Schon mehr als 1,5 Milliarden Euro Umsatz: App-Markt in Deutschland boomt

apple_app_store.jpgDer App-Markt boomt weiter – 2017 wurden hierzulande 1,5 Mrd. Euro mit mobilen Anwendungen für Smartphones oder Tablets umgesetzt, und damit fast eine Verdreifachtung gegenüber 2013 erreicht, meldet der IT-Branchenverband BITKOM. Im Vergleich zu 2016 wuchs der Umsatz um vier Prozent, gegenüber 2015 um 17 Prozent. Zum Vergleich: das Marktvolumen im Bereich E-Books liegt in Deutschland bei ca. 500 Millionen Euro, der gesamte Buchmarkt bei 9 Millionen Euro — bei deutlich niedrigeren Steigerungsraten bzw. Stagnation.

Smartwatch & Wearables-Bereich heizt den Markt an

„Der Boom von Apps ist ungebrochen. Mit Wearables wie etwa der Smartwatch und Fitnessarmbändern erweitert sich das Ökosystem rund um Apps nochmals deutlich“, kommentiert BITKOM-Präsident Achim Berg. In den zwei größten Stores wurden im letzten Jahr insgesamt 1,8 Mrd. Downloads verzeichnet. Die Nase vorn hat Googles Play Store, zwei Drittel aller Apps wurden dort heruntergeladen, Apples App Store kommt auf einen Anteil von 35 Prozent.

Deutlich angestiegen ist in den letzten Jahren auch die Zahl der verfügbaren Apps — sie hat sich seit 2013 verdoppelt. In den führenden App Stores von Google und Apple werden mittlerweile rund sechs Millionen Anwendungen angeboten, 3,4 Millionen bei Google, 2,2 Millionen bei Apple. Doch auch der Amazon Appstore startet durch, dort gibt es bereits mehr als 600.000 Anwendungen Apps.

In-App-Shopping bleibt zentraler Umsatztreiber

Zum Erfolgrezept des App-Konzepts gehört auch weiterhin, dass die meisten Apps kostenlos heruntergeladen werden können. Der Löwenanteil des App-Umsatzes (1,2 Milliarden Euro, entspricht 79 Prozent) wird mit In-App-Shopping erzielt, zum Beispiel mit Upgrades bei Gaming-Apps (232 Millionen Euro, entspricht 15 Prozent) oder Werbung (91 Mio, entspricht . (sechs Prozent) — nur 91 Millionen Euro und damit 6 Prozent des Umsatzes direkt mit dem Kauf einer App.

Am beliebtesten sind Anwendungen für Soziale Netzwerke, Messenger, Streaming-Dienste und Spiele. Stark im Kommen sind außerdem Alltagshelfer wie Radar- oder Unwetteralarm-Apps sowie Fitness-und Gesundheits-Apps, die Schritte zählen oder zurückgelegte Strecken aufzeichnen.

Vorsicht Digi-Buch!? US-Kinderärzte warnen vor enhanceten E-Book-Apps

enhanced-ebooks-aerzte-warnenGehört ein Bügeleisen ins Kinderzimmer? Sicher nicht. Aber wie steht’s mit einem Tablet-PC? Da streiten sich die Geister, nur eins schien bisher festzustehen: für die ganz kleinen Knirpse unter zwei Jahren sollten bunte Touchscreens absolut tabu sein, für Kinder bis zum Vorschulalter nur für begrenzte Zeit leuchten, und auch nur unter elterlicher Aufsicht. So empfiehlt es in Deutschland z.B. der vom Bundesfamilienministerium gestartete Elternratgeber „Schau hin – Was dein Kind mit Medien macht“. In den USA wurden entsprechende Empfehlungen dagegen gerade gelockert, wenn auch mit deutlichen Vorbehalten gegen zu viel Bling-Bling.

Gebadet in digitalen Medien

Neuerdings meint nämlich der nationale Kinderärzte-Verband AAP („American Academy of Pediatrics“), heutzutage würden die Sprösslinge ohnehin mitten in einer digitalen Medienumgebung aufwachsen („immersed in digital media“). Bereits ab einem Alter von 18 Monaten (bisherige Empfehlung: 24 Monate) könnte deswegen das gemeinsame Anschauen von „Qualitätsprogrammen“ wie der Sesamstraße oder das öffentlich-rechtliche Kinderfernsehen PBS Kids z.B. via Tablet durchaus erzieherischen Wert besitzen.

App-Effekte mindern Verständnis

Medial aufgepeppte Kinderbuch-Apps werden von den US-Kinderärzten dagegen deutlich kritischer beäugt: die ablenkenden Enhancement-Effekte würden erwiesenermaßen das inhaltliche Verständnis von Klein- bzw. Vorschulkindern verringern, und zugleich den für das Begreifen einer Geschichte wichtigen Vorlese-Dialog zwischen Eltern und Kind stören. Das Nachfragen, Zeigen und Erklären durch die Eltern selbst sei bei „interaktiven“ E-Books genauso wichtig wie bei traditionellen Büchern.

Video-Chat für die Kleinsten

Immerhin gibt es aber nach Meinung der AAP experimentelle Apps, die zumindest unter Laborbedingungen den Spracherwerb der Kleinsten fördern könnten, diese seien jedoch so nicht im freien Handel verfügbar. Eine besondere Stellung nimmt zudem der Video-Chat mit räumlich entfernten Verwandten ein — an dem könnten sogar schon Kinder unter 18 Monaten teilnehmen, meinen die AAP-Experten. Sie stellen zugleich klar: Insgesamt seien die wissenschaftlichen Belege für positive Effekte des sehr frühen Medienkonsums bei unter-Zweijährigen noch begrenzt. Auch bei den zwei bis fünfjährigen treten die Kinderärzte auf die Bremse: eine Stunde Mattscheibe pro Tag sei bis zum Schulalter das Limit.

Off-Screen-Zeiten festlegen

Wichtig bleibt es dafür natürlich, das innerhalb der Familie genaue Regeln über den Medienkonsum gelten — der AAP empfiehlt nicht nur die Erstellung eines „Family Media Plan“, sondern bietet dafür auch ein Online-Tool an: den „Media Time Calculator“. Vorrang haben im geplanten Medien-Alltag dabei „offscreen“-Aktivitäten, damit dem Nachwuchs genügend Zeit zum Spielen, Entdecken, Sprechen und auch Schlafen bleibt. Den Erziehungsberechtigten wird im übrigen nahegelegt, komplett medienfreie Zeiten bzw. Räume festzulegen, z.B. bei den Mahlzeiten, bei Autofahrten oder im Schlafzimmer.

Leseempfehlung: „Media and Young Minds“, veröffentlicht von der „American Academy of Pediatrics“ (Oktober 2016)

Abb.: Peter Gagilas (cc-by-sa-2.0)

Aldi life eBooks: Discounter launcht Lese-Tablet & eigenen E-Book-Store

aldis-neues-lese-tabletWer braucht schon Amazon, wenn er doch Aldi hat: parallel mit einem neuen 7-Zoll-Android-Tablet (Medion E6912) startet Deutschlands größter Discounter in der zweiten Oktoberhälfte eine eigene E-Reading-App für iOS und Android („Aldi life eBooks“) sowie einen E-Book-Store. Über Aldis Kooperation mit Napster sind im Rahmen des Streaming-Angebots „Aldi life Musik“ bereits jetzt auch zahlreiche Hörbücher verfügbar.

Inklusive 10-Euro-Buchgutschein

Im Gerätepreis von 129 Euro enthalten sind ein 10 Euro-Gutschein für E-Books sowie ein 60-Tage-Abo für Aldi life Musik. Über Aldis Mobilfunk-Angebot Aldi Talk kann man mit dem Medion-Tablet zudem via 3G mobil surfen. Den Lesestoff für Aldis E-Book-Store liefern Aggregatoren à la Libreka, Ciando & Co., welche genau, behält Aldi einstweilen für sich. Über aldilife.com wird Aldis Buchladen auch im Browser erreichbar sein.

Display mit 211 ppi

Wie üblich setzt der Discounter auf Hardware der Lenovo-Tochter Medion: Das 275 Gramm leichte „Aldi Tablet“ läuft mit Android 6.0 („Marshmallow“) und, besitzt 1 GB Arbeitsspeicher, 8 GB Hauptspeicher und einen Einschub für SD-Karten. Das 7-Zoll-Display kommt mit einer Auflösung von 1.280 x 720 Pixeln, ein spezieller Lesemodus soll ebenso augenschonende wie energiesparende Lektüre ermöglichen. Verkaufsstart ist am 20. Oktober sowohl bei Aldi Nord wie Aldi Süd.

(via boersenblatt.net)

Pew Studie: Zahl der E-Book-Leser in USA stagniert, Smartphone- & Tablet-Lektüre boomt

pew-research-ereading-usa-2016Die Lektüre-Rate auf E-Readern stagniert, während Tablet und Smartphone am klassischen E-Reader vorbei in der Gunst der US-Leser nach vorn ziehen — doch am allerpopulärsten bleiben gedruckte Bücher. So lässt sich die neueste „Book-Reading“-Studie von Pew Research zusammenfassen.
Etwas genauer: Fast drei Viertel der US-Amerikaner haben in den letzten 12 Monaten ein Buch gelesen, der Anteil der Print-Leser liegt bei 65 Prozent, 28 Prozent haben elektronisch geschmökert. Was dabei besonders auffällt: Die Rate der E-Book Leser ist seit 2014 mehr oder weniger konstant geblieben, d.h. es gibt keinen Zuwachs mehr. Ähnlich, doch auf niedrigerem Niveau, sieht es bei den Hörbüchern aus.

Tablet-Nutzung seit 2011 verdreifacht

Die eigentliche Dynamik findet also bei den Verschiebungen der Gerätenutzung statt – in den USA griffen die LeserInnen während der letzten fünf Jahre immer häufiger zu Tablet & Smartphone, im Jahr 2016 dreimal bzw. zweimal so häufig wie 2011. Wobei bei der Nutzung insgesamt das Tablet auch leicht vor dem Smartphone liegt.

E-Book-Only-Phänomen bleibt begrenzt

Trotz weiter sinkender Preise bleibten Tablets ganz offenbar eher ein Ober- und Mittelschichtphänomen, je suburbaner, bildungsferner und ärmer die Leser, desto höher die Nutzungsrate von Smartphones. Für Hispanics und Schwarze ist das „Cellphone“ der wichtigste Zugang zu elektronischen Büchern. Die meisten Digital-Only-Leser (Landesdurchschnitt liegt bei 6 Prozent) findet man allerdings bei den jungen bis mittelalten Gutverdienern.

E-Lese-Faktor beeinflusst Tablet-Markt: Gesamt-Absatz schrumpft, Markengeräte gewinnen an Boden

Lesen-als-QualitaetsfaktorErst haben Tablets dem E-Reader den Rang abgelaufen, nun scheint sich auch der Flachrechner-Boom dem Ende zu nähern: bis 2021, so eine aktuelle Prognose von ABI Research, wird der globale Absatz von zuletzt 207 Millionen Geräten (2015) auf nur noch 140 Millionen (2021) sinken. Dabei werden vor allem Low-Cost-Geräte Marktanteile verlieren, während die großen Marken von Apple und Samsung bis zu Xiaomi Marktanteile gewinnen.

Nachfrage in Schwellenländern entscheidet

Eine Entwicklung, die nicht nur mit der Marktsättigung und der starken Konkurrenz durch Smartphones bzw. Phablets zu tun hat, sondern auch mit der wachsenden Nachfrage nach High-End-Tablets auch in aufstrebenden Ländern in Asien, Osteuropa und Südamerika. Dort wird bis 2021 ohnehin der Großteil der Geräte gekauft werden, bisher haben Europa und Nordamerika noch die Nase vorn.

Späte Rache des E-Reading?

Das kann man natürlich als eine Art späte Rache der E-Reader interpretieren: denn je mehr Tablets intensiv für die Lektüre von News, E-Books oder Business-Dokumenten genutzt werden, desto wichtiger werden auch Auflösung, Kontrast und allgemein die Nutzer-Erfahrung beim Konsum der Inhalte. Mal ganz abgesehen von den produktiven Möglichkeiten, bei denen immer öfter auch ein Stylus hilft: markieren, schreiben, zeichnen.

Riesen-Reader oder E-Ink-Tablet?

Eine interessante Frage bleibt in diesem Zusammenhang übrigens, ob man in Zukunft Maxi-Reader im 13-Zoll-Format wie Sony DPT-S1, Onyx Boox Max & Co. auch den Tablets zurechnet — denn gerade wenn sie auf Android-Basis laufen und direkten Zugang zum Google Play Store haben, sind solche großformatigen Geräte ja mit klassischen Readern kaum noch zu vergleichen.

(via Teleread.org)

Abb.: Joel Bedford/Flickr (by-nd-2.0)

Smartphone über alles: E-Reader-Nutzung halbiert, Tablet-Nutzung stagniert (in USA)

Pew-Research-Smartphone-Tablet-Ereader-USA-2015Das Wachstum in der E-Book-Branche löst sich endgültig von der klassischen Geräteplattform E-Reader – das zeigen neue Zahlen von Pew Research für den US-Markt: nur noch 19 Prozent der Befragten gaben an, ein elektronisches Lesegerät zu besitzen, im letzten Jahr waren es noch 32 Prozent. Dem Absturz bei E-Ink steht Stagnation bei Spielekonsolen, MP3-Playern und Tablets gegenüber, zugleich starkes Wachstum bei Smartphones.

Mehr Smartphones, größere Displays

68 Prozent der erwachsenen US-Bevölkerung besitzt mittlerweile eins, bei den unter Dreißigjährigen sogar 86 Prozent, der Markt nähert sich also jenseits des Atlantiks schon der Sättigung. Zugleich ersetzen iPhone, Android-Phone & Co. als mobile Universalgeräte zunehmend die mobilen Spezialgeräte. Eine besondere Rolle spielt dabei offenbar die wachsende Display-Größe, siehe aktuelle 5-Zoller wie iPhone 6s Plus oder Galaxy S6, die mobile Lektüre oder mobiles Surfen noch komfortabler macht.

Tablets haben den Zenit ebenfalls erreicht

Dass sich E-Reader nach ihrem kurzen Vorstoß in den Mainstream wieder zum Nischengerät zurückentwickeln, hat natürlich genauso mit dem Erfolg von Tablets zu tun: Pew zufolge besitzt fast jeder zweite US-Amerikaner ein iPad oder Android-Tablet. Doch die Boom-Zeiten sind auch bei den Flachrechnern vorbei – nach Stagnation im Jahr 2014 wurden in den ersten Quartalen 2015 nach Angaben von Statista weltweit erstmals weniger Geräte ausgeliefert als im Jahr zuvor. Schuld daran dürfte auch in diesem Fall das Smartphone sein.

Von der Hardware- zur App-Strategie

Für die E-Book-Branche bedeutet das: App-zentrierte Strategien werden in den nächsten Jahren noch wichtiger, Geräte- und Contentkonzepte driften noch weiter auseinander. Selbst Amazon hat es nach dem Erfolg des Kindle Readers nicht geschafft, mit dem Kindle Fire auf den Tablet-Markt nennenwerte Marktanteile zu gewinnen. Der Versuch, mit dem Fire Phone den Smartphone-Markt zu erobern, ist gerade erst krachend gescheitert. In Zukunft gilt wohl im Buch-Business erst recht: wer smart ist, lässt die Finger von der Hardware – viel wichtiger ist die Präsenz auf den Displays…

(via The Digital Reader & Business Insider)

Mobil macht mobil: Bitkom prophezeit Smartphone- & App-Boom ohne Ende

bitkom-sagt-smartphone-und-app-boom-vorausPünktlich zur IFA in Berlin prophezeit Bitkom einen erneuten Verkaufsrekord bei Smartphones: mehr als 25 Millionen Geräte werden bis Ende 2015 in Deutschland verkauft, so der IT-Branchenverband unter Berufung auf Marktforschungs-Daten von EITO und GfK. Der Umsatz steige auf 9 Milliarden Euro, das ist schon fast so viel, wie mit klassischer Unterhaltungselektronik erzielt wird – dort werden 10 Milliarden Euro erwartet, der Markt geht mit Minus 3 Prozent leicht zurück.

Tablets wachsen auch, aber langsamer

Fast schon traditioneller Wachstumstreiber bei Mobilgeräten bleiben auch Tablets. Mehr als 7 Millionen Geräte werden bis Ende 2015 über den Ladentisch gehen, und einen Umsatz von 7 Milliarden Euro einbringen. Das Wachstum hat sich allerdings auf knapp 2 Prozent verlangsamt. Klassische E-Reader werden in der aktuellen Prognose nicht erwähnt – sie dürften wohl 2015 bei knapp 1,5 Millionen verkaufter Geräte liegen (2014: 1,2 Millionen).

Senkrechtstarter Smartwatch

Ein echter Senkrechtstarter sind derzeit Wearables, also Geräte, die direkt am Körper getragen werden, vom Fitness-Armband bis zur Smartwatch. Den Prognosen zufolge wird der Absatz für dieses Jahr bei insgesamt 1,72 Millionen Geräten liegen und Umsätze von 240 Millionen Euro bringen. Nur etwa ein Drittel der verkauften Geräte sind Smartwatches, sie erzielen aber zwei Drittel des Umsatzes.

Die Deutschen sind App-Aficionados

25 Millionen Smartphones, 7 Millionen Tablets, fast 2 Millionen Wearables – die Phalanx neuer Geräte vergrößert am Ende natürlich auch den Hunger der Deutschen nach mobilem Content: Erstmals werden in diesem Jahr laut Bitkom wohl mehr als eine Milliarde Euro mit Apps für Smartphones, Tablets und Smartwatches umgesetzt.

Und zwar eher indirekt – denn die meisten Apps können kostenlos heruntergeladen werden. 75 Prozent der Umsätze werden im Anschluss an den Download über In-App-Shopping generiert, nur 15 Prozent direkt über den Kaufpreis. Werbung in Apps sorgt für weitere 12 Prozent der Erlöse.

Abb.: Glenn3095 (Public Domain/cc-0)

K(l)eine Überraschung: Smartphone weltweit meist genutztes E-Lesegerät

Ehrenrettung für ein oft unterschätztes Lesegerät: Smartphones, nicht Tablets sind das weltweit am meisten genutzte Mobilgerät, wenn’s um die Lektüre von E-Books geht. Tatsächlich werden zwischen Feuerland und Spitzbergen die E-Books sogar zu 90 Prozent auf dem Touch-Screens von smarten Mobiltelefonen konsumiert – das belegen aktuelle Statistiken von Flurry Analytics, die sich auf Nutzerdaten von einer Milliarde Geräten stützen. Anders als man zunächst vermuten würde, haben also Gadgets mit einer Bildschirmdiagonale bis knapp unter sieben Zoll die Nase vorn, während „klassische“ Lesetablets wie das Kindle Fire (7 bis 8,4 Zoll) nur auf fünf Prozent Anteil kommen, und größere Tablets (ab 8.5 Zoll) ebenfalls auf fünf Prozent. Insgesamt liegt das Verhältnis Smartphone vs. Tablet beim elektronischen Lesen somit bei neun zu eins.

Die große Stärke der Tablets liegt bei Games

Besonders stark sind Tablets dagegen im Bereich Games, zu knapp dreißig Prozent wird auf Touchscreens ab sieben Zoll gezockt. Bei Videos sieht’s dagegen noch magerer aus als im Bereich E-Books – Tablets schaffen hier nur acht Prozent Anteil. Wahrscheinlich auch ein Hinweis darauf, wie wenig mobil das Mobilgerät namens Tablets im Alltag wirklich genutzt wird. Über alle Kategorien hinweg findet weltweit zur Zeit 18 Prozent der Mobilgerätenutzung im Bereich ab sieben Zoll statt – bei E-Books und Video sind Tablets somit deutlich unterrepräsentiert. Nicht mit eingerechnet sind bei den Zahlen von Flurry klassische E-Ink-Lesegeräte von Amazon, Kobo oder Sony. Allerdings fällt diese Geräteklasse global betrachtet kaum ins Gewicht: so wurden in den Jahren 2011/2012 weltweit etwa 40 Millionen E-Reader ausgeliefert, jedoch mehr als 1 Milliarde Smartphones und 200 Millionen Tablets (Zahlen laut IHS Suppli/IDC).

Bedeutung des App-Ökosystems wächst

Umso wichtiger wird es für Verlage und andere Content-Anbieter, das gesamte „Öko-System“ mobiler Geräte im Auge zu behalten, gerade wenn es um die Erschließung neuer Märkte in Schwellenländern geht. Doch selbst in den USA (wo bereits jeder fünfte einen E-Reader besitzt) oder Europa dürfte die Bedeutung von cloud basierten E-Reading-Apps für Smartphones weiter zunehmen – und sei es nur als niedrigschwelliger Einstieg in das elektronische Lesen, der dann vielleicht zum Anschaffen eines E-Readers motiviert. Mittelfristig stehen die Chancen für E-Ink dabei wohl eher schlecht: Gerade jüngere Leser bevorzugen in den USA auch jetzt schon Tablets und Smartphones.

(via activitypress.com)

Abb.: flickr/Lawrence Sinclair (cc), Infografik: Flurry (c)

Eine Frage von Format: Kookee & Galactica (Cat Sound) im Tablet-Test

Der Tablet-Herbst 2012 wird immer bunter, und fallende Preise ebnen die Unterschiede zwischen E-Ink und LCD weiter ein. Auf manchen der allerneuesten Gadgets steht sogar „Designed in Germany“. Das gilt etwa für Kookee, Phoenix und Galactica, die neue Modellreihe von CAT Sound – das Potsdamer Unternehmen geht mit Android-4.0-Tablets von sieben bis neun Zoll an den Start. Allen gemeinsam ist ein robust verglastes IPS-Panel mit 1024 mal 768 Pixeln und kapazitives Multitouch – was zusammen mit 1 Gigabyte RAM und schnellen Chips für Bedienkomfort wie auf dem iPad sorgt. Kameras auf Vorder- und Rückseite komplettieren das multifunktionale Bild. Die Qual der Wahl liegt vor allem beim Format, und der damit verbundenen Nutzung: soll es eher ein schlankes Lese-Tablet mit Multimedia-Mehrwert sein, oder ein großes Multimedia-Tablet mit Lese-Option? E-Book-News hat sowohl den Sieben Zoller Kookee (119 Euro) wie auch den Neun Zoller Galactica (Basisversion 8 GB, 199 Euro) getestet. Erhältlich sind beide Tablets direkt im E-Store von Cat Sound.

Beim Kookee kommt E-Reader-Feeling auf

Ansprechendes Design fängt bei der Verpackung an – bereits hier hat Cat Sound gute Arbeit geleistet. Die leicht angeschrägten Kartons sind keine klassische Stapelware, sondern echte Hingucker. Gleiches gilt für die Tablets selbst – im Vergleich zum Weltbild-Tablet (Cat Nova) scheinen mehr als nur 12 Monate vergangen zu sein: Kookee und Galactica wirken erstaunlich leicht, liegen sehr gut in der Hand und strahlen echte Eleganz aus. Besonders auffällig am Siebenzoller mit Touch-Screen im 16:9-Format ist das rückseitige Griffprofil an den Querseiten – so lässt sich das Tablet im schwarzen Gehäuse beim Surfen oder Videos schauen komfortabel in beiden Händen halten. Im Hochformat dagegen kommt eher klassisches E-Reader-Feeling auf, auch wenn die jeweilige Seite etwas mehr Kopfhöhe hat als bei einem 6-Zoller im Format 4:3. Ausschaltknopf, Homebutton sowie externe Lautsprechertasten sind an der Längsseite angebracht, die verschiedenen Schnittstellen (Netzstecker, Mikro-USB, Mikro-HDMI, SD-Kartenslot, Kopfhörerbuchse) an der Querseite.

Galactica-Basisversion leichter als das iPad

Nomen est omen: Während das Kookee im edlen Aluminiumgehäuse mit etwas Fantasie das Format eines (nun ja, ziemlich großen) Kekses hat, kommt die Basisversion des Galactica mit einem auf der Rückseite milchstraßenweißen Kunststoffgehäuse daher. Kunststoff mag nicht ganz so schick sein wie Aluminium, hat aber auch Vorteile: mit 550 Gramm bringt das Galactica 150 Gramm weniger als das iPad 1 auf die Waage, und ist immerhin 50 Gramm leichter als das iPad 2. Was einem sofort auffällt: neben dem Kameraauge wurde beim Galactica auf der Rückseite auch der Einschaltknopf angebracht, ebenso findet man einen kleinen externer Lautsprecher. Die sonstigen Tasten wie auch Schnittstellen (analog zum Kookee) finden sich sämtlich auf der Querseite. Zum weiteren Lieferumfang gehören bei beiden Tablets Ohrhörer, USB-Kabel sowie USB-zu-Mikro-USB-Adapter, mit denen man z.B. USB- oder Surfsticks anschließen kann.

Rasante Android-Oberfläche

Die Android-4.0-Oberfläche präsentiert sich nach dem Einschalten sehr aufgeräumt – um nicht zu sagen wüst und (fast) leer. Denn vor einem Hintergrundthema im Sahara-Stil findet man nur die wichtigsten Icons, von den Einstellungen über Bildergalerie und Browser bis zum E-Mail-Programm. Über den Google Play Store kann man aber im Handumdrehen nachrüsten – Platz genug für jede Menge Anwendungen bieten die per Fingerwisch erreichbaren virtuellen Desktops allemal. Am unteren Bildschirmrand werden die zentrale Steuerungssymbole angezeigt, inklusive Back-Button – anders als beim Weltbild-Tablet ist beim Kookee tatsächlich nur noch der Home-Button wirklich physisch vorhanden, wurde aber an den Gehäuserand verlegt. Beim Galactica gibt’s zusätzlich zum Home-Button noch einen realen Menübutton. Die meisten Dinge werden also direkt mit dem Finger auf dem Display erledigt – das bei Kookee wie Galactica schnell und präzise auf die Eingabe reagiert.

Lektüre-Erfahrungen auf dem Kookee

Sobald man die wichtigsten Lese-Anwendungen – von der Kindle-App bis zu Aldiko – installiert hat, erweist sich das Kookee als waschechter E-Reader. Das mit knapp 300 Gramm sehr leichte Gerät liegt angenehm in der Hand, Umblättern per Fingerwisch ist in den Apps ein echtes Vergnügen. Auch das animierte Umblättern etwa in der „Google Bücher App“ läuft sehr flüssig, gleiches gilt für das Markieren von Sätzen oder das Antippen einzelner Wörter, um die Lexikon-Funktion zu nutzen. Lese-Apps mit Zweispalten-Option kann man zudem komfortabel im Querformat nutzen, die Seitenhöhe ist dann aber durch das 16:9-Format etwas geringer als gewohnt. Einen guten Eindruck macht auch die neue taz-App für Android. Hier lässt der typische Zweispaltensatz im Hochformat richtiges Zeitungsgefühl aufkommen. Vor allem E-Comics profitieren von der im Vergleich zum kleinen Durchmesser sehr hohen Auflösung: auch kleinste Details lassen sich sehr gut erkennen. Ein weiterer Vorteil des Kookee bei der Lektüre ist im übrigen die große Spannbreite bei der Einstellung der Bildschirmhelligkeit – sie lässt sich sehr weit herunterregulieren, was nicht nur Augenstress bei längerem Schmökern vermeidet, sondern auch den Akku entlastet.

Galactica brilliert im Multimedia-Bereich

Die besondere Stärke des Galactica dagegen liegt eher im mobilen Multimedia- und Office-Bereich, und natürlich beim Gaming – dafür sorgt ein Dual-Core-Prozessor mit 1,5 Gigahertz sowie ein Quadcore-Grafikchip. Webseiten werden auf dem 9-Zoll-Display hervorragend dargestellt, scrollen und zoomen verläuft rasant und ohne Ruckeln, ebenso das Abspielen von Videos oder Animationen. Sehen lassen können sich im galaktischen Umfeld ebenfalls Nachrichten-Apps von Tagesschau oder Spiegel Online – schließlich haben die Informationen einfach mehr Platz auf dem Screen. Beeindruckend ist auch die taz-App, im Querformat mit Dreispaltensatz noch ein Stückchen näher am Original aus Papier. Über die virtuelle Tastatur lassen sich zudem sehr gut Office-Dokumente bearbeiten, E-Mails schreiben oder Facebook- und Twitter-Profile pflegen. Im Unterschied zum Kookee kann man die Bildschirmhelligkeit leider nicht ganz so weit herunterregulieren. Trotzdem machen reine Lese-Apps auch auf dem Galactica einen guten Eindruck.

Fazit: Deutlich besser als das Weltbild-Tablet

Insgesamt sind Kookee und Galactica deutlich besser gelungen als das Vorgänger-Modell Cat Nova („Weltbild-Tablet“) – was wohl auch daran liegt, dass hier keine Kompromisse für einen externen Auftraggeber eingegangen werden mussten. Das hat Design, Display-Qualität und Rechengeschwindigkeit gutgetan. Erfreulicherweise ist auch die WLAN-Verbindung weniger störungsanfällig, was insbesondere beim Video-Streaming zum Tragen kommt. Auch bei der Akkulaufzeit hat sich etwas getan, sie lag bei unseren Testgeräten bei mehr als vier Stunden (aktives WLAN inklusive). Zugleich ist nun auch mal ein, zwei Tage Standby-Betrieb möglich, ohne dass der Akku sich komplett verabschiedet. Mehr wäre natürlich trotzdem wünschenswert – gerade in punkto Energie-Ausdauer werden sich die Tablets von Cat Sound mit der mächtigen Konkurrenz von Amazon, Pocketbook oder Kobo messen müssen. Was Lese-Komfort und sonstige Performance betrifft, dürfte ihnen das aber keine Probleme bereiten.

Kookee/Galactica Specs

Kookee

Galactica

Display

7 Zoll kapazitives
Touch-Screen, 1024×768 Pixel

9,7 Zoll kapazitives
Touch-Screen, 1024×768 Pixel

Prozessor

Cortex A8 (1,5 Ghz)

Quadcore A9 Dualcore (1,5 Ghz),
Quadcore GPU (Grafik)

Speicher

1 GB RAM, 8 GB intern

1 GB RAM, 8 GB intern

Schnittstellen

Mini-USB, Mini-HDMI, Kopfhörer,
SD-Kartenslog, WLAN

2xMini-USB, Mini-HDMI,
Kopfhörer, SD-Kartenslog, WLAN

Gewicht

300 Gramm

550 Gramm

Extras

Kamera vorne/hinten, externe
Lautsprecher

Kamera vorne/hinten, externe
Lautsprecher

Betriebssystem

Android 4.0 („Icecream
Sandwich“)

Android 4.0 („Icecream
Sandwich“)

Preis

119 Euro

199 Euro (8 GB)

249 Euro (16 GB)

Umsätze mit E-Ink sinken: Ist das Tablet doch ein E-Reader-Killer?

Video killed the Radio, CD essen Vinyl auf, etc.: Die endlose Litanei vom unausweichlichen Aussterben des jeweils älteren Mediums könnte nun eine Fortsetzung bekommen: Tablet tötet E-Reader. Für den TechBlog FastCompany jedenfalls scheint festzustehen: „Das Zeitalter des E-Readers als Must-Have-Gerät neigt sich dem Ende zu“ („the era of the e-reader as a must-have device is drawing to a close“). Grund für diese düstere Prognose bietet ein deutlicher Umsatzeinbruch bei E-Ink-Holdings, dem weltweit größten Hersteller für elektronisches Papier. Zum erstem Mal seit drei Jahren gab es nämlich in den ersten drei Monaten von 2012 ein negatives Quartalsergebnis, und dann gleich noch minus 63 Prozent.

Fire vs. Kindle: Amazon macht sich selbst Konkurrenz

Das Unternehmen hat dafür auch eine plausible Erklärung parat: “Unser wichtigster Kunde war zu optimistisch, was die Verkaufszahlen im vierten Quartal des letzten Jahres betraf, und hat zu viele Displays bestellt“, erklärte E-Ink-Chef Scott Liu gegenüber der Presse. Was nicht ohne Folgen geblieben sei: “Deswegen hat dieser Kunde im ersten Quartal 2012 fast gar nichts bei uns bestellt.“ Der größte Kunde besitzt natürlich auch einen Namen: Amazon. Somit hat auch der E-Ink-Killer – oder besser gesagt, Kindle-Killer – einen Namen: Kindle Fire. Gerade im Weihnachtsgeschäft hatte sich Amazons neues Android-Tablet als echter Renner erwiesen. Mittlerweile ist jedes zweite Android-Tablet ein Kindle Fire. Die klassische Reader-Palette vom Kindle Keyboard bis zum Kindle Touch hatte dagegen das Nachsehen.

Retina-Display als direkter E-Ink-Konkurrent?

Konkurrenz bekommt E-Ink jedoch auch von ganz anderer Seite – das neue iPad der dritten Generation hat schließlich von Apple ein hochauflösendes Display spendiert bekommen, das die Lektüre von E-Books oder elektronischen Zeitschriften deutlich angenehmer macht. Google plant zudem ein eigenes Tablet. Und überhaupt sind die Preise für Touch-Screen-Geräte mit LCD-Display im Sinkflug. Allerdings gibt FastCompany zu bedenken: „Der E-Reader wird natürlich nicht über Nacht verschwinden, die Absatzkurve wird noch für ein paar Jahre ansteigen. Doch er wurde vom raketenhaften Aufstieg des Tablet-PCs abgehängt.“ Bei E-Ink Holdings ist trotzdem kein Pessimismus angesagt: „Unser wichtigster Kunde [lies: Amazon] wird wohl im Sommer/Herbst wie üblich eine neue Produktlinie vorstellen“, so Scott Liu. „Das dürfte einerseits viele Verbraucher dazu animieren, auf die nächste Generation umzusteigen, andererseits auch viele Kunden neu hinzugewinnen.“

„GlowLight“-Effekt macht E-Ink attraktiver

Bei der neuen Produktlinie handelt es sich höchstwahrscheinlich um einen Kindle-Reader mit leuchtendem E-Ink-Display. Ein vergleichbares Gerät hat Amazons Konkurrent Barnes&Noble gerade mit der „GlowLight“-Version des Nook Simple Touch herausgebracht. Der Leuchteffekt wetzt eine wichtige Scharte gegenüber den Tablets aus – gelesen werden kann nun nicht nur bei Sonnenlicht, sondern auch im Dunkeln, ohne künstliche Beleuchtung. Die Unterschiede zwischen Tablets und E-Readern werden somit auch aus Richtung E-Ink eingeebnet – und klassische Lesegeräte bleiben attraktiv. Die von Marktforschern bisher beobachtete „friedliche Koexistenz“ zwischen E-Ink und LCD könnte also durchaus noch eine Weile weitergehen.

Abb.: Flickr/Mike Licht, NotionsCapital.com