Schlagwort-Archiv: Statistik

Druck

Onleihe boomt: 22 Mio. Ausleihen im Jahr 2016

DruckMehr Verlage, mehr Titel, mehr Ausleihen – so lässt sich die Bilanz der „Onleihe“ im Jahr 2016 zusammenfassen. Wie die divibib GmbH bekanntgab, wurden bei den teilnehmenden 3.000 öffentlichen Bibliotheken im letzten Jahr 22,2 Mio. Titel elektronisch ausgeliehen. Die Gesamtzahlen sind natürlich noch höher, denn neben der divibib ist auf dem Gebiet der E-Book-Ausleihe in Deutschland z.B. auch der US-Anbieter Overdrive aktiv…

Onleihe gibt’s schon seit 2007

Onleihe ist älter, als man meinen möchte: die Pionier-Bibliotheken aus München, Hamburg, Würzburg und Köln sind mittlerweile schon zehn Jahre dabei, inzwischen stehen ihnen und allen anderen beteiligten Einrichtungen satte 2 Millionen Titel zur Auswahl. Das Angebot konnte 2016 noch einmal deutlich ausgeweitet werden, denn nun sind auch die Verlage Holtzbrinck, Bonnier und Diogenes mit dabei.

Wie weiter nach dem EuGH-Urteil?

Wie es im Bereich Onleihe weitergeht, ist allerdings nicht so ganz klar – denn ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes hat die Branche kalt erwischt: demnach gibt es bei der Ausleihe keinen Unterschied zwischen gedruckten Büchern und E-Books, Verlage müssen also Bibliotheken die Ausleihe von E-Books grundsätzlich erlauben – das deutsche Urheberrecht muss dementsprechend angepasst werden.

(via Buchreport & onleihe.net)

romance-anteil-buchmarkt-usa

US-Buchmarkt: Jedes zweite E-Book ist ein Herzschmerz-Roman, & meistens ein Indie-Titel

romance-anteil-buchmarkt-usaDass der E-Book-Markt von populären Genres beherrscht wird, ist ja fast schon eine Binsenweisheit. Wie stark aber alleine ein einziges Genre — nämlich „Romance“, also der gute alte Herzschmerz-Liebesroman — ein ganzes Geschäftsfeld prägt, überrascht dann doch. Der via Hugh Howeys „Author Earnings Report“ bekannte „Data Guy“ (übrigens wie Howey hauptberuflich als Autor unterwegs) legte auf dem jährlichen Treffen des US-Autorenverbandes „Romance Writers of America“ jetzt beeindruckende Zahlen vor: demnach ist mit 45 Prozent Anteil fast jedes zweite in den USA verkaufte E-Book der (freilich breitgefächerten) „Romance“-Kategorie zuzuordnen. Im Print-Sektor sind es dagegen (laut Nielsen) gerade mal 4 Prozent.

„Huge, but grossly under-reported“

Das bedeutet: 90 Prozent aller Herzschmerz-Titel werden digital vertrieben, und ein Großteil des Umsatzes geht an Indie-Autoren, die via Amazons KDP & insbesondere Kindle Unlimited veröffentlichen — denn bekanntlich beherrscht Amazon in den USA drei Viertel des E-Book-Marktes. Die Konzentration des Marktes auf Amazon und die Self-Publishing-Autoren wiederum führt zu einer statistischen Verzerrung — „Data Guy“ zufolge werden mehr auf diese Weise mehr als zwei Drittel der verkauften Herzschmerz-Titel von den traditionellen Branchenbarometern gar nicht erfasst. (O-Ton Data Guy: „Romance is huge, but grossly under-reported“).

Jeden Tag 300.000 Downloads

Und dabei handelt es sich nicht um Peanuts — jeden Tag werden bei Amazon.com mehr als 300.000 Romance-Schmöker heruntergeladen, mehr als 260 Millionen Dollar Tantiemen werden in diesem Bereich jedes Jahr an insgesamt 30.000 AutorInnen ausgeschüttet. Knapp 2.000 Autoren verdienen auf diese Weise zwischen 10.000 und 100.000 Dollar pro Jahr, etwa 400 Autoren erzielen sogar zwischen 250.000 und einer Million Dollar per annum.

Erfolgsfaktoren für Romance

Die Einnahmen verteilen sich nicht nur sehr ungleich über das Feld der Autoren, sondern auch sehr ungleich über die einzelnen Subgenres, je nachdem, was gerade trendet, aktuell etwa „New Adult & College“, „Romantic Comedy“, „Military“(!), „Sports“, etc. Wie erfolgreich ein Buch ist, hängt zudem von vielen weiteren Faktoren ab, neben Pricing auch Serialisierung, Veröffentlichungsrate oder Verleih-/Flatrateoption.

Wie stark ist Indie-Romance in Deutschland?

Die große Frage dürfte hier natürlich mal wieder sein: inwieweit lässt sich so etwas auf den deutschen E-Book-Markt übertragen? Wie stark liegen die offiziellen Branchenstatistiken daneben? Im Bereich Belletristik hatten E-Books auf Basis der vom Börsenverein bereitgestellten Informationen im Jahr 2015 einen Marktanteil von 13 Prozent — liegt der Anteil tatsächlich schon viel höher, wenn man den Romance-Schlupf berücksichtigt?

(via The Digital Reader/AuthorEarnings.com

Zipf-Verteilung

Klassiker sind berechenbar: Project Gutenberg bestätigt Zipfsches Gesetz

Zipf-VerteilungWenn man literarischen Texten mit statistischen Methoden zu Leibe rückt, geht’s meist darum, was sie voneinander unterscheidet. Z.B. um herauszufinden: was ist die Geheimformel für einen Bestseller? Manchmal ist aber viel interessanter, was Texte miteinander verbindet: zum Beispiel das Zipfsche Gesetz. Das besagt schlicht und einfach: das häufigste Wort in einem Text kommt doppelt so oft vor wie das zweithäufigste, das zweithäufigste doppelt so oft wie das dritthäufigste, und so weiter. Formuliert wurde es schon in den 1930er Jahren vom us-amerikanischen Linguisten George Kingsley Zipf.

Ultimative Probe mit 30.000 Texten

Bisher war es im Rahmen einzelner Studien aber immer nur mit Textkorpora überprüft worden, die höchstens ein Dutzend Texte umfassten. Dabei gibt es ja im Web-Zeitalter längst viel größere Textmengen — im Bereich der Literatur zum Beispiel die mehr als 30.000 gemeinfreien Werke von Project Gutenberg. Forscher des katalanischen „Centre de Recerca Matematicá“ haben nun die gigantische Klassiker-Bibliothek genutzt, um das Zipfsche Gesetz auf die ultimative Probe zu stellen (siehe: Large-Scale Analysis of Zipf’s Law in English Texts, PLOS ONE (2016)). Und siehe da: es funktioniert.

Auch Shakespeare gehorcht Zipf

Mit anderen Worten: Auch Shakespeare, Melville oder Dickens haben sich in punkto Häufigkeitsverteilung offenbar unbewusst an das Zipfsche Gesetz gehalten (das übrigens verwandt ist mit der Pareto-Verteilung bzw. dem Pareto-Prinzip). Lässt man besonders seltene Worte bei der Analyse außen vor, verläuft die Wortverteilungskurve von 55 Prozent aller Project Gutenberg-Texte perfekt im Rahmen der von Zipf vorhergesagten Abfolge. Und das übrigens auch unabhängig von der Textlänge — die variierte im Gutenberg-Korpus zwischen 100 und einer Million Worte.

„Auch wenn Literatur als eine der höchsten Ausdrucksformen von kreativer Freiheit gilt, können nicht einmal die ganz großen Autoren der Tyrannei des Zipfschen Gesetzes entkommen“, so der an der Studie beteiligte Mathematiker Alvaro Corral.

(via phys.org)

Abb.: Von Berklas, CC BY-SA 2.5