Zahlende Premium-Kunden statt missbrauchte Gratis-Nutzer: Mutiert Facebook zukünftig zum Content-Abo?

facebook-als-aboWird Facebook langsam erwachsen? Und was heißt das? Offenbar vor allem eins: der Slogan „Facebook wird immer kostenlos bleiben“ verändert sich in die Version „Es wird immer EINE kostenlose Version von Facebook geben“. Seit dem Daten-GAU rund um die Beinflussung der US-Präsidentschaftswahlen auf Grundlage missbrauchter User-Daten spekulieren nicht nur mehr Branchen-Insider über ein Abo-Modell, bei dem der Nutzer nicht das Produkt ist, sondern ein Kunde, der deutlich mehr Datensouveränität genießt. Selbst Facebook-Chef Mark Zuckerberg orakelte letzte Woche bei einer Kongreß-Anhörung in Richtung Subskription, siehe obiges Zitat.

Wenn jeder zahlt, ist es einfach…

Wie das gehen könnte, wurde in den letzten Wochen schon mehrfach durchgerechnet — Basis bilden dabei die bisherigen Werbeeinnahmen von 40 Mrd. Dollar (2017) bzw. 60 Mrd. (2018, geschätzt) pro Jahr (2017) sowie die Zahl der Mitglieder insgesamt bzw. in ausgewählten Ländern mit hoher Kaufkraft (USA, Großbritannien, Deutschland, etc.).

Weil nicht jeder zahlen würde, wird’s kompliziert

Interessant bei solchen Modellen: egal ob man von allen wenig kassiert (was unrealistisch ist) oder von wenigen viel (was eher realistisch ist), ein Abo-Modell dürfte bei weitem nicht alle Kosten wieder hereinbringen, sondern eher ein Drittel oder ein Viertel. Mit anderen Worten: auch die kostenlose, werbefinanzierte Form bleibt für das Unternehmen wichtig. Womit Facebook in einer ähnlichen Lage wäre wie viele Zeitschriften- und Zeitungsverlage.

Facebook als Netflix-Ersatz?

Oder gilt das nur in globaler Perspektive, weil mehr als eine Milliarde neugewonnener Nutzer in armen Schwellenländern leben? Für den US-Markt könnte Facebook das „Comcast of Cord Cutters“ werden, prophezeite unlängst die Washington Post — mit 220 Mio. Mitgliedern versammele das soziale Netzwerk in Nordamerika soviele potentielle zahlende Kunden wie derzeit die per Satellit oder Kabel empfangenen Pay-TV-Sender.

6,87 $ täglich sind notwendig

In den USA und Kanada hat Facebook zuletzt 82 Dollar jährliche Werbeumsätze pro Nutzer generiert — was 6,87 Dollar potentiellen Abo-Gebühren pro Monat entspräche. Wenn alle dabei sind. Zum Vergleich: Netflix hat weltweit 118 Mio. User, Amazon Prime ca. 100 Mio. User weltweit, Spotify 70 Millionen User weltweit. Bei monatlichen Gebühren um 10 Dollar. Ist es realistisch anzunehmen, Facebook könnte — entsprechenden Nutzwert/Content vorausgesetzt — ähnliche Zahlen erreichen? Und in welchem Zeitraum?

(via Washington Post, Tech Crunch & Meedia)

Abb.: Ksayer1 (cc-by-sa-2.0)

[Aktuelles Stichwort] Pre-Order-Modell: Bücher vorfinanzieren mit der Kraft der Crowd


[Dieser Artikel ist eine Preview aus: „das große e-book & e-reader abc“, das mehr als 200 aktuelle Stichwörter von Adobe-ID bis Zweifinger-Zoom enthält. Es ist digital und gedruckt im Oktober 2014 bei ebooknews press erschienen – Tipp: zum Einführungspreis bestellen und vier Euro sparen!]

Beim Pre-Order-Modell wird die Herstellung eines Produkts durch online getätigte Vorbestellungen vorfinanziert, in der Regel auf speziellen >>Crowdfunding-Plattformen – dort gehören Pre-Order-Kampagnen inzwischen zu den häufigsten Formen der netzbasierten „Schwarmfinanzierung“. Um besondere Anreize für Unterstützer zu geben, werden zu einem höheren Preis oft parallel auch limitierte Sonderauflagen und weitere Sonderleistungen angeboten.

Wird die Veröffentlichung von Büchern bzw. E-Books online via Pre-Order vorfinanziert, spricht man auch von >>Crowdpublishing. Pre-Order wird sowohl von Self-Publishern wie auch von kleineren Verlagen genutzt. Manche Crowdfunding-Plattformen haben sich auf Crowdpublishing-Kampagnen spezialisiert, etwa die britische Plattform >>unbound, und auf diese Weise selbst eine neue Form des Verlags etabliert.

Neben dem Aspekt der Vorfinanzierung dient eine Crowdpublishing-Kampagne zugleich der Vorab-Vermarktung, da in der Regel die Bücher auch weiterhin lieferbar bleiben, etwa als E-Book oder via Print-On-Demand.

Grundsätzlich ähnelt das Pre-Order-Modell der klassischen Subskription (von lat. Subscribere: unterschreiben, abonnieren), mit dem im Buchhandel schon seit dem 17./18. Jahrhundert vor allem bei aufwändigen Werke wie etwa Enzyklopädien oder Fachliteratur das verlegerische Risiko minimiert wurde. Häufig wurden dabei prominente Subskribenten auf einem eigenen Vorsatzblatt genannt. Auch bei Büchern, die via Crowdpublishing herausgebracht werden, finden sich die Namen der Unterstützer oft in einem speziellen Anhang.

Ganz besondere Bedeutung haben Pre-Order-Modelle im Bereich von Comics und Graphic Novels, da die in der Regel durchgehend farbigen Publikationen hohe Druckkosten verursachen und nur in vergleichsweise kleinen Auflagen herausgebracht werden. Manche Comicverlage in den USA finanzieren bereits ihr komplettes Programm mit Pre-Order-Kampagnen.

Amazons >>Self-Publishing-Plattform >>Kindle Direkt Publishing bietet seit Sommer 2014 die Möglichkeit an, bereits 90 Tage vor dem Veröffentlichungstag von E-Books Vorbestellungen anzunehmen. Die jeweiligen Titel erscheinen auch bereits vorab in den Verkaufsrankings.

Im Rahmen der traditionellen Subskription sind in Deutschland auch Abweichungen von der >>Buchpreisbindung erlaubt – ein Preisnachlass für Subskribenten darf drei Monate über das Erscheinen des Werkes hinaus allen Käufern gewährt werden, solange er den endgültigen Ladenpreis nicht um mehr als 20 Prozent unterschreitet.


[Dieser Artikel ist eine Preview aus: „das große e-book & e-reader abc“, das mehr als 200 aktuelle Stichwörter von Adobe-ID bis Zweifinger-Zoom enthält. Es ist digital und gedruckt im Oktober 2014 bei ebooknews press erschienen – Tipp: zum Einführungspreis bestellen und vier Euro sparen!]