Maßgeschneidert für die Crowd: Kozlowskis 13-Zoll-Android-Reader startet auf Indiegogo

13-zoll-reader-kozlowskiMichael Kozlowski von Good e-Reader kann’s nicht lassen: der Versuch, via Crowdfunding einen Open Source Android-Reader im 6-Zoll-Format anzuschieben („The Ultimate e-Reader“), ist leider Ende letzten Jahres weit vor dem Ziel gescheitert. Zumindest via Indiegogo gab es nicht genügend Nachfrage. Mit einem E-Ink-Androiden im 13-Zoll-Format scheint’s nun aber auf der selben Plattform zu klappen — wohl auch dank eingedampfter Kalkulation: 60 Vorbestellungen à 700 Dollar reichen aus, um das Projekt zu realisieren, mehr als die Hälfte sind schon im Sack.

„Wie der Sony DPT-S1 auf Drogen“

Die Konkurrenz in der virtuellen Aktenmappen-Liga ist natürlich auch schmal: es gibt auf dem Markt derzeit nur den Sony DPT-S1, der allerdings lediglich PDFs anzeigen kann, sowie den ab April lieferbaren Onyx Boox Max. Kozlowskis Riesen-Reader ist im Unterschied zu Sonys Modell in alle Richtungen offen, nicht nur was die E-Lese-Formate & Apps betrifft. Das 350 Gramm leichte Gerät mit einer Auflösung von 1600×1200 Pixel bietet freien Zugang zu Googles App Store, auch die Firmware des Readers soll der Community zwecks Fortentwicklung zur Verfügung gestellt werden.

Wacom-Stylus sorgt für kreatives Potential

Das komfortable Bearbeiten von Dokumenten und Anlegen von Skizzen erledigt man auf dem crowdgefundeten Android-Reader per druckempfindlichem Wacom-Stylus – denn das 13,3-E-Ink-Mobius-Screen wird ergänzt durch eine Wacom-Touch-Ebene. Nicht vergessen wurde zudem ein SD-Kartenslot, mit dem sich der Lektüre-Speicher auf bis 32 Gigabyte erweitern lässt.

Für wen lohnt sich das Gerät?

Natürlich sind 700 Dollar — nur 100 Dollar weniger als man für den Sony DPT-S1 berappen muss — immer noch kein Pappenstiel. Für die von Koslowski anvisierte Zielgruppe wie Manager, Anwälte, Profs oder Experten in der Verwaltung verspricht das Gerät aber immerhin einen großen Schritt in Richtung des papierfreien Büros, und hat dank Akkulaufzeit von einem Monat und absolut blendfreier Darstellung auch seine Vorteile gegenüber Maxi-Tablets wie dem iPad Pro.

Specs

Display: E-Ink Mobius, Wacom Screen, Stylus (1024 Druckstufen)
Auflösung: 1600×1200
CPU iMX 6 SoloLite
RAM: 512 MB
Arbeitsspeicher 4 GB
SD-Slot: vorhanden, max. 32 GB
Schnitstellen: WiFi
System Android 4.0.4
App Store Google Android Market
Abmessungen: 310x233x6mm (L,B,H)
Gewicht: 350 Gramm
Akkulaufzeit: 4 Wochen

„Think with your hands“: Virtueller Pencil trifft auf virtuelles Paper

Steve Jobs liebte die radikale Vereinfachung – was am Ende u.a. zum iPad führte, einem PC ohne Tastatur, Maus oder gar Stylus. O-Ton Jobs: „Erst hat man ihn, dann legt man ihn weg, dann ist er weg, Bäh! Niemand will so etwas“. Schönes Konzept, theoretisch. Doch in der Praxis möchte nicht jeder Nutzer alles mit dem Finger auf dem Display erledigen, im Zweifelsfall geht man dann doch lieber stiften. Das weiß auch Georg Petschnick, CEO des Startups „Fiftythree“, das mit der virtuosen Graphik-Anwendung „Paper“ die iPad-App des Jahres 2013 geschaffen hat: einer selbst initiierten Martkstudie zufolge werden Eingabstifte am iPad sogar drei bis fünf mal häufiger genutzt als Bluetooth-Tastaturen. So kann es auch nicht überraschen, dass es parallel zu „Paper“, der App jetzt auch „Pencil“, den Stylus gibt.

Wobei: Pencil heißt ja einfach nur Bleistift, das ist aber deutlich untertrieben – es handelt sich um einen Stylus, der daher kommt wie ein massiver Vierkant-Zimmermannsbleistift, der von Manufactum designt wurde. Die De-Luxe-Variante mit Walnuss-Optik gibt’s für 60 Dollar, eine schwarz lackiert Version schon für 50 Dollar. Tippt man mit der vergoldeten Spitze kurz auf das aktuell geöffnete Zeichenblatt der Paper-App, wird der Stift automatisch aktiviert und angekoppelt („Kiss to Pair“). Eine Akkuladung reicht für einen Monat Bluetooth-Betrieb.

Gezeichnet werden kann dann in ganz natürlicher Haltung, die Berührung des Displays mit der Handfläche wird von der App ignoriert. Mit der flachen Endfläche des Pencils kann man radieren. Zum Auftragen und Verwischen von Farben innerhalb gezeichneter Linien nutzt man den Finger, fast wie im richtigen Leben. „Think with your hands“, fasst man bei Fiftythree das intuitive Konzept von virtuellem Papier plus Bleistift zusammen. Während die Zusatzfeatures nur innerhalb von Paper genutzt werden können, funktioniert Pencil mit anderen Apps und auch auf anderen Touch-Screen-Geräten als normaler Stylus ebenfalls.

Dank einer Kooperation von Fiftythree mit Moleskine lassen sich die am iPad kreierten Skizzen, Graphiken und Illustrationen übrigens auch stilvoll zu (echtem) Papier bringen – man kann sie direkt aus der App als ein Print-On-Demand-Skizzenbuch im Original 4:3-Format zum Preis von 40 Dollar bestellen.

Abb.: Fiftythree.com