Digitales Wasserzeichen: „Softe“ DRM-Lösung auch für Self-Publisher interessant?

„Hartes“ DRM macht vielen E-Book-Lesern das Leben schwer – so beschränkt etwa Adobe Digital Editions die Zahl der nutzbaren Lesegeräte, der Wechsel zwischen der epub- und Kindle-Welt wird verhindert. Erstkunden müssen sich zudem neben einem normalen Kundenaccount auch direkt bei Adobe registrieren. „Weiches“ DRM dagegen setzt eher auf soziale Kontrolle – insbesondere durch die Verwendung von digitalen Wasserzeichen. Eine neue Watermarking-Lösung bietet der „eBook DRM Server“ von Lichtzeichen Medien an. „Zielgruppe sind Verlage und Shopbetreiber aller Größen“, so Projektleiter Samuel Janzen. „Mit dem Wasserzeichen im E-Book wird der Endverbraucher visuell daran erinnert, dass eine unerlaubte Weitergabe unerwünscht ist, jedoch schränkt es ihn in keinster Weise ein“.

Als Plugin für gängige E-Commerce-Plattformen verfügbar

Auch aus der Perspektive des E-Book-Verkäufers stellt das Verfahren keine großen Anforderungen: die Personalisierung des jeweiligen Titels übernimmt ein spezielles Plugin, das für verschiedene E-Commerce-Plattformen verfügbar ist: „Nach Kauf eines E-Book-Titels im Shop wird die E-Book Erstellung an den eBook DRM Server gesendet. Der Server generiert das mit dem Wasserzeichen versehene E-Book und liefert es via E-Mail oder als Direktdownload-Link aus“, erklärt Janzen. In welcher Form der Leser das Wasserzeichen zu Gesicht bekommt, kann der Verkäufer selbst entscheiden: „Das individuell einstellbare Wasserzeichen wird im Impressum und/oder dem Schmutztitel des Buches platziert. Optional ist die Platzierung eines sichtbaren oder unsichtbaren Wasserzeichens am Anfang eines jeden Kapitels“, so der Projektleiter.

Pro Buch werden 0,25 Cent Gebühr fällit

Durch die einfache Integration in gängige Shop-Systeme ist der „eBook DRM Server“ grundsätzlich auch für Self-Publishing-Autoren interessant – die Grundgebühr von 25 Euro pro Monat und eine Auslieferungsgebühr von 25 Cent pro Buch klingen durchaus realistisch. Andererseits verzichten manche Independent-Autoren schon jetzt ganz bewusst komplett auf alle Formen von Kopierschutz, da sie an einer möglichst großen Reichweite ihrer E-Books interessiert sind. Für die meisten klassischen Verlage bestehen vor solch einem Schritt jedoch noch psychologische Hemmschwellen – für sie könnte der „eBook Server“ des niedersächsischen Anbieters auf jeden Fall eine akzeptable Zwischenlösung sein.

Gebrauchte E-Books mit Wasserzeichen?

Den größten Nutzen beim Verzicht auf hartes DRM haben die Kunden: neben der Verwendung von beliebig vielen Lesegeräten machen Systeme wie der „eBook DRM Server“ auch Schluss mit den künstlichen Grenzen zwischen der epub- und Kindle-Welt: ein E-Book mit Wasserzeichen lässt sich nämlich problemlos hin- und herkonvertieren. Falls in Zukunft der Weiterverkauf gebrauchter E-Books legalisiert werden sollte, könnten vielleicht sogar Titel mit Wasserzeichen im Second-Hand-Handel auftauchen, schätzt Janzen: „Die Möglichkeit, ein Buch via eBook DRM Server im Rahmen eines Privatverkaufes auf eine andere Person umzuschreiben, ist angedacht und wird noch geprüft“.

Abb.: eBook DRM Server (c)

Schluss mit hartem DRM: BooXtream will digitales Wasserzeichen zum neuen Standard machen

Zum Ärger vieler Leser ist hartes Digital Rights Management (DRM) in wenigen Jahren zum Standard im E-Book-Handel avanciert. Ohne Adobe Digital Editions läuft bei den meisten E-Books im epub-Format gar nichts. Das niederländische Software-Unternehmen Icontact will das nun ändern – und bietet mit BooXtream einen anwenderfreundlichen Mittelweg zwischen hartem DRM und den Verzicht auf jeglichen Schutz an. Grundlage ist das „digitale Wasserzeichen“ – E-Books werden mit sichtbaren wie auch unsichtbaren Hinweisen auf den Käufer quasi individualisiert, lassen sich aber frei kopieren und damit auf allen verfübaren Geräten nutzen. Deswegen wird das „Watermarking“ von E-Books auch als „soziales DRM“ bezeichnet – die Personalisierung soll verhindern, dass ein Titel einfach so über das Internet verbreitet wird.

Wasserzeichen günstiger als hartes DRM

In Deutschland fand das digitale Wasserzeichen bisher kaum Verwendung, obwohl entsprechende Verfahren, wie sie etwa vom Fraunhofer-Institut lizensiert werden („DocMark“), für Verlage deutlich günstiger sind als der von Adobe angebotene Kopierschutz. Bei dem auf Verlagsdienstleistungen spezialisierten Unternehmen Icontact setzt man vor allem auch auf die Einfachkeit in der Anwendung: ‚BooXtream gibt es in mehreren Varianten, wodurch die Einbindung in Webshops aller Art möglich ist. Das Verfahren funktioniert mit jedem korrekt formatierten epub-Dokument, auch bei Titeln ohne ISBN, Zeitschriften und On-Demand gebündelten Inhalten. Statt die komplexe Technologie selbst zu entwickeln kann nun jeder durch eine simple Koppelung seinen epub-E-Books mit sozialem DRM ausstatten“, so BooXtream-Entwickler Huub van de Pol.

Problemlose Integration in Webshops

Zu den ersten Anwendern von BooXtream gehört der Amsterdamer Verlag Bertram & de Leeuw. Alle neuen E-Books im epub-Format werden mit dem digitalen Wasserzeichen versehen: ‘Wir haben uns für soziales DRM entschieden, weil es benutzerfreundlich ist und eine große Reichweite verspricht. Unsere E-Book-Preise betragen 50 Prozent der gedruckten Ausgabe, und lassen sich nun auf allen Geräten lesen. Außerdem ließ sich BooXtream problemlos in unseren Webshop integrieren“, so Manon Burger, bei Bertram & de Leeuw für neue Medien zuständig. Ähnlich wie in Deutschland ist der niederländische E-Book-Markt derzeit noch überschaubar, der Marktanteil dümpelt bei einem Prozent. Doch angesichts hoher Wachstumsraten erwarten Marktbeobachter, dass der Anteil elektronischer Lektüre in wenigen Jahren bis auf zwanzig Prozent steigen könnte. Mehr Lesekomfort durch soziales DRM dürfte dazu einiges beitragen.