taz macht mobil: 20.000 freiwillige Digi-Abos bis Ende 2015 angestrebt

taz-bin-ichAbo-Kampagnen sind die taz-Leser seit Jahrzehnten gewohnt. Doch so aufwändig umworben hat man sie wohl selten: Fast die komplette Titelseite der Montags-taz wurde jetzt von der neuen „taz.bin ich“-Aktion gekapert. Dazu gibt’s eine vierseitige taz.bin ich-Werbebeilage. Das ambitionierte Ziel: bis Ende des Jahres soll die Zahl der freiwilligen Digital-Abos der kostenlos zugänglichen Online-Ausgabe von derzeit unter 2.000 auf 20.000 gesteigert werden.

Spenden reichen derzeit nicht mal für taz.de

Die sogenannten „Freizahler“ geben bisher durchschnittlich 60 Euro pro Jahr, per Direktüberweisung, per Einzugsermächtigung, manche auch via Flattr oder in Bitcoins – was Jahr für Jahr mehr als 100.000 Euro in die Kasse spült. Das reicht allerdings nicht mal, um taz.de zu produzieren, von Druck und Vertrieb der Print-Version mal ganz zu schweigen. Alleine die Online-Ausgabe schlägt nämlich mit mehr als 600.000 Euro pro Jahr zu Buch.

Zahl der Print-Abos sinkt weiter

Das Potential für die neue Kampagne ist groß: immerhin hat die taz mehr als 1,5 Millionen reglmäßige Online-Leser, und 150.000 Facebook-Freunde. Die Zahl der klassischen Papier-Abonnenten sinkt dagegen – gerade mal 34.000 Abos werden werktags noch ausgeliefert, immer mehr LeserInnen beziehen nur noch die gedruckte Wochenend-Ausgabe oder kombinieren sie mit einem E-Paper-Abo.

Kostenlose taz für 5 Euro pro Monat?

Vorteil des freiwilligen Abos ist natürlich: es kostet nur 5 Euro pro Monat, alle anderen Abo-Varianten sind teurer. Ob das Crowdfunding-basierte taz-Modell auf Dauer funktioniert? Ein Gegenargument liefert die taz-bin ich-Beilage frei Haus. Unter „14 Gründen für eine Paywall im Netz“ heißt es bei Punkt Neun: „Es ist scheinheilig, für Printausgaben und E-Paper Geld zu verlangen, die Inhalte aber dann online umsonst anzubieten.“

Ende der Paywall in Sicht? Erste US-Blätter verabschieden sich von Bezahlschranke

Nomen est omen: der Branchenblog „Newspaper Death Watch“ beobachtet schon seit 2007 das Sterben der nordamerikanischen Tageszeitungen – oder positiver ausgedrückt den Kampf um’s Überleben. Doch nicht alle Survival-Techniken scheinen zu funktionieren. Paywalls zum Beispiel: San Francisco Chronicle und Dallas Morning Star wollen NDW zufolge ihre erst vor kurzem gestarteten Bezahlschranken für Online-Inhalte wieder abschaffen – offenbar waren die Leser dieser Regionalzeitungen nicht bereit, das Modell mitzutragen.

Völlig verabschieden möchten sich die Blattmacher von Paid Content jedoch nicht – so gibt’s den SF Chronicle auch in Zukunft gleich zweimal: auf SFGate.com kann man die meisten Inhalte kostenlos lesen, auf der Anfang 2013 eigens gelaunchten Premium-Domain SFchronicle.com erhalten Abonnenten ein E-Paper, das zu 100 Prozent der gedruckten Ausgabe entspricht. Die normalen Online-Inhalte lassen sich dort aber ebenfalls ohne Einschränkung lesen. Merkwürdige Strategie!

Ganz ähnlich macht es aber schon seit 2011 der Boston Globe – siehe die frei zugängliche Webpräsenz boston.com und die Premium-Site BostonGlobe.com. Doch auch in diesem Fall scheint sich die Doppel-Moppel-Strategie nicht wirklich auszuzahlen, es wird gemunkelt, die Paywall werde beim Globe bald ebenso fallen. Tasächlich scheinen Metered-Access-Modelle, die keine Domain-Splittung erfordern, deutlich besser zu funktionieren, zumindest bei überregionalen Blättern wie der New York Times.

Auch die Washington Post hatte im Frühjahr angekündigt, von regelmäßigen Online-Lesern zukünftig einen Obulus zu verlangen, in diesem Fall, wenn das Taxameter mehr als 20 Artikel pro Monat anzeigt. Außerdem war von einer gebührenpflichtigen iPad-App die Rede. Inzwischen hat bekanntlich Amazon-Chef Jeff Bezos die kriselnde Gazette aufgekauft – und seinerseits Experimente angekündigt.

Abb.: flickr/anitakhart