Mission Leserausch: Selfpublishing-Day 2019 in Nürnberg kreist ums Entwickeln, Plotten & Schreiben

sp-day-2019Vorhang auf zum jährlichen Klassentreffen der deutschen Indie-Autoren: Der 6. Self-Publishing-Day 2019 in Nürnberg steht unter dem Motto „Dialoge, Charaktere und Spannung – Entwickeln, Plotten, Schreiben“ — neben diesen Kernthemen geht es am 18. Mai auf der Nürnberger Burg u.a. auch Marketing- und Social Media Strategien oder Sonderthemen wie dem digitalen Nachlass. Die Self-Publishing-Branche boomt: Mittlerweile wird geschätzt, dass etwa einhunderttausend Autoren das Self-Publishing als verlagsunabhängige Vertriebsform nutzen.

Professionaliserung auf hohem Niveau

Im Gegensatz zu Verlagsautoren sind Selfpublisher auch für das Buchcover, das Lektorat, das Korrektorat und für das Marketing selbst zuständig — und investieren dafür auch kräftig. „Selfpublisher sind Auftraggeber für Lektoren und Designer, um ihre Bücher komplett in Eigenregie zu erstellen“, sagt Dr. Lutz Kreutzer, Veranstalter des Self-Publishing-Days. „Die Professionalisierung im Self-Publishing hat ein sehr hohes Niveau erreicht.“

Das spüre man auch am Publikum beim Self-Publishing-Day, so Kreutzer, denn Literaturscouts und -agenten besuchen die Tagung, um talentierte Autoren zu entdecken. Die großen und bedeutenden Internet-Plattformen und Marktplätze für Selfpublisher unterstützen als Sponsoren und Aussteller
den SP-Day. Zu den Sponsoren gehören Amazon, BoD, Tolino Media sowie der Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL).

Lernen von den Bestseller-AutorInnen

Das Ungewöhnliche am Self-Publishing-Day ist, dass Bestseller-Autoren sich offen mit Anfängern austauschen. Dies geschieht in Vorträgen, Workshops, beim Podium-Interview und in
den Pausengesprächen. Zwei Bestsellerautorinnen erzählen etwa, wie auch sie vor wenigen Jahren aus dem Nichts angefangen haben: Mira Valentin, Preisträgerin des Deutschen
Selfpublisher Award 2017, stellt sich einem langen Interview auf offener Bühne, und Michelle Schrenk zeigt in einem Workshop, wie ihr Buch zum Kindle Jahresbestseller 2017 wurde.

Wettbewerb „5 Minuten Leserausch“

Zum ersten Mal veranstaltet der Self-Publishing-Day in diesem Jahr den Lesungswettbewerb „5 Minuten Leserausch“ in der Thalia-Filiale Nürnberg (17. Mai 2019 um 18 Uhr). Bei diesem
öffentlichen Wettbewerb, bei dem ausschließlich Selfpublisher aus ihren Büchern lesen, werden die Kandidaten hauptsächlich nach der Qualität ihres Vortrags bewertet. „Der Inhalt spielt zwar
auch eine wichtige Rolle“, so Kreutzer, „aber die Idee des Wettbewerbs ist, die große Bedeutung für die Performanz einer Lesung zu erhöhen. Denn eine Lesung steht und fällt mit dem Einsatz der Stimme, die man als Autor erst einmal finden und bilden muss.“ (Anmeldungen unter leserausch.sp-day.de)

Mehr Infos und Tickets (noch günstig) unter: self-publishing-day.com

Google Play öffnet erneut die Türen für Indie-Autoren, vorsichtig, Schritt für Schritt

google-play-erlaubt-wieder-indie-autorenGewinne neue Fans und verkaufe mehr Bücher“ — super Tipp, den man auf der Landing-Page des „Books Partnercenter“ von Google Play lesen kann. Leider ist Googles Self-Publishing-Plattform aber seit mehr als zwei Jahren geschlossen, es werden offiziell keine neuen Mitglieder aufgenommen. Grund für das Herunterlassen der Jalousien war die Überhand nehmende E-Book-Piraterie — immer mehr „Scammer“ veröffentlichten via Google Play Texte von Dritten ohne Genehmigung.

„Begrenzte Zahl von Publishern wird aufgenommen“

Doch mittlerweile wurde die direkte Pforte (es gibt ja auch den Weg über Distributoren) wieder einen Spalt breit geöffnet: „We’re currently accepting a limited numer of new Publishers“, heißt es in einer Ankündigung, inklusive Weiterleitungs-Link zu einem Anmeldeformular. Als Verlagstyp kann man alternativ die Option „Autor im Selbstverlag“ angeben, d.h. die Anmeldung steht nicht nur konventionellen Verlagen, sondern auch Indie-Autoren offen.

Google hat Probleme mit E-Book-Piraterie

Die etwas merkwürdige Door-Policy hat offenbar damit zu tun, dass Google – ähnlich wie Amazon – das Betrugs-Problem alleine mit Algorithmen nicht in den Griff bekommen kann, und deswegen auf Anmeldungen, Wartelisten und händische Betreuung setzt. Oder, wie Nate Hoffelder von The Digital Reader schreibt: „they may have no other choice but to have a real person deal with the problem„.

Ein Satz, den man immer öfter hört in diesen Tagen… Ob nun digitales Mobbing, Fake-News oder eben E-Book-Piraterie, so richtig gut läuft es im Web am Ende nur noch, wenn auf beiden Seiten der (Daten-)Leitung an irgendeiner Stelle auch mal ein Mensch in der Kommunikationsschleife sitzt.

Neue BILD-Bestseller-Liste: inklusive Indies, inklusive E-Books, ermittelt von Amazon.de

bild-bestseller-liste-powerd-by-amazonEs ist „vielleicht Deutschlands spannendste Bestseller-Liste“, wahrscheinlich aber das aussagekräftigste Ranking der Branche: ab sofort veröffentlicht das Boulevardblatt BILD jeden Donnerstag die Amazon.de-Top 20-Bestseller aus den Bereichen Sachbuch und Belletristik. Das Besondere dabei: es handelt sich um „tatsächliche“ Verkaufs-Zahlen der jeweiligen Vorwoche, Hardcover, Taschenbuch und E-Book (ohne KU bzw. KLL) werden zusammengezählt.

„Fördert lebendige Literatur-Szene“

Weitere Besonderheit: durch die starke Stellung von Amazons Plattformen KDP und Createspace sind natürlich nicht nur Verlagstitel enthalten. In den Worten von Kai Diekmann: „Die BILD-Bestsellerliste ist überfällig, da sie auch Autoren, die sich für das Self-Publishing entschieden haben, berücksichtigt“. Damit fördere man eine „lebendige und zukunftsorientierte Literatur-Szene“, so der Gesamtherausgeber der Bild-Gruppe.

Tatsächlich findet man bei den Belletristik-Bestsellern aktuell schon auf Platz 2 und 3 zwei Indie-Titel, nämlich Karin Lindbergs „Vertraglich Verliebt“ sowie „Solange es Schmetterlinge gibt“ von Hanni Münzer, insgesamt ist fast die Hälfte der Titel self-published oder von Amazon Imprints veröffentlicht. Anders sieht es bei den Sachbüchern aus: hier tauchen momentan überhaupt keine Indie-Titel auf.

BILD will „Manipulationen ausschließen“

Schon die Betonung der „tatsächlichen“ Verkaufszahlen inklusive Indies lässt sich natürlich als kleine Spitze gegen die von Listenredakteuren überarbeiteten Bestseller-Rankings von Spiegel, Focus, Brigitte & Co. verstehen. Eine weitere folgt in den FAQs: „Können sich Verlage oder Autoren ihre Platzierungen kaufen?“ — „Nein! Um Manipulationen auszuschließen, werden nur haushaltsübliche Bestellungmengen erfasst. Und: Bei den E-Books ist sowieso nur ein Kauf pro Kundenkonto möglich“.

Apropos Kaufen: da die Liste jeweils am Mittwoch abend ab 22 Uhr auch auf Bild.de zugänglich ist (vorausgesetzt, man hat den Adblocker deaktiviert), kann man über die Affiliate-Links der BILD-Bestseller die Lektüre auch gleich bei Amazon.de shoppen. Eine klassische Win-Win-Situation – von den Klickzahlen her passen Deutschlands größter Online-Buchhändler und das besucherstärkste Nachrichtenportal (November 2015: 322 Mio. Visits) perfekt zusammen. Die traditionellen Buchhändler allerdings dürften mit den Zähnen knirschen…

Nix Tolino, Bookmundo: Mayersche launcht eigenes Self-Publishing-Portal

bookmundoEin Indie-Softlaunch aus NRW macht langsam im Web die Runde. Vor einigen Tagen hat die Mayersche Buchhandlung mit „Bookmundo“ ihr eigenes Self-Publishing-Portal gestartet. Damit geht die umsatzmäßig bedeutende, offline aber nur regional verankerte Buchhandelskette mal wieder ganz eigene Wege. Denn auch im E-Reader-Geschäft bevorzugt die Mayersche den dritten Weg, genauer gesagt Pocketbook. Die anderen großen Player (Thalia, Weltbild, Hugendubel) setzen ja bekanntlich voll auf Tolino, auch beim Self-Publishing.

Leider nur recht niedrige Margen

Bookmundo ermöglicht die Distribution von E-Books wie auch Print-On-Demand, die Margen sind jedoch (siehe Preisrechner) niedriger als bei der Konkurrenz: ein E-Book für 3,99 Euro erzielt zwischen 1,15 Euro (Kobo) und 1,51 (Buchhandelsplattformen), ein Taschenbuch mit 200 Seiten im Format A5 erzielt 1,02. Nur bei der exklusiven Distribution über die Mayersche gibt’s etwas mehr, nämlich 1,45 Euro. In diesem Fall muss man auch die ISBN nicht bezahlen, ansonsten werden jeweils 12,75 Euro Gebühr fällig.

White-Label-Shop via mybestseller

Was wohl auch damit zutun hat, dass die Mayersche das Rad in punkto Self-Publishing nicht selbst neu erfinden wollte, sondern auf ein White-Label-Shopsystem gesetzt hat: Laut Impressum steckt nämlich das niederländische Unternehmen mybestseller hinter diesem Angebot. Und der kassiert natürlich auch für jede Veröffentlichung eine Provision. Für Autoren zwischen Wuppertal und Teutoburger Wald, die sich vor allem regional via Mayersche.de vermarkten wollen, könnte es aber durchaus lohnenswert sein…

(via selfpublisherbibel.de)