Sony sagt E-Books Adieu, & schickt die Leser zu Kobo (USA/Kanada)

Early come, early go: Sony hat ankündigt, seinen „Reader Store“ in den USA und Kanada zu schließen. Damit zieht sich einer der Pioniere des elektronischen Lesens in Nordamerika aus dem Content-Geschäft zurück – Sony hatte Mitte der Nuller Jahre den ersten E-Reader mit E-Ink-Display auf den Markt gebracht, und damit Amazon überhaupt erst zum Kindle-Projekt inspiriert. Für die Nutzer von Sony-Readern bzw. E-Lese-Apps bedeutet das: sie müssen bis März mit ihrer Cloud-Bibliothek umziehen, und zwar zu Kobo, einem langjährigen Kooperationspartner von Sony.

Deutsche Kunden sind vorerst nicht betroffen, der aktuelle Shutdown findet nur in Nordamerika statt. In Deutschland war Sonys hauseigener E-Store ohnehin erst mit großer Verspätung Ende 2012 an den Start gegangen, ein paar Monate nach dem Start des Sony Readers PRS-T2, der zunächst mit einem integrierten E-Store von Libri.de (jetzt Ebook.de) ausgeliefert wurde. Da Kobo bekanntlich auch in Deutschland aktiv ist, würde ein fliegender Wechsel aber hierzulande wohl ähnlich ablaufen. Ohnehin kommt das ja in Mode – gerade hat PagePlace die Kunden vor die Tür gesetzt, auch bei Weltbild könnte ein abrupter Kurswechsel anstehen, wenn die Digitalsparte tatsächlich an einen internationalen Investor verkauft werden sollte.

Welche Ziele Sony überhaupt im E-Reading-Geschäft verfolgt, wird immer unklarer. Auch bei den Readern fährt das Unternehmen ja einen sehr eigenwilligen Kurs und setzt vor allem auf gute Verarbeitung und edles Design, weniger auf aktuelle Features. So hat es einige Zeit gedauert, bis Sony WLAN-fähige Reader anbot, auf den Einstieg in die Glimmerlicht-Liga hat man bisher komplett verzichtet und bietet stattdessen als Workaround eine ins Reader-Cover integrierte externe Leselampe an. Doch wo soll das zukünftig hinführen? Eigentlich kann man nur Nate Hoffelder von The Digital Reader zitieren: „I don’t know what to think. But that’s okay; I’m not sure that even Sony knows what they plan to do with ebooks next“.

Besser spät als nie: Deutscher Sony Reader Store öffnet seine Pforten

Sonys hauseigener E-Store hat nun endlich auch in Deutschland seine Pforten geöffnet – mit mehr als einem Jahr Verspätung. Ursprünglich war die Konkurrenz zu Kindle-Store, iBooks & Co. bereits für den Start des WiFi-Readers PRS-T1 angekündigt worden, um sich dann so lange zu verspäten, dass selbst das Nachfolgemodell PRS-T2 im Herbst 2012 als Sony Reader ohne Store an den Start ging. Zumindest ohne Sony Store – denn das technisch leicht überarbeitete Gerät wurde hierzulande u.a. mit dem E-Store von Libri.de (jetzt: Ebook.de) ausgeliefert. Die Webversion des neuen Stores ist unter de.readerstore.sony.com erreichbar, das breite epub-Angebot („mehrere hunderttausend E-Books“) an deutschen und internationalen Bestsellern steht natürlich auch Lesern offen, die keinen Sony-Reader besitzen.

„Bücherfreunde, die gern internationale Bestseller in der Originalsprache lesen, sind mit dem Reader Store bestens beraten“, meint Sony. Denn das Angebot umfasse elektronische Titel in acht verschiedenen Sprachen, einschließlich zahlreicher Bestseller aus den USA, Großbritannien, Italien und Spanien. Wer möchte, kann somit etwa „50 Shades of Grey“ auf flämisch oder dänisch lesen. Die meisten Titel sind DRM geschützt (Adobe Digital Editions), Sony zufolge gibt es im Store jedoch auch tausende DRM-freie bzw. mit digitalem Wasserzeichen versehene E-Books, etwa die Romane von Ken Follett, Andreas Eschbach und Dan Brown.

Doch ob sich der Besuch wirklich lohnt, ist eine ganz andere Frage. Dank Buchpreisbindung sind bei deutschen Titeln keine besonderen Schnäppchen zu erwarten, rein optisch wirkt der Reader Store ziemlich verwechselbar: nach Themen oder Bestseller-Rang geordnete Buchcover, Kurzbeschreibungen, leider aber keine Leseproben. Ein besonderer Link führt zu den Sony-“Apps“. Doch dahinter verbergen sich keine Apps für Tablet oder Smartphone, sondern lediglich Desktop-Programme, mit denen man auf Mac- oder Windows-Rechnern die persönliche E-Bibliothek verwalten und via USB Lektüre auf den Reader übertragen kann. In punkto E-Book-Ökosystem gibt’s bei Sony somit noch deutlichen Nachholbedarf, Besitzer der Sony- Reader müssen auf externe Apps wie etwa Bluefire oder Aldiko zurückgreifen, wenn sie auf Mobilgeräten weiterlesen möchten.

Abb.: Screenshot