Für 600.000 Dollar auf’s Home-Screen: Kindle Fire wird zur Werbefläche

Beim nächsten Pitch können die „Mad Men“ ihren Kunden Bannerwerbung der besonderen Art vorschlagen: wie wäre es mit einer Anzeige auf dem Home-Screen von Amazons Kindle Fire? Dem Branchenblog AdAge.com zufolge sollen Sponsoren zukünftig nämlich für 600.000 Dollar zwei Monate lang auf der Startseite des Android-Tablets ihre Produkte anpreisen dürfen. Wer gleich eine Million Dollar locker macht, wird von Amazon sogar noch via Pressemitteilung gepusht. Unklar ist allerdings, ob demnächst auf allen Fire-Modellen Werbung auftaucht, oder ob es nur um die zweite Kindle-Fire-Generation geht, die im Sommer auf den Markt kommt.

Macht Amazon die bereits mehr als fünf Millionen verkaufen Tablets einfach ungefragt zur Werbefläche, könnte das Ärger mit den Nutzern geben: „Wenn man gerade Geld für ein Premium-Produkt bezahlt hat und dann unerwartet mit Reklame konfrontiert wird, ist das äußerst störend“, zitiert AdAge einen Brancheninsider. „Es muss also auch einen Mehrwert für den Konsumenten geben.“ Viele Beobachter erwarten deswegen ein Sponsoren-Konzept, wie Amazon es bereits bei den E-Ink-Kindles betreibt: wer Anzeigen auf dem Home-Screen sowie im Stand-By-Modus auf dem Bildschirmschoner akzeptiert, bekommt die Lesegeräte mit deutlichem Rabatt. Im Fall des Kindle Fire könnte die nachträgliche Zustimmung zu Werbeeinblendungen von Amazon mit Einkaufsgutscheinen oder Rabatten beim Warenkauf belohnt werden.

Das Pendant für eine entsprechende„Subscribe“-Funktion gibt es schon – nämlich die “Unsubscribe”-Option bei den „Special-Offern“-Kindles. Um den gesponserten Bannern zu entgehen, zahlt man dabei ganz einfach den Differenzbetrag zum regulären Preis nach. Das neue Kindle Fire dürfte Amazon wohl zukünftig ebenfalls als eine solche „Special Offer“-Version anbieten. Die Preisstaffelung bei den E-Ink-Geräten zeigt, wie attraktiv ein solches Modell sein kann: sie beginnt nämlich schon bei 79 Dollar für das einfachste Kindle – umgerechnet also knapp 59 Euro. Die Touch-Modelle mit WiFi gibt’s bereits ab 99 Dollar, was knapp 74 Euro entspricht. Das Kindle Fire kostet dagegen mit 199 Dollar zur Zeit noch deutlich mehr. Würde der Preis auf etwa 150 Dollar sinken, wäre Amazon der Konkurrenz wieder einen Schritt voraus.

(via PaidContent & AdAge)

Abb.: Amazon

Werbung auf dem Kindle: Gesponserte Screensaver senken Gerätepreis

werbung-auf-kindleAmazon entdeckt das Kindle als Werbefläche: Käufer können sich zukünftig für eine preislich leicht gesenkte „Special Offer“-Version des E-Readers entscheiden – statt 139 Dollar sinkt der Preis auf 114 Dollar (ca. 78 Euro). Dafür zeigt das Display dann im Ruhezustand gesponserte Screensaver-Bilder von Anzeigenkunden. Auch auf der Unterseite des Hauptmenus wird es kleine Werbeeinblendungen geben. Das werbefinanzierte Sonderangebot richtet sich vorerst nur an US-Kunden und gilt nur für die WiFi-Variante des Kindle 3.

Im Kindle-Store warten weitere Sonderangebote

Millionen Kindles sind in den USA bereits im Umlauf – mit Amazons neuestem Angebot könnte ihre Zahl weiter zunehmen. Schon vor einiger Zeit hatte Amazon darüber nachgedacht, Premium-Kunden mit kostenlosen E-Readern auszustatten. Die „Special Offer“-Variante wendet sich dagegen werbewirksam an das breite Publikum. Zumal „Special Offer“ hier eben im doppelten Sinne gilt. Denn die Käufer des Reklame-Kindles werden auch mit weiteren Sonderangeboten gelockt, etwa vergünstigten Geschenk-Gutscheinen oder Musik- und Hörspiel-Downloads.

Beim Anzeigen-Design bestimmt der Kunde mit

Wie man es von Amazon gewohnt ist, werden die Kunden bei der Optimierung des Angebots aktiv mit einbezogen. Über das Design der Werbeeinblendungen etwa darf die Kindle-Gemeinde mitbestimmen. Mit der neuen „AdMash“-App können Kindle-Nutzer nämlich über potentielle Kandidaten für gesponserte Screensaver abstimmen. Doch auch was auf dem invividuellen Display erscheint, lässt sich in gewissem Maße beeinflussen. Auf der persönlichen „Manage my Kindle“-Webpage kann man bestimmte Themenbereiche auswählen. Auch diese Informationen fließen wiederum in die allgemeine Optimierung des Sponsoring-Modells.

E-Books selbst bleiben vorerst noch werbefrei

US-Kunden können den „Special-Offer“-Kindle bereits vorbestellen, die Auslieferung beginnt am 3. Mai. Zu den ersten Werbekunden gehören Finanzdienstleister wie Visa und Chase, aber auch etwa das Kosmetikunternehmen Olay und der Autohersteller Buick. Das Leseerlebnis selbst bleibt ungestört: Die Kindle-E-Books sind auch weiterhin werbefrei, betont Amazon. Zumindest vorläufig. Denn das Unternehmen hat sich bereits eine Verfahren patentieren lassen, um innerhalb von E-Book-Texten kontextsensitive Werbung schalten zu können. Alles, was noch fehlt, ist die Akzeptanz beim Leser. Doch die liesse sich ja wahrscheinlich auch in diesem Fall durch „Special Offers“ gewinnen, sprich: durch besonders günstige Buchpreise.