Self-Publisher-Umfrage: Deutsche Indie-AutorInnen verdienen im Schnitt 500 Euro pro Monat

Was motiviert eigentlich Deutschlands Indie-AutorInnen, wie arbeiten sie, und nicht zuletzt: lohnt sich Self-Publishing wirklich? Wer auf solche Fragen eine mehr oder weniger aussagekräftige Antwort sucht, findet sie in der aktuellen Umfrage zum Stand des Self-Publishing, organisiert von Matthias Matting & Hilke-Gesa Bußmann (siehe die ausführlichen Ergebnisse auf selfpublisherbibel.de). Mehr als 800 Autorinnen und Autoren füllten die Fragebögen aus, deutlich mehr als im letzten Jahr. Insgesamt soll es ja hierzulande grob geschätzt 70.000 Indies geben, die Studienteilnehmer dürfte also ungefähr ein Prozent der Spezies Self-Publisher repräsentieren.

Wer glaubt, Self-Publisher seien einfach frustrierte Autoren, die bei Verlagen abgeblitzt sind, wird gleich mal eines Besseren belehrt: das ist nur für ein Drittel ein Motiv. Die wichtigsten Gründe haben weitaus mehr mit Freiheit und Kontrolle zu tun: das ist nämlich für zwei Drittel bzw. die Hälfte der Teilnehmer das ausschlaggebende Argument. Mehr als jeder zweite gibt dementsprechend auch an, überhaupt noch nie via Verlag veröffentlicht zu haben.

War Self-Publishing vor zwei, drei Jahren noch identisch mit Kindle Direkt-Publishing, so hat sich das Feld mittlerweile deutlich differenziert: zwei Drittel der Befragten nutzen Distributoren, um ihre E-Books auch auf andere Buchhandelplattformen zu bringen. Besonders beliebt dabei: BookRix und Neobooks. Ob’s wirklich so viel bringt, ist eine andere Frage. Bei Self-Publishing-Titeln scheint die Dominanz des Kindle-Stores nämlich noch sehr stark zu sein – für die meisten Autoren bleibt er einnahmetechnisch die wichtigste Plattform.

Wer sich Einnahmen erhofft, ist auch motiviert, vorab etwas zu investieren. Viele Autoren tun das inzwischen auch, im Durchschnitt geben sie sogar mehr als 250 Euro pro Titel aus. Die wichtigsten externen Dienstleistungen, die dafür erkauft werden, sind nicht zufällig die Covererstellung, Lektorat/Korrektorat und die Herstellung von Werbematerial – also Kernbereiche traditioneller Verlagstätigkeiten. So gesehen vielleicht auch kein Wunder, dass die meisten Self-Publisher sich vorstellen könnten, ihre Bücher auf klassischem Wege verlegen zu lassen, wenn denn das Angebot stimmen würde.

Kann man denn vom unabhängigen Schreiben existieren? Jeder Zehnte macht über 1000 Euro im Monat, und ein paar Edelfedern (knapp 3 Prozent) leben mit mehr als 5000 Euro monatlich sogar in Saus und Braus. Für die meisten ist Schreiben aber bisher eher ein Zubrot, der mittlere Verdienst liegt bei 494 Euro. Doch immerhin: bei der ersten Self-Publisher-Umfrage im Jahr 2013 waren es noch 312 Euro. Es geht also voran, was wohl auch daran liegt, dass die Autoren immer produktiver werden – 15 Prozent haben bereits sechs bis zehn Titel veröffentlicht, 13 Prozent sogar schon mehr als zehn Titel. Und immer erfolgreicher: jeder Dritte hat es schon mal in die Top 100 der Kindle-Charts geschafft.

Abb.: Flickr/starmanseries (cc)