Absatzeinbruch um 36 Prozent: Geht das Zeitalter des klassischen E-Ink-Readers zu Ende?

Gerade erst feierte Amazon den fünften Geburtstag des Kindle-Readers – und damit die Geschichte eines rasanten Aufstiegs vom Nischenprodukt zum Killer-Gadget. Doch der klassische E-Ink-Reader scheint bereits den Zenit seines Erfolgs überschritten zu haben, denn die Absatzzahlen bröckeln: erreichten sie in den USA im Jahr 2011 mit 23 Millionen Stück ihr Allzeithoch, so brach der Absatz in diesem Jahr um 36 Prozent auf nur noch 15 Millionen Stück ein. „Gehen die E-Reader nun den Weg der Dinosaurier?“, fragt nun bereits der Branchenblog iSuppli, und prognostiziert einen weiteren Rückgang: 2013 werden wohl nur noch knapp 10 Mio. Exemplare ausgeliefert, im Jahr 2016 schließlich schlappe 7 Millionen. Damit würde der E-Reader-Markt innerhalb von 5 Jahren zwei Drittel seines Volumens verlieren – „selbst im Bereich der gewöhnlich kurzen Lebenszyklen im volatilen Bereich der Unterhaltungselektronik eine unerhörte Entwicklung“.

Dedizierte Lesegeräte vs. Multifunktions-Tablets

Schuld am Aussterben der „dedizierten“ Lesegeräte ist nicht zufällig das Multitalent namens Tablet. Seit dem iPad-Start im Jahr 2010 haben die multimedial angelegten Touchscreen-PCs den Markt für mobile Geräte komplett auf den Kopf gestellt. Der E-Reader teilt insofern das Schicksal anderer Gadgets wie Digitalkameras, MP3-Player oder GPS-Geräte, die ebenfalls nur für einen Verwendungszweck konzipiert wurden. Ähnlich dürfte deswegen auch die Antwort der E-Reader-Hersteller auf den Konkurrenzdruck durch iPad & Co. ausfallen – die Kosten müssen noch weiter gesenkt werden. Auch auf dem deutschen Markt bleibt da noch etwas Spielraum: Mit Preisen zwischen 50 und 70 Euro für einfache Tastenreader und zwischen 70 und 100 Euro für Touchscreen-Geräte ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht.

Amazon setzt auf Doppelstrategie

Die beste Strategie könnte jedoch darin bestehen, zweigleisig zu fahren – so wie es beispielhaft Amazon vorführt: die aktuellen Kindle-Verkaufsrekorde am „Cyber-Monday“ waren bereits ein kumulierter Effekt von klassischen Kindle-Readern und den brandneuen Versionen des Kindle Fire-Tablets. Anders als die traditionelle Buchhandels-Konkurrenz verkauft Amazon allerdings auch eine breite Palette an Multimedia-Angeboten wie etwa Apps oder Video-Streaming, und kann das Fire-Tablet als perfekte mobile Shoppingplattform nutzen. Das ermöglicht es, das Kindle Fire selbst hart am Herstellungspreis zu vertreiben, ohne dass die Gesamtrechnung Schaden nimmt. Für klassische Buchhändler dagegen dürfte der Abschied vom E-Reader deutlich schwieriger werden – denn mit systemoffenen Android-Tablets wie etwa dem von Weltbild werden die Kunden im Zweifelsfall nicht nur zur E-Book-, sondern vor allem zur Non-Books-Konkurrenz gelenkt.

Abb.: matteopenzo/Flickr

Neues vom Courier: Microsofts Dual-Screen-Tablet hat eindeutig E-Reader-Qualitäten

courier e-reader microsoft dual screen touch.gifMicrosoft wird noch in diesem Jahr ein Dual-Screen-Tablet an den Start bringen. Im Herbst 2009 zirkulierten erste Bilder vom neuen „Courier“-Projekt im Netz, nun gibt’s weitere Einzelheiten: die Displays des Gerätes haben das Format 13 mal 18 Zentimeter, als Betriebssystem dient statt Windows 7 offenbar Tegra 2. Spezielle Apps machen das PDA-ähnliche Gerät zu Microsofts zentraler E-Reader-Plattform.

Auf dem Courier läuft dasselbe OS wie auf Zune-Player und Pink Phone


Lange Zeit war es ruhig geworden um Microsofts großes Tablet-Projekt – auch auf der Consumer Electronics Show im Januar hielt sich Steve Ballmer deutlich zurück. Im Vorfeld von Apples großer iPad-Premiere – ab 12. März kann das neue Gadget in den USA vorbestellt werden – werden nun aber gezielt Informationen in der Blogosphere gestreut. So hat etwa Engadget von einer „höchst vertrauenswürdigen Quelle“ Informationen zum Design des Courier erhalten: „Das Courier soll als eine Art digitale Agenda funktionieren und hochmobil sein – es ist weniger als 2,5 cm dick, wiegt weniger als 450 Gramm und hat zusammengeklappt etwa die Maße 13×18 Zentimeter.“ Im Unterschied zu vielen anderen Dual-Screen-Geräten kombiniert das Courier nicht E-Ink und LCD, sondern setzt auf zwei identische Farb-Displays. Überraschungen gibt es auch beim Betriebssystem: Anders als viele es vermutet haben wird Microsofts neuestes Gadget nicht mit Windows 7 laufen, sondern offenbar mit Tegra 2. Damit wird es also in einer Reihe stehen mit dem Zune-Player und dem Pink-Phone.

Das Courier ist ein E-Book im doppelten Sinne: Notizbuch und Lesebuch


Das Courier ist vielleicht Microsofts Antwort auf das iPad – ein iPad-Killer ist es aber nicht. Das iPad ist ein Tablet, das Courier ist eine ganz neu Form des elektronischen Buches, und zwar im doppelten Sinne: es ist Notizbuch & Lesebuch zugleich. Das zeigt bereits die Bedienung des Touch-Screens – sie erfolgt mit den Fingern (Aufruf von Menus, Anklicken von Feldern, Umblättern von Seiten), aber vor allem auch mit einem Stylus. Statt virtueller Tastatur setzt Microsoft nämlich auf Handschriftenerkennung, etwa beim Adressieren von E-Mails, dem Beschriften Bildern oder dem Aufstellen von To-Do-Listen. Während solche Formen der Produktivität mit dem iPad ohnehin nicht möglich sein werden, ist das Courier als E-Reader jedoch durchaus mit Apples Tablet vergleichbar. Durch die nebeneinander angeordneten Displays dürfte das Leseerlebnis aber einem physischen Buch weitaus näher kommen als auf dem iPad. Über einen mit iBooks vergleichbaren E-Store ist allerdings noch nichts bekannt geworden – als Basis könnte jedoch Microsofts Zune Marketplace dienen, auf sich ähnlich wie bei iTunes Musikfiles, Fernsehserien und Kinofilme shoppen lassen.

(via Engadget)

It’s not a trick: Sony antwortet auf Apples iPad mit eigenem Tablet-Projekt

sony-dash_smallSony reagiert auf das iPad – wahrscheinlich sogar mit einem eignen Tablet-PC. „Wir haben die notwendige Technologie, und wir sind an diesem Marktsegment interessiert“, so Sony-Manager Noboyuki Oneda. Im April bringt Sony mit dem „Dash“ bereits ein Tablet-ähnliches Gerät auf den Markt – einen sogenannten „Personal Internet Viewer“ mit WLAN- und Touch-Screen-Features. Doch auch die neue Laptop-Serie Vaio-L könnte als Vorbild für das Sony Tablet dienen. Bei den E-Readern setzt Sony dagegen auch weiterhin auf klassische E-Ink-Displays.

Apples iPad ist mehr als nur Konkurrenz für Sonys Playstation


Die ersten Reaktionen auf Apples iPad klangen eher trotzig: „When people want a deeper, richer console, they start playing on a PSP“, äußerte sich Sony-Marketingchef John Koller gegenüber dem WSJ. Immerhin haben sich die Umsätze mit der mobilen Playstation seit 2007 verdreifacht – also seit dem Jahr des iPhone-Starts. Doch Apples Tablet ist natürlich mehr als nur eine Spielekonsole – es ist ein vollwertiges Netbook, und zugleich auch ein E-Reader. Auch auf diesen Gebieten ist Sony als Gerätehersteller aktiv – und muss deswegen auf Apples Offensive reagieren. “There is no denying that we are running a bit behind“, gab Sony-CFO Nobuyuki Oneda in einem Gespräch mit Analysten zu. Die beste Reaktion wäre natürlich, ein eigenes Tablet auf den Markt zu werfen. Und genau das ist offenbar auch die Strategie des zweitgrößten japanischen Elektronik-Konzerns: „Sony is very much interested in this segment of the market and we have the necessary technology“, wurde Oneda von der Financial Times zitiert. In den nächsten Monaten ist dies aber offenbar nicht geplant. Für ein gewisses Aufsehen hat auf der CES in Las Vegas immerhin die Präsentation des Sony Dash gesorgt – ein Tablet-ähnliches Gerät, von Sony als „Personal Internet Viewer“ bezeichnet.

Alles, was dem Dash-Konzept noch zum echten Tablet fehlt, ist die Mobilität


Im Unterschied zum echten Tablet-PC ist das Dash allerdings kein Mobilgerät – es dient eher als eine Art aufgepeppter Multimedia-Radiowecker mit WLAN-Anschluss. Das Konzept ist jedoch aufschlußreich: denn zahlreiche Apps machen den Internet Viewer Web 2.0-fähig, sie bringen Flickr-Fotos, Twitter-Feeds und Youtube-Clips auf das sieben Zoll große Touch-Screen-Display. Vorbild ist dabei das in den USA im Herbst 2009 gestartete Internet-Radio von Chumby – mit dem Sony nun eine Kooperation eingegangen ist. Chumby und Dash sind kompatibel – Sonys Internet Viewer läuft mit dem Chumby OS und wird aus dem Chumby Store mit seinen derzeit bereits mehr als 1500 Apps versorgt. In den USA kommt der Dash im April auf den Markt, Kostenpunkt: 200 Dollar, also etwa vergleichbar mit dem iPod Touch (16 GB-Version). Alles, was dem Dash-Konzept noch zum echten Tablet fehlt, ist die Mobilität – das Gerät hat einen Netzstecker, ein Akku fehlt.

Die Konkurrenz für Sonys PSP und Sonys E-Reader könnte also bald hausgemacht sein


Doch auch sonst hat Sony schon Erfahrungen mit der Verbindung von mobilem Computing und Touch-Screen-Displays – die 2009 gestartete Laptop Serie Vaio-L nutzt freilich nicht Chumby OS, sondern die Touch-Features von Windows 7. Nicht vergessen darf man natürlich auch Sonys E-Reader – die „Touch-Edition“ etwa lässt sich mit den Fingern bedienen, die „Daily Edition“ bietet sogar UMTS. Ähnlich wie etwa bei Amazon könnte theoretisch auch Sonys nächste E-Reader-Generation Touch-Screen, Farb-Display so wie drahtloses Internet bieten – und käme einem Tablet damit ebenfalls sehr nahe. Allerdings scheint Sony in der Praxis bisher auch weiterhin auf E-Ink zu setzen – „Of course, we are considering making color e-book readers, but there is no electronic paper whose quality is high enough for us. We could use LCD panels, but we would like to use electronic paper for our main products“, äußerte sich vor kurzem noch Sonys E-Reader-Vizechef Fujio Noguchi in einem Interview mit Tech-On. Das realistischere Szenario ist also wohl tatsächlich ein Surftablett aus dem Hause Sony, das Elemente von Dash und Vaio aufgreift. Mobiler Content steht auch schon bereit: in Sonys Reader Store gibt’s E-Books & E-Newspaper, über die BRAVIA-Plattform zudem schon jetzt Video-on-Demand. Die Konkurrenz für Sonys PSP und Sonys E-Reader könnte also bald hausgemacht sein.

Der Traum vom Tablet: Media-Morphose von der Zeitung zum E-Newspaper begann schon 1994

knight-ridder-tablet-e-newspaper-prototyp-roger-fidler-e-readerWas gut ist, setzt sich durch – manchmal dauert aber etwas länger. Was für den E-Reader gilt, lässt sich ebenso vom Tablet PC sagen. Fast hätte der Einstieg in das mobile Lesen schon Anfang der Neunziger Jahre geklappt – der amerikanische Medienkonzern Knight Ridder arbeitete damals an einem mobilen Touch-Screen-Tablet, das speziell zur Lektüre von E-Newspapern gedacht war. Das World Wide Web war noch weit weg vom Massenmarkt – stromsparende Farbdisplays allerdings auch. Hätte es nicht trotzdem klappen können?

The Tablet-Newspaper – eine Zukunftsvision aus dem Jahr 1994

Man stelle sich folgende Szene vor: Eine junge Frau sitzt auf einer Parkbank, in ihrer Hand ein mobiles Lesegerät, mindestens 10 Zoll Durchmesser. Sie liest die farbige Online-Ausgabe einer Tageszeitung, zum Anklicken einzelner Artikel nutzt sie einen Stylus. Am Rand des Gerätes kann man einen Namen lesen: „Tablet“. Dazu eine Stimme aus dem Off: „Tablet-PCs werden eine ganz neue Art von Computern sein. Sie werden weniger als ein Kilo wiegen. Sie werden tragbar sein und ihr Bildschirm wird eine Qualität haben, die mit gedrucktem Papier vergleichbar ist.“ Schnitt. Ein Mann in einem Gartenrestaurant, ebenfalls mit mobilem Lesegerät. Er liest einen Artikel aus dem Politikteil und klickt auf dem Touchscreen eine Europakarte an, und sofort startet eine Flash-Animation. Dann reicht er das Lesegerät seiner Frau. Diese blättert zum Sportteil weiter und schaut sich einen Videoclip vom letzten Baseball-Spiel ihrer Lieblingsmannschaft an. Dazu wieder die Stimme aus dem Off: „Tablet-PCs werden Text, Video und Audio zusammenbringen. Und sie werden am Ende dieses Jahrhunderts ein Teil unseres Alltags sein…“ Am Ende des Jahrhunderts? Richtig gehört, denn die Szene stammt aus einem Video des Jahres 1994: „The Tablet Newspaper – A Vision of the Future“.

Die „Media-Morphose“ der Zeitung im Zeitalter der Datenautobahn

Ausgegraben hat es Bryan Monroe für die Huffington Post. Der Frisurenmode nach sieht der Clip aus wie späte Achtziger. Doch die vorgeführte Technik ist verblüffend: Das 13 minütige Promotion-Filmchen zeigt eine mediale Zukunft, die es so noch gar nicht gegeben hat. Hinter dem ambitionierten Tablet-Projekt stand Roger Fidler, damals Chef des Information Design Lab in Boulder, Colorado. Für den Medienkonzern Knight Ridder arbeitete der Blattmacher und Computerspezialist an der Zukunft der Tageszeitung – und das hieß für ihn: es ging um den Übergang zum elektronischen Content, lesbar auf mobilen Geräten mit Farb-Bildschrim. Zu Knight Ridder gehörten damals gutlaufende Blätter wie der Miami Herald und zahlreiche TV- Stationen. Doch offenbar teilte man Fidlers Philosophie des Medienwandels: „Alle Medien werden sich in den nächsten 10 bis 15 Jahren transformieren, und zwar entlang der Fortentwicklung von Computern und digitaler Kommunikationstechnik“, prophezeit der Boulder-Lab-Chef in die Kamera, während im Hintergrund ein Macintosh-Layoutcomputer im Hochformat vor sich hin surrt. Vom Internet sprach man damals zwar noch nicht, doch führt Fidler schon Worte wie „Information Superhighway“ im Mund – nichts anderes als die „Datenautobahn“. Doch was würde die von Fidler als „Media-Morphose“ bezeichnete Wandlung für die Zeitungsbranche bedeuten?

“Jeder Mensch weiß, wie man eine Zeitung benutzt“

knight-ridder-roger-fidler-e-newspaper-e-reader-prototype-tabletIm Promo-Clip ähnelt die E-Paper-Version deutlich dem Layout einer gedruckten Zeitung. „Am Anfang kommt das neue oft noch im alten Gewand daher“, so Fidler vor der Kamera, „und ich glaube so wird es sein beim Übergang zwischen gedrucktem Papier und der digitalen Tageszeitung, digitalen Zeitschriften und Büchern.“ Beim Boulder-Lab setzte man deswegen auf eine möglichst intuitive Benutzung: „Man weiß ja schließlich, wie man eine Zeitung benutzt, wie man umblättert, sich einen Überblick verschafft, sich einzelne Rubriken näher anschaut. Mit Hilfe der Elektronik kann man all diese Dinge aber sogar noch einfacher machen.“ Tatsächlich sieht die Benutzung des drahtlos mit dem Datennetz verbundenen Prototypen äußerst komfortabel aus. Das Tablet von 1994nimmt sogar viele Elemente vorweg, die wir heute von den Nachrichtenportalen des Internets gewohnt sind, etwa die Zusammenstellung der Nachrichten nach persönlichen Interessen oder die Möglichkeit, einzelne Artikel weiterzuempfehlen. Andere Features erinnern sogar an Amazons Kindle – etwa die Text-To-Speech-Version, die sich beim Knight Ridder-Projekt aber sogar per Sprachsteuerung (!) aktivieren lässt. Hochdynamisch sind aber auch die Anzeigen – man kann sie ebenfalls anklicken und wird dann zu einer Art E-Shopping-Plattform weitergeleitet. Kein Wunder, dass sich Knight Ridder vom E-Paper-Tablet ein profitables Geschäft versprach.

Zurück in der Zukunft: Auf ein überzeugendes E-Newspaper warten die Leser immer noch

Realisiert wurde der Knight-Reader aus dem Knight-Ridder-Labor nie – schon 1995 kam das Aus. Direkter Auslöser war der Tod des Konzernchefs James Batten. Doch es gab auch andere Probleme: Man hatte zwar einige Verlage als Partner gewinnen können, am Ende machte Fidler & Co. aber ganz einfach die Gerätetechnik der Neunziger Jahre einen Strich durch die Rechnung – die Bildschirme waren noch zu schwer für schlanke Mobilgeräte, und sie verbrauchten noch zu viel Strom. Mit dem Boom des World Wide Webs wanderten die elektronischen Ausgaben der Zeitungen via Modem nun erstmal auf die Röhrenbildschirme der PC-Welt. Auch das hatte man bei Knight Ridder ironischerweise schon vorausgesehen – schon in den frühen Achtzigern hatte der Konzern mehr als 50 Millionen Dollar in ein Viewtron genanntes Videotext-System gesteckt – mit dem man auf dem Fernseher in grober Pixelauflösung nicht nur Homeshopping betreiben konnte, sondern auch Zeitungsmeldungen geliefert bekam. Die wirkliche Herausforderung der Media-Morphose konnte das WWW allerdings genauso wenig lösen wie vorher Viewtron: „Information kommt nicht einfach aus der Leitung wie Wasser aus dem Wasserhahn, es kommt immer auf die Form an, bei der Zeitung vor allem auf die Wiedererkennbarkeit“, wusste Roger Fidler schon vor fast zwanzig Jahren. Auf ein echtes E-Newspaper, das die gewohnte Zeitungseite in eine überzeugende interaktive Form bringt – und nicht nur als bloßes PDF reproduziert – warten die Leser immer noch. Insbesondere, was die großformatige Präsentation auf einem mobilen, farbigen Touch-Screen betrifft. Nochmal 20 Jahre wird man zumindest nicht warten müssen. Die vollwertige elektronische Zeitung wird in den nächsten Jahren kommen, so viel ist klar. Tablet PCs mit E-Paper-Qualität stehen kurz vor der Serienfertigung. E-Reader mit flexiblen Farb-Displays sind ebenfalls kurz vor dem Marktstart. Unklar ist lediglich, ob man am Ende von einem „Tablet“ sprechen wird, von einem „E-Reader“, oder ob man einfach „die Zeitung“ liest. Erst dann wäre die Mediamorphose wohl tatsächlich gelungen.

PS: Wer wissen möchte, was Roger Fidler von der heutigen E-Reader-Technik hält, sollte sich mal Roger Fidler’s E-Reader Buyer’s Guide anschauen.