Online-Einkaufsverbot am Sonntag als Rettung für den Einzelhandel?

online-handel-sonntags-geschlossenDer Leerstand ernährt den Leerstand: Die Online-Konkurrenz führt den stationären Handel in Deutschlands City-Lagen immer weiter in die Abwärtsspirale, warnt eine aktuelle Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung und des Handelsverbands Deutschland (HDE). Bis 2021 drohen demnach 20 Prozent Leerstand, mehr als 50.000 Ladengeschäfte würden bis dahin bundesweit aufgeben, so die düstere Prognose.

Rückzug aus der Fläche als Lösung?

Der HDE bläst deswegen zum geordneten Rückzug — vor allem die Fußgängerzonen müssten sich zukünftig „gesundschrumpfen“. Außerdem brauche man Hilfe von außen, sprich von der Politik: „Das schafft der Handel nicht mehr allein.“ Denn der „virtuelle Standort Internet“ sei konkurrenzlos, vor allem auch wegen der zeitlich unbegrenzten Einkaufsmöglichkeiten, Sonntags inklusive. Was also tun?

Grüne wollen Online-Handel ausbremsen

Während der HDE ein besseres City-Management fordert, um vorhandene Vermarktungs-Potentiale auszuschöpfen, haben die niedersächsischen Grünen einen ganz anderen Vorschlag in die Debatte geworfen: der Online-Handel am Sonntag müsse eingeschränkt werden, um den Offline-Handel nicht zu benachteiligen. Bestellen soll man sonntags zwar noch können, mehr aber auch nicht: „Es ist ausreichend, wenn die Bearbeitung der Bestellung am Montag passiert. Die Mitarbeiter müssen nicht das ganze Wochenende bereitstehen“, so Stefan Körner, Landeschef der Grünen.

Kein E-Book-Download am Sonntag?

Spannend wäre eine solche Regelung natürlich erst recht, wenn sie auch für digitale Dienstleistungen gelten würde — dann könnte man z.B. E-Books zwar Sonntags kaufen, aber erst Montags herunterladen. So weit haben die Grünen aber offenbar nicht gedacht, es geht wohl eher um physische Waren. Ob der Vorschlag am Ende tatsächlich im Kapitel „GRÜNE WIRTSCHAFT: NACHHALTIG, INNOVATIV UND GERECHT“ ins offizielle Wahlprogramm der niedersächsischen Grünen aufgenommen wird, entscheidet sich spätestens an diesem Wochenende, dann wird nämlich darüber abgestimmt, mit welchen Programmpunkten die Öko-Partei in die nächste Landtagswahl zieht.

Abb.: Ben Husmann (cc-by-2.0)

Trotz E-Books & Internet: öffentliche Bibliotheken bleiben für die Mehrheit der Deutschen wichtig

bibliothek-im-wandelWozu noch Bibliotheken, wo es doch E-Books gibt (und Amazon)? Ganz so einfach ist die Rechnung dann doch nicht – es gibt viele gute Gründe, das Netz öffentlicher Bibliotheken zu erhalten. Eine aktuelle Allensbach-Umfrage zeigt: Das sehen tatsächlich auch die meisten Deutschen so,– ob sie nun zu den regelmäßigen Nutzern gehören, oder nur sporadisch mal ein Buch auschecken. Anlaß für die Studie zur „Zukunft der Bibliotheken in Deutschland“ bot die internationale Konferenz „Chancen 2016″ – Bibliotheken meistern den Wandel“, die am Wochenende im Münchner Goethe-Institut stattfand.

Je älter & gebildeter, desto pro Biblo

Gut zu wissen ist schon mal vorweg : Knapp jeder dritte Bundesbürger zwischen 16 und 75 (je nach Altersgruppe zwischen 26 und 36 Prozent) hat in den letzten 12 Monaten mehrmals eine Bibliothek besucht, der digitale Wandel hat also am grundsätzlichen Bedarf bisher nichts oder nicht viel verändert. 58 Prozent der Bundesbürger halten Bibliotheken für sehr wichtig bzw. wichtig, und diese Zustimmung verteilt sich relativ stabil über alle Altersgruppen, allerdings gilt auch weiterhin: je älter, desto pro Biblo, und auch je gebildeter, desto pro Biblo.

Angebot soll umfassend & multimedial sein

Lange Öffnungszeiten und Zugang zur Lektüre via Internet (siehe Onleihe) sind jedem zweitem Befragten wichtig, besonders stark ist der Bedarf bei den unter 30jährigen. Zwei Drittel wollen, dass die öffentlichen Büchereien nicht nur ein umfangreiches Angebot haben, sondern auch die aktuellsten Titel und Medien in ihrem Bestand bereit stellen, inklusive E-Books, Musik und Filmen. Und wenn man schon mal vor Ort ist, soll es auch gute fachliche Beratung und geschultes Personal geben, meinen ebenfalls zwei Drittel der Befragten.

3D-Drucker & Games kein Essential

Kaum jemand (16 Prozent) sieht die Bibliotheken als Ort medialer Exprimente, in denen besondere technische Geräte zur Verfügung stehen, etwa 3D-Drucker oder digitale Tonstudios. Auch Computerspiele und Spielekonsolen (ebenfalls 16%) vermissen die meisten in ihrer Bibliothek ebensowenig. Weitaus mehr (42 Prozent) finden dagegen, das in den Lesehalllen Beratung und Hilfe für elektronische Lesegeräte angeboten werden sollte, ewa E-Reader, Tablet oder Smartphone. Auch das man vor Ort genügend Arbeitsplätze und Schreibtische findet, um lernen oder lesen zu können, findet große Unterstützung.

Fragt man übrigens speziell die Gruppe der Bibliotheksnutzer nach ihren Erwartungen, sind wohl nicht ganz zufällig die Zustimmungsraten zu Ausstattung, Atmosphäre und Beratungsangebot nochmal deutlich höher (mal abgesehen von 3D-Druckern und Computerspielen…).

Abb.: wsilver/Flickr (cc-by-2.0)

Fifty Shades of Self-Publishing: Indie-Literatur nicht bei allen Lesern beliebt

bitkom-studie-self-publishing-in-deutschlandSelf-Publishing von E-Books kommt an, was man u.a. daran sieht, dass sich jetzt auch der BITKOM mit dem Thema beschäftigt. In einer aktuellen BITKOM-Studie wurden LeserInnen vom IT-Branchenverband zum Thema Indie-Literatur befragt. Das Ergebnis ist eindeutig: Jeder fünfte Nutzer (18 Prozent) von E-Books gab dabei an, bereits Texte von Self-Publishing-Autoren gelesen zu haben, jeder zehnte (11 Prozent) hat sogar schon Texte selbst publiziert. Die Grenzen zwischen „Autor“ und „Leser“ scheinen sich also immer stärker zu verwischen.

Manche vermissen Qualitätskontrolle

Die Meinungen in punkto Self-Publishing sind aber durchaus zwiespältig: ein Drittel der Indie-Leser denkt, dass der Markt durch die selbst verlegten Titel „größer und vielfältiger“ wird und freut sich über niedrige Preise, immerhin ein Viertel findet dank KDP & Co. mehr Bücher, die dem persönlichen Geschmack entsprechen und erkennt eine „intensivere Beziehung zwischen Lesern und Autoren“. Jedoch trauert ein ein Viertel der Befragten auch der Qualitätskontrolle durch die Verlage hinterher. 15 Prozent kritisieren gar, dass durch Self Publishing „zu viele schlechte Bücher“ auf den Markt kommen.

Wer Print liest, lebt fern vom Indie-Trend

Die Wahrnehmung des Phänomens Self-Publishing überhaupt scheint aber auch stark von der Mediennutzung abzuhängen. Online kommt man kaum an den Indies vorbei: „Unter den hundert meist verkauften E-Books, kommt gut die Hälfte von Self Publishern“, so Timm Hoffmann, Bereichsleiter Digital Media beim BITKOM. Am Bücherregal läuft das anders: laut Umfrage kennen zwar 87 Prozent der E-Leser den neuen Trend zum selbst verlegten Buch, bei den Freunden gedruckter Lektüre sind es aber nur 52 Prozent. Was vielleicht auch daran liegt, dass viele ursprünglich selbst publizierte Mega-Seller wie „50 Shades of Grey“ längst einen Verlag gefunden haben, bevor sie in die Buchhandlungen kommen.

Abb.: David Blackwell/Flickr (cc-by-nd-2.0)

„Deutsche Buchbranche droht, die Digitalisierung zu verschlafen“: Neue Studie zum E-Book-Markt warnt vor Amazon, Google & Co.

weckruf-ebook-studie-pricewaterhouse-cooper E-Books werden sich auch in Deutschland durchsetzen, nur deutlich langsamer als in den USA oder Großbritannien – so eine aktuelle Studie von PriceWaterhouse Coopers (PwC). Der „Tipping-Point“ für den E-Reader-Markt könnte dem Beratungsunternehmen zufolge aber bald kommen – eine halbe Million verkaufte Lesegeräte werden bis zum Ende 2011 erwartet. Doch hohe Preise und ein mangelhaftes Angebot wirken als E-Book-Bremse. Die Studie ist ein Warnschuss für Verlage und Buchhändler – wenn sie nicht stärker auf Konsumentenwünsche eingehen, drohen sie dieses Segment an Global Player wie Amazon, Google oder Apple zu verlieren.

E-Reader-Käufer auf der Suche nach Argumenten

„Die deutsche Buchbranche droht, die Digitalisierung zu verschlafen“, warnt Werner Ballhaus, Leiter des Bereichs Technologie, Medien und Telekommunikation bei PwC. Vielleicht hat man die aktuelle Studie des Beratungsnunternehmens zum Thema E-Buchhhandel ja auch deswegen im Titel mit einem Fragezeichen versehen: „E-Books in Deutschland: Der Beginn einer neuen Gutenberg-Ära?“ Die Ergebnisse stützen sich neben einer allgemeinen Marktanalyse & Experteninterviews auf Konsumentenbefragungen – es geht also um belastbare Daten. Bereits beim E-Reader-Bestand in den Händen deutscher LeserInnen klingen die Zahlen ernüchternd – es sollen nicht mehr als 50- 80.000 Geräte sein. Doch bisher war das Angebot an E-Books offenbar so schlecht, dass man viele potentielle Käufer nicht überzeugen konnte. Es gebe zwar, so PwC, „mehr als 100.000 Titel in digitaler Form, das entspricht etwa acht Prozent aller lieferbaren Bücher“. Die meisten davon liegen allerdings nur im PDF-Format vor – „im offenen ePUB-Format, das von verschiedenen Readern wiedergegeben werden kann, gibt es nur rund 8.000 Titel“.

Scannen plus Filesharing: Kunden machen sich die E-Books selbst

Die Verlage müssten deswegen dazu übergehen, „sämtliche Neuerscheinungen nicht nur gedruckt, sondern auch digital zu veröffentlichen und ihre Backlist zu digitalisieren“, so Christina Müller, die Autorin der Studie, gegenüber Buchreport. Die Attraktivität digitaler Bücher stehe und falle mit dem verfügbaren Angebot. Genauso natürlich mit dem Preis: Zwar gaben immerhin 14 Prozent der 1.000 Befragten an, im vergangenen Jahr mindestens ein E-Book gekauft zu haben – der Durchschnittspreis lag jedoch nur bei sechs Euro. Die Durchschnittspreise liegen allerdings zwischen 9 und 15 Euro – je nachdem, ob es bereits eine Taschenbuch ausgabe gibt oder nur ein Hardcover. Oft gibt’s allerdings überhaupt keine E-Book-Version – immer mehr LeserInnen machen sich die elektronischen Versionen dann einfach selbst und stellen sie zum Download ins Internet. „Wir haben festgestellt, dass ein Großteil der Bücher auch dann auf den einschlägigen File-Sharing-Seiten heruntergeladen werden kann, wenn es sie als E-Book offiziell noch gar nicht gibt.“ Doch bei PwC geht man wohl davon aus, das die Gesamtsituation sich in den nächsten Jahren rasch verbessern wird. Für das Jahr 2015 wird nämlich allein im Bereich Belletristik ein E-Book-Umsatz von 350 Millionen Euro prognostiziert (zur Zeit: 20 Mio. Euro), was einem Marktanteil von 6,3 Prozent entspricht.

Tablet-PCs werden den E-Book-Markt auch weiter beeinflussen

Doch bis dahin gibt’s noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten. Ein besonderes Problem ist offenbar die konservative Einstellung vieler LeserInnen: „Noch ist hierzulande das ‚haptische Erlebnis‘ ausgesprochen wichtig“, heißt es bei PwC, E-Reader würden deswegen „trotz scharfer und kontrastreicher Bildschirme nicht als gleichwertige Alternative zum gedruckten Buch akzeptiert“. Konsumentenbefragungen haben außerdem ergeben, dass viele Kunden mit den Begriffen E-Book und E-Reader noch nicht viel anfangen können – nur 50 Prozent kennen elektronische Bücher, nur zwanzig Prozent können sich unter elektronischen Lesegeräten etwas vorstellen. Ganz anders sieht es bei den technikaffineren jüngeren LeserInnen aus. Mit schwarz-weißem E-Ink allein wird man sie in Zukunft nicht mehr locken können. „Die E-Reader müssen leicht bedienbar sein, über einen Internetzugang und eine integrierte Shoplösung verfügen und mit einem besseren Bildschirm (Farbdisplay) ausgestattet werden“, so Christina Müller gegenüber Buchreport. Eine wichtige Rolle werden deshalb in Zukunft beim elektronischen Lesen auch hierzulande Tablets spielen – bis 2015 soll bereits jeder siebte Deutsche eins besitzen.