Storyscouting pour la France: Wattpad kooperiert mit Hachette Romans

wattpad-vermittelt-stories-an-hachette-romansStorytelling-Portale sind in der Verlagsszene beliebt – kann man hier doch Talente scouten, deren Texte Bestseller-Potential besitzen. Auf diesen Mehrwert zielt auch die gerade verkündete Kooperation zwischen Wattpad und dem französischen Belletristik-Imprint Hachette Romans. Drei Titel wurden bereits ausgewählt und werden gedruckt wie auch als E-Book in französischer Übersetzung herausgebracht: Light as a Feather, Stiff as a Board, Mr. Popular and I sowie She’s With Me.

Storytelling für alle Formate

Gute Chancen für die Talentsuche bietet Wattpad auch deshalb, weil eine entsprechende Datenbasis zu Verfügung steht — über das „Wattpads Insights“-Feature lassen sich aus den Lektürepräferenzen der mittlerweile 55 Millionen Plattform-Benutzer entsprechende Kandidaten herausfiltern. Zuständig für Vermittlung der Autoren (die Rechte an den Stories besitzt Wattpad nicht) an Publisher wie Produzenten ist die im letzten Jahr gestartete Abteilung „Wattpad Studios“ — inzwischen sind bereits diverse Stoffe aus dem Wattpad-Universum als Print-Roman oder E-Book verlegt worden oder aber für die TV- und Kinobearbeitung recycelt worden.

Social Reading im Fokus

Wie wichtig Social-Reading-Daten für die Publishing-Industrie inzwischen geworden sind, zeigt auch die Tatsache, dass immer öfter Literatur-Plattformen mit aktiver Community von Verlagen selbst gegründet bzw. von Verlagen aufgekauft werden. Für die Refinanzierung selbständiger Plattformen ist die Anschlussfähigkeit in Richtung medialer Verwertungskette natürlich – siehe Wattpad — ebenfalls recht attraktiv…

(via The Digital Reader)

Vom „Social Reading“ zum „Shared Reading“: Gemeinsames Vorlesen als neuer Offline-Trend

shared-reading„Social Reading“ war gestern. Inzwischen bekommt das gemeinsame Lesen und Diskutieren von Literatur in Online-Foren und Apps Konkurrenz aus der Offline-Welt. Das nennt sich „Shared Reading“. Konkret: Aus dem guten alten „Lesezirkel“ ist ein Vorlese-Zirkel geworden. Man trifft sich bei Tee und Cookies, trägt Texte vor und redet darüber. Erst werden die Texte zum Sprechen gebracht, dann die Leser.

„Das langsame Vorlesen, die Unterbrechungen zum Nachdenken – dies alles wirkt auf mich entschleunigend und fokussiert meine sonst so sprunghafte Aufmerksamkeit“, fasst eine Berliner Shared-Reading-Teilnehmerin den Effekt zusammen.

Angeleitet wird ein solches Shared-Reading-Treffen in der Regel von einem ausgebildeten „Facilitator“, im Zentrum steht jedoch der performative Effekt – der vorgetragene Text entfaltet eine ganz besondere Wirkung, er regt zum spontanen Gedankenaustausch an. Und vor allem auch dazu, einen Bezug zwischen dem Text und sich selbst herzustellen. Literatur wird hier also zum persönlichen Erlebnis, das man (mit-)teilen kann.

Begonnen hat der „proaktive“ Vorlese-Trend im britischen Liverpool (siehe thereader.org.uk, interessanterweise vor 20 Jahren, also genau in dem Moment, als das World Wide Web zu boomen begann und das Lesen sich in den virtuellen Raum verlagerte. Spätestens seit letztem Jahr ist „Shared Reading“ aber nun auch in deutschen Literaturhäusern und öffentlichen Bibliotheken zu einem festen Begriff geworden .

Das hat u.a. mit den Berliner „Literaturvermittlern“ Thomas Böhm und Carsten Sommerfeldt zu tun, die zu diesem Zweck die Plattform „literarischeunternehmungen.de“ betreiben. „Shared Reading“ findet zwar naturgemäß nur offline statt, die Verbreitung der Idee jedoch sehr stark online, in den sogenannten „sozialen Medien“. Es geht aber eben noch sozialer…

Wattpad-Alternative aus Rotterdam: Sweek-App setzt auf mobiles Storytelling

sweek-mobile-publishing-app-aus-rotterdamEs hätte Storyteller, Episod, Chappter, Tellit, Mobitales, Mobies, Epicreads oder Storypecker heißen können, nun heißt es ganz einfach: Sweek. Was im urbanen Slang soviel wie „Sweet & Rocking“ bedeutet. Und so muss man erst mal den Claim des niederländischen Startups Sweek lesen, um zu verstehen, worum’s bei der gleichnamigen App gehen soll: „Are you all about mobile? Read, write and share stories! All over the world. In an instant. At no cost.“

Serielles Storytelling soll Leser locken

Alles klar? Wenn Sweek Ende Mai loslegt, soll es so eine Art Wattpad-Killer made in Europe sein – eine mobile Social Reading & Social Writing-App für die Smartphone-Gemeinde, offen sowohl für Indie-Autoren wie für Verlage, mit einem Schwerpunkt auf Kapitel für Kapitel serviertem seriellen Storytelling. Hinter Sweek steht nicht ganz zufällig der niederländische Selfpublishing-Spezialist Mybestseller, bei uns bekannt durch Franchise- und Whitelabel-Ableger wie zum Beispiel Bookmundo, das Self-Publishing-Portal der Mayerschen.

Readfy- statt Oolipo-Modell

Wie genau sich die Plattform am Ende finanziert, ist noch nicht ganz so klar, für die Nutzer soll Sweek aber jedenfalls kostenlos sein — tendiert also strukturell eher in Richtung Readfy als in Richtung Oolipo. Da Sweek auch zur Vermarktung von E-Books auf großen Plattformen (Kindle/Tolino) dienen soll, wird Affiliate wohl ein Standbei darstellen, Premium-Features wie etwa besondere Promotion-Möglichkeiten dürften ebenfalls im Visier des Gründerinnenteams um Veronika Kartovenko und Sabine van der Plas sein.

Europäische Killer-App à la Wattpad fehlt noch

Ob sich’s am Ende lohnt? Schon jetzt wird nicht nur via Wattpad auf allerlei Plattformen alles mögliche geteilt und kommentiert, inklusive Storytelling-Häppchen — doch eine europäische Killer-App für neue Formen des Mobile Publishing fehlt tatsächlich noch. Man darf also gespannt sein, ob Sweek es nach dem Roll-Out in zunächst mal zehn Sprachen ab Juni (inklusive deutsch, Französisch, Spanisch) schafft, à la Wattpad eine große Community um sich zu scharen… Zur Frankfurter Buchmesse im Herbst soll Sweek dann weltweit verfügbar sein, also auch im Wattpad-Heimatland.

(via Buchreport)

Projekt „Call Me Ishmael“: Social Reading & Hearing via Telefon

call-me-ishmaelStorytelling kann auch mal mit kreativen Missverständnissen beginnen, wie etwa im Fall von „Call me Ishmael“. Logan Smalley und Steph Kent interpretieren den legendären ersten Satz von Melvilles ‚Moby Dick‘ proaktiv im Sinne von „Ruf mich an“ – und haben daraus ein Call-In-Projekt für begeisterte Roman-LeserInnen gemacht.

Unter der Nummer 774.325.0503 schalteten die New Yorker Kreativen eine Voice Mail-Box, auf der man persönliche Lektüre-Geschichten hinterlassen kann, siehe auch die Website „callmeishmael.com“. Mindestens ein Anruf pro Tag wird mit einer mechanischen Schreibmaschine transkribiert und über die Sozialen Medien geteilt, siehe etwa dieses bei Youtube gepostete Beispiel („To Kill a Mockingbird“):

Nun soll das Projekt den letzten Schritt zurück in die analoge Erzähl-Wirklichkeit schaffen – in Form des „Call me Ishmael“-Telefons. Das literarische Gerät hat die Form eines klassischen Münztelefons mit Wählscheibe und Gabel zum Aufhängen des Hörers, jede angewählte Ziffer auf der gehackten Replik aus schwarzem Kunststoff führt eine neue Geschichte zu Gehör.

Einen Prototypen haben Smalley und Kent bereits in ihrem lokalen Pub ausprobiert, mit Hilfe der Kickstarter-Crowd soll nun eine ganze Flotte von Call-Me-Ishmael-Telefonen in Bibliotheken, Buchhandlungen und anderen sozialen Orten aufgestellt werden, wobei der Bibliothekar oder Buchhändler zugleich als Kurator dient und via Web-Interface neue Stories einspeisen kann.

Letzlich geht es dabei natürlich genauso um Storytelling wie um Social Reading und Discoverability, denn mit den Geschichten über Bücher entdeckt man ja die Bücher gleich mit und wird von den storytellenden Lesern zu eigenen Lektüreerfahrungen motiviert…

(via Publishers Weekly)

Lituro gelauncht: neue Buchplattform sucht Dialog mit Lesern, Autoren & Verlagen

lituro-social-reading-plattformLiteraturplattformen gibt’s schon einige – im ganz großen Stil international etwa Amazons Goodreads oder national Holtzbrincks Lovelybooks, als smarte deutsche Startups zum Beispiel Watchareadin oder Book-Date. Mit Lituro stößt nun eine weitere Plattform made in Germany (genauer gesagt: made in Saarland) in das schon sehr weite Feld der Literaturvermarktung via Social Reading vor.

„Bücher hochwertig vermarkten“

Ultimatives Ziel ist auch bei Lituro die optimale Discoverability: „Wir ermöglichen Autorinnen und Autoren im Eigenverlag, Verlagsautoren und den Verlagen selbst, Bücher und Buchinhalte jedweder Form auf einfache und trotzdem qualitativ hochwertige Weise zu vermarkten“, so Lituro-Geschäftsführer Christoph Seydel. Lituro verstehe sich als „zentrale Informations- und Diskussionsplattform“ und lade zum „Entdecken, Stöbern und zum Bücherkauf“ ein.

Leser, Autoren & Verlage als Zielgruppe

Autoren können auf der Plattform nicht nur kostenlos ein Profil erstellen, sondern auch gegen monatliche Gebühr eine komplette Homepage gestalten. Verlagen ermöglicht Lituro die Möglichkeit, in die Plattform-Präsenz einen eigenen Shop, Blog oder Veranstaltungkalender mit einzubinden, außerdem werden verschiedene Marketing-Pakete angeboten. Welche Interaktions-Möglichkeiten Lituro für Leser bietet, wird man demnächst wohl auch sehen können – bisher befindet sich die Plattform noch sichtbar im Aufbau.

Wenn das Buch zum Date lädt – Interview mit Simona Dobrescu (book-date)

simona-dobrescu-book-date-im-interviewBrücken schlagen zwischen Mensch und Buch, vor allem auch zwischen Büchermenschen – das möchte die Autorin und Literaturwissenschaftlerin Simona Dobrescu mit book-date.de, einer neuen Social-Reading-Plattform. Das verlagsunabhängige Portal verknüpft mit einem ausgeklügelten Empfehlungs- und Belohnungssystem die Leser-Community mit Autoren, Verlagen, Bloggern und Buchhändlern. Und weist auch auf einen neuen Trend hin: nach Whatchareadin ist book-date schon die zweite Social-Reading-Plattform, deren Gründung von Indie-Autoren selbst in die Hände genommen wird, zählt man noch Qindie dazu, sogar schon die dritte. Wir haben Simona Dobrescu nach Motivation, Geschäftsmodell und Besonderheiten ihres Ansatzes gefragt, von den „verschollenen Bücherzwillingen“ bis zum „Fremdinspirierer“.

E-Book-News: Wenn eine Literaturwissenschaftlerin und Autorin eine Plattform wie book-date auf die Beine stellt, ist das schon etwas besonderes. Was war die Motivation, wie ist book-date entstanden?

Simona Dobrescu: Eigentlich war es von der Literaturwissenschaftlerin und Autorin zu book-date nicht weit :). Ich habe mich stets gerne und viel über Bücher unterhalten, zumeist mit Fans der gleichen Reihe/ selben Autors / ähnlichen Genres. Immer wenn ich auf jemanden traf, der keinen ähnlichen Geschmack hatte, fragte ich mich, ob der Hype/ die Kritik/ die Bestsellerplatzierung gerechtfertigt war, ob ich was verpasste, weil ich dem kategorisch keine Chance gab. Wer bestimmte, was lesenswert war? Ein Algorithmus? Ein Ranking? Zugleich stellte ich fest, dass Bücher verbinden – Figuren, Schreibstile, Namen, sie festigen Gemeinsamkeiten, kreieren eine Zusammengehörigkeit. Was lag da näher als begeisterte Leserin und passionierte Autorin als das zusammenzuführen, was zusammen gehört? Die Idee Buchfans über ihre Lieblingswerke zu verbinden war geboren. So ist man einerseits Botschafter, Berater und Inspirationsquelle – aber lernt auch Neues kennen und erweitert den eigenen Horizont. Bücher sind geschriebene Emotionen. Dieses Potenzial transportieren wir um Brücken zwischen ihren Lesern zu schlagen.

Nachdem ich meinen Debütroman Verdammt. Verliebt. veröffentlichte und noch tiefer in die Welt des geschriebenen Wortes eintauchte (Bloggen, Verlage, etc), machte ich Nägel mit Köpfen. Ich habe mir über ein halbes Jahr ein nettes Team zusammengecastet, dass diese ‚Vision‘ verstand, meine Annäherung an das Thema Social Reading. Von der Graphik-Designerin bis zur IT-Agentur hat jeder mit Begeisterung an book-date gearbeitet. Das sieht man am Ergebnis.

An der digitalen Brücke zwischen Büchern und Menschen wird vielerorts gearbeitet. Was unterscheidet book-date in diesem Punkt von Social-Reading-Plattformen wie Goodreads, Whatchareadin etc.? Vielleicht noch interessanter: Was von OkCupid & Co.?

Auf der einen Seite sind wir komplett unabhängig. Was wo beliebt ist und vermarktet wird, interessiert uns nicht. Keine Verlage im Rücken bedeutet maximale Authentizität, eine prägnantere Glaubwürdigkeit und transparente Entscheidungshilfe. Andererseits verfügen wir über ein ausgeklügeltes Empfehlungssystem und belohnen die engagierten Nutzer.

Bei uns lädt das Buch zum Date, d.h. Bücher verbinden unsere Nutzer bequem und einfach und stehen bei uns klar im Vordergrund. Unsere deutschsprachige Community bringt Bücherfans deren Herzen gleich schlagen, zusammen, egal ob freundschaftlich oder amourös. Diese Entscheidung liegt vom ersten Moment an alleine beim Nutzer. Ob aus der ersten Nachricht, die immer die Freundschaftsanfrage darstellt, ein virtuelles, platonisches book-date oder ein reales wird, ist jedem selbst überlassen.

Eine wichtige Rolle spielen auf book-date ja die „Bücherfreunde“ und „Bücherzwillinge“ (auch „verschollene“…). Was verbirgt sich hinter diesen Begriffen?

Bücherfreunde sind all die Nutzer, die du als book-dater befreundest oder deren Freundschaftsanfrage du annimmst. Es ist der ‚erlesene Zirkel‘ Vertrauter, Gleichgesinnter oder Fremdinspirierer, je nachdem was du auf book-date suchst. Sie sehen dein Profil komplett ein und du ihres. Bei ihnen bleibst du stets auf dem Laufenden. Über neue Bücher, Meinungen, Ratschläge, etc.

Bücherzwillinge sind einer der Gründe, die book-dater auf die Plattform lotsen. Das sind diejenigen Bücherfreunde, die deine Vorlieben und Abneigungen teilen, also Büchergeschmacks-technisch deine ‚Zwillinge‘ sind. book-date schlägt täglich hunderte Brücken zu verschollenen Bücherzwillingen, die dem anderen neue Lesewelten eröffnen.

Welche Möglichkeiten bietet book-date aus Sicht der verschiedenen Nutzergruppen, also Leser, Autoren, Buchhändler/Verleger?

Wir starten erst durch, konzentrieren uns voll und ganz auf die Leser, denen wir eine riesige Datenbank zur Verfügung stellen. Das garantiert, dass jeder seine Werke findet, egal wie speziell der Geschmack sein sollte – sowie den/ die passenden book-dater dazu :). Nachschub an Lesestoff geht damit auch nie aus.

Die Mitgliedschaft ist und bleibt kostenlos. Sonderaktionen (Themenwochen, Gewinnspiele) finden genauso statt sowie die Möglichkeit das gewünschte Buch sofort zu erwerben.

Noch in der zweiten Jahreshälfte etablieren wir dann stufenweise unsere verschiedenen Programm-Portfolios. Autoren helfen wir dabei ehrliche Testimonials via Testlesungen oder Gruppendiskussionen zu erhalten, Feedback für die und eine Plattform zur Bekanntheitssteigerung ihrer Werke. Auch können sie nicht nur mit ihren Fans sondern auch mit Verlagen und Co. in Kontakt treten, gerade bei Indie-Autoren eine sinnvolle Hilfestellung. Buchhändler können book-date u.a. nutzen um bestimmte Filialen prominent zu platzieren oder für Kunden sichtbar zu werden. Bei Verlagen bieten wir u.a. massgeschneiderte Launch-Pakete an, vor oder nach dem Start eines Werkes, die book-dater einbinden und einen gegenseitigen Nutzen generieren. Unsere Nutzer kommen an ihr heiß ersehntes Buch und die Verlage an ihre Zielgruppe und Sichtbarkeit durch authentischen Seeding-Content. Genaueres inkl. Mappen folgt zeitnah am Start.

Was ist das Geschäftsmodell hinter book-date – momentan sehe ich da z.B. Buchlinks in Richtung Amazon, wird es auch weitere Einnahmequellen geben, z.B. über buchbare Buch-Promotion, andere Affiliate-Partner?

book-date möchte alle Aspekte des Lesens verknüpfen, die Neugier, die Zusammengehörigkeit, die Spannung und die Vorfreude auf Neues, Personen und Werke. In erster Linie schlagen wir Brücken via Lesebegeisterung. Durch den seriösen Erwerb über amazon, dem größten deutschen Buchhändler und einem etablierten Anbieter, garantieren wir zusätzlich Nachschub, einen Klick entfernt, und die Buchladen-Atmosphäre im eigenen Wohnzimmer.

Die eben erwähnten Buchpromotionen, Launch-Pakete, Werkvorstellungen, etc. sind nur ein kleiner Teil der Möglichkeiten sich auf book-date zu Profilieren. Auch Affiliate ziehen wir natürlich in Betracht, sowie klassische Online-Werbemittel wie Wallpaper, Billboards und Co.

Was liest’n da!? Whatchareadin – eine Art abgespecktes Goodreads, unabhängig & auf deutsch

Was liest’n da!? Gute Frage, auf dem E-Reader kann man’s ja mangels Cover gar nicht sehen. Trotzdem gut, dass es E-Book-Cover gibt, denn auf Social Reading-Plattformen kommen sie ganz groß raus, auch als persönliches Bücherbord, Stichwort: „Shelfie“. So läuft’s auch auf Whatchareadin.de – einer neuen, multimedialen Literaturplattform, optimiert für mobile Endgeräte. Doch natürlich geht’s nicht nur um das bloße Showing-Off: Das von Romanautor & Software-Entwickler Helmut Pöll gestartete Projekt soll vor allem auch das Reden über Literatur insgesamt für den schnellen Chat unterwegs kompatibel machen. Und das endlich auch mal unabhängig von großen Playern: „Mich hatte immer gestört, dass die namhaften Plattformen alle Konzernen gehören“, so der auch als IT-Berater arbeitende Münchner. „Deshalb habe ich jetzt selber eine gebaut“. Im Grunde genommen sei Whatchareadin „eine Art abgespecktes Goodreads auf deutsch“.

„Auf Whatchareading sollen alle Stimmen Gehör finden“

Eine feste Zielgruppe hat die Plattform nicht im Auge, alle Bookpeople sind willkommen: „Auf Whatchareadin sollen alle Stimmen Gehör finden, hauptsächlich Leser, aber auch Indie-Autoren, Blogger und kleine Verlage“. So bietet Whatchareadin etwa Autoren die Möglichkeit eine eigene Autorengruppe einzurichten. „Dort können sie Bücher vorstellen oder sich mit den eigenen Lesern austauschen“, erklärt Pöll. Das funktioniere „ähnlich komfortabel wie bei Facebook“. Buchinfos, Videos oder Hörproben lassen sich per Drag & Drop posten, wenn man die passende URL zur Hand hat. Grundsätzlich ist Whatchareadin nach zwei Prinzipien geordnet: es gibt ein nach Buchkategorien organisiertes allgemeines Forum, außerdem spezielle, nach Leserinteressen gebildete Gruppen. Außerdem kann man interessanten Whatchareadin-Teilnehmern folgen, um immer auf dem Laufenden zu bleiben und mit ihnen chatten. Wie die einzelnen Mitglieder so ticken, verrät ein Blick auf das jeweilige Bücherregal – wenn es in den Privacy-Einstellungen freigeschaltet wurde.

Promotion-Möglichkeiten für Indie-Autoren

Für (Indie-)Autoren besonders spannend sind die zahlreichen Promotion-Möglichkeiten – Autoren können nicht nur eigene Diskussionsgruppen zu ihren Büchern einrichten oder gemeinsame Leserunden veranstalten, sondern auch Buchpreisaktionen ankündigen, Gewinnspiele veranstalten oder Rezensionsexemplare verteilen. Letzlich hat Pöll damit genau die Plattform geschaffen, die er sich in seiner Doppelfunktion als Leser & Autor gewünscht hatte: „Eigentlich wollte ich nur zwei einfache Dinge. Einmal als Leser schöne neue Bücher finden und dann als Selfpublisher mehr Leser für mein Buch ‚Die Elefanten meines Bruders‘ erreichen. Mit Internet, weil da alle sind“. Zehn Monate Arbeit stecken in Whatchareading, das Ergebnis kann sich sehen lassen, gerade weil auf allzuviel Bling-Bling und manches Nice-to-have verzichtet wurde. Ganz von den großen Konzernen ist Pöll jedoch nicht losgekommen, denn Whatchareadin nutzt die Katalogdaten von Amazon, dorthin verweisen auch die Kauflinks.

DropBox will Readmill schlucken – Social Reading vor dem Ausverkauf?

Erfolglose Berliner Startups werden von deutschen Unternehmen geschluckt, erfolgreiche Berliner Startups dagegen wandern irgendwann nach Silicon Valley. Wenn diese vor einiger Zeit mal von TechCrunch-Autor Mike Butcher formulierte goldene Regel stimmt, muss Readmill ziemlich erfolgreich sein. Denn die von Henrik Berggren und David Kjelkerud angeschobene Social-Reading-App soll angeblich von DropBox aufgekauft werden – sagt jedenfalls TechCrunch. Dem Vernehmen nach könnte die Einkaufstour der Cloud-Speicher-Spezialisten zweierlei bedeuten: zum einen den Umzug der Readmill-Crew von Berlin nach San Francisco, zum anderen die Schubladisierung der sozialen Lesemühle: „considering this is a talent acquisition, it’s likely the service will be shuttered or possibly kept going with minimal support in the near term“, vermutet der ebenfalls in San Francisco ansässige Tech-Blog.

Cloud-Bibliothek mit sozialem Mehrwert

Für DropBox dürfte das Know-How des Berliner Startups tatsächlich sehr wertvoll sein, denn ohnehin nutzen viele E-Leser die intuitiv zu bedienende Cloudspeicher-App schon, um von überall aus und mit unterschiedlichsten Mobilgeräten auf ihre E-Books zugreifen zu können. Besonders beliebt ist auch die Kombination der E-Book-Verwaltungssoftware Calibre mit einer auf Dropbox gespeicherten E-Bibliothek. Was DrobBox allerdings noch fehlt, ist eine integrierte Lösung, die Cloud-Speicher und Social-Reading-App kombiniert – mit der von Readmill entwickelten Technologie würde das in greifbare Nähe rücken. Und damit die Chance, DropBox wieder ein Alleinstellungsmerkmal zu verschaffen, nachdem pure Cloud-Speicher-Apps mittlerweile zur Dutzendware geworden sind. Aus diesem Grund schnappte sich DropBox vor kurzem offenbar auch schon das auf Chat- & Messaging-Technologie spezialisierte Startup „Zulip“.

Ist eine separate Social Reading-App noch sinnvoll?

Der Kaufpreis für Readmill soll 8 Millionen Dollar betragen – erfrischend bodenständig in einer Zeit, wo andere Applikationen gleich für zweistellige Milliardenbeträge verhökert werden. Allerdings ist das schon 2011 gestartete Readmill natürlich nicht mehr ganz so heiß wie What’s App & Konsorten. Die besten Leseempfehlungen, das hat die Buchbranche gelernt, entstehen crowdbasiert im Social Media-Bewusstseinstrom. Social Reading-Elemente sind mittlerweile allgegenwärtig, man findet sie in E-Lese-Apps von Kindle bis Skoobe oder Readfy. Ein Problem, dem sich auch die Berliner Readmill-Konkurrenz dotdotdot stellen muss – die Nutzer mögen zwar verschiedene Geräte besitzen, vom E-Reader über das Tablet bis zum Smartphone. Doch wieviel Multioptionalismus in punkto Apps verträgt das Touch-Screen? Kindle-App für Kindle-Books, Bluefire-App für epubs aus der Bibliothek, Mad Dog App für E-Comics, und dann noch eine separate Social Reading App? Das dürfte viele Leser überfordern.

[Update: Noch am Freitag hat Readmill den Verkauf bestätigt – das Readmill-Team zieht nach SF, die App wird eingestellt.]

Kostenlos, mobil, sozial: Storytelling-Portal Wattpad setzt auf Remix- & Sharing-Kultur

„Stories are free, stories are mobile, stories are remixed“: Wie die Zukunft der Literatur aussehen kann, probiert Wattpad schon seit 2006 aus – auf der Storytelling-Plattform made in Kanada tummeln sich mittlerweile 18 Millionen Mitglieder, die 32 Millionen Geschichten hochgeladen haben und alleine im Jahr 2013 schwindelerregende 41 Milliarden Minuten auf Wattpad verbracht haben. Die aktuellen Zahlen zeigen: Die meisten Geschichten werden nicht nur mobil gelesen (85 Prozent der Nutzung findet via Smartphone oder Tablet statt), sondern auch mobil geschrieben – tatsächlich wird jede zweite Story auf dem Touchscreen eines mobilen Telefons eingetippt.

“We’ve redefined what it means to be a reader by empowering a new generation to read, create and shape the stories that matter to them, all from their mobile devices“, fasst Allen Lau, Wattpad-Mitgründer und CEO, diese Erfolgsgeschichte zusammen. Eine große Rolle spielt dabei natürlich der „Social Reading“-Faktor – Wattpad-Stories werden massenhaft bewertet, diskutiert und kommentiert. So wurden im Jahr 2013 mehr als 160 Millionen Votes, 100 Millionen innerhalb der Community verschickte Nachrichten und 38 Millionen Kommentare gezählt.

Schaut man aus der Perspektive von Wattpad auf die deutsche Buchbranche, meint man in eine ferne Galaxis aus uralter Zeit zu blicken: DRM? Piraterie? Pricing? Vorsicht Buch? Vor Äonen verglühte weiße Zwerge. Die im Leseland immer noch unverstandene digitale Sharing-Kultur ist ein Standbein von Wattpad, schließlich werden die Geschichten mit der Community geteilt, die Lektüre ist kostenlos. Die ebenfalls hierzulande oft ignorierte digitale Remix-Kultur bildet ein weiteres Standbein: Vieles von dem, was man auf Wattpad findet, fällt in den Bereich Fan-Fiction – mehr als 7 Millionen „Fanfics“ wurden im letzten Jahr hochgeladen, darunter Spin-Offs von Hunger Games, Harry Potter oder Doctor Who.

Aber es gibt natürlich auch „Originalgenies“, die nächste Generation der Literatur-Stars, die in der Wattpad-Community geboren werden – wie etwa Beth Reekles, deren Erzählung „The Beach House“ inzwischen mehr als 2 Millionen mal gelesen wurde. Haben Autoren genügend Follower auf Wattpad, können sie übrigens auch Geld mit ihren Geschichten verdienen – denn das 2013 gestartete „Fan Funding“-Programm ermöglicht es, für ein geplantes Buchprojekt vorab Spenden einzusammeln.

Abb.: Screenshot

Kindle Paperwhite plus Goodreads: Firmware-Update bringt Social Reading-Integration (US-only)

“Unsere Buchempfehlungen sind besser als die von Amazon”, kokettierte Goodreads-Gründer Otis Chandler noch Anfang 2013. Kurz darauf schnappte sich Jeff Bezos die Social-Reading-Plattform für einen dreistelligen Millionenbetrag (bezahlt wurde angeglich größtenteils mit Bargeld), und bereitete die Integration der weltgrößten E-Reading-Community mit derzeit 20 Millionen Mitgliedern in das Kindle-Universum vor. Jetzt ist es soweit, zumindest in den USA: das neue Firmware-Update für das neue Kindle Paperwhite II erzeugt ein großes „G“ in der Kopfleiste des Reader-Menüs (entsprechende Updates gibt’s auch für die neueren Fire-Tablets). Per Fingertipp kann man das eigene Goodreads-Regal aufrufen, E-Books bewerten, interessante Passagen bei der Lektüre mit der Community teilen, Reviews lesen, und vor allem auch die Einkäufe bei Amazon in das persönliche Goodreads-Profil einspeisen. Ein Blick auf die Profile von anderen Lesern kann dabei helfen, interessante Lektüre-Vorschläge zu finden.

Amazon holt gegenüber Kobo auf

Der Unterschied zu Amazons Empfehlungs-Algorithmen wie auch Bestseller-Listen im Kindle-Store liegt auf der Hand: durch die vielen Interaktionsmöglichkeiten innerhalb der Goodreads-Community wird die „Discoverability“, also die Möglichkeit, bestimmte Titel zu entdecken (& natürlich bei Amazon zu kaufen), deutlich verbessert. Durch die Goodreads-Integration holt Amazon zugleich gegenüber dem Konkurrent Kobo auf – mit „Reading Life“ hatten die Kanadier ihren Readern schon vor längerer Zeit ein abgerundetes Social-Reading-Konzept verpasst. Im Amazon-Universum war das Soziale Lesen dagegen stark zersplittert. So konnte man Zitate via Twitter und Facebook vom Kindle-Reader verschicken, die am häufigsten markierten Stellen in Kindle-Books anzeigen lassen oder Bücher nach der Lektüre bewerten. Viele erweiterte Funktionen, etwa das Sichtbarmachen von Bibliotheken und das Abonnieren von Nutzer-Profilen („Kindle Profiles“) waren jedoch nur via Kunden-Account auf der Website möglich.

Amazon holt gegenüber Kobo auf

Deutsche Nutzer müssen auf die Goodreads-Integration noch etwas warten – ohnehin ist die Community bisher überwiegend englischsprachig, die Internationalisierung der Plattform wurde bisher eher vernachlässigt. Ein abgespecktes Firmware-Update spendiert Amazon.de aber trotzdem: das Kindle Paperwhite erhält hierzulande zumindest wie in den USA auch das X-Ray-Feature (automatisch erstellte Inhaltsübersicht), Kindle Freetime (Kontrolloptionen für Eltern) sowie Cloud Sammlungen (synchronisierbare Bibliotheksordner).

Abb.: Amazon