Made in China, read in China: „Online Literature“ boomt, schon mehr als 350 Mio. Leser, 2 Mrd. Dollar Marktvolumen

china-reading-homepageEin Kursfeuerwerk, ausgelöst durch den Börsengang eines Unternehmens, dass Bücher produziert, und schon vor der Platzierung der Aktie locker einen Jahresumsatz von 300 Millionen Dollar generiert? In China kein Ding der Unmöglichkeit — dort hat im vergangenen November nämlich Tencent, neben Baidu und Alibaba einer der größten Internet-Konzerne des Landes, seine Tochter China Literature auf das Parkett des Hong Kong Stock Exchange gebracht.

Jeder zweite Internet-Nutzer in China liest E-Book-Serien

Die Umsätze werden allerdings weder mit Print noch mit herkömmlichen E-Books gemacht, sondern mit … „Online literature“, Roman- und Comicserien, deren Folgen via Mobilgerät konsumiert werden. Den Marktforschern von iResearch zufolge gibt es im Land der Mitte bereits 353 Millionen Online Literature-LeserInnen, fast die Hälfte der Internet-Nutzer schmökert auf diese Weise, meist via Smartphone.

Zweistellige Wachstumsraten

Das Marktvolumen insgesamt lag laut iResearch im Jahr 2017 bei fast zwei Milliarden Dollar, bis 2019 könnte es schon bei fast drei Milliarden Dollar liegen. Die zu China Literature gehörende Plattform „China Reading“ mit ihrem Heer aus 6,5 Millionen Autoren, 9,6 Millionen Stories,192 Millionen regelmäßigen LeserInnen verzeichnet zweistellige Wachstumsraten, der Marktanteil des Unternehmens liegt bei Amazon-mäßigen 70 Prozent.

Filmrechte als Umsatztreiber

Wichtigste Umsatzquelle sind inzwischen die Verwertungrechte für Film und Fernsehen, zu besonderen Cash Cows haben sich Stoffe wie “The Legend of Concubine Zhen Huan”, “The Secret of the Grave Robber” and “The Journey of Flower” gemausert. China Literature selbst brüstet sich bereits damit, der Online Literatur-Markt gehöre zu den vier wichtigsten Umsatztreibern im Kulturbereich weltweit, neben Hollywood Blockbustern, japanischen Mangas und südkoranischen Kult-TV Serien.

(via Goodereader.com, chinadaily & globalvoices.org)

Online-Reading-Boom in China: serielles Storytelling toppt Kindle-Kultur, schon mehr als 300 Mio. Leser

china-reading-homepage„Online-Reading“ in China boomt – statt einzelne E-Books auf dem E-Reader lesen die Chinesen via App Serienromane auf dem Smartphone — „I turn to Kindle for serious books but I go to Chinese online literature for imagination, fun and freedom“, zitiert Forbes eine typische jugendliche Vielleserin aus dem Reich der Mitte. Wichtig dabei ist aber auch der Social-Reading-Effekt – man tauscht sich mit anderen Lesern und Autoren aus, macht Plot-Vorschläge und bewertet. Mehr als 330 Millionen Chinesen machen das schon so, die meisten gehören der Generation Ü30 an und bevorzugen typisch fernöstliche Genres wie Wuxia oder Populärkultur à la Fantasy, SciFi oder Herzschmerz. Der Markt wächst schwindelerregend schnell: seit 2012 gingen die Umsätze um 20 Prozent in die Höhe, mittlerweile ist es ein Milliarden-Dollar-Markt.

Wachstumsrate zweimal höher als bei Amazon

Marktführer ist China Reading, eine Tochter des Tencent-Mediakonzerns (siehe z.B. auch „WeChat“), die gerade in HongKong an die Börse gegangen ist, 800 Millionen Dollar frisches Kapital sollen die weitere Expansion ermöglichen. Dabei kann das Unternehmen selbstbewusst auftreten – der Umsatz wuchs zuletzt um 59 Prozent, mehr als doppelt so schnell wie Amazon, außerdem versammelt China Reading bereits 175 Millionen Leser, Amazon hat weltweit „nur“ knapp 300 Millionen registrierte Kunden, und nicht jeder shoppt Lektüre im Kindle Store.

E-Reader-Projekt von China Reading gescheitert

Interessanterweise hat China Reading kürzlich auch einen eigenen E-Reader auf den Markt geworfen, technisch und preislich vergleichbar mit Amazons Paperwhite-Reader. Der Erfolg hielt sich jedoch in Grenzen, das Gerät liegt wie Blei in den Regalen. Die elektronische Lesekultur in China, sie wird so bleiben, wie sie entstanden ist: mobil via Smartphone und always online. Und genau dort hat China Reading eben auch seine Stärken: „It’s the habitat of pure internet culture, where writers create content online; platforms publish novels online; fans gather, read and share stories online“, zitiert Forbes den Literaturwissenschaftler Shao Yanjun von der Uni Peking.

(via Forbes.com)

Abb.: Screenshot der Website von China Reading („book.qq.com“)