf der Webkit-Engine basierende Anwendung wurde optimiert für das Lesen von Texten. Um diese Möglichkeit zu nutzen muss man den sogenannten „Artikel-Modus“ wählen, der dann respektable Ergebnisse liefert, sei es bei der Web-Präsenz der New York Times, sei es auf taz.de oder bei einer Wikipedia-Recherche. Besonders komfortabel ist das Navigieren auf Webseiten allerdings nicht, bevor man die Artikelansicht erreicht hat, muss man sich zumeist erst in die Seite einzoomen und mühsam mit den Richtungstasten von Link zu Link springen. Sinnvoll ist die ganze Prozedur nur, wenn unterwegs kein anderes Gerät zur Hand ist, etwa das iPad oder ein Smartphone. Vernetzt ist das Lesen auf dem Kindle 3 allerdings auch ohne den Web-Browser. Denn Anmerkungen („Notes“) und Anstreichungen („Highlights“) lassen sich über soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook an die Peer-Group weiterleiten. Die Popular Highlight-Funktion zeigt zudem in Kindle-Books an, wie oft bestimmt Passagen bereits von anderen Lesern markiert wurden.

Kindle 3 als Hörbuch-Plattorm

Lautsprecher und Kopfhörerbuchse des Kindle 3 sind natürlich nicht nur für die synthetische Stimme der Text-to-Speech-Funktion gedacht. Über das USB-Kabel lassen sich wie gewohnt auch MP3s auf das Lesegerät übertragen und abspielen. Neben E-Books wird das Kindle 3 damit auch zur Hörbuch-Plattform. Wer das „deutsche“ Kindle auf Amazon.de kauft bzw. das bisherige Kindle-Account zu Amazon.de transferiert, muss allerdings auf den direkten MP3-Download verzichten. Die erst vor kurzem realisierte Einbindung des Audible-Angebots in den US-Kindle-Store fällt dann nämlich weg. So bleibt nur der Umweg über Desktop und USB-Kabel.

Beim Preis-Leistungsverhältnis ist das Kindle 3 unerreicht

Ingesamt hat Amazon wirklich ganze Arbeit geleistet: das Kindle 3 ist kleiner und leichter, das Umblättern geht schneller, das Lesen auf dem E-Ink-Display ist durch den verbesserten Kontrast angenehmer geworden. Technisch kommt zur Zeit kein anderer W-LAN-Reader an das Kindle 3 heran. Mit dem Start des deutschen Kindle-Stores im April 2011 fällt zudem die bisherige Achillesferse weg: der mangelnde Content. Amazons Angebot an deutschsprachigen E-Book-Titeln (25.000) unterscheidet sich quantitativ wie preislich (Buchpreisbindung!) nun nicht mehr von Mitbewerbern wie Libri oder Thalia. Bei englischsprachigen Titeln (660.000) bietet Amazon sogar weitaus mehr als alle anderen Buchhändler. Lesen kann man Kindle-Books dank Kindle-App zudem auch auf zahlreichen Tablets, Smartphones sowie auf PC- und Mac-Desktop. Nur eben nicht auf anderen E-Ink-Readern -- denn dazu müsste Amazon den Branchenstandard epub unterstützen. Stattdessen setzt das Unternehmen aus strategischen Gründen aber auf ein eigenes E-Book-Format. Sieht man davon ab, bekommt man bei Amazon.de mit dem Kindle 3 vom Preis-Leistungsverhältnis her das beste elektronische Lesegerät weit und breit.

(Beitrag vom 30. August 2010, aktualisiert am 21. April 2011)

Kindle 3 (Amazon.de) Specs


Display

6 Zoll Pearl-E-Ink, 600x800 Pixel, 16 Graustufen

Gewicht:

241 Gramm (Basisversion WiFi)

Schnittstellen

USB, WLAN, UMTS (optional)

Interner Speicher

4 Gigabyte, benutzbar: 3 Gigabyte

E-Book-Formate

Kindle-Book, PDF, etc. (kein epub!)

Audio-Features

MP3-Player, 3,5 mm Kopfhörerbuchse, Text-to-Speech

Preis

119 Euro (WLAN)

159 Euro WLAN plus UMTS

FAZ-App für iPhone & iPod Touch: Konservativer Inhalt, progressive Verpackung

faz-iphone-app-test Mit der FAZ-App ist nun auch das letzte große überregionale Blatt auf Apples Touch-Screens angekommen. Optisch kann sich die FAZ für iPhone & iPod Touch durchaus sehen lassen – personalisierbare Übersichten, bunte Bildergalerien sowie Börsen-Charts & Bundesliga-Liveticker macht die konservative Frankurter Allgemeine Zeitung medial progressiver als das vergleichbare Angebot der alternativen taz („itaz-App“). Testen kann man die FAZ-App zur Zeit noch kostenlos, nach der Einführungsphase sind pro Monat 2,99 Euro zu berappen.

Die „F“-App: Gotische Lettern in Apples Store

Gotische Lettern im App-Store – allen voran ein kapitales „F“. Wenn die FAZ-App eins beweist, dann vor allem das: Auch die deutschen Konservativen kommen ab und zu um ein paar Zugeständnisse an den Zeitgeist nicht herum. Das zeigte sich unlängst bei der veränderten Haltung zur Rechtschreibreform, das zeigt sich aber ebenso bei der Abkehr vom „Bilderverbot“ auf der ersten Seite. Was die ganz neuen Medien betrifft, pflegt die Frankfurter Allgemeine Zeitung ohnehin einen gesunden Pragmatismus – mit faz.net leistet man sich nämlich seit 2001 ein redaktionell eigenständiges Internet-Portal. Und das mit Erfolg: regelmäßig kam man in den letzten Jahren in die Top Ten der meistbesuchten deutschen Nachrichten-Websites. Mit der iPhone-App haben sich die Frankfurter deutlich Zeit gelassen , offenbar wollte man Flüchtigkeitssfehler vermeiden: „Wir haben uns entschieden, Know-how aufzubauen, bevor wir ein Angebot starten“, so Hans Wachtel, Leiter Elektronische Medien, gegenüber HORIZONT.

Statt Bling-Bling der dezente Hauch einer Business-Lounge

Was das Look&Feel der FAZ für’s iPhone betrifft, hat sich die Abwarte-Strategie ganz offensichtlich gelohnt. Optisch setzt sich die FAZ-App tatsächlich wohltuend von den Angeboten der Konkurrenz ab, vor allem im Vergleich zur WELT-App aus dem Hause Springer. Es gibt vor allem in der Menuführung weniger Bling-Bling, stattdessen konzentriert sich die App auf das Wesentliche: Nachrichten und die dazu passenden Bilder. Die farbliche Gestaltung von Hintergründen und Icons setzt vor allem auf Schwarz, Grau und ein bisschen beige – herausgekommen ist der dezente Hauch einer ledernen Business-Lounge. Insgesamt 15 Rubriken bekommt der Nutzer auf das Display – neben Politik, Wirtschaft und Sport zählen dazu auch FAZ-typische Bereiche wie Kunstmarkt, Immobilien und Lokales aus dem Rhein-Main-Gebiet. Das FAZ-Feuilleton ist in besonders hervorgehobener Position präsent – einmal pro Woche gibt’s auf dem iPhone nämlich aktuelle Empfehlungen der Redakteure von Literatur und Theater bis zu Film und Comic.

Eins bietet die App nicht: ein E-Paper der Druckversion

Besonderen Wert gelegt haben die Macher auf die Personalisierung des Angebots. Über das Menu „Konfigurieren“ kann man die Reihenfolge der Rubriken auf der Startseite ändern, ebenfalls die Anzahl der jeweils in der Übersicht angebotenen Artikel. Recht komfortabel zusammenstellen lässt sich auch die Offline-Version. Wer Rubriken wie Rhein-Main oder Kunstmarkt nicht braucht, kann sie bei der Wahl der Download-Bereich einfach auslassen. Wer unterwegs die Börsenkurse studieren möchte, wird mit der FAZ-App ebenfalls bedient, es gibt zu allen wichtigen Werten und Indizes eine Kurzübersicht und ausführliche Charts. Verglichen mit dem Format der gedruckten Ausgabe ist das iPhone-Display winzig – trotzdem sind viele Inhalte auch in FAZ-typischer Länge gut in das digitale Format gebracht worden. Eins ist die App allerdings nicht – ein umfassendes E-Paper der Zeitung aus Papier. Es bleibt abzuwarten, ob eine zukünftige iPad-App dieses Manko beseitigt. Zugleich fehlt der iPhone-App aber auch etwas faz.net-typisches: die Stimme der Blogger aus der FAZ-Community nämlich. Den Netzökonom Holger Schmidt oder das Fernseh-Blog von Niggemeier und Schader muss man also weiter via Browser lesen. Den Abonnenten der gedruckten FAZ wird das egal sein, für sie ist die Nutzung der App kostenlos. Für alle anderen wird sich nach der Einführungsphase die Frage stellen, ob die FAZ-App in dieser Form ihre 2,99 Euro pro Monat wert ist.

E-Book-Shopping mit Hindernissen – Vergleichsportal testet Anbieter von iTunes bis Libri.de

getestet-e-book-shops-im-vergleich Wer online E-Books kauft, wird nicht überall gleich gut bedient. Das Vergleichsportal Getestet.de hat fünf deutsche E-Book-Shops miteinander verglichen – und verteilte Noten von „Gut“ bis „Befriedigend“. Ein „Sehr gut“ wurde nicht vergeben. Zum Testsieger erkor man merkwürdigerweise iTunes, obwohl dort im Unterschied zu iBooks nur sehr wenige aktuelle Titel erhältlich sind. Schlusslicht bildet der E-Store von Thalia – neben einer mangelhaften Suchfunktion stießen fehlende Leseproben und Kundenbewertungen auf die Kritik der Tester.

E-Books werden bisher zumeist am Desktop gekauft

E-Books werden ausschließlich online verkauft – ob die Kunden zufrieden sind oder nicht, entscheidet sich somit zwischen ein paar Mausklicks am Bildschirm von Laptop oder Desktop. Nur die Besitzer von iPhone oder iPad können bisher in Deutschland direkt mit ihrem Lesegerät shoppen. Je mehr E-Books gelesen werden, desto wichtiger wird somit die Qualität des im Web ermöglichten Einkaufserlebnisses. Das unabhängige Vergleichsportal Getestet.de hat nun die großen deutschen Anbieter Libri.de, Buch.de, Buecher.de, Thalia.de sowie den deutschen App Store von Apple genauer unter die Lupe genommen. Für das Test-Gewerbe durchaus Neuland – bisher gab es zum E-Book-Einkauf lediglich einige allgemeine Bemerkungen von Stiftung Warentest, die im Rahmen eines E-Reader-Vergleichs kürzlich festgestellt hatten: die Auswahl sei zu gering, die E-Books zu teuer und teilweise nicht auf andere Geräte übertragbar.

“Apple als Testsieger anzuführen ist etwas unfair“

Testsieger bei Getestet.de wurde mit der Gesamtnote 1,6 überraschenderweise Apples iTunes, und nicht iBooks. „Apple als Testsieger anzuführen, ist gegenüber der Konkurrenz etwas unfair“, bemerken die Tester gleich zu Anfang ihres Testberichts, begründen dies allerdings mit der Tatsache, dass im App Store viele kostenlose E-Book-Apps herunterzuladen sind, die teilweise von Drittanbietern eingestellt werden. Verwunderlich ist iTunes als Testsieger jedoch auch aus anderen Gründen: die meisten kommerziellen E-Book-Titel bekommt man im Apple-Universum schließlich via iBooks. Das gibt’s mittlerweile auch für iPhone und iPod Touch. Will man aktuelle Bestseller allerdings auf einem größeren Display lesen, muss man erst einmal tief in die Tasche greifen – selbst die Basisversion des Apple-Tablets kostet schließlich knapp 500 Euro. Die von Getestet.de festgestellte Nutzerfreundlichkeit von iTunes bzw. den dort erhältlichen E-Book-Apps – etwa vom Anbieter textunes – ist sicherlich grundsätzlich ein gutes Argument für den digitalen Bücherkauf auf Apples Gadgets. Doch es gibt auch entscheidende Nachteile. Insbesondere muss man die E-Book-Apps zwangsweise auf den hintergrundbeleuchteten Displays dieser Geräte lesen, denn auf E-Ink-Reader kann man Apple-Produkte nicht übertragen.

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Welchen Stellenwert haben E-Books für den Buchhandel wirklich?

Plausibler erscheint dagegen die Entscheidung, buecher.de vor den anderen E-Book-Shops auf Platz zwei zu setzen. Aktuelle Rezensionen aus FAZ und SZ, Lese- und Hörproben wie auch eine gute Hilfefunktion machen das auch optisch ansprechende Portal für E-Book-Käufer tatsächlich zu einer guten Adresse. Durchwachsen war dagegen das Urteil bei allen weiteren Shops. „Es macht den Eindruck, als räume Thalia dem E-Books trotz großflächiger Werbung nur wenig Stellenwert ein“, lautet etwa das vernichtende Fazit beim Online-Auftritt von Thalia, der im Test nur den letzten Platz erreichte. Das scheint in ähnlicher Weise allerdings auch für die Thalia-Tochter Buch.de zu gelten, deren E-Book-Shop mit Note 1,6 zwar Platz drei erreichte, doch in einigen Bereichen ähnliche Schwächen zeigte. Interessant ist die Bewertung von Libri.de, im Test Vorletzter mit Note 2,8 – obwohl die Website vom Look&Feel her den Testern überhaupt nicht gefiel („altbacken“, „pixelig“, „altmodische Interaktionsmöglickeiten“), konnten das E-Book-Angebot selbst wie auch der Service durchaus ein Lob einheimsen.

Bei den neuen WiFi-Readern funktioniert Kundenbindung anders

Insgesamt ist das Testergebnis ernüchternd. Wirklich gutes E-Book-Marketing scheint in Deutschland bisher eher Mangelware zu sein – obwohl dank Buchpreisbindung die Qualität des Webauftritts die einzige Möglichkeit ist, sich maßgeblich von der Konkurrenz zu unterscheiden. Sobald aktuelle E-Reader wie Thalias Oyo, der LumiRead von Acer/Libri oder die neuen Pocketbook-Geräte auf dem Markt sind, könnte das Bild allerdings sehr schnell ganz anders aussehen. Denn den bisherigen Previews zufolge verspricht das drahtlose Shopping auf dem E-Ink-Display dieser WiFi-fähigen Lesegeräte weitaus komfortabler zu werden. Schrittmacher auf diesem Gebiet ist zweifellos Amazons us-amerikanischer Kindle-Store – Bestsellerlisten, Kurzinfos und Leseproben kommen hier in Sekundenschnelle auf den E-Reader. Für die Kundenbindung im Bereich E-Books dürften Websites mittelfristig übrigens auch deswegen nicht mehr ganz so wichtig sein, weil viele Buchhandelsketten ihre E-Reader vor Ort ins Regal stellen werden. Wer dort (oder im Internet) einen der drahlos funkenden E-Reader gekauft hat, wird über den integrierten E-Store automatisch bei der „richtigen“ Adresse landen.

Das Leseland der Zukunft: Eine Marktübersicht zu E-Readern in Deutschland

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Oaxis, Hixreader, Viewsonic – auf den ersten Blick ist der E-Reader-Markt ein Sammelsurium exotischer Geräte. Das Beratungsunternehmen Kirchner & Robrecht zählte im ersten Halbjahr 2010 insgesamt rund 67 E-Reader und 32 Tablets – und das bei einer Preisspanne von 190 bis 650 Euro. Die meisten der Namen muss man nicht kennen, denn viele E-Reader sind in Deutschland gar nicht lieferbar. Lohnenswert ist dagegen ein Blick auf bewährte Klassiker von Sony, Bookeen oder Pocketbook. Nicht von schlechten Eltern sind aber auch Neueinsteiger wie Amazons neuestes Lesegerät Kindle 3 oder Apples iPad. Die Marktübersicht zu E-Readern in Deutschland ist ein Beitrag zum Special „Das Buch der Zukunft„, das vom Upload-Magazin anlässlich der Buch Digitale 2010 organisiert wird. » Weiterlesen beim Upload-Magazin