Schlagwort-Archiv: Sobooks

sobooks-pivot

Abschiedspost vom Post-Amazon-Konzept: Lobos Sobooks-Plattform ist abgeschaltet

sobooks-pivotZunächst die tldr;-Version: Der Versuch, mit der Social-Reading-Plattform Sobooks das E-Book neu zu erfinden, ist gescheitert — es gab nicht genügend Leser. Nun die Langversion: Als im Frühjahr 2013 die Tolino-Allianz verkündet wurde, wunderten sich so manche über einen illustren Gast: ausgerechnet Sascha Lobo zeigte auf der Start-Pressekonferenz Präsenz, und stellte den versammelten Buchhändlern und Telekom-Männern die kritische Frage: „Meinen Sie nicht, Amazon kann das besser?“

Hinter der Frage stand offenbar eine forsche These: „Ich kann das auch besser“. Denn ein paar Monate zuvor hatte Lobo angekündigt, einen „Verlag neuen Typs“ zu gründen, oder besser gesagt eine „Social Reading Plattform“, Codename: Sobooks. E-Books kaufen, E-Books lesen, E-Books kommentieren, all das sollte zukünftig im Browser stattfinden. Von der Buchbranche insgesamt hatten Lobo und sein Geschäftspartner Christoph Kappes zwar wenig Ahnung, vom (E-)Buchmachen und vermarkten immerhin schon. Und lautet nicht die Startup-Weisheit: Wer eine Branche hacken will, darf nicht zuviel Vorwissen haben?

„Zwei Größenwahnsinnige versprechen die Neuerfindung des Lesens“, verkündete damals folgerichtig das Startup-Magazin „Gründerszene“. Letztlich war es aber nur das konsequente Weiterdenken des E-Book-Konzeptes: wenn elektronische Lektüre ohnehin schon aus HTML-Seiten besteht, warum sollte man sie nicht gleich via Firefox oder Chrome lesen, ohne auf ein anderes Gerät oder in eine E-Reading-App wechseln zu müssen? Warum sollte man nicht all das bei der Lektüre machen können, das man auch aus der Blogosphäre bzw. der Social Media-Sphäre gewohnt ist?

Das E-Book, so wollten Lobo, Kappes et alii uns beweisen, kann mehr, als Amazon erlaubt, und ganz folgerichtig verstanden sie Sobooks denn auch als ein „Post-Amazon-Konzept“. Auch viele große und kleine Verlage waren dieser Meinung, und sprangen auf dieses Boot auf. Nur die Leser machten nicht mit — der E-Book-Markt in Deutschland wurde und wird von Amazon und Tolino beherrscht, trotz aller vielversprechender Experimente. Das Experiment Sobooks wurde nun abgebrochen — „Sobooks hat sich in der ursprünglich geplanten Form trotz solider Umsätze nicht als dauerhaft tragfähig erwiesen“, heißt es in der Abmoderation. Neben „technologie- und branchenbedingten Schwierigkeiten“ werden zudem „unternehmerische Fehlentscheidungen“ angeführt.

Statt Pleite wird dieses Fazit jedoch mit „Pivot“ überschrieben, also: Kurswechsel. Während einige der Sobooks-Macher nun ihre „persönlichen Erfahrungen mit E-Books und sozialer Interaktion“ nutzen wollen, um „ein Produkt im Bildungsbereich“ an den Start zu bringen, muss die E-Book-Avantgarde nun ihre Hoffnungen wohl auf mojoreads setzen – vor dem letzten „Pivot“ als Projekt log.os bekannt. Allerdings kämpft auch mojoreads mit demselben Problem: gibt es jenseits von Kindle Shop und Tolino-Allianz genügend Leser für ein alternatives Angebot?

sobooks

Vom Buch zum Blog? So funktioniert Sascha Lobos Sobooks

Fast ein Jahr lang rätselte die Buchbranche über Sascha Lobos Sobooks-Projekt – nun wurde pünktlich zur Buchmesse das Geheimnis gelüftet: „Bücher sind bei uns eigentlich Webseiten, schon um die Kraft des Internets zu nutzen“, umschrieb Lobo den Kern des Projekts bereits Anfang der Woche im FAZ-Interview, in den Frankfurter Messehallen gab’s dann weitere Details: Jedes Buch bekommt eine eigene URL, kann aber wahlweise auch als epub- oder PDf heruntergeladen werden, und zwar ohne DRM. Im Zentrum der „Social Books“ von Sobooks steht aber die Website – denn online soll jede Menge Interaktion zwischen Lesern und Texten stattfinden: man hinterlässt Kommentare, die wiederum kommentiert werden können, oder postet Zitate in Richtung Twitter oder Facebook, inklusive Rückverlinkung auf die jeweilige Textstelle.

Mischung aus PressBooks & Readmill

Die ersten Screenshots erinnern an eine Mischung aus Blog-dein-Buch, wie man es von der WordPress-Erweiterung PressBooks kennt, und einer Richtung offenem Web aufgesprengten Social-Reading-App à la Readmill. Noch mehr Text-Zirkulation soll die Möglichkeit bieten, ein Web-Book an bis zu drei Freunde auszuleihen. Aber Lobo geht’s offenbar nicht nur um maximale Reichweite von Literatur inklusive der litarischen Kommunikation, sondern auch um’s Prinzip. Mit Büchern und dem Internet sei es so ähnlich wie mit Kifferläden: Gebe es dort alles rund ums Kiffen, bloß nicht den Stoff selbst, erhalte man bisher im Web „alles rund um Bücher. Die Bücher selbst, ihren Inhalt, aber nicht. Oder nur in homöopathischen Dosen als Lesepröbchen“. Das werde mit Sobook nun eben anders.

Zahlreiche Verlage schon mit an Bord

Abgesehen von der Ironie der Irokesen hat Lobo aber auch etwas Balsam für die Nerven der vom Medienwandel gestressten Bibliophilen parat: so erhält Sobooks selbst im Web die klassische Seitenstruktur der Texte, was wohl zusätzliche Orientierung für digitale Immigranten bieten dürfte. Außerdem können mißtrauische Verleger ihre Produkte mit einem digitalen Wasserzeichen versehen, also einer Variante von „sozialem“ bzw. „weichem“ DRM. Tatsächlich sind schon eine Menge großer wie auch kleiner Verlage an Bord, von Random House bis SuKuLTuR. Am letzten Tag der Buchmesse (13. Oktober) startet eine geschlossene Beta-Phase mit einer Handvoll ausgewählter Titel zum Testen.

„Post-Amazon-Konzept“

„Das, was wir tun, nennen wir mittelgrößenwahnsinnig: Post-Amazon-Konzept“, hat Lobo ausgerufen – etwas mehr als die geschlossenen (App-)Universen der großen Portale bietet Sobooks auf jeden Fall. Gerade in punkto „Discoverability“ bieten deutsche Buchhandels-Portale bisher kaum überzeugende Lösungen. Amazon dagegen besitzt mit Goodreads neuerdings sogar eine eigene Social Reading-Plattform. Die perfekte Integration von Online-Leseumgebung, Community und E-Store jedoch ist bisher auch Jeff Bezos nicht gelungen. Hier könnte der strategische Vorteil von Newcomern wie Sascha Lobo liegen, die zwar erfolgsorientiert denken, aber eins erklärtermaßen nicht möchten: zum Gatekeeper werden.

sascha lobo will mit sobooks ereader beerdigen

Offen, sozial, browserbasiert: Mit „Sobooks“ will Sascha Lobo den E-Reader beerdigen

„Ich will die Branche mit ihren eigenen Waffen schlagen“: Als Keynote-Speaker Sascha Lobo Mitte 2012 die AKEP-Bühne betrat, gabs nicht nur 15 unbequeme Thesen zum Buchmarkt zu hören, sondern auch eine Breaking News – er werde „Sobooks“ gründen, einen Verlag neuen Typs, kündigte der Alpha-Blogger an. Seitdem rätselte die Branche, welche der präsentierten Buchmarkt-Tipps Lobo wohl umsetzen würde: Abschied von DRM, Produktpreis von Null Euro, Flatrate, Social Reading, Crowdfunding, oder gleich alles zusammen?

Einen wichtigen Hinweis gab schon damals Lobos Kompagnon Christoph Kappes: „Vielleicht führt das Wort ‚Verlag‘ in die Irre“, erläuterte der Unternehmensberater & FAZ-Autor gegenüber W&V. Sobooks verstehe sich „eher als als Bündel von Services für Autoren und für Nutzer, dadurch kommt man mittelfristig zu neuen Preismodellen“. In der Überschrift des Artikels war sogar von einer „Social Media-Plattform“ die Rede – doch dann folgte erstmal Funkstille. Außer einer Landing-Page mit Newsletter-Abo war bisher unter sobooks.de nichts zu finden…

Mehr als ein Jahr nach der Ankündigung scheint nun der Startschuss näherzurücken – und im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse machen etwas konkretere Infos die Runde: „Sobooks findet komplett im Browser statt. Wir glauben nicht an zusätzliche Geräte“, verriet Lobo jetzt im Interview mit dem Börsenblatt. E-Reader seien auf dem absteigenden Ast, genausowenig gehöre aber geschlossenen Systemen wie à la Amazon die Zukunft: „Wir haben Sobooks gegründet, um ein offenes, internetaffines Konzept in die Welt zu stemmen.“

Social Reading wird wohl ein weiterer Aspekt des browserbasierten E-Lese-Konzeptes von Sobooks sein – was man auch schon am Namen ablesen kann: Sobooks, so Lobo, steht nämlich für „Social Books“. Der Verlag neuen Typs könnte sich also am Ende als eine Art Crossover aus Readmill und Skoobe herausstellen, vielleicht noch mit einer Prise Xinxii und Startnext – und vor allem auf die Nutzer von Tablets und Smartphones zielen. Insofern dürfen wohl nicht nur die Leser, sondern auch die Autoren gespannt sein…

Abb.: Flickr/moeffju (cc)