Storytelling-Plattform wird Verlag: Wattpad gründet Wattpad Books

wattpad-wird-verlagOb man sie nun Self-Publishing-Portale oder Storytelling-Portale nennt — für alle Plattformen rund um das Erzählen und Veröffentlichen von Geschichten scheint es einen natürlichen Weg zu gegen: entweder sie werden von einem Verlag geschluckt, oder sie werden selbst zum Verlag. Nun ist es auch bei der kanadischen Storytelling-Plattform Wattpad so weit — herzlich Willkommen im Club, Wattpad Books.

Relais-Station für verwertbare Stoffe

Letztlich ist diese Pointe nicht verwunderlich, denn wenn ein Sammelsurium von 565 Millionen Stories und eine Lesegemeinde von 70 Millionen Menschen weltweit nicht als Talentschuppen funktionieren würden, was dann? Schon jetzt funktioniert Wattpad ja als Relais-Station für die externe Verwertung von Stoffen durch die Verlags- und Filmindustrie. So sind auch die sechs „Young Adult Fiction“-Titeln, mit denen das plattformeigene Verlagsprogramm im Spätsommer 2019 an den Start gehen soll, keine unbeschriebenen — Verzeihung, ungelesenen — Blätter. Insgesamt 100 Millionen Online-Lese-Minuten haben die Titel wie „The QB Bad Boy & Me“ (Tay Marley), „Trapeze“ (Leigh Ansell) oder „What Happened That Night“ (Deanna Camero) bereits sammeln können.

Zielgruppe Young Adult, was auch sonst

Die Zielgruppe „Young Adult“ hat natürlich viel mit dem Schwerpunkt-Publikum von Wattpad zu tun, sprich: Generation Y und Generation Z, also für alle seit Mitte der 1980er geborenen Ex- und Noch-Jugendlichen. Die Auswahl der in Frage kommenden Texte übernehmen Lektoren unterstützt von Algorithmen — auf diese Weise will Wattpad Books für „diverse, new, and undiscovered voices“ sorgen, und zugleich den LeserInnen das genre-übergreifende, genre-vermischende Flair von Wattpad bieten, das auch gesellschaftliche und soziale Erfahrungen jenseits des Mainstreams aufgreift.

Für die Distribution werden tradtionelle Auslieferer wie Macmillan und Raincoast eingespannt, bis 2020 erwartet Ashleigh Gardner, neue Chefin von Wattpad Books, das Anwachsen des Verlagsprogramms auf bis zu 20 Titel.

(via Publishersweekly.com)

Binge Listening ad infinitum vorprogrammiert: Sheldon County, ein auto-generativer Storytelling-Podcast

sheldon-county-generativer-podcastPersönlicher gehts nicht: man tippt eine Zahl in ein Textfenster, ein Algorithmus errechnet daraus ein komplexes Netz aus Charakteren und deren Beziehungen, Verwandschaftsverhältnissen, Interaktionen, baut den einen oder anderen Mord ein, Eifersüchteleien, Verrat. Am Ende wird der an einem fiktiven Ort namens Sheldon County spielende Plot automatisch in ein grammatikalisch korrektes Narrativ verwandelt, von einer synthetischen Stimme in Sprache verwandelt und als Audio-Podcast zum Download bereitgestellt.

„Echtes“ Leben in einem simulierten Landkreis

Und so fängt alles an: „Your are listening to Sheldon County. A Podcast about Life in an simulated American County that inhabits your phone. Your county is number 1 515 459 055. This is your very own Sheldon County. It is yours and yours only. It is a universe that is accessible only to you.“

Allerdings ist das Beispiel nicht beliebig — denn bisher hat Sheldon County-Erfinder James Ryan nur ein paar kurze Beispiel-Sequenzen veröffentlicht. Doch „The Verge“ zufolge hat der Informatik-Student aus Santa Cruz/Kalifornien schon einen Großteil der Software-Module für seine Podcast-Storytelling-Maschine auf die Beine gestellt.

„Die größte Excel-Tabelle der Welt“

Das Weltenbauer-Programm im Zentrum, „Hennepin“ genannt, beschreibt Ryan als die „größte Excel-Tabelle der Welt“, mit endlosen Zeilen und Spalten die Personen, Verhaltensweisen, Beziehungen, Berufen etc. entsprechen. Im Erzähluniversum durchläuft jede Person immer wieder neue Tagesabläufe, in denen sich die Handlung — und auch die Beziehungen einzelner Personen untereinander — weiterentwickeln.

Vollmundig heißt es im Vorspann des Test-Podcasts: „They do not exist more perfectly in a mind of a human author. They literally exist. In this sense the events recounted in this series are actual, true events. This is non-fiction.“ Man darf also gespannt sein, was die „Little Computer People“ demnächst so alles anstellen werden, wenn das komplette Projekt auf die Hörer losgelassen wird.

(via The Verge)

Storydocks schwimmt sich frei: Erzähl-Werft dank Kapitalspritze jetzt unabhängig von Oetinger Verlagsgruppe

storydocks-oetinger-digitales-storytellingErst 2015 hatte die Oetinger Gruppe diverse digitale Geschäftsbereiche unter dem Label „Storydocks“ zusammengefasst — die Hamburger „Erzählwerft“ soll dem Mission Statement zufolge „Storytelling für Kinder auf ein neues Level heben“ und gute Geschichten „multimedial, viral, cross-channel“ darstellen helfen. Nun geht die Ausgründung endgültig eigene Wege — auch dank einer millionenschweren Kapitalspritze der Beteiligungsholding J.F. Müller & Sohn.

Erfolgreich Doppelstrategie: Eigenmarken stärken…

Von Anfang an verfolgte Storydocks eine Doppelstrategie. Zum einen ging es um die Weiterentwicklung von Oetingers Digital-Marken à la Tigerbooks (Plattform für digitale Kinderbücher & Kindermedien), Tigercreate (App zur Gestaltung interaktiver E-Books für Kinder) oder „Framily“ (personalisierte Kinderbücher) vorantreiben, zum anderen auch um Beteiligungen an externen Start-Ups.

… und via Companybuilding neue Marken schaffen

Solches „Companybuilding“ betrieb man zwischenzeitlich bereits für Altraverse (Crossmediale Manga-Welten), Filimundus (Games-Entwicklung) sowie readio (responsives Lesen). Das fanden wohl auch die Investoren interessant — Storydocks Kernkompetenz sei es, „zukunftsweisende Produkterlebnisse für digitale Zielgruppen aus der Verbindung von Medien-Content und Technik zu entwickeln und daraus nachhaltige Geschäftsmodelle zu etablieren“, verlautbarte anlässlich des Einstiegs die Beteiligungsholding.

(via Buchreport & boersenblatt.net)

Storyscouting pour la France: Wattpad kooperiert mit Hachette Romans

wattpad-vermittelt-stories-an-hachette-romansStorytelling-Portale sind in der Verlagsszene beliebt – kann man hier doch Talente scouten, deren Texte Bestseller-Potential besitzen. Auf diesen Mehrwert zielt auch die gerade verkündete Kooperation zwischen Wattpad und dem französischen Belletristik-Imprint Hachette Romans. Drei Titel wurden bereits ausgewählt und werden gedruckt wie auch als E-Book in französischer Übersetzung herausgebracht: Light as a Feather, Stiff as a Board, Mr. Popular and I sowie She’s With Me.

Storytelling für alle Formate

Gute Chancen für die Talentsuche bietet Wattpad auch deshalb, weil eine entsprechende Datenbasis zu Verfügung steht — über das „Wattpads Insights“-Feature lassen sich aus den Lektürepräferenzen der mittlerweile 55 Millionen Plattform-Benutzer entsprechende Kandidaten herausfiltern. Zuständig für Vermittlung der Autoren (die Rechte an den Stories besitzt Wattpad nicht) an Publisher wie Produzenten ist die im letzten Jahr gestartete Abteilung „Wattpad Studios“ — inzwischen sind bereits diverse Stoffe aus dem Wattpad-Universum als Print-Roman oder E-Book verlegt worden oder aber für die TV- und Kinobearbeitung recycelt worden.

Social Reading im Fokus

Wie wichtig Social-Reading-Daten für die Publishing-Industrie inzwischen geworden sind, zeigt auch die Tatsache, dass immer öfter Literatur-Plattformen mit aktiver Community von Verlagen selbst gegründet bzw. von Verlagen aufgekauft werden. Für die Refinanzierung selbständiger Plattformen ist die Anschlussfähigkeit in Richtung medialer Verwertungskette natürlich – siehe Wattpad — ebenfalls recht attraktiv…

(via The Digital Reader)

E-Book, Youtube & Instagram gekreuzt: Oolipo-App offiziell gestartet

oolipo-storytelling-app-introSchluss mit der reinen Buchstabensuppe, das Smartphone ist eine viel mächtigere Storytelling-Maschine. Es ist vor allem auch eine perfekte Verkaufsplattform für serielles Erzählen mit allen Mitteln, vom Text über das (Bewegt-)Bild und Ton bis hin zum plurimedialen Mix. Irgendwie so in diese Richtug denken die Macher von Oolipo, der neuen Streaming-App für Geschichten. Das hinter diesem Venture Bastei Lübbe steht, ist kein Zufall – die Kölner haben in den letzten Jahren schon einige Erfahrung mit seriellen digitalen Erzählformaten gesammelt.

„Imagine eBook, YouTube & Instagram had a romantic meeting“

Was heißt Ooolipo konkret? „Imagine an eBook, YouTube and an Instagram story had a romantic meeting. Their offspring would be oolipo“, fabuliert die Produktbeschreibung im Apple Store, wo man Oolipo jetzt herunterladen kann (die Android-App folgt Mitte 2017). Zu den ersten Stories gehören „Get used to it“, ein digitales Documentary über junge Skateboarder in Südafrika, „London I“, eine illustrierte Liebeserklärung an das London der Nuller Jahre, sowie „The Darkness Behind Our Eyes“, eine Graphic Novel ad usum Smartphoni.

„Wir betreten mit dieser Plattform Neuland“

„Es gibt kein vergleichbares Angebot am Markt, und wir wissen, dass wir Neuland betreten“, so Bastei-Lübbe-Chef Thomas Schierack (was nicht ganz stimmt, andere haben das auch schon versucht, siehe z.B. Vook). Man sei aber überzeugt, dass die dahintersteckende Idee, eine Plattform für multimediale Erzählformate auf’s Smartphone zu bringen, enormes Potenzial berge.

Alternative zu Chat-Style-Apps

Tatsächlich geht der Trend derzeit ja eher wieder in Richtung Effekt-Minimalismus, wie die Flut von Chatstyle-Apps diverser Anbieter zeigt. Mit diesen gemein hat Oolipo allerdings die an der Gamesbranche geschulte Verwertungsmechanik: Pilotfolgen einzelner Staffeln sind kostenlos, weitere Episoden kann man via In-App-Shopping erwerben.

Verlage & Autoren für Content gesucht

Zum Start bietet die Oolipo-App insgesamt acht englische und vier deutschsprachige Serien, allesamt Oolipo-Eigenproduktionen. Zukünftig soll Oolipo aber auch – und wohl vor allem – als Plattform für Drittanbieter fungieren, vom gestandenen Verlag bis zum ambitionierten Self-Publisher.

(via Buchreport)

Gesetz der Serie: Bertelsmann steigt bei Storytelling-Plattform Radish ein

radish-storytelling-plattformSelf-Publishing, Serienromane & Storytelling-Communities – das hat sich als eine sehr wirkungsmächtige Kombination erwiesen. Vor allem in Asien, wo flinke Indie-Federn auf Plattformen wie Shanda (China) oder Kakaopage (Südkorea) Millionen LeserInnen versammeln und z.T. auch Millionen Dollar verdienen, ganz ohne Verlag. Wie gut dieses Prinzip auch im Westen funktioniert, zeigen Beispiele wie Wattpad und seit 2016 ein Newcomer namens „Radish“.

„Write, share & monetise your bite-sized serial fiction“

Die von Seung-yoon Lee und Joy Cho gegründete App-Community versammelt bereits 700 aktive AutorInnen und mehr als 300.000 Leserinnen. Bisher vor allem mit YA Romance, Zielgruppe: Teenagerinnen (was man ja auch bei untigem Promo-Video deutlich erkennen kann…). Die Lektüre-Konsumenten werden mit kostenlosen, kurzen Kapiteln à 2.000 Zeichen geködert, die dramaturgisch ähnlich aufgebaut sind wie Fernsehserien, inklusive Cliffhanger.

„Für News will niemand zahlen, für Serien schon“

“Unlike journalism, people want to pay for fiction,” sagt Radish-Mitgründerin Lee. “Serial fiction is the model“. Zuvor hat sie in Großbritannien eine Crowdpublishing-Plattform für Investigativ-Journalismus aufgebaut. Letzlich ist Radish auch eine Art Crowdpublishing-Modell – schließlich vermarkten sich die Autorinnen hier direkt und leben von den Micropayments ihrer Lesercrowd.

Autoren bei Wattpad & KDP rekrutiert

Interessante Fussnote: Die Radish-Autoren wurden überwiegend bei Wattpad und Amazons Kindle Direkt Publishing (KDP)-Plattform rekrutiert. Alles soll Indie & aus erster Hand sein, Zweitverwertung von Verlagscontent findet nicht statt. Zukünftig soll es auf Radish auch weitere Genres wie Sci-Fi oder Fantasy geben, um noch mehr – und nicht zuletzt auch männliches – Publikum anzuziehen. Die notwendige Finanzspritze liefern Investoren wie Bertelsmann Digital Media Investments und Nicolas Berggruen.

(via Buchreport & Publishers Weekly)

Chat-Style-App als Cash Cow? Mit Tap testet Wattpad neues Storytelling-Abo

tap-app-wattpad-chat-styleUnd wenn sie nicht chatten, dann lesen sie … U-Literatur im Chat-Style. Immer mehr Anbieter holt die Generation Smartphone lesetechnisch dort ab, wo sie sich mental nun mal bewegt. Amazon macht’s so („Rapids“), Carlsen macht’s ebenfalls („Mission X“), Hooked sogar schon lange, und jetzt auch … Wattpad. Mit „Tap“ hat die Storytelling-Plattform eine eigene Chat-Style E-Lese-App gestartet. Mission Statement: Geschichten, die süchtig machen…

Chat-Style passt zur Generation Smartphone

Was natürlich perfekt passt – denn was ist Wattpad anderes als die Storytelling-Plattform für die Smartphone-Generation? Das Portal versammelt sehr erfolgreich eine ständig wachsende Community aus mobil lesenden und schreibenden Digital Natives. Die dürfen bei „Tap“ jetzt auf das Display tippen, damit der nächste Teil der Kurzgeschichte als Chat-Sprechblase aufpoppt. Zum Launch sind bereits hunderte solcher Stories in Kategorien wie Horror, Romance etc. verfügbar.

Bisher noch Beta-Phase

Das ganze ist ein weiteres Wattpad-typisches Experiment und noch ziemlich beta, gerade auch was das Schreiben angeht — bisher ist nur eine ausgewählte Schar von Wattpad-Autoren an der Produktion des Chat-Story-Nachschubs beteiligt. Der allgemeine Roll-Out soll aber in den nächsten Wochen erfolgen. Bisher gibt’s die App auch nur via Invite, später wird man sie dann ganz normal via Apple App Store bzw. Google Play Store herunterladen können.

Tap testet „Freemium“-Konzept

Die Geschichten liest man übrigens nicht mehr grundsätzlich gratis, wie bisher auf Wattpad üblich — Tap ist „Freemium“. Wer mehr als nur die Appetizer durchtippen will, muss ein Abo abschließen. Das gibt’s von 2,99 $ (eine Woche) bis 39 $ (ein Jahr). Ein Wendepunkt in der Wattpad-Kultur. Aber irgendwie auch wieder logisch: Denn nicht nur Geschichten im Chat-Style, auch Digital-Abos sind ja für die Generation Smartphone eine Sache der Gewohnheit…

(via The Digital Reader & TechCrunch)

Leser am Haken: „Hooked“-App fesselt mit Kurzgeschichten im Chat-Style

hooked-storytelling-appStorytelling im Chat-Style ist mächtig en vogue: Amazon macht’s („Rapids“), Carlsen macht’s („Mission X“), und „Hooked“ sogar schon ein Weilchen länger. Die Mutter aller kurz angebundenen Erzähl-Apps für das iPhone wurde vom US-Startup Telepathic nämlich schon im September 2015 auf den Markt gebracht. Und kann mit ihren per Fingertipp fortlaufenden Dialogen nicht nur dramaturgisch als Vorbild dienen.

Leseprobing mit Beta-Testern

Auch auf der Produktionsebene ist Hooked voll auf der Höhe des App-Zeitalters: die im Schnitt fünf 1000-Wort-Episoden jeder Story werden nicht nur am Fließband von mehr als 200 No-Name-Autoren entwickelt. Sie unterlaufen vor dem allgemeinen Roll-Out auch noch eine Art Beta-Test — springen zu viele Testleser bei der ersten Folge ab, wird sie umgeschrieben, oder landet im Mülleimer.

Literatur, oder nur Storytelling?

Entscheidend für den Erfolg der App ist aber neben der Story selbst natürlich der Chat-Style — hier wurde Literatur für die Generation Snapchat neu in Form gebracht. Oder besser gesagt: Storytelling für das Smartphone optimiert. Denn die Hooked-Gründer Prerna Gupta und Parag Chordia verstehen sich nicht als Verleger oder Buchhändler, sondern als Digital-Entrepreneure.

Auf Augenhöhe mit Kindle-App

„The app isn’t making books per se, so it’s not really fair to compare it with apps for ebooks or audiobooks“, schrieb QUARTZ.com zu recht. Gleichzeitig liefert sich die App im US-App-Store mit bisher 1.8 Mio. Downloads ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Kindle App und Audible-App. Insofern kein Wunder, das Amazon knapp ein Jahr nach dem Hooked-Start mit der „Rapids“-App selbst die Angel im Chat-Style-Erzählteich ausgeworfen hat.

Kollaboratives Schreiben als Feature

Interessante Fussnote: die Original-App von Telepathic kann einiges mehr als nur gut portioniertes Lesefutter liefern — sie lässt den Leser auch eigene Chat-Geschichten schreiben, oder besser gesagt: die Leser. Denn das „Fantasy Chat-Feature“ macht Hooked zu einer kollaborativen Schreib-App. „Wählen Sie ein Stichwort, erstellen Sie Ihren Charakter und laden Sie Ihre Freunde zum Mitmachen ein“, verspricht die Produktbeschreibung im App-Store.

(via Quartz & Netzpiloten)

Story meets Gaming: „Mission X“, Carlsens neues Label für Text-Adventure-Apps

mission-x-carlsens-neues-textadventure-labelDas Buch der Zukunft, es ist medial enhanced, es ist total social, alles klar soweit, aber ist es auch interaktiv? Und vor allem: wie interaktiv? Carlsen wagt gleich einen großen Schritt nach vorn — und präsentiert auf der Frankfurter Buchmesse mit „Dark Ride“ eine veritable Text-Adventure-App, zugleich der Auftakt für das neue Label „Mission X“. Damit will der Verlag bei der Smartphone- & WhatsApp-Generation punkten, die mobil liest und vor allem auch mobil chattet, was das Zeug hält.

Sprung zurück nach vorn

Mit dem scheinbaren medialen Rückgriff — immerhin gibt’s Text-Adventures schon seit den 1970er Jahren, mein erstes E-Book war auch tatsächlich ein Text-Adventure auf dem Heimcomputer — könnte Carlsen damit am Ende ganz vorne mitspielen. Über die notwendige Technik in der Jackentasche verfügen ohnehin laut JIM-Studie 92 Prozent der 12 bis 19jährigen.

Kompetenzfeld Storytelling

„Story meets Gaming“ nennt Mareike Hermes — Leiterin Business Development bei Carlsen — das Konzept. Tatsächlich scheinen sich ja über das gemeinsame Element des Storytellings Buch- und Gamesbranche immer mehr anzunähern, und die Verwertungsketten werden in beide Richtungen immer engmaschiger.

Technologie von „Experimental Game“

Technologische Unterstützung erhält Carlsen auf dem neu eingeschlagenen Weg vom Berliner Startup „Experimental Game“. Die erste App des neuen Labels Mission X soll ab November für iOS verfügbar sein, eine Android-Version wird es ab Anfang 2017 geben. Neben der deutschen sind auch englische und spanische Fassungen geplant.

(via boersenblatt.net & buchreport.de)

Projekt „Call Me Ishmael“: Social Reading & Hearing via Telefon

call-me-ishmaelStorytelling kann auch mal mit kreativen Missverständnissen beginnen, wie etwa im Fall von „Call me Ishmael“. Logan Smalley und Steph Kent interpretieren den legendären ersten Satz von Melvilles ‚Moby Dick‘ proaktiv im Sinne von „Ruf mich an“ – und haben daraus ein Call-In-Projekt für begeisterte Roman-LeserInnen gemacht.

Unter der Nummer 774.325.0503 schalteten die New Yorker Kreativen eine Voice Mail-Box, auf der man persönliche Lektüre-Geschichten hinterlassen kann, siehe auch die Website „callmeishmael.com“. Mindestens ein Anruf pro Tag wird mit einer mechanischen Schreibmaschine transkribiert und über die Sozialen Medien geteilt, siehe etwa dieses bei Youtube gepostete Beispiel („To Kill a Mockingbird“):

Nun soll das Projekt den letzten Schritt zurück in die analoge Erzähl-Wirklichkeit schaffen – in Form des „Call me Ishmael“-Telefons. Das literarische Gerät hat die Form eines klassischen Münztelefons mit Wählscheibe und Gabel zum Aufhängen des Hörers, jede angewählte Ziffer auf der gehackten Replik aus schwarzem Kunststoff führt eine neue Geschichte zu Gehör.

Einen Prototypen haben Smalley und Kent bereits in ihrem lokalen Pub ausprobiert, mit Hilfe der Kickstarter-Crowd soll nun eine ganze Flotte von Call-Me-Ishmael-Telefonen in Bibliotheken, Buchhandlungen und anderen sozialen Orten aufgestellt werden, wobei der Bibliothekar oder Buchhändler zugleich als Kurator dient und via Web-Interface neue Stories einspeisen kann.

Letzlich geht es dabei natürlich genauso um Storytelling wie um Social Reading und Discoverability, denn mit den Geschichten über Bücher entdeckt man ja die Bücher gleich mit und wird von den storytellenden Lesern zu eigenen Lektüreerfahrungen motiviert…

(via Publishers Weekly)