Bundestag ändert Preisbindungs-Gesetz: E-Books explizit erfasst, Self-Publishing-Titel ausgeschlossen

bundestag-dehnt-buchpreisbindung-explizit-auf-ebooks-aus„Deutschlands Zukunft gestalten“ will die Große Koalition. Dazu gehört erklärtermaßen auch, die Buchpreisbindung nicht nur zu erhalten, sondern explizit in Richtung E-Books auszubauen. Bisher war im Buchpreisbindungs-Gesetz (BuchPrG) nämlich nur sehr allgemein von „Produkten, die Bücher reproduzieren oder substituieren“ die Rede, was zumindest theoretisch immer wieder Anlass zu Spekulationen gab. Damit dürfte es es jetzt vorbei sein: diese Woche hat der Bundestag mit großer Mehrheit eine Gesetzesänderung beschlossen, die einen entscheidenden Satz einfügt: „wie zum Beispiel zum dauerhaften Zugriff angebotene elektronische Bücher“.

Alle Bücher sind jetzt E-Books…

Damit wolle man „Rechtssicherheit für die Marktbeteiligten“ schaffen, heißt es in der Begründung des Gesetzesentwurfs. Dann wird nochmal ausführlich klargestellt, um was für E-Books es sich zukünftig bei den E-Books im Sinne des Gesetzes handelt, das Anfang September in Kraft treten wird: „Der Preisbindung unterliegende elektronische Bücher werden zum dauerhaften Zugriff angeboten und sind unter Würdigung aller Umstände als überwiegend verlags- oder buchhandelstypisch anzusehen. Es ist nicht erforderlich, dass sie auch in gedruckter Form vorliegen.“

…manche werden ausgedruckt

Mit anderen Worten: Ein E-Book substituiert ein Print-Buch auch dann, wenn eine Version aus Papier gar nicht existiert. Was natürlich der medialen Realität durchaus Rechnung trägt: mittlerweile sind alle Bücher erstmal E-Books (nämlich im Produktionsprozess), und manche werden ausgedruckt. Trotzdem sind aber nicht alle E-Books automatisch preisgebunden — Mietmodelle werden mit der obigen Formulierung vom Gesetzgeber ebenso ausgeschlossen wie Self-Publishing-Titel.

Self-Publishing & All-you-can-read ausgenommen

Ähnlich sahen das schon bisher Dieter Wallenfels und Christian Russ, die traditionellen Kommentatoren des Preisbindungsgesetzes, was zwischenzeitlich für Verwirrung beim Börsenverein gesorgt hatte. Nun stellt die Bundesregierung noch mal klar: „Elektronische Bücher, die nicht als verlags- oder buchhandelstypisch anzusehen sind, wie beispielsweise von den Autoren selbst unter Nutzung spezialisierter Plattformen veröffentlichte elektronische Bücher, fallen nicht unter die Preisbindung.“ Auch müsse der Nutzer „dauerhaft das Recht erwerben, das elektronische Buch zu lesen“. Temporäre Zugriffe z.B. über monatliche Mietpreise seien nicht preisgebunden.

Bundesrat will Affiliate-Marketing verbieten

Nicht mit aufgenommen in den Gesetzesentwurf wurde übrigens das vom Bundesrat vorgeschlagene Verbot von Affiliate-Marketing für Bücher und E-Books. Die Bundesregierung ist da zum Glück anderer Meinung – in einer Gegenäußerung wird nochmal klargestellt: „Mit der Buchpreisbindung wird aber der Wettbewerb nicht insgesamt ausgeschlossen“. Zulässig sei beispielsweise, dass Verleger den Händlern Rabatte gewähren, und dass die Buchhändler in Werbung oder Verkaufsförderung investieren. Alles andere sei ein Eingriff in die vom Grundgesetz geschützte Freiheit der Berufsausübung.

Abb.: Destinyandfaith/Flickr (cc-by-2.0)

Quick Guide: So vermarkten Self-Publisher ihre E-Books via Facebook, Twitter & Instagram

marketing-tipps-fuer-self-publisher-soziale-netzwerkeAm 9. April 2016 fand in München der 3. Self Publishing Day statt — Selbstverleger, Einsteiger sowie Noch-Nicht-Autoren erlebten dort zahlreiche Workshops und Vortragsthemen rund um Self-Publishing, E-Book Marketing und PR-Strategien. Mit dabei als Sponsor & Aussteller war auch der Self-Publishing-Dienstleister Feiyr. Für all diejenigen, die beim #SPDay2016 nicht dabei sein konnten, haben Marleen Olschewski und Maike Hall, bei Feiyr für den Bereich E-Books, Hörbücher und Hörspiele zuständig, einen Quick-Guide zur E-Book-Vermarktung auf Facebook, Twitter und Instagram geschrieben.

Soziale Netzwerke: Unverzichtbar bei der E-Book-Vermarktung

Self Publishing ist für Autoren, die unabhängig von einem Verlag Ihre Bücher genau nach Ihren Wünschen und Vorstellungen veröffentlichen möchten, eine sehr gute Option. Auch wenn man sich noch keinen „großen Namen“ gemacht hat, werden die eigenen eBooks auf allen großen Plattformen angeboten. Soziale Netzwerke bieten den Autoren dabei optimale Möglichkeiten, mit ihren Lesern zu interagieren und die Werbetrommel für sich zu rühren. Die Reichweite ist sehr groß und auch potenzielle Leser, die sonst gar nicht auf das eBook gestoßen wären, können erreicht werden.

FACEBOOK

Unter www.facebook.com/pages/create.php kann jeder Autor eine Fanseite für sein eigenes eBook einrichten. Auf Deiner Fanseite können Preisaktionen und Gewinnspiele verbreitet sowie Fotos und Videos geteilt werden, und vieles mehr. Man sollte mindestens dreimal pro Woche posten und versuchen, mit Fans zu engagieren, indem man ihre Kommentare antwortet und „Likes“ verteilt. Diesbezüglich verfügt Feiyr über zwei Facebook Seiten, „Feiyr-books“ und „Your eBook Promo“: Auf den Seiten werden regelmäßig Infos rund um eBooks, Hörbücher und Hörspiele veröffentlicht und bereits veröffentlichte eBooks beworben. Kunden können ihr eigenes Posting buchen und somit mehr Reichweite für ihr eBook generieren und potentielle Leser erreichen.

TWITTER

Unter den gängigen Social Media Kanälen ist Twitter das beste Kommunikations-Medium: Über Twitter kann man neue Leser gewinnen und die Aufmerksamkeit auf sich lenken. Wie kann man Twitter richtig nutzen? Nach der Anmeldung sollten Einsteiger sofort twitternden Autoren und berühmten Persönlichkeiten folgen, die ihnen auch zurückfolgen könnten. Man sollte mindestens einmal am Tag twittern: Das kostet sicher nicht so viel Zeit, weil ein Tweet maximal 140 Zeichen groß sein kann. Es ist wichtig, mit seinen eigenen Followern zu interagieren, z.B. indem man Beiträge liket und re-tweetet. Schließlich kann man auch seine eigenen Beiträge twittern: Das können entweder Kurztexte sein aber auch Verweise auf längere Texte. So entspinnt sich eine Diskussion, der auch andere Twitterer beitreten, die so auf den Namen eines Autors stoßen. Hier kann ein Autor seine Meinung äußern und zeigen, dass er Fantasie hat.

INSTAGRAM

Ein Tool, das viele Autoren und Selfpublisher gerne mögen und das sich positiv auf ihre Verkäufe auswirkt ist die Foto-App Instagram. Wenn ein Autor sein eBook auf Instagram vermarkten will, sollte er nicht vergessen, schöne und aussagekräftige Bilder zu posten, die die Story seines eBooks erzählen bzw. sein Werk so besonders machen. Die Instagram-App ermöglicht es auch, Fotos aufzuhellen, zuzuschneiden und mit Filtern zu bearbeiten, bis sie perfekt sind. Man kann aber auch spezielle Fotobearbeitungs-Apps verwenden, um die eigenen Bilder perfekt zu machen. Autoren sollten ihre Werke auf jeden Fall mit den richtigen Keywords ausstatten, um ihre Auffindbarkeit zu verbessern. Mit Followern interagieren, Kommentare beantworten und Bilder anderer User zu liken ist auch extrem wichtig. Man sollte regelmäßig posten (einmal pro Tag reicht völlig) und last but not least lässt sich Instagram auch zu Promo-Zwecken nutzen, wie z.B. Werbeaktionen.

List der Unvernunft, oder: Wie sich die „Big Five“ selbst aus dem E-Book-Markt katapultieren

unit-sales-trend-20160110Haben sich die großen US-Verlage mit übertriebenem E-Book-Pricing im Kindle Shop selbst um Marktanteile gebracht zugunsten der günstigeren Self Publishing-Titel? Sieht ganz so aus. Die Seattle Times brachte kürzlich eine interessante Analyse zum Thema „Agency Modell“, also der 2014 von den „Big Five“ durchgesetzten Möglichkeit, Endkundenpreise im Kindle Store selbst zu bestimmen und dies nicht mehr — wie zuvor — Amazon zu überlassen („Wholesale-Modell“).

Print wiederbelebt, E-Books gekillt

Mittlerweile berichteten große Publisher wie Hachette, so die Seattle Times, nicht nur von schrumpfenden Umsatzanteilen von E-Books, sondern auch über neues Wachstum bei Print: die Kunden kaufen in vielen Fällen angesichts hoher Digital Preise dann doch lieber die gedruckte Version.

Auch der „Gesamtmarkt“ für E-Books schrumpft, dokumentierte zuletzt der Branchenverband „Association of American Publishers“ (AAP) — doch diese Zahlen für 2015 betreffen wohlgemerkt nur klassische Verlagstitel. Amazon — in den USA bei weitem der wichtigste Marktplatz für elektronische Bücher — verzeichnet starkes Umsatzwachstum bei E-Books aus firmeneigenen Imprints wie auch Self-Publishing-Titeln.

E-Book-Markt hat sich um 180 Grad gedreht

Das hohe E-Book-Pricing der „Big Five“ von Hachette bis Simon & Schuster habe letztlich dazu geführt, die Machtverhältnisse auf den Kopf zu stellen, so die Seattle Times unter Berufung auf Hugh Howeys aktuelle Marktanalyse auf dem „Author Earnings“-Blog.

Dort liest man nämlich: „Die Big Five verkaufen jetzt weniger als ein Viertel aller E-Books auf Amazon, während die Indies stramm auf einen Anteil von 45 Prozent zumarschieren.“ („The Big 5 now account for less than a quarter of ebook purchases on Amazon, while indies are closing in on 45%“).

Ein klassischer Fall von „We told you so!“

Was mal wieder zeigt: selbst wenn Amazon auf die Wünsche der traditionellen Verlage eingeht (vgl. Kopierschutz & die Closed-Shop-Problematik), heißt der Gewinner am Ende dann doch wieder Amazon. Weil’s dabei um die üblichen beratungsresistenten Verdächtigen geht, darf man hier wohl getrost auch von der „List der Unvernunft“ sprechen…

Der Storyteller als Kontaktknüpfer: Networking-Tipps für Self-Publisher

storyteller-als-kontaktknuepferWas ist ein Autor? Ein Autor ist nicht nur ein Geschichtenerzähler, ein Märchenschreiber oder jemand, der das Leben so beschreibt wie es wirklich stattfindet. Ein Autor sitzt nicht in seinem Kämmerlein und schreibt vor sich hin, was ihm seine Muse zuflüstert. Ein Autor ist ein Mensch, der ebenso soziale Kontakte hat und braucht. Ein Mensch, der oft auch aus diesen Kontakten — aus Freunden, Erlebnissen, Veranstaltungen und Eindrücken — seine Ideen schöpft. Wir wollen hier kurz auf die Möglichkeiten eingehen, die ein Autor hat mit anderen Autoren und Lesern in Kontakt zu treten.

Für viele Leser ist es wichtig mit dem Autor in Kontakt zu kommen. Kann der Autor nicht einen noch besseren Einblick in seine Geschichte geben? Mehr über die Protagonisten erzählen, die man so lieben gelernt hat? Über die Charaktere, die einen ans Herz gewachsen sind, mit denen man liebte, litt, hasste, von denen man genervt war und die man auch mal weglegte, um sich über sie zu ärgern?

Der Kontakt zwischen Lesern und Autoren ist ebenso wichtig wie der Kontakt von Autoren untereinander. Heutzutage ist es für die Autoren schon viel einfacher geworden, diesen Kontakt zu pflegen und für die Leser und Kollegen greifbar zu sein. Soziale Medien erleichtern den Austausch zwischen Autoren und Lesern in der ganzen Welt, unabhängig von der Zeitzone, unabhängig vom Ort. Aber natürlich ist es auch wichtig, ein gesundes Maß zu finden. Denn Schreiben muss der Autor ja weiterhin – an seinem Buch. Und der Leser will mitfiebern können – aber vielleicht nicht bei allen privaten Angelegenheiten des Autors.

Überlege dir, wie du als Autor auftreten willst.

Möchtest du eher distanziert sein, oder willst du deine Leser ganz nah an dich ran lassen?

Möchtest du Deine Leser mitbestimmen lassen oder vielleicht einfach nur fertige Geschichten mit ihnen teilen? Sollen deine Leser am Schaffensprozess teilnehmen?
Das sind alles Themen, die man als Autor bedenken muss und über die man sich evtl. vor einem Auftreten in der Öffentlichkeit klar werden sollte. Wir wollen hier kurz auf die Möglichkeiten eingehen, die ein Autor hat mit anderen Autoren und Lesern in Kontakt zu treten.

Soziale Medien & Foren

Gerade als ebook-Autor ist es wichtig, seine Community online anzusprechen, denn dort ist der Weg zum Produkt viel kürzer als beispielsweise auf einer Buchmesse oder im stationären Handel.

Autorenseite auf Facebook

Richte deine eigene Autorenseite auf Facebook ein. Dort kannst du zwar mit deinem privaten Profil als Administrator zuständig sein, dein Profil kannst du dann allerdings weiterhin nur für Freunde und enge Bekannte bespielen.
Du kannst mit einer „Unternehmensseite“ eigentlich alles machen, was du auch als privater User kannst. Du kannst private Nachrichten schreiben, Beiträge auf deiner Pinnwand posten und auch Beiträge anderer Seiten teilen. Auch deine Leser können auf deine Seite posten, können dich abonnieren und auf „Gefällt mir“ klicken.

Dazu kannst du auch noch wunderbar deine Statistiken in Facebook auswerten und so genau verfolgen welcher deiner Posts besonders funktioniert hat und was gut ankommt.

Andere Autorenseiten, denen du folgst, hast du hier im Newsfeed auf einen Blick und kannst direkt als deine Seite interagieren.

Gruppen auf Facebook

Es gibt unzählige Facebook-Gruppen, in denen du dich mit deinen Lesern und anderen Autoren austauschen kannst. Von Fantasyliebhabern und Horrorfans über Lyrikschreiber bis hin zu Covergestaltern. Wenn du die für dich richtige Gruppe findest, kannst du dort tolle Freundschaften knüpfen und Autoren finden, um mit ihnen gemeinsame Marketing-Aktionen zu planen.
Natürlich kannst du auch deine eigene Gruppe gründen, um dort die richtigen Menschen zu finden – oder gar eine Fangruppe, um deine Leser immer auf dem Laufenden zu halten.

So hilft neobooks beim Networking

Nutze unser Forum

Dort kannst du dich und dein Buch vorstellen. Verlinke deine neuesten Rezensionen oder auch interessante Artikel, die du gefunden hast. Oft gibt es Aktionen und Themen im Forum, die dir als Selfpublisher weiterhelfen.
Auch Tipps und Inspirationen findest du hier immer wieder, natürlich die Neuigkeiten von uns von neobooks, aber auch von anderen Autoren und Lesern. Zudem kannst du dort Covergestalter, Lektoren und andere Dienstleister rund um deine Buchveröffentlichung finden.

Lieblingsbücher und Autoren

Du kannst auf neobooks deine Lieblingsautoren und Lieblingsbücher markieren, damit dir im Newsfeed angezeigt wird, was es zu diesen neues gibt.
Du kannst dann in „Mein neobooks“ direkt auf deine Lieblingsbücher und – autoren zugreifen und auch anderen neobooks-User zeigen, was dir besonders gut gefällt.

Der NEWSFEED

Im Newsfeed siehst du unter „mein neobooks“ auf einen Blick, was gerade im Forum los ist, wer vielleicht auf deinen Post geantwortet hat oder unterwegs ist im Thread, den du auch kommentiert hast.

Private Nachrichten

Direkt auf neobooks kannst mit anderen Usern in Kontakt treten und Nachrichten austauschen. Hier kannst du auch dein Pseudonym behalten, mit dem du dich auf neobooks angemeldet hast und so ganz professionell als Autor auftreten.
Es gibt auch noch viele weitere Möglichkeiten für Autoren und Leser miteinander in Kontakt zu treten. Social Reading Plattformen, weitere Social Media Kanäle und neue Möglichkeiten, die sich online ergeben. Einiges davon wollen wir dann in unserem Workshop auf dem Selfpublishing-Day aufgreifen.

Von Evi Holzmair und Jennifer Jäger

Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer Serie, die im Vorfeld des Self Publishing Day 2016 erscheint. Der diesjährige SPDay findet am 9.April 2016 in München statt.

Abb.: Mr Michael Phams/Flickr (cc-by-sa-2.0)

Lektorat im Self-Publishing: Teurer Luxus oder Qualitätssicherung?

lektorat-lohnt-sich-auch-fuer-selfpublisherBis vor wenigen Jahren hatten Autoren genau zwei Möglichkeiten: Sie schickten ihr Manuskript an möglichst viele Verlage und hofften auf einen Verlagsvertrag oder sie nahmen das Schicksal (und noch dazu eine Menge Geld) in die eigene Hand und vertrauten sich einem Bezahlverlag an. Manche gaben Bücher oft ungeprüft in Druck und vermarkteten sie mehr oder weniger halbherzig. Heute müssen Autoren keine Bittsteller mehr sein, sondern können selbst Verleger werden. Selbstverleger. Self-Publisher. Allerdings sind sie nun auch für die klassischen Aufgaben des Verlegers selbst verantwortlich.

Self-Publishing heißt Qualitätssicherung in Eigenregie

Buchverlage lehnen 99 Prozent der eingereichten Manuskripte ab. Wieso? Ein Verlag ist (auch) ein Wirtschaftsunternehmen, das sich um Qualität und Marktpräsenz seiner Produkte kümmert. Er finanziert für seine Autoren u. a. Lektorat und Korrektorat, Layout und Covergestaltung, Vertrieb und Marketing – in der Hoffnung, dass sich die Investition über den Verkauf der Bücher rentiert. Allzu viele Fehlentscheidungen darf ein Verlag sich nicht erlauben.

Auch die meisten Self-Publisher bemühen sich um gute Qualität. Sie holen sich z. B. für ein Lektorat Unterstützung bei ihrer SP-Plattform wie BoD, epubli, tredition, neobooks, Ruckzuckbuch oder suchen sich in der Datenbank des Verbands der freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL) den passenden Lektor.

Denn wer möchte schon gern bei Amazon lesen: „Klasse Story, aber die vielen Fehler verleiden einem das Lesen.“ – Wie schade um das Manuskript, in das so viel Zeit und Herzblut gesteckt wurden! Und an dem die Leser durchaus ihre Freude hätten haben können. Klar, nicht alle Leser sind sprach- und fehlersensibel. Aber die meisten schon. Und ein Lektorat hilft, den Text in Bestform zu bringen.

Auf der Frankfurter Buchmesse 2015 kam ich in der SP-Area mit einem empörten Ehepaar ins Gespräch: „Die haben ja Mondpreise hier!“ Ich sah mir das Angebot des renommierten Anbieters an: pro Normseite Lektorat sechs Euro. „Wir haben es dann selbst gemacht, mein Mann hat mehr als eine Woche intensiv daran gesessen!“ („Da sehen Sie, wie viel Zeit man aufwenden muss – und stellen Sie sich vor, Ihr Mann würde damit sein Geld verdienen!“, habe ich nicht gesagt.) Die Dame, stolze Autorin, gab mir eine Werbepostkarte mit. Schon auf dieser fanden sich drei Fehler.

Was kann ein Lektorat für das Manuskript tun?

Es gibt verschiedene Lektoratsstufen und -bausteine:

  • Ein Korrektorat beseitigt Orthografie-, Interpunktions- und Grammatikfehler.
  • Ein Lektorat hat darüber hinaus Stil, Aufbau, Inhalt, Protagonisten, schiefe Sprachbilder usw. im Blick.
  • Merkt die Lektorin, dass etwas grundsätzlich „nicht stimmt“, kann sie ein Plot-Lektorat durchführen, das noch tiefer, nämlich an der Konzeption der Geschichte ansetzt.
  • Ein Coaching begleitet den Autor während des gesamten Schreibprozesses.
  • Soll das Manuskript einer Agentur angeboten werden, bietet sich ein Exposé-Lektorat an.
  • Layout/Formatvorlagenzuweisung bereitet das Hochladen bei einer SP-Plattform vor.

Wo finde ich den passenden Lektor?

Man kann googeln („Suche Lektor“), den Pool der SP-Plattform in Anspruch nehmen oder in der Datenbank des Verbands der freien Lektorinnen und Lektoren gezielt nach dem passenden Lektor suchen (www.lektoren.de). Am besten nimmt man mit einigen Lektoren Kontakt auf, bittet sie evtl. um ein Probelektorat.

Lektoren – bestens informiert und vernetzt

Der Berufsverband der freien Lektorinnen und Lektoren VFLL bietet seinen Mitgliedern neben der Möglichkeit zum beruflichen Austausch regelmäßig Seminare und Themenabende an; gerade letzte Woche gab es in Frankfurt ein spannendes Seminar zur Romandramaturgie sowie ein Treffen zu Methoden der Qualitätssicherung. Durch die Fortbildungen und den kontinuierlichen beruflichen Austausch erweitern Lektoren immer wieder ihre Kompetenzen und können Autoren deshalb die optimale Strategie für ihren Text anbieten.

Und wenn man als beauftragte Lektorin vor einer Frage steht wie „Stimmt das denn? Röhren die Hirsche im Juni? Das tun sie doch nur im Herbst während der Brunft?“, dann zeigt ein solches Netzwerk auch praktisch, was es kann – immer findet sich jemand, der die Antwort weiß: Sie sind ansonsten still.

Friederike M. Schmitz, www.prolitera.de

Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer Serie, die im Vorfeld des Self Publishing Day 2016 erscheint. Der diesjährige SPDay findet am 9.April 2016 in München statt.

Abb.: Anton Vakulenko (cc-by-sa-2.0)

Es grüsst Carsten mit C: Werkstattbericht vom Indie-Publishing

carsten-mit-c-cover„Buchschreiben im stillen Kämmerlein, an Texten feilen … Das ist die eine Seite“, notiert Indie-Autor Carsten Herbst auf seinem Blog. Doch im Mai 2016 soll sein Débutroman „Grüße Carsten mit C. Melanie mit M.“ erscheinen. Deswegen kommt nun die andere Seite: „Das Machwerk auf dem steinigen Weg ins harte Leben ‚da draußen‘ zu begleiten“. Bloggen über’s eigene Schreiben ist schon mal eine gute Idee, doch da geht noch mehr in Sachen Vorab-Reader-Engagement.

Teaser-Texte, Buchtrailer, Playlist

Über den Roman selbst, eine autobiografische, in Südostniedersachsen angesetzte Boy-Meets-Girl-Geschichte mit langem Spannungsbogen („Das Ende der Schule trennt sie. Die Jahre ziehen ins Land. Doch nachts, in den Träumen, begegnet er ihr. Immer wieder…“) kann man außer einem kurzen Teaser-Text, Buchtrailer und Youtube-Clips zu der im Buch zitierten zeitgenössischen Popmusik noch nichts Inhaltliches erfahren – bis zur ersten Leseprobe dauert’s noch ein bisschen.

Cover-Wahl ist Sache der Leser

Doch was es schon gibt, sind drei potentielle Buch-Cover, die Carsten Herbst im Rahmen von zwei Designwettbewerben ermittelt hat. Die zukünftigen Leser haben jezt die Wahl: welches Cover soll’s sein? Auch das Making-Of von „Grüße Carsten mit C. Melanie mit M.“ hat Carsten Herbst in der Rubrik „Werkstattberichte“ auf seinem Blog dokumentiert, zum Beispiel die Budgetplanung, die in diesem Fall Ausgaben für Lektorat, Cover, Marketing sowie Rechtsberatung (z.B. Persönlichkeitsrechte) enthält.

Break Even oder eben nicht

„Ich muss zum Glück vom Schreiben nicht leben“, heißt es in den „Werkstattberichten“ dann übrigens auch. “Ich brauche mir also keinerlei tiefgehende Gedanken über die Einnahmenseite zu machen oder über Dinge wie Break Even“ — was umgekehrt aber eben nicht ausschließt, sich über die Ausgabenseite, Projektplanung und Publikationsstrategie Gedanken zu machen. Ein schönes Beispiel, wie professionell auch das nicht direkt gewinnorientierte Self-Publishing mittlerweile betrieben wird…

„Ich habe abgetippt“ –– Silberlicht-Autorin Katja Piel im Zwielicht

katja-piel-plagiatMinister schreiben bei ihren Doktorvätern ab, Verlagsautoren bei Bloggern, und offenbar auch Selfpublisher bzw. Amazon-Autoren bei klassischen Verlagsautoren. Denn seit der jüngsten Abschreibe-Beichte von Katja Piel hat nun auch die deutsche Indie-Szene einen waschechten Plagiats-Fall zu vermelden: Wie die durch ihre Silberlicht-Serie bekanntgewordene Autorin Anfang der Woche auf ihrer Facebookseite bekanntgab, hat sie in der Vergangenheit beim Self-Publishing mindestens zweimal abgekupfert: „Liebe Leser, liebe Autoren, heute teile ich euch mit, dass die Romane Alles begann mit dir und Das Amulett in mir tatsächlich abgeschriebene Bücher sind“, hieß es dort.

„Vor 30 Jahren als Tippübung abgetippt“

Offenbar basierten die via KDP bzw. Createspace veröffentlichten Texte nämlich auf Denise-Heftromanen aus dem Cora-Verlag –– was kurz zuvor im Fall von „Alles begann mit dir“ bereits von einer Leserin in einer Amazon-Rezension kritisiert worden war, wie Matthias Matting auf selfpublisherbibel.de berichtet. Darauf hätte Piel via Facebook zunächst mit einer Art Schutzbehauptung reagiert: sie „habe vor 30 Jahren als Tippübung auf der Schreibmaschine den besagten Denise-Roman abgetippt“. Als sich der Text dann mit 50 anderen irgendwann auf einem alten USB-Stick fand, habe sie die Geschichte dann für ihre eigene gehalten und veröffentlicht.

Katja Piel gehört zu Amazons Aushängeschildern

Viele Leser wollten der Autorin diese Story aber nicht abnehmen, wurden mißtrauisch, und kurz darauf waren innerhalb der Web-Community auch im Fall von „Das Amulett in dir“ Plagiatsvorwürfe zu hören. Nachprüfen lässt sich das nicht mehr so einfach, beide Texte wurden kurz darauf von Amazon aus den Katalogen von Kindle Store sowie Createspace (Taschenbuch-Version) komplett gelöscht, möglicherweise alleine schon aus juristischen Gründen. Besondere Brisanz für Amazon hat der Fall natürlich dadurch, dass Katja Piel zu den Aushängeschildern von „Amazon Publishing“ gehört: ihre sehr erfolgreiche Silberlicht-Serie wurde von dem Unternehmen seit letztem Jahr ausgiebig promotet.

„Silberlicht“-Serie weiter bei Amazon lieferbar

Wie es nun weitergeht, bleibt abzuwarten. Via Facebook hat Katja Piel selbst bereits angekündigt, den betroffenen Verlag zu informieren, und die mit den Plagiaten erzielten Einnahmen zu erstatten bzw. spenden zu wollen. Direkt nachlesen kann man das auf Piels Profil nicht mehr: die Facebook-Beichte ist inzwischen gelöscht bzw. nicht mehr öffentlich sichtbar, was auch mit der sehr kontroversen Diskussion in den Kommentaren zusammenhängen dürfte. Allerdings haben andere Facebook-Nutzer auf ihren Seiten Screenshots gepostet. Von seiten Amazons gab es bisher keine Reaktion, weder in Worten, noch in Taten: nicht nur die von Amazon Publishing veröffentlichten Silberlicht-Bände, sondern auch Piels via KDP selbst publizierte Serien wie „Kuss der Wölfin“, „Coffee to go“ etc.sind weiterhin lieferbar.

Pre-Order, Serialisierung, Perma-Free Starter: Smashword Survey 2015 gibt Promotion-Tipps

„Upload, distribute, get paid“, so einfach geht Self-Publishing z.B. über die US-Plattform Smashwords, die diesen Dreisatz auch als Werbeslogan verwendet. Mehr als 300.000 Titel wurden alleine zwischen Frühjahr 2014 und Frühjahr 2015 via Smashwords und die angeschlossenen Stores wie Kindle, Kobo & Co. veröffentlicht, der damit erzielte Umsatz lag bei 25 Millionen Dollar.

Optimaler Word-Count liegt knapp unter 100.000

Natürlich verkauft sich nicht jedes E-Book gleich gut – woran das (abgesehen vom Content natürlich) liegt, zeigt der jährlich veröffentlichte „Smashword Survey“, der auch diesmal wieder interessante Einsichten vermittelt. Zum Beispiel, das in der Kürze nicht immer die Würze liegt: auch wenn die durchschnittliche Textlänge der Top-70-Bestseller bei Smashwords in den letzten Jahren gesunken ist, sie liegt immer noch in der Nähe von 100.000 Worten.

Pre-Order boostet die Verkaufszahlen

Ein wichtiges Promotion-Mittel ist das Einsammeln von Vorbestellungen vor dem eigenen Launch-Termin – solche Titel erzielen dreimal mehr Umsätze als solche ohne Vorverkauf, drei Viertel aller Bestseller hatten ursprünglich Pre-Order-Status. Allerdings nutzt nur jeder zehnte Smashword-Autor die auf Plattformen wie Amazon, iBooks oder Barnes&Noble angebotene Vorverkaufs-Option.

Sehr gut funktioniert auch immer noch die Serialisierung, insbesondere, wenn der erste Titel einer Serie zum kostenlosen Download angeboten wird: das Prinzip „Free Series Starter“ steigerte die E-Book-Verkäufe von Smashword-Autoren um satte 66 Prozent.

Gratis-Marketing bleibt wichtiger Push-Faktor

Überhaupt hat Gratis-Marketing immer noch einen starken Einluss auf das Publikum, kostenlose Titel werden zwar nicht mehr um den Faktor 100 gegenüber Bezahl-Titeln bevorzugt, sie erzeugen aber auch aktuell noch 40 mal mehr Downloads, was sich dann auch auf die Backlist-Verkaufszahlen von Autoren/Verlagen auswirkt.

Ideal für das Pricing sind vor allem drei Stufen: 99 Cent, 2,99 und 3,99 Dollar. Die 4 Dollar-Schwelle erzeugt interessanterweise am meisten Verkäufe – wobei an dieser Stelle immer stärker Indie-Autoren mit Verlagen konkurrieren, die ihr E-Book-Pricing nach unten angepasst haben.

Der Leser als Reader: „tolino books“ bringt ausgewählte Self-Publishing-Titel gedruckt in Buchhandlungen

tolino-books-startetAusgewählte Titel von Indie-Autoren auch gedruckt in die Buchhandlung bringen – das versprach Tolino Media schon beim Start der Selfpublishing-Plattform im Frühjahr. Seitdem ist einiges passiert: das Tolino-Team hat 30 bereits als E-Book veröffentlichte Texte in eine Longlist aufgenommen, aus der Buchhändler von Thalia, Hugendubel, Weltbild sowie Sortimenter und Einkäufer eine Shortlist von zehn Selfpublishing-Romanen erstellten, darunter „Kalter Zwilling“ (Catherine Shepherd), „Der 1. Mann“ (Nika Lubitsch) und „Tödliche Saat“ (Elke Bergsma).

„Self-Publishing mit hoher Qualität“

Diese Tolino-Top 10 kommt nun ab Mitte November als Sonderpräsentation unter dem Label tolino books in den Buchhandel vor Ort. „Wir gehen damit einen neuen Weg, weil wir überzeugt sind, dass im Selfpublishing Bücher mit hoher Qualität entstehen“, so Jördis Schulz, Director tolino Publishing bei tolino media. Man glaube daran, dass diese Titel „eine interessierte Leserschaft auch im stationären Handel erreichen können“.

tolino media übernimmt Lektorat & Cover-Design

Ganz dem Zufall überlassen möchte man die Sache aber wohl nicht – ähnlich wie bei vergleichbaren Programmen von Amazon wurde noch einmal ein Menge Arbeit in Layout von Cover und Text gesteckt: man habe „mit Lektoren und Grafikern zusammengearbeitet“, um Printversionen zu erstellen, die sowohl Buchhändler wie auch Kunden überzeugen würden.

Regelmäßige Reihe, produziert von einem Verlag

In Zukunft solle aus dem Pilotprojekt eine regelmäßige Reihe werden: „Es braucht nur eine entsprechende Organisation. Daher würden wir das Projekt gerne mit einem Verlag weiterführen“, so Schulz weiter. Die zehn Auftakt-Titel der tolino Books kann man schon auf der Frankfurter Buchmesse in die Hand nehmen – am tolino media-Stand (Halle 3.0, J35) werden am 17.10. auch viele der Autoren präsent sein.

Die ersten zehn tolino Books:

  1. Kalter Zwilling (Catherine Shepherd)
  2. Der 1. Mann (Nika Lubitsch)
  3. Tödliche Saat (Elke Bergsma)
  4. Sylter Wolken (Sarah Mundt)
  5. Hot Dogs zum Frühstück (Elke Becker)
  6. Snow Angel (Izabelle Jardin)
  7. I‘m dreaming of You (Claire O´Donoghue)
  8. Flammenherz (Petra Röder)
  9. Sturmfänger (Jasmin Romana Welsch)
  10. Die Rückkehr des Sandmanns (Markus Ridder)

Vorbild Kindle Charts: Tolino Media startet eigenes Bestseller-Ranking

tolino-ebook-bestsellerBei Amazon ist es längst Tradition: in den Kindle Charts findet man seit jeher ein tagesaktuelles E-Book-Ranking, das Verlagstitel und via KDP veröffentlichte Indie-Literatur gleichermaßen umfasst und den tatsächlichen Verkaufszahlen entspricht. Mit der tolino eBook Bestsellerliste gibt es seit August zumindest ansatzweise ein Pendant. Wöchentlich wird jetzt shopübergreifend eine Top 20-Liste zusammengestellt: „Die eBook Bestseller werden durch eine elektronische Abfrage der Warenwirtschaftssysteme buchhändlerischer Verkaufsstellen ermittelt (Online-Shops inklusive eReader-Shops in Deutschland, Österreich und der Schweiz)“, so Tolino Media.

Indie-Titel sind mit dabei

Auf diese Weise spiegele die Bestsellerliste den Markt „objektiv wider“, betont Tolino Media. Zuvor existierten lediglich die Verkaufsrankings einzelner Anbieter wie Weltbild, Thalia oder Hugendubel, und zudem die monatlichen E-Book-Charts der GfK. Explizit mit berücksichtigt werden in der neuen Bestseller-Liste all jene Titel, die über Tolinos Self-Publishing-Plattform eingespeist wurden. Aktuell (35. Kalenderwoche) findet sich in den Top 20 etwa mit „Erntezeit“ (Catherine Shepherd),„Der Puzzlemörder von Zons“ (Catherine Shepherd) sowie „Sylter Wolken“ (Sarah Mund) drei via Tolino Media veröffentlichte Indie-Titel.

Verkaufsfördernde Wirkung zweifelhaft

Auch drei via Bookrix bzw. Neobooks publizierte E-Books haben es in die aktuellen Top 20 geschafft, so dass das Verhältnis Verlagstitel vs. Indie-Titel in der 35. Kalenderwoche 14 zu 6 beträgt. Ob die neue Bestseller-Liste von Tolino Media insgesamt eine nennenswerte verkaufsfördernde Wirkung hat, ist allerdings zweifelhaft. In den einzelnen Shops erscheinen schließlich im E-Book-Bereich weiterhin die individuellen Verkaufsrankings. Was eigentlich auch gut so ist, sind sie doch deutlich aktueller. Zur separaten Bewerbung einzelner Titel mag eine gute Platzierung in den Tolino-Charts aber sicherlich nützlich sein.