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Erzähl-Werft ahoi: „Storydocks“, Oetingers neues Label für digitales Storytelling

storydocks-oetinger-digitales-storytellingDiese Meldung ist im Medienrummel rund um die Frankfurter Buchmesse dann doch etwas untergegangen: der Kinder- und Jugendbuch spezialisierte Oetinger-Verlag baut sein Digitalgeschäft aus und hat zu diesem Zweck schon im Oktober die Tochter „Storydocks“ an den Start gebracht – die auf die Kernkompetenz Storytelling baut.

Mit doppelter Zielrichtung: zum einen wollen die Hamburger auf diese Weise die Weiterentwicklung der eigenen Digital-Marken Tigerbooks (Plattform für digitale Kinderbücher & Kindermedien), Tigercreate (App zur Gestaltung interaktiver E-Books für Kinder) oder „Framily“ (personalisierte Kinderbücher) vorantreiben, zum anderen auch Beteiligungen an externen Start-Ups ermöglichen.

Laut Mission Statement der neuen Webpräsenz storydocks.com versteht sich die Neugründung als „Company Builder für Produkte und Geschäftsmodelle des digitalen Storytellings“, nicht nur für die Buch-, sondern allgemeiner auch die Medienbranche, es geht darum, „gute Geschichten noch faszinierender zu erzählen – multimedial, viral, grenzüberschreitend“, heißt es weiter.

Der erste externe Partner konnte auch schon präsentiert werden, nämlich Readio (für: „Read“ plus „Audio“). Das Karlsruher Startup entwickelt Technologie für responsives Lesen, mit der sich Texte, Bilder, Sounds, Videos und Animationen verbinden lassen. Auf diese Weise will man nicht nur bestehenden Content „enhancen“, sondern idealerweise auch ganz neue Konzepte entwickeln.

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Gestatten, CSO: Vom Schriftsteller zum „Chief Storytelling Officer“

chief-storytelling-officerGestatten, CSO, Chief Storytelling Officer! Oberster Geschichten-Erzähler… Was für ein toller Titel – und das beste: es gibt solche Planstellen für Schriftsteller wirklich, zumindest in der englischsprachigen Welt. Der pakistanische Bestseller-Autor Mohsin Hamid etwa („So wirst du stinkreich im boomenden Asien“, „Der Fundamentalist, der keiner sein wollte“ etc.) ist seit kurzem CSO des Londoner Kreativ-Beratungsunternehmens Wolff Olins.

Vom literarischen Büro zum Corporate Storytelling

Man könnte natürlich behaupten, das Erzählen von Geschichten zum Geschäftsmodell zu machen wäre gar nichts so furchtbar neues. Immerhin wurden selbst die PR-Abteilungen großer deutscher Unternehmen in den 1920er Jahren noch als „Literarische Büros“ bezeichnet.

Und erzählt wird auch heute eine ganze Menge, besonders performativ natürlich online, wo eine Horde von Corporate Bloggern, Social Media Gurus und Community Managern im direkten Dialog mit den Kunden an der großen Unternehmens-Erzählung webt. Manchmal werden sogar zukünftige High-Tech-Produkte zunächst narrativ entworfen, siehe den Bereich „Science Fiction Prototyping“.

„Creating a story, reshaping a strategy“

Der literarisch begabte „CSO“ jedoch ist immer noch eine eher seltene Spezies, auf Plattformen wie LinkedIn findet man vielleicht ein, zwei Dutzend Personen, die eine solche Tätigkeit in ihrem Portfolio bzw. ihrer Vita verzeichnen.

Im Fall von Mohsin Hamid geht es darum, im Auftrag des Kreativbüros Chefs von großen Unternehmen (jaja, genau, CEOs) zu helfen, ihre eigene „Story“ rüberzubringen, gegenüber den Mitarbeitern ebenso wie gegenüber den Kunden. Was nicht nur bei Start-Ups Sinn macht, sondern auch bei Projekten, die in einem schwierigen Markt an Wachstumsgrenzen stoßen und ihren Kurs neu ausrichten möchten. „Creating a story is about reshaping a strategy“, sagt Hamid.

Business-Modell auch für Journalisten

Die komplette Story über den CSO Mohsin Hamid – der nebenbei schon wieder an seinem neuesten Roman werkelt – findet man nicht zufällig auf FastCompany. Dort wird über Corporate Storytelling schon seit längerem diskutiert, zumeist allerdings als Business-Modell für Journalisten. Das nüchterne Synonym für das unternehmerische Geschichtenerzählen lautet dabei dann meist: Content Marketing.

(Via FastCompany)

Abb.: Garry Knight/Flickr (cc-by-2.0)

verlage muessen storytelling von gamesbranche zurueckerobern

„Verlage müssen Story-Telling von der Games-Branche zurückerobern“ (Charlie Redmayne, HarperCollins UK)

Geschichten erzählen, das können sie, die Verleger (z.B. „Das haben wir schon immer so bzw. noch nie so gemacht“). Aber können sie eigentlich auch Storytelling? Dass man bei diesem Begriff mittlerweile eher an die Games-Branche denkt, stimmt schon nachdenklich. Charlie Redmayne, neuer Chef des britischen Zweigs von HarperCollins, las seiner Branche letzte Woche die Leviten: man habe sich von der digitalen Konkurrenz den Schneid abkaufen lassen, sowohl von App-Produzenten wie auch von Self-Publishern. „Verlage gehören in historischer Perspektive zu den innovationsfreudigsten und kreativsten Organisationen“, wird Redmayne vom Guardian zitiert. „Doch was die digitale Revolution betrifft, da sind wir wohl in punkto Innovation und Kreativität an einem toten Punkt angelangt. Wir dachten, wir haben doch E-Books produziert, und das ist alles, worum es geht.“

Jetzt müsse man den Spieß umdrehen – und sich auf die Gaming-Community und Tablets stürzen. „Da konkurrieren nun Leute mit uns, die wir vor 5 oder 10 Jahren noch nicht auf dem Radarschirm hatten. Meine Vorgängerin hat immer gesagt, dass Verleger zu digitalen Content-Entwicklern mutieren. Man hätte aber auch hinzufügen können: Digitale Content-Entwickler mutieren zu Verlegern“. Dazu muss man wissen: Bei HarperCollins war Redmayne schon mal Ende der Nuller Jahre für das Digitalgeschäft verantwortlich, bevor er dann von J K Rowling für den Launch der Pottermore-Plattform abgeworben wurde. Jetzt ist er wieder im Londoner Verlagshauptquartier gelandet, legt aber Wert auf die Feststellung, er sei kein „Geek“, sondern eher ein Büchermensch.

Viel zu tun gibt’s auf jeden Fall für Geeks wie auch Büchermenschen: HarperCollins ingesamt hat in den letzten 12 Monaten im Printbereich 6 Prozent Verluste eingefahren, dafür aber im Digitalgeschäft stark zugelegt – mehr als 20 Prozent des Umsatzes werden bereits mit E-Books & Co. generiert. Redmayne will als gewiefter Content-Profi stärker auf das Branding von Bestseller-Namen setzen: „In einer Welt, wo Amazon Jahr für Jahr hunderte Nachwuchstalente aus dem Hut zaubert, wird es immer schwieriger für neue Autoren, überhaupt entdeckt zu werden – wir müssen uns also überlegen, wie wir Marken aufbauen à la John Grisham oder James Patterson“.

Bücher – ob nun gedruckt oder elektronisch – würden aber trotz neuer Offensiven im Bereich Apps & Games auf jeden Fall den Kern des Geschäfts ausmachen, versicherte Redmayne zugleich. Solches „Storytelling“ dürfte wohl weitaus stärker als alles andere auf den Wandel der Gutenberg-Galaxis verweisen – noch vor ein paar Jahren hätte wohl ein Verlag aus der Riege der „Big Five“ (neben Hachette, Macmillan, Simon&Schuster sowie Penguin Random House ) das nicht so deutlich betonen müssen.

Abb.: Flickr/Epanastasi (cc)